West-Ukrainische Volksrepublik

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Westukrainische Volksrepublik
1918–1919
Flagge der Ukraine Wappen der Ukraine
Flagge Wappen
Austria-Hungaria transparency.png Navigation Flag of Poland.svg

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Amtssprache Ukrainisch
Hauptstadt Lemberg (Lwiw)
Staatsform Volksrepublik
Währung Karbowanez
Existenzzeitraum 1918–1919
West-Ukraine 1918.jpg
Theoretisch beanspruchte Gebiete (mehrheitlich ukrainisch besiedelte Gebiete Österreich-Ungarns)

Sachidno-Ukrajinska Narodna Respublika (SUNR, Західноукраїнська Народна Республіка), ukrainisch für Westukrainische Volksrepublik, war ein von Ende 1918 bis Mai 1919 nach dem Zusammenbruch Österreich-Ungarns für kurze Zeit existierender Staat auf dem Gebiet Ostgaliziens, Nord-Bukowina und Transkarpatien. Hauptstadt war in den ersten Wochen Lemberg, in den anschließenden fünf Monaten Stanislau. Das Gebiet hatte insgesamt eine ukrainische Bevölkerungsmehrheit, es gab aber eine signifikante polnische und jüdische Minderheit. In Lemberg und mehreren anderen größeren Städten waren polnischsprachige Bevölkerungsgruppen in der Mehrheit.

Tragende Parteien[Bearbeiten]

Die Westukrainische Volksrepublik war zwar unter dem Eindruck des russischen Oktoberaufstands 1917 entstanden, befand sich aber unter dem Einfluss der Zentralna Rada (ukrainisch für „Zentralrat“), einer bürgerlichen Koalition aus Sozialrevolutionären, Menschewiki, Sozial-Föderalisten und anderen und stand in Opposition zu den Bolschewiki.[1]

Entwicklung[Bearbeiten]

Nach dem Zusammenbruch der k.u.k. Monarchie mit den Kronländern Galizien und Bukowina sowie den nordungarischen Komitaten wurde die Westukrainische Volksrepublik am 1. November 1918 in Lemberg proklamiert. Die ursprünglich für den 3. November 1918 geplante Proklamation war vorgezogen worden, nachdem die ukrainischen Aktivisten erfahren hatten, dass die am 28. Oktober gegründete Polnische Liquidationskommission beabsichtigte, von Krakau nach Lemberg umzuziehen. Als in Lemberg am 22. November 1918 aber polnische Truppen die Oberhand gewinnen konnten, wurden der Regierungs- und Parlamentssitz über Tarnopol nach Stanisławów (Stanislau), dem heutigen Iwano-Frankiwsk, verlegt. Am 3. Januar 1919 fand die erste Parlamentssitzung in Stanisławów statt.

Am 22. Januar 1919 beschloss das Parlament die Vereinigung mit der am 20. November 1917 gegründeten Ukrainischen Volksrepublik (Ukrajinska Narodna Respublika). Dies geschah allerdings unter dem Vorbehalt, dass das Gebiet der Westukrainischen Volksrepublik einen weitgehenden Autonomiestatus bekäme, da es sich von den zentral- und ostukrainischen Gebieten auf Grund seiner historischen Entwicklung stark unterschied.

Im Mai 1919 konnte Polen auch in Stanisławów durch eine Machtergreifung seitens der polnischen Bevölkerungsgruppe die Oberhand gewinnen. Im Juli 1919 besetzte Polen auch die letzten Teile der Westukrainischen Volksrepublik. Am 21. November 1919 sprach der Hohe Rat der Pariser Friedenskonferenz Ostgalizien für eine Zeitdauer von 25 Jahren Polen zu.

Am 7. Dezember 1919 gründeten ukrainische Bolschewiki zunächst im ostukrainischen Charkow die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik.

Um gemeinsam mit Polen gegen die Bolschewiki kämpfen zu können, verzichtete die (Menschewiki-) Regierung der Ukrainischen Volksrepublik unter Symon Petljura am 21. April 1920 auf alle ukrainischen Ansprüche auf Ostgalizien. Nach diesem Abkommen fühlten sich die galizischen Ukrainer verraten, wechselten auf die Seite der Bolschewiki und deren Roten Armee über und schlossen sich der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik an, was die Kräfteverhältnisse im Bürgerkrieg in der Ukraine verschob.

Am 25. April 1920 überschritt die polnische Armee die galizische Ostgrenze und besetzte am 7. Mai 1920 für sechs Wochen Kiew [2]. Die Kämpfe in der Ukraine waren Teil des Polnisch-Sowjetischen Krieges geworden. Auch Ostgalizien wurde zeitweise von sowjetischen Truppen besetzt. Im Juni 1920 begann ein Teil der Roten Armee unter Alexander Jegorow, Lemberg zu belagern. Im Frieden von Riga 1921 fiel das Gebiet der Westukrainischen Volksrepublik aber an Polen, Rumänien und die Tschechoslowakei.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Manfred Scharinger: Nationale Frage und marxistische Theorie. Teil 2: Die sowjetische Erfahrung. In: Arbeitsgruppe Marxismus (Hrsg.): Marxismus. 24, Wien Oktober 2004, S. 112 ff.
  2. Manfred Scharinger: Nationale Frage und marxistische Theorie. Teil 2: Die sowjetische Erfahrung. In: Arbeitsgruppe Marxismus (Hrsg.): Marxismus. 24, Wien Oktober 2004, S. 176 f.

Literatur[Bearbeiten]

  • Torsten Wehrhahn: Die Westukrainische Volksrepublik. Zu den polnisch-ukrainischen Beziehungen und dem Problem der ukrainischen Staatlichkeit in den Jahren 1918 bis 1923. Berlin 2004, ISBN 978-3-89998-045-5 (Leseprobe; PDF, 157 KB; aufgerufen am: 2. März 2008)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: West-Ukrainische Volksrepublik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien