Werner Mang

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Werner Mang

Werner Lothar Mang (* 4. September 1949 in Ulm) ist ein deutscher HNO-Arzt, der auf dem Gebiet der Ästhetischen Chirurgie tätig ist. Er besitzt sowohl einen deutschen als auch einen schweizerischen Pass.

Leben[Bearbeiten]

Werner Mang wurde 1949 als Sohn eines Forstdirektors in Ulm geboren und wuchs in Lindau am Bodensee auf. Nach dem Besuch der Grundschule legte er 1968 am Bodensee-Gymnasium Lindau sein Abitur ab.

Mang studierte an der Technischen Universität München Medizin. Bereits während seines Studiums suchte Mang den Kontakt zu Ivo Pitanguy in Rio de Janeiro, einem Pionier der plastischen Chirurgie. Im Jahr 1974 schloss er sein Studium ab und wurde im gleichen Jahr mit der Arbeit „Die konservative und operative Behandlung distaler Humerusbrüche“ an der Technischen Universität München promoviert.[1]

1980 wurde er Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde. Anschließend wendete er sich dem Gebiet der Plastischen Chirurgie zu und war ab 1982 als Oberarzt am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München unter der Leitung von Werner Schwab tätig.

1984 habilitierte er sich[2] mit der Schrift „Das Plattenepithelkarzinom der Tonsilla palatina und dessen Einfluß auf das immunologische System beim Menschen“.[3]

Tätigkeit[Bearbeiten]

Bodenseeklinik-Lindau

Mang ist ärztlicher Direktor der „Bodenseeklinik“ in Lindau. Sie geht zurück auf eine 1990 gegründete kleine Privatklinik für Plastische Chirurgie mit operativer Tätigkeit am Kreiskrankenhaus Lindau. Die Klinik wuchs von zunächst sechs auf zehn und dann zwanzig Betten an. Im Jahr 2000 erfolgte der Spatenstich für den 25-Millionen-Euro-Neubau[4] auf der „Hinteren Insel“, dem westlichen Inselteil, in unmittelbarer Nachbarschaft der ehemaligen Luitpoldkaserne. Der Neubau direkt am Ufer des Bodensees in einer parkähnlichen Landschaft wurde 2003 seiner Bestimmung als Fachklinik für plastisch-ästhetische Chirurgie übergeben. Sie hat 50 Betten auf zwei Stationen, fünf Operationssäle, einen Hörsaal und ein Forschungslabor. Die Klinik beschäftigt zwei Oberärzte für plastische Chirurgie. Es werden ca. 2000 - 3000 Schönheitsoperationen jedes Jahr in dieser Klinik durchgeführt[5].

Mang gründete 1987 die Deutsche Gesellschaft für Ästhetische Medizin, in der er zwölf Jahre lang das Präsidentenamt innehatte.

Seit 2007 ist Mang Vorstandsvorsitzender und medizinischer Leiter der Mang Medical One Klinikgruppe[6], die derzeit aus neun Kliniken und elf „Aesthetic Centern“ deutschlandweit besteht.

Über die Familienstiftung Professor Mang kaufte Mang mehr als ein Dutzend Altstadthäuser in Lindau und sanierte diese.

Breite öffentliche Bekanntheit erreichte Mang durch Interviews in Boulevardmedien, diversen Auftritten in Dokumentationen bzw. Doku-Soaps, mehreren Sachbüchern und dem Vertrieb einer Serie an Kosmetikprodukten im Teleshopping.

Im Oktober 2012 erwarb Mang das mittelalterliche Schloss Altenburg bei Feldkirchen-Westerham, um dort eine Fachklinik für Psychosomatik zu errichten.[7][8]

Kritik[Bearbeiten]

Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel warf Mang vor, im Fall von Rechtsstreitigkeiten mit Patienten in mehreren Fällen veränderte Krankenakten vorgelegt zu haben.[9] Dem Spiegel liegen als Beweis Kopien von Originalakten und veränderten Akten vor. Zu einer Verurteilung wegen Urkundendelikten kam es jedoch nicht.[10]

