Westpaket
Westpaket war die in der DDR übliche Bezeichnung für Pakete, die Westdeutsche an Familienangehörige und Freunde in der DDR sandten.
Ostdeutsche konnten westdeutsche Familienangehörige nach dem Bau der Mauer (1961) überhaupt nicht oder nur schwer besuchen. (siehe
- Reisebeschränkungen
- Passierscheinabkommen
- Reiseformalitäten an der innerdeutschen Grenze
- Regelungen im grenznahen Verkehr (sogenannter kleiner Grenzverkehr an der innerdeutschen Grenze ab Oktober 1972)
So nahmen persönliche Kontakte ab; viele Westdeutsche schickten ostdeutschen Verwandten regelmäßig - zum Beispiel zu Weihnachten oder zum Geburtstag - Westpakete (im Gegenzug gab es das Ostpaket) Mangels ausreichender Möglichkeiten zum Telefonieren (viele wurden von der Stasi abgehört) war das neben Briefen oft der einzige Kontakt, der vielen Familien blieb. Westpakete linderten die Mangelversorgung in der DDR (siehe Mangelwirtschaft).
Der Inhalt der Westpakete musste mit der Aufschrift Geschenksendung, keine Handelsware gekennzeichnet sein und ein Inhaltsverzeichnis enthalten. Verschickt wurden neben Kleidung und Bettwäsche vor allem Süßigkeiten, Kaffee und Backzutaten. Die den Kaffee umschließende Folienverpackung wurde gelegentlich genutzt, um illegal D-Mark verborgen vor den Augen der Durchleuchtungsanlagen der Staatssicherheit in den Osten zu schmuggeln und den Verwandten damit auch die Möglichkeit zum Einkaufen im Intershop zu geben. Die Paketkontrollen der DDR wurden daraufhin verschärft; solche Pakete wurden oft mit ihrem gesamten Inhalt beschlagnahmt und eingezogen. Das konnte auch passieren, wenn die Inhaltsverzeichnisse ungenau waren.
Die durchschnittlich etwa 25 Millionen Pakete, deren Versand die westdeutschen Absender steuermindernd geltend machen konnten, enthielten pro Jahr etwa 1.000 Tonnen Kaffee und fünf Millionen Kleidungsstücke. Beide waren auch als Tauschware von privat an privat begehrt (Tauschhandel).
Während die DDR zunächst versuchte, den Versand und die Auslieferung dieser Pakete zu behindern (etwa durch die Forderung eines Desinfektionsnachweises für gebrauchte Kleidungsstücke), waren die Pakete später fester Bestandteil in den Planungen zur Versorgung der Bevölkerung. So entschied das Politbüro der SED am 28. Juni 1977 über eine erste Vorlage „zur Produktion und der Versorgung mit Kaffee- und Kakaoerzeugnissen“ zwecks Verringerung des Devisenverbrauchs für den Import während der Kaffeekrise in der DDR: „Weiterhin ist damit zu rechnen, daß … eine Zunahme der Versorgung … durch andere Quellen, wie z. B. durch grenzüberschreitenden Päckchen- und Paketverkehr und beim Abkauf im Intershop … erfolgen wird.“
Literatur [Bearbeiten]
- Christian Härtel, Petra Kabus (Hrsg.): Das Westpaket. Geschenksendung, keine Handelsware. Links, Berlin 2000, ISBN 3-86153-221-2.
- Eckart Roloff: 'Lasst sie nicht allein!' Paketkampagnen zwischen menschlicher Hilfe und politischen Zielen. In: Das Archiv. Magazin für Kommunikationsgeschichte. Heft 3/2009, ISSN 1611-0838, S. 6–13.
- Volker Ilgen: CARE-Paket & Co. Von der Liebesgabe zum Westpaket. Primus, Darmstadt 2008, ISBN 3-896-78344-0.