Western-Windrad

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„Westernmill“

Ein Western-Windrad, auch Western-Windmühle (englisch westernmill) oder Amerikanische(s) Windrad/-mühle genannt, ist ein auf einem Gittermast montiertes, vielflügeliges Windrad mit einer Fahne zur Windrichtungsnachführung. Diese in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Nordamerika entwickelte Windradbauart wurde und wird überwiegend als Pumpwerksantrieb (Windpumpe, englisch windpump) zur Be- und Entwässerung, später auch zur Stromerzeugung verwendet.

Funktionsweise[Bearbeiten]

Das Windrad wurde 1854 von Daniel Halladay entwickelt, hat einen Rotor mit meist um die 30 (bis ca. 150) Rotorblättern, entwickelt bis zu 1 kW Leistung und ist technisch wegen der geringen Drehzahl ein Langsamläufer. Es erreicht einen Wirkungsgrad von bis zu 30 %.[1] Diese Maschinen sind komplett aus Stahlteilen und Stahlblech gefertigt. Aufgrund ihrer Heckfahne drehen sie sich selbsttätig in den Wind, bei Sturm (ab Windstärke 7) werden sie mittels einer ausgeklügelten Mechanik (vergleiche: Windplatte) aus dem Wind gedreht. Wegen der Serienfertigung, vollständigen Metallfertigung und des vollautomatischen Betriebes waren sie die ersten Maschinen dieser Art, die modernen Windkraftanlagenanforderungen genügten.

Die durch den Wind erzeugte Drehbewegung wird durch eine Kurbelwelle in eine Hubbewegung umgesetzt. Diese Hubbewegung wird durch eine Hubkolbenpumpe dann zur Wasserförderung eingesetzt.

Verbreitung[Bearbeiten]

Nach der Entwicklung in Nordamerika verbreitete sich die einfache und robuste Bauart rasch und wurde häufig auf Farmen in Nord- und Südamerika, Australien und Teilen von Afrika verwendet. Besonders für Standorte ohne Anschluss an die öffentliche Stromversorgung waren die Windräder für die autarke Wasserwirtschaft und Stromproduktion im Inselbetrieb bedeutsam.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges erhielt Bayern im Rahmen des Marshallprogramms ca. 3000 solcher Windräder von den Amerikanern, teils in Deutschland produziert. Sie waren ca. 14 m hoch, hatten stets 18 Flügel und trieben jeweils eine Kolbenwasserpumpe an, die in einem ca. 3 m tiefen Schacht in der Erde versenkt war. Im Allgäu waren sie bis ca. 1958 zu sehen. Es steht noch eine, konserviert, in Dietmannsried im Allgäu. Im Jahr 2001 waren solche ebenso noch in Tunesien zu sehen, jedoch nicht mehr in Betrieb. Eine der letzten Westernmills (nur mehr ohne Pumpe, instandgesetzt) ist mitten in Oberösterreich (OÖ), unweit der B1 zwischen Gunskirchen bei Wels und Edt bei Lambach zu sehen. Die in den 1970er Jahren noch in vielen Ebenen von OÖ zu sehenden Westernmills stammten wohl noch aus der Zeit der Besatzung dieses Bundeslands durch die USA.

Zwischen 1900 und 1965 waren auf der Insel Rügen 33 Windschöpfwerke in Betrieb. Das einzig erhaltene steht bei Lobbe. Es ist seit 1955 außer Betrieb und wurde sowohl 1987-1988 als auch 1996-1997 rekonstruiert.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. R. Seiferth: Untersuchung von vier Windrädern. 1925