Weiter ist belegt, dass im Jahr 2009 ein Arzt, Joachim Hecker, ohne Approbation eigenständig Operationen in der Bodenseeklinik durchgeführt hatte.[9] Gegen Hecker wurde vom Amtsgericht Kempten ein internationaler Haftbefehl erlassen, der jedoch nach kurzer Zeit wieder aufgehoben wurde.[11] Nach umfangreichen staatsanwaltschaftlichen Durchsuchungen der Bodenseeklinik im Dezember 2011 leitete die Kemptener Staatsanwaltschaft im Februar 2012 ein Ermittlungsverfahren auch gegen Mang selbst ein. Ihm wurde Beihilfe zu gefährlicher Körperverletzung in 274 Fällen vorgeworfen, da er offenbar über längere Zeit wusste, dass der betreffende Arzt keine Approbation besaß und ihn dennoch Operationen durchführen ließ.[12] Aufgrund der Berichterstattung im Spiegel hatten auch die Präsidenten von drei medizinischen Fachgesellschaften – W. Gubisch, Präsident der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC), P. Vogt für die Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) und G. Sattler für die Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie Deutschland (GÄCD) – die zuständige Staatsanwaltschaft aufgefordert, die Praktiken Mangs zu untersuchen. Mang selbst bestritt die Vorwürfe. Am 25. Januar 2013 wurde bekannt, dass Mang im Januar 2013 vom Amtsgericht Lindau wegen vorsätzlicher Körperverletzung in letztlich noch acht Fällen rechtskräftig zu einer Gesamtgeldstrafe von 200 Tagessätzen verurteilt wurde. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Mang von Januar bis April 2009 in seiner Klinik den Arzt Joachim Hecker habe operieren lassen, obwohl er wusste, dass dieser über keine gültige Approbation verfügte.[13]

Kritik aus Fachkreisen ruft auch der Internetauftritt seiner Klinik hervor. Insbesondere werde oft der Eindruck erweckt, Werner Mang sei Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, obwohl er diese Qualifikation nicht besitzt (er ist Facharzt für HNO-Heilkunde mit der Zusatzqualifikation Plastische Operationen). Auch die dargestellte wissenschaftliche Bedeutung Mangs für das Gebiet der ästhetischen Chirurgie wird in Fachkreisen als gering eingeschätzt.[14][9]

In der Hohenloher Zeitung wird ein Fall beschrieben, in dem Vorher/Nachher-Fotos einer Brust-OP ohne Einwilligung auf der Website veröffentlicht wurden. Die Bodenseeklinik zahlte der Patientin 3000 € Schadenersatz.[15]

Schriften[Bearbeiten]

  • Die Meridiane Yin und Yang sowie die Lage und Bedeutung ihrer Haupt-, Spezial-, Reunions-, Kardinal- und Meisterpunkte, Biologisch-Medizinische Verl.-Ges. 1979, ISBN 3921988233, zusammen mit Johannes Bischko
  • Mang, W. L. (1987) Manual of aesthetic surgery. (online als PDF-Datei)
  • Schönheit maßgeschneidert: alles über Schönheitsoperationen, Econ 2005, ISBN 3430162645
  • Ästhetische Chirurgie, Einhorn-Presse 2006, ISBN 3887565274
  • Mein Schönheitsbuch: die Wahrheit - Haifischbecken Schönheitschirurgie, Trias 2006, ISBN 3830431333
  • Tipps und Tricks für den ästhetisch-plastischen Chirurgen, Springer 2007, ISBN 3540284095
  • Verlogene Schönheit: Vom falschen Glanz und eitlen Wahn, C. Bertelsmann Verlag 2009, ISBN 3570100189

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. SWB Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg; abgerufen am 13. November 2011
  2. Die Bodenseeklinik Lindau - „Die größte Schönheitsklinik Deutschlands“
  3. BVB BibliotheksVerbund Bayern; abgerufen am 16. November 2011.
  4. Ulrike Heidenreich: Schönheitschirurg Mang in China. In: Süddeutsche Zeitung vom 3. März 2010
  5. Nicole Riess: Drei Fragen an den Experten. In: Südkurier vom 22. Januar 2011
  6. medical-one.de
  7. Medizin für seelische Narben ovb-online abgerufen am 1. November 2012
  8. Schönheitschirurg Mang kauft Schloss Altenburg immobilien-newsticker.de abgerufen am 1. November 2012
  9. a b c  Markus Grill und Hans Weiss: Der Aufschneider. In: Der Spiegel. Nr. 40, 2011, S. 67-76 (online).
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatHohe Geldstrafe für Schönheitschirurgen Mang. In: Ausburger Allgemeine. 2013.01.25, abgerufen am 19. August 2013.
  11. Haftbefehl gegen Schönheitschirurgen aufgehoben Ärztezeitung vom 14. Februar 2012; zuletzt abgerufen am 18. Mai 2012
  12. Schönheitschirurg unter Verdacht - Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Werner Mang Spiegel Online vom 9. Februar 2012; Abgerufen am 9. Februar 2012
  13. Markus Grill: Vorsätzliche Körperverletzung: Schönheitspapst Mang zu Geldstrafe verurteilt. In: Spiegel Online. 25. Januar 2013, abgerufen am 25. Januar 2013.
  14. „Schwere Vorwürfe gegen Werner Mang“ Spiegel Online vom 1. Oktober 2011
  15. Hagen Stegmüller: Schadenersatz für Hohenloherin nach Brust-OP. Hohenloher Zeitung, abgerufen am 21. Oktober 2011.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Werner Mang – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien