Wessobrunn

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Wessobrunn
Wessobrunn
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Wessobrunn hervorgehoben
47.88333333333311.033333333333702Koordinaten: 47° 53′ N, 11° 2′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Weilheim-Schongau
Höhe: 702 m ü. NHN
Fläche: 51,11 km²
Einwohner: 2153 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 42 Einwohner je km²
Postleitzahl: 82405
Vorwahl: 08809
Kfz-Kennzeichen: WM, SOG
Gemeindeschlüssel: 09 1 90 158
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Zöpfstraße 1
82405 Wessobrunn
Webpräsenz: www.wessobrunn.de
Bürgermeister: Helmut Dinter (Die Liste für ALLE)
Lage der Gemeinde Wessobrunn im Landkreis Weilheim-Schongau
Starnberger See Ammersee Landkreis Ostallgäu Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen Landkreis Garmisch-Partenkirchen Landkreis Starnberg Landkreis Landsberg am Lech Wildsteig Wielenbach Wessobrunn Weilheim in Oberbayern Steingaden Sindelsdorf Seeshaupt Schwabsoien Schwabbruck Schongau Rottenbuch Raisting Prem Polling (bei Weilheim) Penzberg Peiting Peißenberg Pähl Obersöchering Oberhausen (bei Peißenberg) Ingenried Iffeldorf Huglfing Hohenpeißenberg Hohenfurch Habach Eglfing Eberfing Burggen Böbing Bernried am Starnberger See Bernbeuren Antdorf Altenstadt (Oberbayern)Karte
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Wessobrunn ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau.

Der Ort ist überregional bekannt durch das Wessobrunner Gebet, das um 814 in althochdeutscher Sprache niedergeschrieben wurde und sich im Besitz des Klosters Wessobrunn befand, sowie durch die Wessobrunner Schule, zu der die bedeutendsten Stuckatoren des süddeutschen Barock gezählt werden.

Geographie[Bearbeiten]

Wessobrunn liegt auf einer Höhe von 701 Meter ü. d. M. südwestlich des Ammersees, nordwestlich von Weilheim und südöstlich von Landsberg am Lech.

Ortsteile[Bearbeiten]

  • Haid
  • Forst
  • Paterzell

Geschichte[Bearbeiten]

Kloster Wessobrunn[Bearbeiten]

Die Keimzelle des heutigen Orts ist das Kloster Wessobrunn.

Die Klostergründungslegende[Bearbeiten]

Nach einer St. Emmeramer Legende des 11. Jahrhunderts wurde das Kloster durch den bairischen Herzog Tassilo III. gestiftet, der im Jahr 753 auf der Jagd eine Nacht im Rotwald, dem Rotter Wald, verbringen musste. Im Traum sah er eine Quelle, deren Wasser in vier Richtungen floss, und von der aus eine Leiter zum Himmel führte, an der Engel auf- und niederstiegen. Am oberen Ende der Leiter stand Petrus und sang ein Offizium. Anderntags ließ Tassilo nach der Quelle suchen, bis sein Jagdgefährte Wezzo Quellen in Kreuzesform fand. Der Herzog verstand seinen Traum als himmlische Weisung und ließ an der Stelle der Quellen das Kloster zu Ehren von Petrus errichten.

Das erste Benediktinerkloster (8. Jh. bis 955)[Bearbeiten]

Als wahrscheinlicher gilt, dass das Kloster in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts von einer Adelsfamilie aus Rott als Eigenkloster gegründet wurde.[2] Nach einer Tradition des Klosters Benediktbeuern stammten die ersten fünfundzwanzig Mönche aus Benediktbeuern. Das Benediktinerkloster diente dazu, das umliegende Waldgebiet urbar zu machen. Der Ortsname Wessobrunn (885 Uuezinesprunnin „Quelle des Wetsin“) war ursprünglich wohl ein Flurname, den das Kloster übernahm.[3]

Mit der Absetzung Tassilos III. durch Karl den Großen wurde Wessobrunn 788 karolingisches Reichskloster. 817 galt es noch als so mittellos, dass es dem Kaiser keine Abgaben für einen Kriegszug zu entrichten hatte, sondern nur Gebete. Etwa um 900 fiel es dem Bistum Augsburg zu. Schließlich ging das Kloster 955 unter. Laut einer Legende brannten die Ungarn die Anlage nieder und ermordeten Abt Thiento und sechs seiner Mönche.

Säkularkanonikerstift (955–1064)[Bearbeiten]

Wessobrunn. Stich von 1640.
Torhaus, Pfarrkirche St. Johann Baptist und Grauer Herzog.
Prachtvoller Stuck im Prälatentrakt.
Mutter der schönen Liebe. Wessobrunner Gnadenbild.
Skulpturen und Architekturfragmente des Klosters Wessobrunn im Bayerischen Nationalmuseum München.

Nach der Niederlage der Ungarn auf dem Lechfeld wurde das geistliche Leben in Wessobrunn in Form eines Säkularkanonikerstifts fortgeführt. Über diese Zeit ist nicht viel bekannt. Lediglich eine Liste der Propstnamen ist überliefert. Man vermutet, dass Wessobrunn in dieser Periode einen Großteil seiner Güter verlor.

Das zweite Benediktinerkloster (1064–1803)[Bearbeiten]

Erst 1064 wurde erneut ein Benediktinerkloster gegründet. Der letzte Propst Adelbero war zugleich der erste Abt. Von etwa 1100 bis 1220 bestand neben dem Männer- auch ein Frauenkonvent. 1141 befreite sich Wessobrunn von der Obrigkeit des Bischofs von Augsburg und unterstand wieder unmittelbar dem Landesfürsten. 1220 brannten große Teile des Klosters ab. Es folgten umfangreiche Neubauten.

Die insgesamt glückliche Entwicklung des Klosters erlaubte eine intensive Kunstpflege. So wurde die Klosterkirche 1655 innen modernisiert. 1680 startete Abt Leonhard Weiß den Neubau der Klosteranlage, bei dem klostereigene Untertanen beschäftigt werden. Die ehrgeizigen Pläne wurden aber wegen Geldmangels nicht in voller Gänze umgesetzt.

Säkulare Zeit (1803–1913)[Bearbeiten]

Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster 1803 aufgehoben. 1810 riss man die Klosterkirche wegen Baufälligkeit ab. Große Teile der Klostergebäude wurden als Materialreservoir ausgeschlachtet, um die abgebrannte obere Stadt in Weilheim wieder aufzubauen. 1861 rettete der Münchener Historiker Johann Nepomuk Sepp die verbliebenen Bauten, indem er einen Teil der Anlage kaufte.[4] Der freistehende Glockenturm überlebte die Säkularisation nur deshalb, weil die nebenan liegende Wessobrunner Pfarrkirche keine Glocken hat.

Das dritte Benediktinerkloster (seit 1913)[Bearbeiten]

Freiherr von Cramer-Klett schenkte 1913 den Missions-Benediktinerinnen aus Tutzing die Anlage. Sie zogen in zwei der ehemaligen Klostertrakte ein und bildeten am Ort ein neues Benediktinerkloster. Von 1955 bis 2001 führten die Schwestern hier ein Jugendkurheim. 2012 zogen die letzten Schwestern aus dem Kloster aus.

Klosterdorf Gaispoint[Bearbeiten]

Wessobrunn hieß früher nur das Kloster. Das naheliegende Dorf nannte man hingegen Gaispoint oder Geispoint, 1483 erwähnt als Gayspewnd. 1128 weihte man in Wessobrunn die erste Pfarrkirche. Demnach muss Gaispoint spätestens seit 1100 bestanden haben. Der Name Gaispoint war wie Wessobrunn ursprünglich ein Flurname. Er leitet sich von mittelhochdeutsch geiz für ‚Ziege‘ und biunde für ‚Gehege‘ her und bezeichnet einen eingezäunten Weideplatz für Ziegen. 1853 erhielten die Orte Gaispoint und Haid die amtliche Erlaubnis, den Namen Wessobrunn zu tragen.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Mai 1978 wurden die bis dahin selbständige Gemeinde Forst und größere Gebietsteile der aufgelösten Gemeinde Haid eingegliedert.[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1840 1871 1900 1925 1939 1950 1961 1970 1987 2000 2005 2011
Einwohner[6] 1.358 1.462 1.519 1.641 1.526 2.317 1.715 1.693 1.761 1.988 2.065 2.133

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Nach der Kommunalwahl setzt sich der Gemeinderat von Wessobrunn so zusammen:

Sitzverteilung im Gemeinderat
Partei / Liste Wahl 2014[7][8] Wahl 2008
Sitze Sitze
Liste Wessobrunn 4 5
Liste für Alle 4 4
Liste Forst 4 3
Liste Haid 2 2
Sitze gesamt 14 14

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Rot ein silbernes korinthisches Kapitell mit gespitztem Säulenstumpf in perspektivischer Ansicht über einem Paar schräggekreuzter silberner Schlüssel.“

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

siehe auch Liste der Baudenkmäler in Wessobrunn

Wessobrunn ist überregional bekannt durch das Wessobrunner Gebet, das älteste deutsche Sprachdenkmal mit christlichem Inhalt, das nach seinem Fundort benannt wurde und heute in der Bayerischen Staatsbibliothek in München aufbewahrt wird. Es gehört zu einem lateinischen Kodex, der um 814 vermutlich im Bistum Augsburg (aber nicht in Wessobrunn) angefertigt wurde. Der Text wurde im 19. Jahrhundert in einen Stein gemeißelt, der als Denkmal auf dem Lindenplatz vor der Klosterzufahrt steht.

Die Gesamtanlage des Klosters Wessobrunn des 17./18. Jahrhunderts lässt sich in Bayern lediglich mit den Klöstern in Tegernsee und Ettal vergleichen. Erhalten ist noch etwa ein Drittel, darunter drei Klostertrakte. Weltberühmt sind im Fürsten- und Prälatentrakt Gang, Treppenhaus und Tassilosaal wegen des prachtvollen Stucks von Johann Schmuzer aus der Wessobrunner Stuckatorenschule. Zum Kloster gehörte früher auch ein Theatersaal, dessen hölzerne Decke im nahen Gasthof zur Post besichtigt werden kann.

Von der romanischen Klosterkirche St. Peter steht heute nur noch der Glockenturm aus Tuffstein (um 1260), der grauer Herzog oder Römerturm genannt wird. Am Standort des ehemaligen Hochaltars erhebt sich eine Gedenkstele. Die Kirchenfundamente wurden Ende des 19. Jahrhunderts von Johann Nepomuk Sepp freigelegt, der dabei spätromanische Steinplastiken entdeckte. Einige Teile davon sind im Glockenturm ausgestellt, die meisten befinden sich im Bayerischen Nationalmuseum in München, zusammen mit der Wessobrunner Mutter der heiligen Hoffnung. Sie gehört zu den drei ältesten erhaltenen marianischen Gnadenbildern Bayerns und stammt aus der Zeit von 1250. Ein Kopie davon steht in der 2009 im Wessobrunner Klostergarten errichteten Mariengrotte.

Die Pfarrkirche St. Johann Baptist wurde 1757 im Barockstil erbaut. Neben Stuckaturen von Thassilo Zöpf sind Fresken von Johann Baptist Baader mit Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers zu sehen. Die Figuren am Hochaltar stammen von Franz Xaver Schmädl und werden zu seinen besten Leistungen gezählt. Den linken Seitenaltar schmückt das Gnadenbild Maria – Mutter der Schönen Liebe, das um 1700 nach Wessobrunn gelangte. Es ist kunsthistorisch ohne Bedeutung, wird aber von einer eigenen Bruderschaft verehrt, die um 1750 rund 600.000 Mitglieder umfasste. Heute sind es bedeutend weniger. Maler war der Benediktiner Innozenz Metz. In der Kirche hängt des Weiteren ein bedeutender romanischer Holzkruzifixus aus der Zeit um 1250, der im 18. und 19. Jahrhundert im Volk als Kümmernis-Bild verehrt wurde.

Ein weiterer Überrest der Klosteranlage ist das Brunnenhaus aus dem 17. Jahrhundert mit dem Wasser der drei Wessobrunner Quellen.

An der Klostermauer steht die berühmte Tassilolinde. Sie ist ein Naturdenkmal und soll etwa 1000 Jahre alt sein. Nach neuzeitlicher Ausschmückung der Klostergründungslegende hatte Herzog Tassilo unter ihr seinen weisenden Traum.

Auf dem Kreuzberg oberhalb von Wessobrunn errichtete man zum Gedenken an die Märtyrer des Jahres 955 ein Kreuz, später an selber Stelle die Kreuzbergkapelle. Der alte Holzbau wurde 1595 durch einen Steinbau ersetzt und 1771 modernisiert mit Fresken von Matthäus Günther und Stuckaturen von Thassilo Zöpf. Die Kapelle umschließt den Hunnenstein, einen Findling, an dem die Mönche hingerichtet worden sein sollen.

Paterzell ist bekannt durch seinen ehemaligen Kalktuffsteinbruch, die Ulrichsquelle (Augenheilquelle) und vor allem durch den größten zusammenhängenden Eibenbestand Deutschlands, den Paterzeller Eibenwald.

Auf dem Schlossberg nördlich von Haid liegt der Burgstall Greut. Von der ehemaligen Burg sind keine Reste mehr erhalten, sie ist aber urkundlich ab dem 15. Jahrhundert bezeugt. Nach einer lokalen Tradition soll sie die Burg des legendären Quellenfinders Wesso gewesen sein.

Ein Ereignis, das jedes Jahr zahlreiche Besucher nach Forst lockt, ist der Leonhardiritt, der Ross und Reiter sowohl ein Mal durch das Dorf als auch drei Mal um die Dorfkirche führt, die dem Heiligen Sankt Leonhard geweiht ist. Organisiert wird das Ereignis alljährlich von den Mitgliedern des Forster Leonhardivereins, der 1961 gegründet wurde.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Irmtraud von Andrian-Werburg (Bearbeiterin): Das Bistum Augsburg – Die Benediktinerabtei Wessobrunn. Verlag Walter de Gruyter, Berlin–New York 2001, ISBN 978-3-110-16912-6.
  • Gabriele Dischinger und Eva Christina Vollmer: Schnell-Kunstführer Nr. 526: Wessobrunn. Ehemaliges Benediktinerkloster, Pfarrkirche St. Johann Baptist und Kreuzbergkapelle. 16. Auflage. Verlag Schnell und Steiner, Regensburg 2003, ISBN 978-3-795-44312-2.
  • Reinhard Höppl: Die Traditionen des Klosters Wessobrunn. Verlag Beck, München 1984, ISBN 978-3-406-10392-6.
  • Coelestin Leuthner: Geschichte des Klosters Wessobrunn. Mit Hinweisen auf die allgemeine und besondere Geschichte Baierns. Deutsche Übersetzung aus dem lateinischen Original von 1753. Wessofontanum, Wessobrunn 2001.
  • Luise Rinser: Ort meiner Kindheit: Wessobrunn. Eulen-Verlag, Freiburg i. Br. 1987, ISBN 978-3-89102-208-5.
  • Gemeinde Wessobrunn (Hrsg.): 1250 Jahre Wessobrunn. Festschrift. Fink Verlag, Lindenberg 2003, ISBN 978-3-89870-128-0.
  • Wolfgang Winhard: Die Benediktinerabtei Wessobrunn im 18. Jahrhundert. Verlag Schnell und Steiner, München 1988, ISBN 978-3-795-40463-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Höppl, S. 110
  3. Höppl, S. 104 f.
  4. Wolf Schmid: Wie Johann Sepp das Kloster rettete. In: Weilheimer Tagblatt vom 9. Februar 2012, Lokales Seite 6
  5.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 595.
  6. Kommunalstatistik von Wessobrunn, abgerufen am 5. November 2010
  7. Ergebnis der Kommunalwahl 2014, abgerufen am 18. März 2014
  8. Weilheimer Tagblatt vom 18. März 2014, Lokalteil S. 8

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wessobrunn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Wessobrunn – Reiseführer