Werner Milch (Jurist)

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Werner Milch (* 15. November 1903 in Wilhelmshaven; † 17. November 1984 in Hemer) war ein deutscher Jurist und Offizier der Wehrmacht. Sein Bruder war der Generalfeldmarschall und Luftwaffen-Generalinspekteur im Dritten Reich Erhard Milch, zu dessen Verteidigern er in dem 1947 geführtem, sogenannten Nürnberger Milch-Prozess gehörte.

Leben[Bearbeiten]

Studium und Karrierebeginn[Bearbeiten]

Werner Milch wurde als Sohn des Apothekers Anton Milch geboren, der zu dieser Zeit Oberstabsapotheker der Marine war. Später wuchs Werner Milch in Berlin auf[1], besuchte bis zum Abitur 1923 das Grunewald-Gymnasium, studierte Jura und schloss das Studium 1930 mit der Promotion über ein Luftfahrtrechtliches Thema als Doctor iuris utriusque an der Friedrich-Wilhelms-Universität ab.[2] Doktorvater war Martin Wolff.[3] Bis 1933 arbeitete der Jurist Werner Milch in der Kanzlei von Erich Koch-Weser, dann, bis zur Einberufung zur Wehrmacht, bei den Berliner Gas-Werken.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Am 1. März 1939 wurde Milch als Angehöriger der III. Abteilung des Artillerie-Regiments (mot.) 2 zum Leutnant der Reserve befördert. Während des Zweiten Weltkrieges nahm er am Polenfeldzug und am Westfeldzug mit dem Artillerieregiment 603 teil. Im August 1942 wechselte Milch zur Luftwaffe und übernahm eine Batterie im Fallschirm-Artillerie-Regiment Nr. 2. Es folgten Einsätze in Afrika, Italien und Russland.

Ab August 1944 war er Kommandeur des Fallschirm-Granatwerfer Lehr- und Versuchsbataillons, das im Raum Nancy eingesetzt wurde.[4] Für die Zerschlagung des amerikanischen Brückenkopfes bei Flavigny-sur-Moselle am 11. September 1944 erhielt er am 9. Januar 1945 als Hauptmann der Reserve das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes.[5] [6] Nach dem Rückzug von Flavigny-sur-Moselle[7] wurde das Bataillon gegen Mitte Dezember in Ruhestellung nach Weißewarte verlegt und jetzt Fallschirmjäger-Granatwerfer-Ausbildungsbataillon genannt. Ende März wurde es erneut in Marsch gesetzt, am 20. März 1945 traf es in Hamminkeln ein, wo am 24. März 1945 im Rahmen der Operation Varsity Fallschirmspringer der Alliierten abgesetzt wurden[8] Es folgten Rückzugsgefechte entlang der Route Isselburg, Winterswijk, Lingen (Ems), Rheine, Bad Bentheim, Meppen, Haselünne, Friesoythe, Edewecht, Osterscheps nach Jaderberg / Seefeld (Stadland), wo das bis dahin selbständige Bataillon das Kriegsende nach der Teil-Kapitulation der Wehrmacht in Nordwestdeutschland auf dem Timeloberg bei Wendisch Evern am 4. Mai [9] „mit militärischen Ehren“ erlebte. Der Adjutant des Kommandeurs hatte sich vorher mit dem Troß unerlaubt vom Bataillon abgesetzt, wohingegen Hauptmann Milch selbst kurz vor diesem Datum noch am Edewechter Damm eigenhändig einen feindlichen Panzer abschoß. Von Jaderberg ging Milch mitsamt seinem Bataillon und unter Beibehaltung der Kommandostruktur und Verantwortungen im Fußmarsch mitsamt 120 Pferden um den Jadebusen herum ins Internierungslager Hooksiel.[10][11]

Werner Milchs Beförderung zum Major der Reserve kurz vor Kriegsende wird in einigen Quellen zitiert; ob sie tatsächlich noch in Kraft trat, ist nicht bekannt.

Nach dem Krieg[Bearbeiten]

Nach der Entlassung aus der Kriegsgesfangenschaft war Milch erneut als Jurist tätig. Unter anderem verteidigte er als assoziierter Anwalt von Friedrich Bergold seinen Bruder Erhard Milch im Milch-Prozess. Mit ihrer Verteidigungsstrategie, den Angeklagten als unpolitischen Militär darzustellen, der unter Befehlszwang stand und keine persönliche Verantwortung besaß, scheiterten sie. Der Prozess fand öffentliche Beachtung, wobei mitunter auch die Verteidigung Erhard Milchs durch seinen Bruder Werner Milch thematisiert wurde.[12]

Werner Milch (rechts) mit seinem Bruder Erhard Milch als Angeklagtem im Besucherzimmer des amerikanischen Militärgerichtshofs in Nürnberg

Später arbeitete er bis zu seinem Tod als Rechtsanwalt in Hemer. 1961 veröffentlichte Werner Milch einen Aufsatz über seine Erlebnisse als Fallschirmartillerist in Italien.

Publikationen[Bearbeiten]

  • Die Luftfahrzeughypothek. Dissertation, Neustrelitz 1930
  • Als Fallschirmartillerist in Rom. Bei den Mönchen des Klosters „Tre Fontane“. In: Der deutsche Fallschirmjäger, 1961, Heft 2, S. 9ff.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peter Alexander Bösel: Berlin-Grunewald in historischen Ansichten. Sutton, Erfurt 2005, ISBN 3897028530 S. 17
  2. Werner Milch: Die Luftfahrzeughypothek. Neustrelitz, 1930
  3. Felix Kraushaar: Aufbruch zu neuen Ufern: Die privatrechtlichen und rechtshistorischen Dissertationen der Berliner Universität im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts im Kontext der Rechts- und Fakultätsgeschichte. Berlin, 2014, S. 157, 158
  4. Willi Kammann: Der Weg der 2. Fallschirmjäger-Division. Schild-Verlag, München 1972, ISBN 3880140502, S. 102.
  5. Veit Scherzer: Die Ritterkreuzträger 1939–1945. 2. Aufl. mit Berichtigungen, Erg. und Neueinträgen, Scherzers Militaer-Verlag, Ranis 2007, ISBN 9783938845172, S. 545.
  6. http://gliederungundstellenbesetzung.blogspot.de/2008/08/fallschirm-granatwerfer-bataillon-2.html
  7. http://www.coulthart.com/134/bridge.htm
  8. Hinweise in einem Forum, abgerufen am 18. Januar 2015
  9. http://www.volksbund.de/fileadmin/redaktion/BereichInfo/Textsammlungen/Ausstellungen/0400_ausstellung_timeloberg/Timeloberg.pdf
  10. Jörg Deuter: Das verkehrte Bild : zur Revision einer Ikone. Werner Heldts „Tote Krähe am Fenster“, das Programmbild der Kriegsgefangenschaft. In: Kevin E. Kandt, Hermann Vogel von Vogelstein (Hrsg.): Aus Hippocrenes Quell' : ein Album amicorum kunsthistorischer Beiträge zum 60. Geburtstag von Gerd-Helge Vogel, Berlin 2011, ISBN 9783867321044, S. 230–252, S. 233.
  11. Diesen Ausführungen liegen Dr. Werner Milchs unpublizierte Memoiren zugrunde, die sein Sohn, Eckart Milch, verwahrt.
  12.  Kriegsverbrecherprozeß auf Polstern: Milch noch nicht vernommen. In: Der Spiegel. Nr. 2, 1947, S. 6 (online).