Wertach (Fluss)

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Wertach
Verlauf der Wertach

Verlauf der Wertach

Daten
Gewässerkennzahl DE: 124
Lage Bayern
  Regierungsbezirk Schwaben
Flusssystem Donau
Abfluss über Lech → Donau → Schwarzes Meer
Ursprung der Wertach selbst:
Zusammenfluss von Kaltenbrunnenbach und Eggbach zwischen Ober- und Unterjoch
47° 31′ 43″ N, 10° 25′ 19″ O47.52855833333310.421922222222
des Kaltenbrunnenbachs:
in den Allgäuer Alpen etwa 2,2 km südöstlich über Bad Hindelang-Oberjoch
47° 30′ 12″ N, 10° 25′ 44″ O47.5033510.4288805555561073
Quellhöhe ca. 1073 m ü. NN[1] 
Zsfls. Kaltenbrunnenbach/Eggbach
ca. 1720 m ü. NN[1] 
Urspr. d. Kaltenbrunnenbachs
Mündung Nahe der Augsburger Wolfzahnau in den Lech48.40444444444410.888333333333461Koordinaten: 48° 24′ 16″ N, 10° 53′ 18″ O
48° 24′ 16″ N, 10° 53′ 18″ O48.40444444444410.888333333333461
Mündungshöhe 461 m ü. NNVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Höhenunterschied ca. 612 m
Länge ca. 137,2 km[2] 
ab Zsfls. Kaltenbrunnenbach/Eggbach
141 km[3] 
ab Urspr. d. Kaltenbrunnenbachs
Einzugsgebiet 1441,24 km²[3]
Abfluss am Pegel Türkheim[4]
AEo: 671 km²
Lage: 45,4 km oberhalb der Mündung
NNQ (18.11.1962)
MNQ 1963/2006
MQ 1963/2006
Mq 1963/2006
MHQ 1963/2006
HHQ (23.05.1999)
2,5 m³/s
4,06 m³/s
16,9 m³/s
25,2 l/s km²
177 m³/s
390 m³/s
Abfluss am Pegel Augsburg Oberhausen[5]
AEo: 1256,9 km²
Lage: 3,04 km oberhalb der Mündung
MNQ 1990/2009
MQ 1990/2009
Mq 1990/2009
MHQ 1990/2009
HHQ (1999)
6 m³/s
20 m³/s
15,9 l/s km²
185 m³/s
430 m³/s
Linke Nebenflüsse Wertacher Starzlach, Waldbach, Kirnach
Rechte Nebenflüsse Lobach, Geltnach, Gennach, Singold
Großstädte Augsburg
Mittelstädte Kaufbeuren
Kleinstädte Marktoberdorf, Schwabmünchen, Bobingen
Die Wertach in Augsburg

Die Wertach in Augsburg

Das Wertachtal bei Maria Rain
Auwald der Wertach bei Inningen

Die Wertach ist ein mitsamt seinem längstem Quellbach 141 km langer linker Zufluss des Lechs im Regierungsbezirk Schwaben in Bayern. Die zwei Gebirgsbäche, aus denen die Wertach zusammenfließt, vereinen sich auf 1078 m ü. NN, die Wertach mündet auf 461 m ü. NN in Augsburg. Sie entwässert ein Einzugsgebiet von 1440 km².

Etymologie[Bearbeiten]

Der Name kommt von der lateinischen Form Virdo (oder Virda), der möglicherweise keltischen Ursprungs ist; hier bedeutet er „kräftig“ oder „schnell“. Möglicherweise stammt er nach der Farbe des Wassers vom lateinischen „viridis“, zu deutsch: „grün“. Seit dem 10./11. Jahrhundert sind die Formen „Werthahe/-a“, „Wertha“ belegt.

Ehemalige Wasserarme der Wertach wurden früher „Rössen“ genannt. „Au“ (auch „Flussaue“) bezeichnet eine vom wechselnden Hoch- und Niedrigwasser geprägte Niederung entlang eines Baches oder Flusses. Daraus entstand der Flurname „Rosenau“ in Augsburg, namensgebend für das Rosenaustadion und das Rosenauviertel.

Geografie[Bearbeiten]

Nach der Iller ist die Wertach der größte in den Allgäuer Alpen entspringende Fluss. Von dort aus fließt sie nach Norden in Richtung Augsburg, wo sie in den Lech mündet. Mit jeweils knapp 50 Kilometern sind ihre beiden längsten Nebenflüsse die Gennach und die Singold.

Verlauf[Bearbeiten]

Die Wertach entsteht im südöstlichen Oberallgäu nahe der Grenze zu Österreich durch den Zusammenfluss des Kaltenbrunnenbach und des Eggbach auf halber Strecke zwischen Oberjoch und Unterjoch. Beide Dörfer gehören zum Gemeindegebiet von Bad Hindelang. Die frühere Ausprägung als typischer Gebirgs- und Voralpenfluss mit breitem, sich ständig verlagerndem Flussbett, ausgedehnten Schotterbänken ist nur noch im Oberlauf anzutreffen, nahe der Marktgemeinde Wertach wird der Fluss bereits zum ersten Mal vom Damm des Grüntensees aufgestaut.

Auf ihrem weiteren Weg durchfließt sie über Oy-Mittelberg und Nesselwang einen landschaftlich recht ursprünglichen Teil des Wertachtals, doch ab Marktoberdorf ist es mit der „Wildflussromantik“ vorbei, da der Fluss hier und auf seinem weiteren Lauf bereits am Ende des 19. Jahrhunderts begradigt wurde.

Von Biessenhofen über Kaufbeuren, Rieden (bei Kaufbeuren), Bad Wörishofen und Türkheim durchfließt die Wertach den Bachtelsee, Bärensee, Schlingener See, Frankenhofner See, Bingstetter See sowie Irsingener See.[6] Auf den letzten Kilometern zur Lech hin passiert die Wertach Ettringen, wo ihr Wasser schon früh für die Papierfabrik genutzt wurde, Großaitingen, Bobingen und schließlich einen weiteren Stausee südlich des Augsburger Stadtteils Inningen. Im nördlichen Stadtgebiet Augsburgs mündet sie in den Lech, der sich dann nach weiteren 39 Kilometern östlich von Donauwörth mit der Donau vereinigt.

Bei Türkheim liegt die von den Geologen so genannte Wertachgabel. Hier geht der flache Talboden nach Westen hin ohne Höhenunterschied in den weiten Talboden der links benachbarten und kleineren Flossach über. Nach der letzten Eiszeit floss die Wertach hier zeitweise ganz oder teilweise durch die Täler von Flossach und dann Mindel zur Donau hin ab[7]. Dies belegen etwa Sedimente im Mindeltal, deren Ursprungsgestein im Einzugsgebiet der Wertach, aber nicht der Mindel vorkommen.

Zuflüsse[Bearbeiten]

Zu den größten am Alpenrand entspringenden Nebenflüssen, welche in die Wertach einmünden, zählen die Wertacher Starzlach und der Waldbach. Durch die Zuflüsse von Lobach, Kirnach und Geltnach verdoppelt sich das bisherige Einzugsgebiet. Im unteren Alpenvorland fließt die Gennach als längster Nebenfluss in die Wertach. Als letzten Zufluss nimmt sie in Göggingen über den aus- und dann wieder rückgeleiteten Fabrikkanal die Singold auf.

Linke Zuflüsse Rechte Zuflüsse
  • Kaltenbrunnenbach (Quellbach)
  • Weißenbach
  • Wertacher Starzlach
  • Peterlesbach
  • Eberlesbach
  • Sennenbach
  • Waldbach
  • Luttenbach
  • Fürgenbach
  • Kirnach
  • Eybach
  • Irseer Bach
  • Riedgraben
  • Scharlach
  • Diebelbach

Geschichte in der Römerzeit[Bearbeiten]

Im unwegsamen Voralpengebiet diente der Fluss als wichtige Verkehrsverbindung zwischen Augusta Vindelicorum (dem heutigen Augsburg), der damaligen Hauptstadt der römischen Provinz Raetia und der bedeutenden Stadt Cambodunum, dem heutigen Kempten. Parallel zur Wertach, auf der Hochterrasse zum Lech hin, verlief die Allgäustraße. Augsburg wurde am Nordende der Lechfeld-Hochterrasse errichtet, wo es nach Westen, Norden und Osten hin von den beiden Flüssen geschützt wurde und durch diese natürlichen Wasserbarrieren gut zu verteidigen war.

Eingriffe bei Augsburg[Bearbeiten]

Die durch die ausgeleiteten Kanäle deutlich wasserreduzierte und tief fließende Wertach bei Augsburg-Pfersee nach Renaturierungsmaßnahmen (2014)

Zum Hochwasserschutz des stark überschwemmungsgefährdeten Gebietes westlich von Augsburg – der Wertachsteg zwischen Pfersee und Augsburg wurde fast regelmäßig durch Hochwasser zerstört − wurden im Jahr 1856 Dämme angelegt, die eine nachhaltige Verbesserung brachten. 1884 legte man zur Versorgung einer Fabrik in Göggingen einen großen rechtsseitigen Kanal der Wertach an, den Fabrikkanal. Durch diesen sowie durch dessen 1920 fertiggestellte Verlängerung, den Wertachkanal, wurde die Wassermenge der Wertach in diesem Abschnitt deutlich reduziert und ihr Pegel abgesenkt. Dies, sowie die fortschreitende Vertiefung des Flusses, kam dem Hochwasserschutz von Augsburg-Pfersee zugute. Trotzdem gab es auch danach wieder Überflutungen in den Jahren 1932, 1965, 1999 und 2005.[8]

Renaturierung[Bearbeiten]

Hauptartikel: Wertach-Vital

Durch die Begradigung und Kanalisierung des ehemaligen Wildflusses mit ausgedehnten Kiesbänken und Auwäldern wurde die Hochwassergefahr insgesamt nicht gebannt, sondern vergrößert.

Während des letzten großen Hochwassers an Pfingsten 1999 führte die Wertach am Pegel Augsburg-Oberhausen 423 m³/s und verursachte in den Augsburger Stadtteilen Göggingen und Pfersee Schäden im dreistelligen Millionen-DM-Bereich. Ohne tiefgreifende Änderungen wären ähnliche Ereignisse immer wieder zu erwarten, weshalb der Freistaat Bayern und die Stadt Augsburg mit dem Projekt Wertach-Vital (seit 1997) den Fluss wieder in ein naturnahes Gleichgewicht bringen wollen. Um zu vermeiden, dass er sich immer mehr in den Untergrund eintieft, werden die Ufer aufgeweitet und die Flusssohle durch Steinrampen befestigt. Aufgeschüttete Kiesinseln und große Felsbrocken vermindern die Fließgeschwindigkeit. Für die Aufweitung des Flussbettes wurden 25 Hektar Auwald abgeholzt, die an anderen Stellen ersetzt wurden. Seit Oktober 2000 ist der Abschnitt zwischen dem Stausee und der Gögginger Brücke weitgehend renaturiert worden.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b BayernAtlas der Bayerischen Staatsregierung (Hinweise)
  2. Gesamtlänge abzüglich der abgemessenen Länge des Kaltenbrunnenbachs von etwa 3,8 km auf: BayernAtlas der Bayerischen Staatsregierung (Hinweise).
  3. a b Verzeichnis der Bach- und Flussgebiete in Bayern – Flussgebiet Lech, Seite 44 des Bayerischen Landesamtes für Umwelt, Stand 2012 (PDF, 1,8 MB)
  4. Deutsches Gewässerkundliches Jahrbuch Donaugebiet 2006. Einzelblatt Pegel Türkheim. Bayerisches Landesamt für Umwelt, abgerufen am 15. Februar 2013 (PDF, deutsch, Auf: hnd.bayern.de).
  5. Wertach vital - ein innovatives Konzept zur Fluss-Sanierung Wasserwirtschaftsamt Donauwörth, 2009 (pdf; 7,0 MB)
  6. Bundesamt für Kartographie und Geodäsie, Landesamt für Vermessung und Geoinformation Bayern: Digitale Topographische Karte 1:200 000, [1], abgerufen am 29. Juli 2012
  7. Zenetti, P. 1904: Der geologische Aufbau des bayerischen Nord-Schwabens u. der angrenzenden Gebiete. - Verlag von Theodor Lampert, Augsburg, 143 S. (S. 126)
  8. Bürgeraktion Pfersee, Stadtteilrundgang

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wertach (Fluss) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien