Wheelhouse

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Dieser Artikel behandelt die Wheelhouse genannten Steinbauten. Für den schottischen Politiker siehe Paul Wheelhouse.
Grimsay Wheelhouse
Innenansicht eines wheelhouse im Jarlshof-Komplex, Mainland, Shetland (Zustand: 1999)

Ein Wheelhouse (deutsch Radhaus) ist ein zumeist runder Steinbau der Britischen Inseln, dessen Innenraum von radial angeordneten, gelegentlich in den äußeren Ecken stark gerundeten Nischen umgeben ist, die entweder in die sehr breite, äußere Wandung eingebaut sind oder durch Zwischenmauern abgeteilt vor der Wand liegen.

Das Wheelhouse ist eine Erscheinung der schottischen Eisenzeit. Im Gegensatz zu den Brochs, als dessen Vorläufer es angesehen wird, wird es jedoch in bisher 62 Exemplaren nur in Caithness und Sutherland (Tigh na Fiarnain), auf den Hebriden und den Shetlandinseln angetroffen. Dabei ist anzumerken, dass sich hinter dem Begriff grundsätzlich verschiedene baustrukturelle Befunde von bis zu 10 m Durchmesser und bis zu sechs Metern Höhe verbergen.

Bei den Shetland wheelhouses sind die Speichen ausschließlich als Trockenmauerwerk aus relativ kleinen Steinen errichtet, die über die volle Raumhöhe aufgehen. Bei den Atlantik wheelhouses der Western Isles (South Clettraval) bestehen die Speichen überwiegend aus radialen Raumteilern, die von hochkantstehenden großen Steinen gebildet werden. Ausnahmen wie das Cnip wheelhouse, Valtos, Lewis and Harris bestätigen die Regel (Falls Cnip ein wheelhouse ist und nicht ein in die Erde/Midden eingegrabenes roundhouse, worüber es in der Literatur unterschiedliche Auffassungen gibt). Die Shetland wheelhouses jedenfalls sind sämtlich über OKT aufgehende Gebäude.

Die bekanntesten und besterhaltenen Wheelhouses (vier Anlagen) befinden sich am Jarlshof auf Mainland (Shetlandinsel). Ein Teil dieser wheelhouses wird von einigen Autoren als piktisch angesehen, obwohl sie sich nachhaltig von den zweifelsfrei als piktisch identifizierten kleeblattförmigen Bauten unterscheiden, wie sie im Jarlshof (in Form des piktischen earth houses) und dem auf dem Broch von Gurness gefundenen Haus (farm stead) zu finden sind, die im Abgleich mit den nicht erhaltenen piktischen Wohnhäusern von Buckquoy, Orkney rekonstruiert werden konnten.

Über ihre Nutzungsdauer gibt es keine klaren Vorstellungen, als Steinbruch wurden sie teilweise bis in die Neuzeit genutzt. Die Wheelhouses von Allathasdal, auf Barra und Scalavat 1 auf South Uist waren mit einem Souterrain verbunden, einer Struktur die mit Ritualen[1] zu verbinden ist.

In und unter wheelhouses fand man in Nischen und Gruben Überreste von tierischen und menschlichen Skeletten, wie man sie in Bauten aus allen Epochen und bis in die Neuzeit hinein fand. Auf der Basis dieser Befunde ist die Funktion als Kultbau abzuleiten.

Abgesehen von ihrer Ähnlichkeit und der Nachbarschaft zu den Brochs, die jedoch wesentlich höher sind, erinnert ihre Form sowohl an einige ovalere Anlagen wie Skara Brae auf Orkney, als auch an exakte nordische Rotunden wie die Anlagen von Eketorp oder Ismantorp auf Öland oder an das anatolische Demircihöyük.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ian Armit: The Archaeology of Skye and the Western Isles 1996, ISBN 0-7486-0640-8
  • Gordon Barclay: Farmers, Temples and Tombs (Birlinn 2005); ISBN 1-84158-380-4
  • Euan W. Mackie: The Roundhouses, Brochs and Wheelhouses of Atlantic Scotland C.700 BC-AD 500: Architecture and Material Culture: Orkney and Shetland Isles 2002 ISBN 978-1-84171-459-2

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. R. J. C. Atkinson bringt das Wheelhouse bereits 1957 in „Excavations of a wheelhouse and other Iron Age structures at Sollas, North Uist”, mit Ritualen in Verbindung: “Beneath the wheelhouse floors were a large number of pits, many containing articulated, dismembered or cremated animal burials, attesting to ritual practices”.

Weblinks[Bearbeiten]