Wewelsburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
Wikipedia:Hauptseite
Dieser Artikel behandelt die Burg Wewelsburg; für die gleichnamige Ortschaft siehe Wewelsburg (Ort).
Die Wewelsburg, aus dem Almetal gesehen
Die Wewelsburg, aus dem Almetal gesehen
Ostflügel mit Zugangsbrücke
Ostflügel mit Zugangsbrücke
Eingänge im Innenhof
Eingänge im Innenhof
Ort der Wewelsburg in Deutschland
Ort der Wewelsburg in Deutschland

Die Wewelsburg ist eine Burganlage im Stadtteil Wewelsburg der Stadt Büren im Kreis Paderborn, Nordrhein-Westfalen. Sie liegt über dem Tal der Alme und gilt als die einzige Burg mit dreieckigem Grundriss in Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Vorgängergebäude

Ein Vorgängergebäude war die von dem mittelalterlichen Chronisten Annalista Saxo erwähnte Wifilisburg, die während des 9. und 10. Jahrhunderts gegen die Ungarn genutzt wurde (die in der Volksüberlieferung mit den Hunnen gleichgesetzt werden). Ein weiteres Gebäude wurde 1123 von Friedrich von Arnsberg errichtet. Nach seinem Tod im Jahre 1124 wurde die Burganlage von den Bewohnern des benachbarten Dorfes wieder zerstört, die von Arnsberg unterdrückt worden waren. 1301 verkaufte Graf von Waldeck die Wewelsburg an den Fürstbischof von Paderborn. Ein Dokument über diesen Kauf erweist, dass sich zwei festungsähnliche Gebäude auf dem Hügel befanden: das Bürensche- und das Waldecksche Haus. Bis 1589 wurde das Anwesen von den Fürstbischofen an verschiedene Lehnsherren vergeben.[1]

[Bearbeiten] Die Burg in ihrer heutigen Form

Die Wewelsburg wurde in ihrer heutigen Form von 1603 bis 1609 vom Paderborner Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg (regierend von 1585 bis 1618) als Schloss im Stil der Weserrenaissance erbaut, nachdem er sie 1589 nach mehrfachen Verpfändungen wieder ausgelöst hatte. Das Mauerwerk beider Vorgängergebäude wurde in das neue Gebäude integriert, das in seiner Gestalt nach den Vorgaben des spitzwinkeligen Geländes mit den drei Türmen den Charakter der Burg seither prägt.[2] Das Schloss diente als Nebenresidenz der Fürstbischöfe.[3] Im Dreißigjährigen Krieg wurde sie durch Besatzung schwedischer Truppen unter Carl Gustav Wrangel schwer beschädigt.[4] Seit 1654 wurde die weitgehend zerstörte Burg von Fürstbischof Theodor Adolf von der Recke und seinem Nachfolger Ferdinand von Fürstenberg renoviert. Zwei Hexenprozesse fanden 1631 in der Wewelsburg statt (ein früherer Inquisitionsraum befindet sich im Keller neben dem Ostturm).[5] Im 18. und 19. Jahrhundert war die Burg dem Verfall ausgesetzt.

[Bearbeiten] Die Burg in preußischem Besitz

1802 fiel die Burg in den Besitz Preußens. Am 11. Januar 1815 brannte der Nordturm nach einem Blitzschlag aus – nur die Außenmauern blieben stehen. Von 1832 bis 1934 befand sich im östlichen Teil des Südflügels der Burg eine Pfarrwohnung. Diese Wohnung wurde bis 1821 von einem Rentmeister bewohnt.

[Bearbeiten] Die Burg im Besitz des Kreises Büren

1924 [6] wurde die Burg Eigentum des Kreises Büren. Sie wurde in ein Kulturzentrum verwandelt. 1925 existierten ein örtliches Museum, Speisesaal, Restaurant und eine Jugendherberge.[7] Ende der 1920er zeigte sich der Nordturm als Schwachstelle der Architektur und wurde Winter 1932/33 mit schweren Eisenringen verstärkt. Die Erhaltung der Burg wurde vom Verein zur Erhaltung der Wewelsburg unterstützt. Nach 1925 verlangsamten sich die Renovierungstätigkeiten.[8]

[Bearbeiten] Nutzung zur Zeit des Nationalsozialismus

Reichsführer-SS Heinrich Himmler pachtete die Burg 1934 für 100 Jahre vom Landkreis Büren, nachdem Hermann Bartels, der später zuständige Architekt für den Ausbau der Wewelsburg, Himmlers Aufmerksamkeit bereits 1933 auf die Burg gelenkt hatte, als dieser sich mit dem damals noch mit ihm befreundeten Richard Walther Darré um eine Burg für die SS in Westfalen bemühte. [9] In dieser Zeit erhielt das Gebäude durch die Abschlagung des Putzes, die Vertiefung des Grabens und die Errichtung einer Zugangsbrücke ein mehr „burgartiges“ Aussehen. Himmler wollte die Wewelsburg anfangs offiziell zur „Reichsführerschule“, später dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit zur Ordensburg und schwarzmagische Gralsburg der SS umfunktionieren. Als die Stadt Quedlinburg für die Ausrichtung der 1000-Jahrfeier des Todestages des ostfränkischen Herrschers Heinrichs I. (919–936), der in der deutschen Geschichtsschreibung als Reichsgründer gilt, höchste Reichsstellen zur Finanzierung zu interessieren versuchte und Himmler im Dezember 1935 der Stadt eine Zusage schickte, mit der er mit der Stadt die Organisation der Feierlichkeiten für den 2. Juli 1936 übernahm, veränderte sich in diesem Zusammenhang der Stellenwert der Wewelsburg: SS-Ideologen sahen darin eine Gründung aus der Zeit Heinrichs I.,[10] und Himmler verhängte 1935 ein (1939 noch verschärftes) Berichtsverbot über die dort geplanten weiteren Vorgänge. Die Burg wurde in die ausschließliche Zuständigkeit des Persönlichen Stabes des Reichsführers-SS übernommen. Nach dem „Endsieg“ sollte sie das „Zentrum der neuen Welt“ darstellen. Er plante eine monumentale Anlage mit einem Durchmesser von einem Kilometer mit Zugang zum nahe gelegenen Hellweg (heute Bundesstraße 1), an dessen Anfang in Duisburg der zentrale Stadtplatz am 1. August 1936 in König-Heinrich-Platz umbenannt wurde. Zu der einzigen offiziellen SS-Veranstaltung lud Himmler vom 11. bis 15. Juni 1941 zu einer SS-Gruppenführertagung auf die Wewelsburg ein und verkündete den Zweck des Unternehmens Barbarossa: „die Dezimierung der Bevölkerung der slawischen Nachbarländer um 30 Millionen“. Die Burg wurde als Ausgangspunkt für die Fortsetzung der Ostpolitik Heinrichs I. angesehen (Eroberungen bis zum Ural). Sie sollte außerdem ein Mittelpunkt der „artgemäßen“ Religion werden und einen Repräsentationsbau für das SS-Führerkorps darstellen. Als der „Endsieg“ mit den Kolonialeroberungen im Osten ausblieb, ließ Himmler die Wewelsburg am 31. März 1945 durch den SS-Hauptsturmführer Heinz Macher sprengen, um sie nicht von den amerikanischen Truppen erobern zu lassen. Wegen Mangels an Sprengstoff wurden Panzerminen ausschließlich im Südostturm der Burg verteilt, zusätzlich wurde die Burg in Brand gesetzt.[11]

Für die geplanten und teilweise ausgeführten Bauarbeiten wurde unweit des Ortes ein Barackenlager eingerichtet, welches von September 1941 bis April 1943 als eigenständiges KZ Niederhagen geführt wurde. Im Nordturm der Wewelsburg sind aus dieser Zeit noch der „Obergruppenführersaal“ sowie eine wohl als Kultraum gedachte Gruft vorhanden und zeitweise zu besichtigen. Die Achse des Nordturmes hätte nach Angaben der damaligen Architekten den eigentlichen „Mittelpunkt der Welt“ darstellen sollen. Angeblich sollten in der Gruft unter anderem die von dem späteren SS-Gruppenführer Karl Maria Wiligut entworfenen Totenkopfringe verstorbener SS-Führer gesammelt werden. Diese wurden aber der Überlieferung nach im Frühjahr 1945 in einem luftschutzsicheren Schrein (Inhalt ca. 11.500 Ringe) in eine Bergseite nahe der Burg geschafft und nie mehr gefunden. [Es sind nie so viele Ringe in der Nähe der Burg versteckt worden. Nach Aussagen aus der Wewelsburger Bevölkerung und nach dem Buch „Der SS-Totenkopfring“ von Klaus D. Platzwall sind alle in der Burg befindlichen Exemplare von amerikanischen GIs geplündert worden.] Ein großflächiges dunkelgrünes Ornament in Gestalt eines Sonnenrades im Marmorboden des Gruppenführersaales wird heute als Schwarze Sonne in rechtsextremen Kreisen und in der Esoterik verehrt.

[Bearbeiten] Nutzung heute

Die Burg dient heute als Jugendherberge; außerdem ist darin das Kreismuseum des Kreises Paderborn untergebracht. Die Jugendherberge zählt mit 204 Betten zu den größten in Deutschland. Auch die anderen Gebäude, welche die SS im Zuge der Umbaumaßnahmen bereits errichten ließ, haben heute eine sinnvolle Verwendung gefunden, so wurde die „Villa Bartels“, die Villa des SS-Architekten Bartels, zum evangelischen Paul-Schneider-Haus umfunktioniert, und das ehemalige Wachgebäude vor der Burg beherbergt den städtischen Jugendtreff der Stadt Büren und die Dokumentation Wewelsburg 1933–1945 – Kult- und Terrorstätte der SS. Diese Dokumentation soll in naher Zukunft unter anderem durch den Anbau eines weiteren Gebäudes umgebaut und ergänzt werden, allerdings haben die Bauarbeiten aktuell (November 2005) wegen Finanzierungsproblemen noch nicht begonnen.

[Bearbeiten] Fußnoten

  1. Die Wewelsburg (Geschichte der Burg)
  2. Karl Hüser (1982/²1987), S.  9.
  3. Kreismuseum Wewelsburg
  4. Zeittafel
  5. Virtueller Rundgang
  6. Burgplan
  7. The North Tower of Wewelsburg Castle
  8. Die Wewelsburg (Geschichte der Burg)
  9. Karl Hüser (1982/²1987), S. 14, 17f.
  10. Karl Hüser (1982/²1987), S. 8 f.
  11. Wewelsburg: SS-Kult und KZ-Terror: drittletzter Abschnitt

[Bearbeiten] Literatur

  • Bérenger, Daniel (Hrsg.): Führer zur Vor- und Frühgeschichte der Hochstiftkreise Paderborn und Höxter. Historische Schriften des Kreismuseums Wewelsburg; 4, Münster: Scriptorium, 2002 ff., ISBN 3-932610-24-5.
  • Helzel, Frank: Ein König, ein Reichsführer und der Wilde Osten. Heinrich I. (919–936) in der nationalen Selbstwahrnehmung der Deutschen. Bielefeld: transcript, 2004, ISBN 3-89942-178-7.
  • Hüser, Karl: Wewelsburg 1933–1945. Kult- und Terrorstätte der SS. Paderborn: Bonifatius-Druckerei, 1982, ISBN 3870883057.
  • Hüser, Karl / Brebeck, Wulff E.: Wewelsburg 1933–1945, 4. überarb. Aufl., Münster 2002
  • Melzer, Walter: Die Wewelsburg vom hohen Mittelalter bis in die frühe Neuzeit: Ergebnisse einer archäologischen Untersuchung zu den Anfängen der Burg. Schriftenreihe des Kreismuseums Wewelsburg; 4, Paderborn 1992, ISBN 3-925355-70-7.
  • Melzer, Walter / Historisches Museum des Hochstifts Paderborn (Hrsg.): Die Wewelsburg im Mittelalter – Ergebnisse einer archäologischen Grabung. Büren-Wewelsburg: Kreismuseum Wewelsburg, 1998.
  • Andreas Pflock, Gerrit Visser: Von Hengelo nach Wewelsburg – Lebensstationen und Briefe des niederländischen Gewerkschafters aus nationalsozialistischer Gefangenschaft / Van Hengelo naar Wewelsburg – Levensloop en brieven van de Nederlandse vakbondsman uit het nationaal-socialistische gevangenschap (Niederländisch/Deutsch) (2005). 279 Seiten, 67 Photos. ISBN 3-932610-35-0
  • Seufert, Albrecht: In Form eines Triangels, in einer wahrlich sehenswerten und prachtvollen Gestalt. Die Geschichte der Wewelsburg bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts (Mit Genehmigung gekürzte Fassung der unter dem Titel Die Geschichte der Wewelsburg bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts als Diss. phil. der Phil.-hist. Fak. der Universität Heidelberg 1989 vorgelegten Schrift) Materialien zur Kunst- und Kulturgeschichte in Nord- und Westdeutschland, Band 3, Jonas Verlag, Marburg 1992, ISBN 3-89445-121-1.
  • Seufert, Albrecht: Die Wewelsburg als Dreiecksschloss vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Büren-Wewelsburg: Kreismuseum Wewelsburg, 1998.
  • V. Sieben: Die 23 Tage der Isais ISBN 3-000106-98-7.
  • Arfst Wagner: Nationalokkultismus, Teil I. In: Flensburger Hefte Nr. 40: Rassismus, Ausländerhaß, Nationalismus. Flensburg 1993.

[Bearbeiten] Videos zur Rolle der Burg in der NS-Zeit

  • Schwarze Sonne. Ein Film von Rüdiger Sünner (Herausgeber 'Absolut Medien', Reihe: Dokumente 251) – das Begleitbuch zum Film ist vom selben Autor unter gleichem Titel im Herder Verlag erschienen;
  • Heinrich Himmlers Burg. Die Wewelsburg: Das weltanschauliche Zentrum der SS (Herausgeber 'POLAR Film + Medien GmbH', Reihe: Videos zur Zeitgeschichte);
  • Wewelsburg 1933–1945, Kult- und Terrorstätte der SS. Die offizielle Dokumentation des LWL-Medienzentrums für Westfalen. Ein Film von Dr. Anne Roehrkohl (Herausgeber 'Absolut Medien', Reihe: Dokumente 275).

[Bearbeiten] CD-Roms

  • Die Wewelsburg 1933–1945, SS-Größenwahn und KZ-Terror. CD-Rom (auf deutsch oder englisch) des LWL-Medienzentrums für Westfalen, Deutschland 2007.

[Bearbeiten] Weblinks

Koordinaten: 51° 36' 23" N 8° 39' 6" O

Persönliche Werkzeuge