Westensee (Gemeinde)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Westensee
Westensee (Gemeinde)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Westensee hervorgehoben
54.2756111111119.902080555555619Koordinaten: 54° 17′ N, 9° 54′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Rendsburg-Eckernförde
Amt: Achterwehr
Höhe: 19 m ü. NHN
Fläche: 40,47 km²
Einwohner: 1531 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 38 Einwohner je km²
Postleitzahl: 24259
Vorwahl: 04305
Kfz-Kennzeichen: RD, ECK
Gemeindeschlüssel: 01 0 58 171
Adresse der Amtsverwaltung: Inspektor-Weimar-Weg 17
24239 Achterwehr
Webpräsenz: www.gemeinde-westensee.de
Bürgermeister: Adolf Dibbern (CDU)
Lage der Gemeinde Westensee im Kreis Rendsburg-Eckernförde
Karte

Westensee ist eine Gemeinde in der Nähe von Kiel im Kreis Rendsburg-Eckernförde in Schleswig-Holstein.

Geografie und Verkehr[Bearbeiten]

Die Gemeinde Westensee liegt direkt am gleichnamigen See im Naturpark Westensee. Der Ortsname bedeutet „westlich vom See“; er wurde später auf den See selbst übertragen. Brux, Deutsch-Nienhof, Josephinenhof, Westensee und Wrohe liegen im Gemeindegebiet.

Die höchste Erhebung ist mit 88 Metern der Tüteberg, auf dem sich der Sage nach ein heidnischer Kultplatz befunden haben soll.

Nördlich verläuft die Bundesautobahn 210 von Rendsburg nach Kiel, südwestlich die Bundesautobahn 7 von Hamburg nach Rendsburg und südöstlich die Bundesautobahn 215 von Neumünster nach Kiel.

Geschichte[Bearbeiten]

Mehrere Megalithgräber und Funde von steinzeitlichen Werkzeugen und bronzezeitlichen Urnen lassen auf eine Besiedlung des Gebiets vom Neolithikum an schließen.[2] In der Eisenzeit wanderte die Bevölkerung ab. Adam von Bremen schildert in seiner Chronik das heutige Mittelholstein als menschenleeren Urwald, den sogenannten Isarnho (= eiserner Wald). Erst unter Adolf II. von Schauenburg wurde das Gebiet wieder besiedelt.

1159 wird mit Emcko der erste der Ritter von Westensee aus dem Geschlecht des Overboden Marcrad, die Vasallen der Schauenburger Grafen waren, namentlich genannt.[3] Sein Name ist im Nachbarort Emkendorf erhalten. Der Herrschaftsbereich der Ritter von Westensee erstreckte sich bis nach Kiel und beinhaltete zeitweise auch die Pfandherrschaft über Rendsburg. 1322 verkauften sie Grömitz an das Kloster Cismar. Sie kontrollierten den Schiffsverkehr auf der Eider, die durch den Westensee fließt, mittels zweier Burgen, der Läkeburg auf der Insel (heute eine Halbinsel zwischen dem Westensee und dem Bossee) Lohburg und der Hohburg auf dem Börner. Diese Burgen wurden 1346/48 durch Holsteinische Grafen und die Stadt Lübeck zerstört, weil die Westenseer Ritter sich vom Schutz der Handelswege auf Raubritterei verlegt haben sollen. Marquard von Westensee kam in Lübeck vor Gericht, schwor Urfehde, wurde aber nach der Verurteilung noch auf Lübecker Gebiet erschlagen.

Kirche St. Catharinen

Mitte des 13. Jahrhunderts wurde das Dorf Westensee erstmals erwähnt. Die Kirche St. Catharinen wurde als Filiale des Klosters Neumünster gegründet und stammt aus der Zeit kurz nach der Besiedlung des Landes im Mittelalter. Nachdem im 14. Jahrhundert die Pest fast die gesamte Bevölkerung einschließlich des Rittergeschlechts ausgerottet hatte, gingen die Besitzung an die Familie Ahlefeldt über. Anders als die Ritter betrieben die neuen Herren selbst Landwirtschaft, gründeten dafür die Güter Westensee, Bossee und Nienhof und machten das durch die Entvölkerung des Schwarzen Todes wüst gefallene Land wieder urbar. Die Bauern gerieten zunehmend in Leibeigenschaft. Im 16. Jahrhundert war die Familie Rantzau Besitzer von Dorf und Gütern, anschließend andere Adlige und Staatsbeamten.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Westensee gleich zweimal verwüstet: 1626/1627 lagerten Tillys Truppen im Ort und 1645 marodierten schwedische Truppen. Auch die Pest suchte das Gebiet zum Beginn des 17. Jahrhunderts zweimal heim, was zur Verarmung der Bauern und zum Machtzuwachs der Güter führte.

Die Verkoppelung im 18. Jahrhundert und die Bauernbefreiung 1803, also zwei Jahre vor Inkrafttreten des Gesetzes,[4] führte zu einem Anwachsen der Bevölkerung, da der Bedarf an Arbeitskräften auf den Gütern Tagelöhner und Handwerker anzog.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Teil der Gutsländereien zur Ansiedlung aufgeteilt. Inzwischen gibt es nur noch wenige landwirtschaftliche Betriebe.

1928 wurden die Gutsgemeinden in politische Gemeinden umgewandelt. Statt des Gutsbesitzers stand der Gemeinde nun ein selbst gewählter Bürgermeister vor.

Seit 1970 gehört die Gemeinde Westensee zum Amt Achterwehr.

Kuhhaus des Guts Bossee von 1709 mit den Initialen von Heinrich Jasper Rantzau und Friederike Margarete Rantzau

Gut Bossee[Bearbeiten]

Nach der Zerstörung der mittelalterlichen Burgen und dem Aussterben des Westenseer Rittergeschlechts, verlagerten die Herren von Ahlefeld ihren Wohnsitz an die Stelle des Guts Bossee. 1470 wird Bossee als Herrensitz derer von Ahlefeld erstmals erwähnt. Damit ist es das älteste Gut der Gemeinde. Von einem Gebäude aus dem 15. Jahrhundert ist noch das Kellergewölbe unter dem heutigen Herrenhaus erhalten. Im 16. Jahrhundert wurde ein erstes Herrenhaus errichtet. Unter der Familie Rantzau erhielt der Hof die heute noch bestehenden großen Wirtschaftsgebäude. Nach mehreren Besitzerwechseln befindet sich das Gut heute im Besitz der Familie Bülow. Das ehemalige Torhaus ließ Detlev von Bülow um 1900 durch einen Wasserturm ersetzen, der den Hof noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein mit Wasser versorgte. Das Herrenhaus wurde 1897 umgestaltet.[5]

Herrenhaus auf Gut Deutsch-Nienhof

Gut Deutsch-Nienhof[Bearbeiten]

Das ehemalige adlige Gut Deutsch-Nienhof wurde 1472 erstmals erwähnt. Anfang des 16. Jahrhunderts war es im Besitz der Familie Rantzau, die eine dreiflügelige Wasserburg errichteten, die auf der Rantzau-Tafel abgebildet ist.[6] Auf den Fundamenten der alten Burg steht das heutige, Ende des 18. Jahrhunderts umgestaltete Herrenhaus.[7] Das im Zuge der Umbaumaßnahmen von Georg Greggenhofer entworfene Torhaus wurde damals nicht verwirklicht, sondern erst 200 Jahre später im Freilichtmuseum Molfsee gebaut. Seit dem 18. Jahrhundert ist das Gut Familienfideikommiss der Familie von Hedemann-Hespen. Von 1907 bis 1909 ließ Paul von Hedemann-Heespen das Innere des Gutshauses umbauen. In der Gemarkung befinden sich zwei Schalensteine.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Teile der am 1. Oktober 1975 in die Nachbargemeinde Langwedel eingegliederten Gemeinde Deutsch-Nienhof (mit dem Gut Deutsch-Nienhof und Wrohe) wurden am 1. August 1976 in die Gemeinde Westensee umgegliedert.[8]

Politik[Bearbeiten]

Von den 13 Sitzen in der Gemeindevertretung hat die CDU seit der Kommunalwahl 2008 fünf Sitze, die SPD hat vier und die Wählergemeinschaften KWG und LD haben je zwei Sitze.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Von Silber und Blau schräg geteilt. Oben ein sitzendes, in den Vorderpfoten eine schwarze Nuss haltendes rotes Eichhörnchen, unten fünf silberne Wellenfäden.“[9] Das Eichhörnchen war Wappentier der Ritter von Westensee.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

In der Liste der Kulturdenkmale in Westensee stehen die in der Denkmalliste des Landes Schleswig-Holstein eingetragenen Kulturdenkmale.

Durch Westensee verläuft der Naturparkweg, der die fünf Naturparke in Schleswig-Holstein für Wanderer verbindet. Siehe auch: Dolmen von Langwedel

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul von Hedemann: Die ältere Geschichte der Kirche zu Westensee; Kiel 1889
  • Ricker, Wilhelm: Westensee. Chronik eines adligen Kirchdorfs; Wachholtz Neumünster 1994²
  • Schmidt, Harry: Drei Schlösser am Westensee, 3. Aufl., Hamburg (Christians), 1993, ISBN 3-7672-1180-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Westensee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2013 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Ricker, Wilhelm: Westensee. Chronik eines adligen Kirchdorfs; Wachholtz Neumünster 1994², S. 12ff
  3. Ricker, Wilhelm: Westensee. Chronik eines adligen Kirchdorfs; S. 23
  4. Ricker, Wilhelm: Westensee. Chronik eines adligen Kirchdorfs, S. 65
  5. Geschichte von Gut Bossee
  6. Burg Nienhof (ganz unten) auf der Rantzau-Tafel
  7. Deutsch-Nienhof
  8.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 184.
  9. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein