Flugzeug-Leasing

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Boeing 737 der XL Airways Germany. Der Aufkleber am Heck zeigt an, dass das Flugzeug temporär durch TUIfly geleast ist

Beim Flugzeug-Leasing wird unter verschiedenen Bedingungen ein Flugzeug gemietet. Dry-Lease (Trockenmiete) bezeichnet die Miete eines Flugzeugs ohne Personal. Wet-Lease (in etwa Feucht- oder Nassmiete) bezeichnet die Miete eines Flugzeugs einschließlich Cockpit-Crew, Kabinenpersonal, Wartung und Versicherung von einer anderen Fluggesellschaft. Eine andere Bezeichnung für Wet-Lease ist Aircraft, Crew, Maintenance and Insurance (ACMI).

Wet-Lease[Bearbeiten]

Ein Wet-Leasing-Vertrag kann eine kurzlebige Angelegenheit sein, für nur einen einzigen Flug, wenn die mietende Fluggesellschaft wegen Ausfalls eines eigenen Flugzeugs einen kurzfristigen Engpass hat. Es kann aber auch eine Miete für mehrere Flüge sein, weil ein eigenes Flugzeug einen höheren Aufwand für Wartung bedeutet, bzw. wenn eigene Flugzeuge wegen anstehender Wartungsarbeiten ausfallen. Manchmal werden auch längerfristige Abkommen getroffen, wenn der Mieter ein neues Flugziel testweise anfliegen oder eine saisonale Route anbieten will. In solchen Fällen erhält das Flugzeug meist die Embleme und Lackierung (Livery) des Leasingnehmers.

Wegen der meist langfristigen Mietverträge fliegt das Flugzeug oft auch im Design der Kundenfluggesellschaft. Die vermietende ACMI-Fluggesellschaft stellt dann das Flugzeug in der gewünschten Lackierung. Lediglich ein kleiner Aufkleber (etwa DIN-A2-Größe) am Flugzeug gibt dann Auskunft über die ACMI-Fluggesellschaft als Halterin (beispielsweise: „operated by Atlas Air“). Es gibt aber auch mittelfristige oder nur saisonale, dann eventuell über mehrere Jahre laufende ACMI-Flugzeugmieten.

ACMI-Verträge[Bearbeiten]

ACMI-Verträge sind eine Art der Flugzeugmiete. Bei der Grundversion der Flugzeugmiete wird lediglich das Flugzeug vermietet (Trockenmiete, engl.: dry lease, also ohne Crew).

Oft wird als Alternative zu ACMI-Verträgen auch eine Nassmiete angeboten (ACMI/wetlease). Bei der Nassmiete (engl. wet-lease) ist die Crew enthalten, nicht jedoch die weiteren Betriebskosten und der volle Rundumservice, den eine ACMI-Miete bietet. Der ACMI-Vertrag stellt eine Variation oder Unterart der in der Luftfahrt weit verbreiteten Nassmiete dar.

Der Mieter, der das Flugzeug unter ACMI-Vertrag nimmt, muss sich beim Betrieb dieser Flugzeuge praktisch nur noch um das Management kümmern: Verkauf der Passagierkapazität oder der Luftfrachtdienstleistungen, Werbung, Streckenplanung.

Die Bezahlung erfolgt oft je Blockstunde, wobei meist noch eine bestimmte Auslastung vom Mieter garantiert wird.

Mit der Bezahlung der ACMI-Miete deckt der Kunde die Ausgaben für die Flugzeugmiete einschließlich der Kosten für die Besatzung, die Wartung und die nicht unerhebliche Flugzeugversicherung. Nicht im Mietpreis enthalten sind die weiteren Kosten für den Flugbetrieb, wie: die Treibstoffkosten, die Lande- und Parkgebühren, die Flugplatz-Handlinggebühren, Frachtversicherung und die Fracht-Handlinggebühren.

Vorteile[Bearbeiten]

Ein Vorteil des Wet-Leasing ist ferner die einfachere Verwendung anderer Flugzeugtypen. Da für (fast) jeden Flugzeugtyp ein eigenes Type Rating erforderlich ist und oft auch Flugzeuge, die in einem Land zugelassen sind, nicht von Piloten aus anderen Ländern geflogen werden dürfen, kann nicht einfach die Besatzung des ausgefallenen Flugzeugs mit der ihr fremden Maschine den Flug durchführen.

Der ACMI-Markt erlaubt es den Fluggesellschaften, ihren steigenden Bedarf an Passagier- oder Frachtkapazitäten kurzfristig durch Anmietung weiterer Flugzeuge zu erweitern oder auf saisonale Schwankungen zu reagieren.

Im Extremfall betreibt eine Fluggesellschaft gar keine eigene Flugzeugflotte, sondern betreibt ihre Flüge ausschließlich auf ACMI-Basis. Solche Fluggesellschaften werden als „virtuelle Fluggesellschaft“ bezeichnet (nicht zu verwechseln mit den virtuellen Fluggesellschaften, die von Flugsimulatorliebhabern als Hobby betrieben werden). Durch das vollständige Outsourcen des Flugbetriebes verringert die virtuelle Fluggesellschaft ihre Fertigungstiefe. Die virtuelle Fluggesellschaft mietet also die Flugzeuge, die Flugbesatzung und die technische Kompetenz zum Betreiben der Flugzeuge. Man kann also auch sagen, dass die virtuelle Fluggesellschaft eine ganze Fluggesellschaft mietet.

