Wetterau

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Dieser Artikel beschreibt die Landschaft Wetterau. Siehe auch Wetterau (Begriffsklärung).

Die Wetterau ist eine Landschaft in Hessen in Deutschland. Naturräumlich wird sie zum Rhein-Main-Tiefland gezählt und bildet die Haupteinheit 234.

Die Wetterau, Blick von Westen

Geographie[Bearbeiten]

Die Ausdehnung der Wetterau wurde in Mittelalter und früher Neuzeit wesentlich umfangreicher begriffen, als dies in der Gegenwart der Fall ist:

Mittelalter[Bearbeiten]

Die Bezeichnung Wetter(g)au erfasste als ein Gau im Mittelalter einen Raum, der vor allem nach Osten weit über den heute so bezeichneten Raum hinausragte. Westlich an den Wettergau grenzte der Niddagau, südlich der Maingau und östlich der Kinziggau. Der Rheingau lag weiter westlich.

Frühe Neuzeit[Bearbeiten]

Noch in der frühen Neuzeit wurde die Ausdehnung der Wetterau viel weiter gefasst als heute. Erasmus Alberus beschreibt sie 1552 als das Gebiet zwischen Gelnhausen und Mainz-Kastel und zwischen Gießen und Seligenstadt, lässt die Wetterau also südlich über den Main hinausgreifen und westlich bis an den Rhein reichen.[1]

Heute[Bearbeiten]

Als Wetterau gilt heute der Raum nördlich von Frankfurt am Main, östlich des Taunus und südwestlich des Vogelsbergs. Die südliche Begrenzung ist in etwa die Hohe Straße. Den Hauptteil dieser Landschaft nimmt der Wetteraukreis (Kreisstadt Friedberg) ein. Ihr Namensgeber ist das Flüsschen Wetter, sie wird aber auch von anderen Flüssen durchflossen, darunter die Horloff, Nidda, Nidder und Usa. Der Name ist etwas irreführend, da die als Wetterau bezeichnete Landschaft über den Einzugsbereich des Flusses Wetter hinausreicht. Die Landschaft umfasst vielmehr einen Großteil des Einzugsbereichs der Nidda, in die bei Assenheim die Wetter mündet.

Geologie[Bearbeiten]

Die Wetterau gehört zu einer Schwächezone der Erdkruste, die in der Tertiärzeit eingesunken ist. Sie gehört zu der Einheit des Oberrheingrabens, der sich an seinem nördlichen Ende fächerförmig aufspaltet. Im Westen ist dies das Mainzer Becken und im Osten die Hessische Senke, zu der auch die Wetterau gehört. Das Grundgebirge bilden Sedimente aus dem Rotliegenden, die aber nicht zu Tage treten und nur bei Bohrungen angetroffen wurden. Seit dem Paläozoikum werden vom westlich gelegenen Taunuskamm Sedimente abgelagert. Ab dem Känozoikum gehören auch Basaltgerölle aus dem östlichen Vogelsberg dazu. Mit Einsetzen des Vulkanismus im Vogelsberg sind einige Basaltströme durch die Wetterau geflossen. Im Quartär - während der letzten Eiszeit - bildete sich ein Lössboden durch Ablagerungen eines feinen schluffigen Staubs. Seine Fruchtbarkeit hat die Landschaft am nachhaltigsten geprägt, die Wetterau wird bis heute intensiv landwirtschaftlich genutzt. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde auch vereinzelt bergmännisch Braunkohle abgebaut (vor allem in dem Gebiet um Roßdorf und Wölfersheim), im Mittelalter auch Eisenerz. Einige Geländebezeichnungen deuten darauf noch heute hin, so z.B. an der Ludwigshütte.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Die Wetterau gehört zu den ältesten Kulturlandschaften Deutschlands. Wegen ihrer auch unter den damaligen einfachen Bedingungen ertragreichen Böden weist sie bereits im Altneolithikum (Bandkeramische Kultur) eine dichte Besiedlung auf. Die darauf folgenden Kulturen haben ebenso zahlreiche Spuren hinterlassen. Als herausragende Funde sind die Gräber der Bronzezeit Stufe Wölfersheim zu nennen oder die keltischen Funde vom Glauberg. Viele kulturgeschichtliche Fundstücke dieser Zeit sowie aus anderen historischen Epochen sind im Wetterau-Museum in Friedberg ausgestellt.

Der Obergermanisch-Raetische Limes mit der Wetterau.
Lage der Wetterau im Herzogtum Westfranken um das Jahr 1000
Steinerner Tisch des Freigerichts bei Kaichen
Stich der Wetterau von Matthäus Merian
Flickenteppich der südlichen Wetterau mit der Burggrafschaft Friedberg (1789).

Römische Zeit[Bearbeiten]

Zur römischen Epoche in der Wetterau siehe Hauptartikel: Civitas Taunensium

In römischer Zeit besaß die Wetterau eine hohe strategische Bedeutung für das Vordringen ins freie Germanien. Die alte Siedlungskammer scheint jedoch zur Zeit der Ankunft der Römer am Rhein nicht mehr dicht besiedelt, die zahlreichen oppida der La-Tène-Zeit waren größtenteils verlassen. Stattdessen sind im ersten Jahrhundert einige Germanengruppen in der Wetterau fassbar. Nach dem Ende der Germanenfeldzüge des Augustus wurden ab der vespasianischen Zeit (69 bis 79 n. Chr.) in der Wetterau verstärkt Kastelle und Straßen angelegt. Eine flächendeckende Aufsiedlung der Wetterau mit zivilen vici und Villae rusticae begann wenig später um 100 n. Chr. In einem weiten Bogen schloss der Limes die fruchtbare Wetterau mit ein. Die Region gehörte zur Civitas Taunensium mit dem Hauptort Nida (Frankfurt-Heddernheim). Die Wetterau blieb bis zum Limesfall im 3. Jahrhundert Teil des Reichsgebietes.

Mittelalter[Bearbeiten]

Die urkundliche Ersterwähnung erfolgte im Jahr 779 im Lorscher Codex, als Frau Meginburc ihren gesamten in Arilbach (heute: Frankfurt-Nieder-Erlenbach) gelegenen Besitz dem Kloster Lorsch vermachte, wobei Arilbach im Gau Wetteraiba (Wetterau) lag. Der Wettergau war einer der Gaue, welcher im Frankenreich im Auftrag des Königs durch Grafen verwaltet wurden. In der südlichen Wetterau ist im 12. Jahrhundert ein größeres Gebiet im Besitz der Grafen von Nürings fassbar, das als Grafschaft Malstatt bezeichnet wird.[2]

Die landwirtschaftliche Ertragskraft der Wetterau war weithin bekannt. Erasmus Alberus lobt gerade diese landwirtschaftliche Ertragskraft in seiner Kurzen Beschreibung der Wetterau 1552.[3] Die Ertragskraft der Wetterau wurde seit der Zeit Friedrichs I. durch die gezielte Förderung der städtischen Zentren, Frankfurt am Main, Wetzlar, Gelnhausen und Friedberg erhöht. Die Wetterauer Städte mit ihren repräsentativen Bauten waren bei der königlichen Reisetätigkeit wichtige Stützpunkte und zentrale Orte für die Wahrnehmung königlicher Rechte auf den Gebieten der Wirtschaft und der Rechtsprechung. Spiegel der Wirtschaftskraft waren die königliche und später ministeriale Münzprägung durch Kuno I. von Hagen-Münzenberg und der städtische Marktbetrieb, aus dem mit herrscherlicher Privilegierung seit dem 13. Jahrhundert eine feste Abfolge der Wetterauer Messen in Frankfurt und Friedberg erwuchs. Die Frankfurter Messe besteht bis heute in ungebrochener Tradition.

Der so entstandene Wirtschaftsraum nahm nach Ausweis des Reichssteuerverzeichnisses von 1241, an dessen Spitze die Städte und Juden der Wetterau standen, eine herausragende Rolle ein. Deshalb fand auch das Königtum in der Krise der Jahre 1241 bis 1254 dort Rückhalt.

Mit dem Ende der Staufer im Reich und mit dem Aussterben der Münzenberger 1255 traten die unterschiedlichen politischen Kräfte der Wetterau deutlicher hervor, vor allem die großen Familien derer von Hanau, Eppstein, Falkenstein und Isenburg-Büdingen, die Friedberger Burgmannschaft, die sich vielfach in Ganerbengemeinschaften konstituierenden niederadeligen Verbände, die Freigerichte (insbesondere Kaichen) und die Städte. Dort erlangten bürgerliche Eliten trotz andauernder Bindung an das Königtum in spät- und nachstaufischer Zeit größere Autonomie und sicherten diese im 13. und 14. Jahrhundert in regionalen und überregionalen Städtebünden. Wegen einer fehlenden Hegemonialmacht konnte das Königtum seinen gestaltenden Einfluss in der Wetterau lange erhalten. Dazu diente die in ihren Kompetenzen noch undeutliche Beauftragung Gerlachs von Büdingen durch Friedrich II. seit 1219, Grundlage der vom römisch-deutschen König Rudolf I. wieder belebten Landvogtei als Zusammenfassung und Verwaltung der königlichen Rechte und Besitzungen in der Wetterau. Allerdings nutzten die bis 1419 nachweisbaren Landvögte ihre Stellung auch zunehmend, um eigene territoriale Interessen durchzusetzen.

Neuzeit[Bearbeiten]

Die regionale Einheit der Wetterau war also nicht das primäre politische Handlungskonzept, aber das Ergebnis. Die spätmittelalterliche Landfriedenspolitik führte seit 1422 zu zunächst gemischtständischen Einungen von Rittern, Herren und Grafen der Wetterau. Diese Einungen stifteten regionale Identität, die selbst bei zunehmender ständischer Abgrenzung nicht aufgelöst wurde.

Vier stabilisierende Elemente lassen sich so ab dem Übergang von Mittelalter zu Neuzeit in der Wetterau ausmachen:

Die Ertragskraft der Wetterau wurde ihr im Dreißigjährigen Krieg allerdings auch zum Verhängnis. Durchziehendes Militär verheerte immer wieder Dörfer und Städte des Gebiets, das zum Teil dramatische Bevölkerungsverluste erlitt.[4]

Die Vielschichtigkeit von Herrschaft in der Wetterau erhielt sich trotz des Bedeutungsverlustes vieler kleinerer Territorien bis zur Mediatisierung am Ende des Alten Reiches, als weite Teile der Wetterau an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt fielen.

Zitat[Bearbeiten]

„Je tiefer wir in das bunte Römische Reich hineingeraten, um so geblümter wird die Statistik, so daß wir, politisch gesehen, wirklich nicht mehr recht wissen, wo wir uns befinden und wozu der Flecken gehört, auf dem wir gehen. Darmstadt, Hanau, Solms, Burggrafschaft, Kurmainz und Pütter-weiß-wie-viele Regierungen spielen hier in einem solchen Durcheinander Blindekuh, daß man glauben sollte, dieser Teil von Deutschland wäre einmal kaputtgegangen und in aller Eile auf gut Glück wieder zusammengekleistert worden. Ich danke dem Himmel, daß diese meine Reise nicht statistisch ist und daß ich mich also nicht darum kümmern brauche, ob Peter oder Paul hier etwas zu sagen haben. Was am meisten darunter leidet, sind unsere Wagen und unsere Schuhe; denn die Wege scheinen ebenso wenig wie wir zu wissen, wer sie instand halten müßte, und in dieser Ungewißheit werden sie immer schlechter.“

Jens Baggesen: Das Labyrinth oder Reise durch Deutschland in die Schweiz 1789[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Kurt Anker: Von Heimat redet hier keiner - Dorfleben heute, Dorfleben in der Wetterau, Jonas Verlag, Marburg 1987, ISBN 3-922561-61-6.
  • Kurt Ehemann: Das Bauernhaus in der Wetterau und im SW-Vogelsberg Forschungen zur Deutschen Landeskunde Band 61, Remagen 1953.
  • Inge Eichler: Die Wetterau - Ein Land der Fülle und der Gnade Amorbach 1986
  • Albrecht Greule, Jörg Lindenthal, Bernd SchneidmüllerWetterau. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 33, Walter de Gruyter, Berlin/New York 2006, ISBN 978-3-11-018388-7, S. 546–551.
  • Peter Prinz-Grimm und Ingeborg Grimm: Wetterau und Mainebene Borntraeger, Berlin/ Stuttgart 2002, ISBN 3-443-15076-4 (Sammlung geologischer Führer 93), bes. S. 4–8.
  • Michael Keller /Herfried Münkler (Hrsg): Die Wetterau - Landschaft zwischen Tradition und Fortschritt, Verlag Sparkasse Wetterau, Friedberg 1990.
  • Ottmar Kerber: Gießen und die Wetterau (Deutsche Lande - Deutsche Kunst). München und Berlin 1964
  • Gerd-Peter Kossler /Gottfried Lehr/Klaus Seipel: Der korrigierte Fluß - Die Nidda zwischen Regulierung und Renaturierung. Vertrieb: Gerd-Peter Kossler, Frankfurt 1991, ISBN 3-9800853-3-3
  • Vera Rupp (Hrsg.): Archäologie der Wetterau Bindernagel, Friedberg 1991, ISBN 3-87076-065-6 (Sonderausgabe der Wetterauer Geschichtsblätter 40/1991).
  • Fred Schwind: Zur staatlichen Ordnung der Wetterau von Rudolf von Habsburg bis Karl IV, in: Hans Patze (Hrsg.): Der Deutsche Territorialstaat im 14. Jahrhundert, Bd. II, Sigmaringen 1971, S. 199-228.
  • Fred Schwind: Die Landvogtei in der Wetterau - Studien zu Herrschaft und Politik der staufischen und spätmittelalterlichen Könige. Marburg 1972.
  •  Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen (Hrsg.): Kulturelle Entdeckungen Main-Kinzig-Kreis, Vogelsbergkreis, Wetteraukreis. Schnell & Steiner, Regensburg 2009, ISBN 978-3-7954-2189-2.
  • Stiftung Hessischer Naturschutz (Hrsg): Die Wetterau - Felder, Auen und Visionen Verlag Herwig Klemp, Wardenburg und Tungeln 2001
  • Fritz Wolff: Wetterau und Vogelsberg in alten Landkarten = Geschichte und Kultur in Wetterau und Vogelsberg 2. Friedberg [1994].
  •  Hans Wolf: Die Wetterau - Geschichte, Gemeinden und Landschaften des Wetteraukreises. Petermann, Bad Nauheim 2002, ISBN 3-9808581-0-3.

Bildwerke[Bearbeiten]

  • Winfried Eberhardt, Jindřich Štreit: "Mit anderen Augen - Jinýma očima", Foto-Projekt des Wetteraukreises und des Kreises Bruntal (Tschechische Republik), Sparkasse Wetterau (Hrsg), Friedberg/Bruntal 1998.
  • Winfried Eberhardt: "Momente", Wetterauer Fotografien 1987 - 1995, Selbstverlag.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wetterau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Wetterau – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Erasmus Alberus: Kurze Beschreibung der Wetterau. 1552.
  2. Karl Ernst Demandt: Geschichte des Landes Hessen, 2. Auflage, Bärenreiter-Verlag, Kassel und Basel, 1972, ISBN 3-7618-0404-0, S. 458.
  3. Erasmus Alberus: Kurze Beschreibung der Wetterau. 1552.
  4. Erhard Bus: Gute Ernten und zentrale Lage als Fluch - Der Westen der Grafschaft Hanau-Münzenberg in den ersten Jahren des Großen Krieges, 1620-1633. In: Hanauer Geschichtsverein: Der Dreißigjährige Krieg in Hanau und Umgebung 2011, ISBN 978-3-935395-15-9 (formal falsche ISBN), S. 67-91. ( = Hanauer Geschichtsblätter 45)
  5. Leipzig 1985, S. 233.

50.2833333333338.95Koordinaten: 50° 17′ 0″ N, 8° 57′ 0″ O