Werner Ruhnau

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Werner Ruhnau (2007)
Das Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen

Werner Ruhnau (* 11. April 1922 in Königsberg) ist ein deutscher Architekt und Hochschullehrer.

Leben[Bearbeiten]

Werner Ruhnau studierte von 1941 bis 1950 an der Technischen Hochschule Danzig, der Technischen Hochschule Braunschweig und der Technischen Hochschule Karlsruhe; er schloss sein Studium als Diplom-Ingenieur ab. Während seiner Arbeit im Baubüro der Landwirtschaftskammer Münster (1950 bis 1952) wohnte Ruhnau teilweise auf Baustellen. Hier kam ihm die Idee einer Wiederbelebung der mittelalterlichen Bauhütte. 1953 gründete er mit Harald Deilmann, Ortwin Rave und Max von Hausen das Architektenteam im Baubüro der Landwirtschaftskammer. Sie realisierten unter anderem das Stadttheater in Münster und gewannen den Wettbewerb für das Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen. Vor der Realisierung des Theaters in Gelsenkirchen stieg Harald Deilmann aus dem Team aus.

1956 gründete Ruhnau in Gelsenkirchen ein eigenes Büro und erhielt dort den Auftrag zum Bau des Musiktheaters. Gemeinsam mit den Künstlern Yves Klein, Paul Adams, Paul Dierkes, Norbert Kricke und Jean Tinguely schuf er mit diesem großen, vom Bauhaus beeinflussten Theaterbau seine wichtigste Arbeit. Hier setzten Ruhnau und die Künstlergruppe die Idee der Bauhütte in die Tat um. Man wohnte auf der Baustelle, Ingenieure und Künstler arbeiteten Hand in Hand.

Von 1965 bis 1967 hatte Ruhnau eine Professur an der Laval-Universität und der École d'Architecture Montreal inne. Von 1971 bis 1972 lehrte Ruhnau an der Universität Köln, Institut für Theaterwissenschaft. Er ist Mitglied des Deutschen Werkbundes, dessen Landesvorsitzender er auch zeitweise war. – Zurückgreifend auf die Ideen von Karl Ernst Osthaus, dem Begründer des Folkwang-Gedankens, und die Vorstellungen vom Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne von Hugo Kükelhaus[1], entwickelte Ruhnau z.B. in der stillgelegten Zeche Carl in Essen 1985 eine ihm eigene Festregie – „Sinnario“ –, die auf die Vielfalt und Einheit der Künste abhebt.[2]

Testamentarisch hat sich Werner Ruhnau verpflichtet, sich in der Kasseler Künstler-Nekropole beerdigen zu lassen.

Für sein Engagement als Botschafter der Theaterarchitektur erhielt Ruhnau am 7. Juli 2012 das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland[3].

Projekte[Bearbeiten]

Literatur / Quellen[Bearbeiten]

  • Werner Ruhnau: Kunst am neuen Theater. In: Bauwelt, 48. Jahrgang 1957, Heft 51, S. 1342-1343.
  • Heiner Stachelhaus (Hrsg.): Ives Klein / Werner Ruhnau. Dokumentation der Zusammenarbeit in den Jahren 1957–1960. Bongers, Recklinghausen o. J. (1976).
  • Van Ham Datenbank-Archiv, Werner Ruhnau: „Klimatisierung des Raumes“. Hommage à Yves Klein.[4]
  • Gerd Hergen Lübben: Cante jondo des Ensembles. »Semaphorismus«. (Zur Skizze von Naftali Bezem, Fassung für Werner Ruhnau, den Architekten des Raumtheaters) In: Gerd Hergen Lübben: „Feuerfuss meinetwegen“ oder „Die Zebattu-Pentade“ – Fünf Stücke. Emphasen für Bühne. Essen 1993, ISBN 3-89206-511-X, S. 160.
  • Baukunst und Bildende Kunst 1954–1995. Retrospektive von Werner Ruhnau. 1995. (Prospektgestaltung: G. Ruhnau)
  • Es war damals erlaubt, in solchen utopischen Dimensionen zu denken. Noemi Smolik sprach mit Werner Ruhnau über dessen Zusammenarbeit mit Yves Klein. In: Kunstforum International, Nr. 129 (1995), S. 392-394.
  • Bund Deutscher Architekten – Bezirksgruppe Ruhrgebiet (Hrsg.), Michael Hesse u.a.: Werner Ruhnau. Gelsenkirchen 2002.
  • M:AI Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW (Hrsg.): Werner Ruhnau. Der Raum, das Spiel und die Künste. Gelsenkirchen 2007.[5]
  • Ulrich Brinkmann: Werner Ruhnau in Gelsenkirchen. In: Bauwelt, 98. Jahrgang 2007, Nr. 18, S. 6-7.
  • 50 Jahre Theaterbau Gelsenkirchen 1959–2009. Werner Ruhnau. Konzeptionen und ihre Geschichte. o.O. 2009, ISBN 978-3-00-029247-7.
  • LABKULTUR.TV europäisches Webmagazin über Stadt, Wandel, Zukunft: Der Essener Architekt Werner Ruhnau – Ein Traum in Ultramarinblau. (18. Juni 2012. – Abgerufen: 9. August 2014.)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Werner Ruhnau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise / Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Vgl. Elisabeth Stelkens, Auf den Spuren des Erfahrungsfeldes zur Entfaltung der Sinne von Hugo Kükelhaus; Essen 2007.
  2. Feste – Vielfalt und Einheit der Künste.
  3. Werner Ruhnau mit Verdienstorden ausgezeichnet, In: Welt online, 7. Juli 2012
  4. Werner Ruhnau (Hrsg.): Baukunst. Essen 1992, S. 76 f.
  5. Der 2007 erschienene Katalog zur Ausstellung „Der Raum, das Spiel und die Künste“ dokumentiert das Schaffen Werner Ruhnaus als junger Architekt, geprägt von Bauhaus, Werkbund und Klassischer Moderne.