Der Flugzeugvermieter betreibt das ACMI-Geschäft entweder nur als Nebengeschäft, um seine freien Flugzeugkapazitäten zu vermieten oder als Hauptgeschäft, ohne überhaupt Flugzeuge unter eigenem Namen fliegen zu lassen. Atlas Air ist die weltweit größte ACMI-Fluggesellschaft, die die Vermietung auf ACMI-Basis als Hauptgeschäft betreibt.

Beispiele[Bearbeiten]

ACMI-Fluggesellschaften sind beispielsweise:

  • ABX Air (Airborne Express Airline; Airborne Airpark, Ohio, USA) betreibt unter anderem eine ACMI-Frachtflugservice;
  • Air Atlanta Icelandic (Reykjavík, Island) ist auf Flugzeug-Leasing auf ACMI/wet lease-Basis spezialisiert. Betreibt aber auch einen Charterservice für isländische tour operator;
  • Air One (Rom, Italien) hat an die polnische White Eagle Aviation ein Flugzeug auf der Grundlage eines langfristigen ACMI-Vertrages vermietet;
  • Air Slovakia (Bratislava, Slowakei) betreibt ACMI-Charterflüge für andere Fluggesellschaften;
  • Astar Air Cargo (Miami, Florida, USA) ist ein ACMI-Luftfahrtunternehmen für die DHL. Astar Air Cargo hat einen ACMI-Vertrag mit DHL, der von 2003 bis 2019 läuft. DHL hält auch Anteile an Astar Air Cargo.
  • Atlantic Airways (Sørvágur, Färöer) betreibt für SAS auf ACMI-Charterbasis Flugrouten von Kopenhagen nach Stavanger, London (City Airport) und Birmingham;
  • Atlas Air (Purchase, New York, USA) ist die weltweit größte ACMI-Fluggesellschaft, genau genommen: ein ACMI-Luftfrachtunternehmen, das weltweit Verträge mit großen Fluggesellschaften hat (Alitalia, China Airlines, British Airways, FedEx und Cargolux);
  • Audeli Air (Madrid, Spanien) betreibt den Flugverkehr auf ACMI-Basis für Iberia;
  • Capital Cargo International Airlines (Orlando, Florida, USA);
  • Cargo 360 (Seattle, Washington, USA) war eine Frachtfluggesellschaft die auf den Betrieb (die Vermietung) von ACMI/wet lease Flugzeugen spezialisiert ist;
  • Denim Airways (Hoofddorp am Flughafen Schiphol, Niederlande);
  • Germania betrieb lange Flugzeuge im Wet-Lease unter anderem für Air Berlin, TUIfly und dba
  • Kalitta Air (Ypsilanti, Michigan, USA) ist eine Charterfluggesellschaft und ein ACMI-Luftfahrtunternehmen;
  • Omni Air International (Tulsa, Oklahoma, USA) betrieb zeitweise ACMI/Wet lease für andere Fluggesellschaften;
  • Pegasus Airlines (Istanbul, Türkei) bietet bei Bedarf Charterflüge und die ACMI-Vermietung von Flugzeugen an;
  • Phuket Airlines (Bangkok Thailand) ist auf ACMI/Wetlease spezialisiert;
  • Platinum Airlines (Miami, Florida, USA) betreibt einen ACMI-Service für Charterfluggesellschaften und das US-Verteidigungsministerium;
  • Silver Air (Djibouti, Djibouti) ist ein ACMI-Luftfahrt-Transportunternehmen;
  • Thomas Cook Belgium Airlines (Diegem, Belgien) fliegt ausschließlich mit ACMI-Flugzeugen, die von der niederländischen Martinair angemietet wurden;
  • Vildanden (Skien Airport, Geiteryggen, Norwegen) ist eine virtuelle Fluggesellschaft, die die Flugtickets verkauft und das volle finanzielle Risiko trägt, während die Flugzeuge auf ACMI-Mietbasis von Avitrans (Stockholm, Schweden) zur Verfügung gestellt werden. Die Flüge erfolgen mit dem Code von Aviatrans.
  • WDL Aviation (Köln , Deutschland) bietet Charterflüge und die ACMI-Vermietung von Flugzeugen an

AMI[Bearbeiten]

AMI steht für Aircraft, Maintenance, Insurance (deutsch: Flugzeug, Wartung, Versicherung).

AMI ist eine Variante von ACMI, bei der keine Flugbesatzung (Crew) an den Kunden vermietet wird. Der Kunde stellt also seine eigene Flugbesatzung. Beispiel: fünfjähriger ACMI-Vertrag mit Wandeloption nach einem Jahr auf AMI und nach einem weiteren Jahr auf dry lease.

Oft wird das Vermietungsangebot als „Flugzeugvermietung mit Nassmiete auf ACMI- oder AMI-Basis“ bezeichnet (engl.: wet lease aircrafts on AMI or ACMI basis). Die Vermieter werden oft als ACMI and AMI wet lease company bezeichnet.

Quellen[Bearbeiten]

  • Rüdiger Sterzenbach, Roland Conrady, Frank Fichert: Luftverkehr. Betriebswirtschaftliches Lehr- und Handbuch. 4. grundlegend überarbeitete und erweiterte Auflage. Oldenbourg Verlag, München 2009, ISBN 978-3-486-58537-7 (Lehr- und Handbücher zu Tourismus, Verkehr und Freizeit).

Weblinks[Bearbeiten]

  •  Philipp Gallus: Organisationsformen im Regionalflugsegment von Netzwerk-Carriern. Josef Eul Verlag, Lohmar 2011, S. 101 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • Aircraft Lease Definition. GlobalPlaneSearch.com, abgerufen am 15. September 2014 (englisch).