Westenhellweg (Dortmund)

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Westenhellweg
Wappen
Straße in Dortmund
Westenhellweg
Der Westenhellweg
Basisdaten
Ort Dortmund
Ortsteil Innenstadt
Angelegt 12. Jahrhundert
Anschlussstraßen Rheinische Straße (Westen), Ostenhellweg (Osten)
Querstraßen Petergasse, Hansastraße, Betenstraße, Petrikirchhof, Lühringhof
Nutzung
Nutzergruppen Einkaufsstraße
Technische Daten
Straßenlänge 0,9 km

Der Westenhellweg ist ein Teil der zentralen Einkaufsstraße in der Dortmunder Innenstadt.

Der Westenhellweg folgt der mittelalterlichen Heer- und Handelsstraße Hellweg, die schon von Karl dem Großen genutzt wurde. Zusammen mit dem Ostenhellweg bildet er den Verlauf des alten Weges innerhalb der historischen Mauern des mittelalterlichen Dortmunds. Im Herzen der Innenstadt gelegen ist der Westenhellweg laut einer Untersuchung von Jones Lang LaSalle im Jahr 2013 mit 12.950 Besuchern pro Stunde die meistbesuchte Einkaufsmeile in Deutschland[1]. Hohe Mietpreise und Verkaufsflächen-Vollvermietung ohne Leerstände weisen auf die Bedeutung des Westenhellwegs als überregionale Einkaufsstraße hin.

Bedeutung und Lage[Bearbeiten]

Der Westenhellweg beginnt nahe der Reinoldikirche, wo die Betenstraße zum Alten Markt führt und erstreckt sich als Fußgängerzone etwa einen Kilometer Richtung Westen. In östlicher Richtung verlängert er sich in den Ostenhellweg. An der Petrikirche öffnet sich der Westenhellweg über die Katharinentreppe zum Dortmunder Hauptbahnhof.

Seit Beginn der Messung der Passantenströme im Jahre 1999 durch Jones Lang LaSalle gehört der Westenhellweg zu den meistfrequentierten Einkaufsstraßen Deutschlands. Die im Jahre 2013 durchgeführte Untersuchung ergab 12.950 Besucher pro Stunde, was dem Westenhellweg den Titel der meistfrequentierte Einkaufsstraßen Deutschlands brachte.[2]

Dieses hohe Besucheraufkommen hat sich auf die Ladenmieten ausgewirkt, die hier bei circa 250 Euro/m² liegen. Wegen der hohen Mieten haben sich umsatzintensive Geschäfte, häufig auf Franchising-Basis, angesiedelt und Fachgeschäfte weitgehend verdrängt. Auch bekannte Modeketten (Zara, H&M, New Yorker), Parfümerien (Douglas), Gastronomie (Fastfood-Ketten) oder Elektronik-Märkte (Saturn) sind zahlreich vertreten. Neben Warenhäusern und Kaufhäusern unterschiedlichster Größenordnung gibt es auf dem Westenhellweg Schuh- und Bekleidungsgeschäfte, Optiker, Sportartikel- und Multimediageschäfte sowie Buchläden und Juweliere. Die üblichen Bekleidungsfilialisten reihen sich an exklusive Modeboutiquen oder „No-Name-Läden“. Wegen der geringen Straßenbreite von lediglich 10 Metern und den unablässig in beide Richtungen strömenden Menschen sieht man Außengastronomie nur in den Nebenstraßen wie Mönchword, Petersgasse, Hansastraße sowie den Kirchplätzen von Petri-Kirche und Reinoldi-Kirche.

Viele Neubauten und umfassende Fassadenneugestaltungen haben die architektonische Qualität in den letzten Jahren erheblich verbessert. Das größte Bauprojekt der letzten Jahre war hierbei der Bau der Thier-Galerie mit 160 Läden[3] auf einer Verkaufsfläche von über 33.000 Quadratmeter (einschließlich 5.500 Quadratmeter für Büros und Praxen).

Geschichte[Bearbeiten]

Die Fußgängerzone des historischen Hellwegs am Vehoff-Haus in Dortmund verläuft zwischen Reinoldi- und Marienkirche
Der Hellweg (rot markiert) in Dortmund um 1610 auf dem Plan von Detmar Muhler

Die Bezeichnung Hellweg wird unter anderem als „lichter, breiter Weg“ gedeutet. Der Westfälische Hellweg ist der bekannteste Hellweg in Nordrhein-Westfalen. Es handelt sich um eine über 5000 Jahre alte, aus vorrömisch-germanischer Zeit stammende Verbindung vom Rhein bei Alt-Homberg über Duisburg, Essen, Dortmund, Unna, Werl, Soest, Erwitte, Geseke, Salzkotten, Paderborn bis Corvey. Er war Teil einer via regia von Aachen bis Goslar und wurde schon von Ptolemäus erwähnt.

Innerhalb des historischen Stadtkerns Dortmunds hat sich der alte Hellweg bis heute als Einkaufsstraße erhalten. Dort trägt die im Mittelalter so bedeutende Straße die Namen Osten- und Westenhellweg als Achse zwischen dem historischen Ostentor und dem Westentor. Die gleichen Straßenbezeichnungen finden sich auch in anderen Städten wie Soest,Paderborn und Geseke. In allen Fällen geben die Bezeichnungen die geografische Ausrichtung des Straßenverlaufs von den Stadtzentren wieder. Während in Dortmund so die Richtungen vom zentralen Punkt im Inneren der historischen Stadt an der Reinoldikirche charakterisiert werden, ist es in Soest erst der Straßenverlauf vor den Toren der mittelalterlichen Stadt, der Westenhellweg vor den alten Wallanlagen am Jakobitor und der Ostenhellweg vor dem Thomätor.

Vor den Toren des alten Dortmunds lässt sich die Straße anhand ihrer Bezeichnung leicht weiter verfolgen. Je nach Stadtteil erscheint sie seit dem 14. Jh. als Kombination des Orts- und des historischen Wegnamens, in Dorstfeld daher Dorstfelder Hellweg, als Dorstfelder Helewege bereits 1345 urkundlich erwähnt.[4] Östlich der Innenstadt heißt der alte Hellwegverlauf heute im ersten Abschnitt Kaiserstraße, in Erinnerung an den prachtvollen Einzug Kaiser Karls IV. 1377 in die Reichsstadt. Im weiteren Verlauf findet sich dann wieder die Verbindung aus Ort und Hellweg, in Körne Körner Hellweg, Wambeler, 1376 als Hylewege bi Wanemale genannt[4], Brackeler, Asselner und anschließend Wickeder Hellweg weiter nach Osten, schließlich, jenseits der heutigen Dortmunder Grenze, Massener Hellweg auf dem Stadtgebiet von Unna. Die genannten Dortmunder Stadtteile waren ehemals kleine, mehr oder minder eigenständige Orte entlang der Straße. Körne und Wambel lagen dabei noch auf dem Territorium der Grafschaft Dortmund, Brackel und Asseln bereits außerhalb.

Bauwerke[Bearbeiten]

Krüger-Haus und Krügerpassage, Karstadt- ehemals Althoff-Kaufhaus, Petri-Kirche

Verkehr[Bearbeiten]

Der Westenhellweg ist eine Fußgängerzone und darf von Kraftfahrzeugen nur zur Anlieferung in den Nacht- und Vormittagsstunden befahren werden. Durch mehrere unterirdische Stationen sämtlicher Stadtbahnlinien in der unmittelbaren Nähe ist der Westenhellweg gut erreichbar. Die beiden bekanntesten U-Bahn Stationen sind „Reinoldikirche“ und „Kampstraße“, die zentral liegen.

Regional, Überregional sowie Ausland[Bearbeiten]

Der Westenhellweg ist als „Flaniermeile“ sehr bekannt und zieht die Menschen aus regionaler sowie aus überregionaler Umgebung an. Auch im Ausland ist er vor allem in Holland und Belgien sehr beliebt, zur Weihnachtszeit rollen ganze Busgesellschaften an. Sogar in England wird für den Westenhellweg geworben, dort wirbt u.a. easyJet für die „Dortmunder-Prachtmeile“ und bietet Flüge nach Dortmund an.

Aktuell[Bearbeiten]

Der Westenhellweg ist weiter auf Wachstumskurs. Vor kurzer Zeit wurde das Mayersche- und Esprit-Haus umfassend erweitert. Direkt nebenan entstand ein Neubau, der das Unternehmen Zara beherbergt. Ein kleines architektonisches „Highlight“ ist das Anson’s, ein Herrenmode-Kaufhaus, das sich über drei Etagen präsentiert.

Galerie[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.joneslanglasalle.de/Germany/DE-DE/Pages/NewsItem.aspx?ItemID=28700
  2. http://www.joneslanglasalle.de/Germany/DE-DE/Pages/NewsItem.aspx?ItemID=28700
  3. Kirsten Simon: Die Thier-Galerie eröffnet mit 160 Shops., derwesten.de vom 11. September 2011, abgerufen am 29. Oktober 2011
  4. a b Bausch, Hermann Josef: „Westen und Osten am Hellweg“ in der Stadt Dortmund: Vom Königsweg zur Konsummeile In: Heimat Dortmund, a. a. O.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Westenhellweg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

51.514357.460813Koordinaten: 51° 30′ 52″ N, 7° 27′ 39″ O

Literatur[Bearbeiten]

  • Hermann Josef Bausch: „Westen und Osten am Hellweg“ in der Stadt Dortmund: Vom Königsweg zur Konsummeile. In: Heimat Dortmund 1/2002. Stadtgeschichte in Bildern und Berichten. Zeitschrift des Historischen Vereins für Dortmund und die Grafschaft Mark e. V. in Verbindung mit dem Stadtarchiv Dortmund. S. 33–40. ISSN 0932-9757
  • Henriette Brink-Kloke: Auf dem Hellweg durch Dortmund: Eine archäologische Spurensuche. In: Heimat Dortmund 1/2002. Stadtgeschichte in Bildern und Berichten. Zeitschrift des Historischen Vereins für Dortmund und die Grafschaft Mark e. V. in Verbindung mit dem Stadtarchiv Dortmund. S. 30–32. ISSN 0932-9757
  • Paul Leidinger: Der westfälische Hellweg als Verkehrsweg und Landschaftsbezeichnung. In: Vergessene Zeiten. Mittelalter im Ruhrgebiet, hrsg. von Ferdinand Seibt u. a., Band 2, Essen 1990, S. 72 ff.
  • Ferdinand Seibt (Hrsg.): Transit Brügge-Novgorod: eine Straße durch die europäische Geschichte, Ausstellungskatalog, Bottrop/Essen 1997, ISBN 3-89355-148-4.
  • Gabriele Isenberg: Mittelalterliche Salzproduktion am Hellweg. Ergebnisse einer archäologischen Untersuchung im Salzerquartier in Soest. In: Lamschus, Christian (Hrsg.): Salz – Arbeit und Technik, Produktion und Distribution in Mittelalter und früher Neuzeit. Lüneburg: Dt. Salzmuseum, 1989, S. 131–135.
  • Reinhild Stephan-Maaser (Hrsg.): Zeitreise Hellweg. Spuren einer Straße durch die Jahrtausende, Klartext Verlag, Essen 2000, ISBN 3-88474-932-3.