Wicca-Traditionen

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Wicca-Traditionen sind unterschiedliche Richtungen innerhalb des Wicca-Kults. Ursprünglich bezieht sich der Begriff ausschließlich auf durch Initiation in Wicca-Coven verbundene Traditionslinien, aber in jüngerer Zeit wird der Begriff auch für unterschiedliche Ausrichtungen (zum Beispiel die Bevorzugung bestimmter Pantheons und Rituale) im Neo-Wicca angewendet, die meist auf Selbstinitiation basieren.

British Traditional Witchcraft[Bearbeiten]

Die British Traditional Witchcraft (BTW) umfasst einige Covens britischer Herkunft, insbesondere aus der New Forest Region, wie zum Beispiel Sybil Leek's „Horsa Coven“, „Plant Bran“, „The International Red Garters“ sowie den „Clan of Tubal Cain“ und „The Regancy“ von Robert Cochrane sowie die zwei ursprünglichen Wicca Traditionen:

Gardnerian Wicca
Bezeichnet die traditionellste Form des auf Gerald Gardner zurückgehenden Wicca. Man muss durch einen Coven initiiert sein wenn man diesen Weg beschreiten will. Die Rituale werden meistens unbekleidet („skyclad“) ausgeführt.
Alexandrian Wicca
Bezeichnet die auf Alex Sanders zurückgehende Abspaltung des Wicca. Zwar behauptete Sanders einer eigenen Linie (durch seine Großmutter) anzugehören jedoch unterscheidet sich dieser Zweig nur unwesentlich von Gardners Vorstellungen. Ebenso wie im Gardnerian Wicca muss man hier durch ein anderes Mitglied in einem Coven initiiert werden. Der zeremonielle Ablauf sieht entsprechende Ritualroben vor. Ebenso wird in dieser Linie mit dem Baum des Lebens gearbeitet.

British Traditional Wicca oder Traditionelles Wicca[Bearbeiten]

Es handelt sich hierbei um einen häufig in den USA verwendeten Begriff. Er dient dort als Selbstbezeichnung derjenigen Wicca, die sich auf eine bis auf Gerald Gardner zurückgehende Initiationslinie berufen können, also anfänglich durch den New Forest Coven initiiert wurden. Da der Begriff Wicca in Amerika heute als Oberbegriff für viele unterschiedliche Naturreligiöse Religionen verwendet wird, wird als Selbstbezeichnung derjenigen Wicca, die sich auf eine bis auf Gerald Gardner zurückgehende Initiationslinie berufen, können häufig die Bezeichnung British Traditional Wicca verwendet:

  • Gardnerian Wicca
  • Alexandrian Wicca
  • Mohsian
  • Central Valley Wicca

Traditionen oder Linien[Bearbeiten]

Unter Traditionen oder Linien versteht man zumeist Coven, die dem British Traditional Wicca nahestehen, und die eine Betonung auf eine ihnen besonders wichtige Thematik oder Pantheon legen, sowie ihre Besonderheiten auch auf alle von ihnen gegründeten Nachfolge-Coven weitergeben. Einhergehend mit einer starken Zunahme der Verbreitung und Popularität von Wicca zeichnet sich in neuerer Zeit jedoch ein zunehmender Trend weg von organisierten Coven-Strukturen und hin zu sogenannten „freifliegenden“ Hexen ab, die sich zwar einer bestimmten Wicca-Tradition verbunden oder zugehörig fühlen können, aber keinem Coven angehören, autodidaktisch aus Büchern lernen und Selbstinitiation praktizieren (siehe Neo-Wicca).

Algard Wicca
Bezeichnet eine Verbindung der Alexandrian und Gardnerian Wicca Traditionen.
Aquarian Tabernacle Church (ATC)
Eine amerikanische Wicca-Tradition, die auf dem Britisch Traditional Wicca basiert. Die ATC wurde 1979 von Pierre Davis gegründet und verfügt über eigene Kirchen und Ritualplätze, die meistens mit Menhiren umgeben sind.
Blue Star Wicca
Bezeichnet eine Anzahl amerikanischer Wicca Traditionen, die auf dem traditionellen Gardnerian Wicca und Alexandrian Wicca basieren.
Celtsun-Wicca
Eine schamanische Wicca-Tradition, die durch eine Übereinkunft zwischen Druiden, Wicca und indianischen Medizinfrauen Anfang der 1980er Jahre ins Leben gerufen wurden. Das wichtigste Kennzeichen ist die Arbeit mit indianischen Medizinrädern.
Circle Witchcraft
Eine 1974 begonnene Tradition, die den Schwerpunkt auf Schamanismus legt.
Convenant of the Goddess (COD)
Eine Organisation zur Förderung der Hexenreligion, die 1975 in Kalifornien von Hexen und Wicca gegründet wurde.
Corellian Wicca
Basierend auf den Lehren der High-Corell Familie. Eine Kombination von schottisch traditionellem Wicca mit Praktiken der amerikanischen Ureinwohner (Cherokee Indianer) und ausgeprägter Ahnenverehrung. Bekannt geworden u. a. auch durch die Ebay-Versteigerung der Online-Wicca-Schule WitchSchool.com.
Egyptian Wicca (Kemetic Wicca, Tameran Wicca)
Eine Ausrichtung von Wicca, die den Schwerpunkt auf das ägyptische Pantheon (insbesondere Isis und Osiris) und die ägyptische Mythologie legt, und sich auf die uralte Überlieferung ägyptischer Magie beruft.
Faery Wicca
Bezeichnet eine Tradition, die einen Schwerpunkt auf die Arbeit mit Feen und anderen Naturgeistern legt. Formal ist Faery-Wicca auch mit Celtic Wicca eng verwandt und leitet ihren Glauben von dem mythischen, irischen Feen-Volk der Thuata de Danaan ab. Faery Wicca ist entgegen einen häufigen Missverständnis nicht identisch mit der Feri Tradition (siehe unten).
Greco-Roman Wicca (Greek Wicca, Hellenic Wicca, Roman Wicca)
Folgt vor allem den griechischen bzw. römischen Traditionen.
Gypsy-Wicca
Bezeichnet die Verbindung von Wicca und Elementen der Roma- und Sinti-Kultur.
Mesopotamian Wicca
Bezeichnet eine Tradition, die auf das mesopotamische/sumerische Pantheon ausgerichtet ist.
Odyssean Wicca
Bezeichnet eine ostkanadische Wicca Tradition mit enger Verbindung zur Wiccan Church of Canada. Wie Blue Star Wicca, hat auch Odyssean Wicca seine Wurzeln in den kontinentalen Traditionen des Gardnerian und Alexandrian Wicca.

Neo-Wicca, Eclectic Wicca, Solitary Wicca[Bearbeiten]

Unter Eclectic Wicca versteht man Wicca-Anhänger, die keiner speziellen Tradition angehören, sich aber bei verschiedenen Traditionen und Kulturen bedienen. Eklektiker können sowohl in einem Coven initiiert werden, als auch eine Selbstinitiation gegenüber dem Gott und der Göttin durchführen.

Solitary-Wicca („Freifliegende Hexen“) ist ein besonders „freier“ Wicca-Stil, der die persönliche Freiheit betont und eine hierarchische Struktur vermeidet. Darunter werden all jenen Wicca zusammengefasst, die sich nicht in einem Coven organisieren – also aus Büchern oder durch Gespräche mit anderen eigenständig lernen. Sie folgen entweder einer bestimmten Tradition oder auch nicht. Unter Solitary Wicca können sowohl Traditionelle Wicca fallen, die ihren Coven verlassen haben und fortan für sich selbst ihre Religion praktizieren, oder auch Eklektiker fallen, die eine Selbstinitiierung durchgeführt haben und ihre Religion individuell für sich selbst ausleben.

Neo-Wicca ist keine Tradition im eigentlichen Sinne, sondern der Sammelbegriff für moderne und offenere Interpretationen von Wicca – mit geringerer Betonung von Themen wie Sexualität und Tod, und meist auch der Akzeptanz von Selbstinitiation. Typische Vertreter von Neo-Wicca sind:

Caledonii Wicca (Hecatine Wicca)
Eine Variante der schottischen Traditionslinie, ähnlich wie Pecti-Witta.
Christian Wicca (Catholic Wicca)
Eine Verbindung von Wicca mit christlichen Traditionen und dem christlichen Pantheon, wobei Jesus die Rolle des geopferten Jahresgottes hat und Maria die Rolle von Gottesmutter und Gefährtin (als Maria Magdalena). Vor allem in Amerika verbreitet.
Norse Wicca (Teutonic Wicca, Wiccatru)
Bezeichnet eine Mischung aus Wicca und dem germanischen Heidentum Asatru, wobei die meisten Vertreter des Asatru diese Art von Synkretismus strikt ablehnen. Im Wiccatru wird das germanische Pantheon der Edda und die germanischen Namen der Jahresfeste verwendet und die Ethik wird durch die sogenannten „Neun edlen Tugenden“ [1] (Mut, Wahrheit, Ehre, Treue, Disziplin, Gastfreundschaft, Fleiß, Selbstständigkeit und Ausdauer) ergänzt. In der magischen Praxis werden zum Beispiel Runen-Orakel und die schamanisch-ekstatische Seidr-Magie verwendet.
Pecti-Witta
Bezeichnet eine dem Seax Wica nahestehende Ausrichtung die jedoch keine angelsächsischen, sondern schottische Symbolismen gebraucht.
Satanic Wicca
Bezeichnet eine Wicca-Linie, die sich einst von den Alexandrian abgespalten hat. Laut eigenem Bekunden der Anhänger dieses Kultes verehren sie den dunklen Gott und handeln auch dementsprechend. Ihre Hauptlinie innerhalb der Wicca-Coven wird als Baphomet-Linie bezeichnet. Diese Linie geht direkt auf Aleister Crowley zurück, der sich mit Gardner verstritt, als es darum ging, eine geeinte Traditions-Linie zu gründen, die direkter handeln sollte, als Gardner es für Wicca vorsah.
Shakti-Wicca
Bezeichnet eine vom hinduistischen Shaktismus beeinflusste Variante von Wicca, die nur mit dem hinduistischen Pantheon (insbesondere Shakti und Shiva) arbeitet.

Verwandte Traditionen[Bearbeiten]

Dem Wicca-Kult nahe verwandte oder eng an Wicca angelehnte Traditionen wurden zumeist von Elementen des Wicca-Glaubens inspiriert, gehören diesen aber nicht direkt an. Sie verbinden meist ihre eigenen religiösen Vorstellungen mit Versatztstücken des Wicca Glaubens. Teils finden sich aber auch Hexentraditionen die bereits vor Wicca (zumeist nur in einem kleineren Familienkontext) existierten und im Lauf der Zeit einige Elemente des Wicca-Glaubens übernommen haben:

Celtic Witchcraft („Celtic-Wicca“)
Variante des keltischen Neopaganismus, bei der unter praktischen Bezug auf Wicca-Rituale und Philosophie auf keltische, hauptsächlich irische und walisische Symbolismen zurückgegriffen wird. Im Mittelpunkt stehen hier häufig die Göttinnen Ceridwen oder Brigid und die Götter Cernunnos und Lugh. Im Gegensatz zu den meisten Wicca-Traditionen gilt im Celtic Wicca häufig der Mond als männlicher und die Sonne als weiblicher Aspekt des Göttlichen.
Ceremonial Witchcraft
Eine der Wicca-Religion verwandte Form magischer Praxis, die insbesondere Elemente der ägyptischen Magie, der Kabbalistik, des Gnostizismus und des Rosenkreutzertums verwendet. In dieser Tradition finden sich auch Einflüsse der hermetischen Zeremonialmagie von Aleister Crowley, Thelema und dem Hermetic Order of the Golden Dawn wieder.
Dianische Wicca
Ist eine Abspaltung des Feminist Wicca in deren Zentrum die Traditionen der antiken römischen Göttin Diana stehen (Artemis bei den Griechen). Diana-Covens werden oft exklusiv für Frauen, einige sogar exklusiv für Lesben errichtet. Es ist wichtig zu wissen, dass nicht alle feministischen Covens unbedingt dem Diana-Kult zugehörig sind.
Feri Tradition
Die Feentradition wurde von Victor und Cora Anderson begründet und gilt nicht im engeren Sinne als eine Wicca Tradition und ist nicht mit Faery Wicca zu verwechseln. Die Feentradition verehrt eine Sternengöttin und ihre göttlichen Zwillingskinder, und glaubt an eine dreiteilige Seele des Menschen. Die ekstatische Arbeit mit der sogenannten Feenenergie sowie mit Sexualmagie steht im Vordergrund. Gwydion Pendderwen und Starhawk sind die bekanntesten Nachfolger aus der Feentradition. Die Feentradition gilt als besonders offen gegenüber jeglicher sexuellen Orientierung.
Heredetary Witchcraft
Die Anhänger dieser Tradition gehen einen Weg, der bereits vor Gardner existiert hat (wenngleich das Wort Wicca als solches hier nicht gebraucht wird). Es handelt sich hier um Familientraditionen, also um solche Anhänger der alten Religion, in deren Familien das Wissen bewahrt wurde, die sich also quasi als „gebürtige“ Hexen oder Erbhexen bezeichnen.
Jewitch
Verbindung von neopaganem Hexentum und mystischem Judentum, mit dem Schwerpunkt auf Kabbalistik.
Minoan Brotherhood/Minoan Sisterhood
Diese beiden gardnerianischen Traditionen wurden in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts gegründet von Eddie Buczynski, genannt Lord Gwydion, Lady Miw-Sekhmet und Lady Rhea, der „Hexenkönigin“ von New York. Die Minoische Bruderschaft und Schwesternschaft sind jeweils auf gleichgeschlechtliche Mitglieder mit homosexueller oder bisexueller Orientierung beschränkt.
Pow-Wows
Bezeichnet eine deutschstämmige Volksmagie aus Pennsylvania, die fälschlich auch als „Pennsylvania Dutch Hexcraft“ bezeichnet wird. Diese Tradition zählt unter anderem zu den Wurzeln der späteren Neo-Wicca Autorin Silver RavenWolf.
Seax Wica
Bezeichnet eine von Raymond Buckland (ursprünglich Anhänger von Gardner) gegründete Wicca-Tradition, die auf altsächsische bzw. angelsächsische Symbolismen zurückgreift. Wichtigste Gottheiten sind Wodan und Freya. Seax Wica ist demokratischer und offener in seinen Praktiken als die Gardnerische oder Alexandrische Linie.
Stregheria (Strega Witchcraft)
Bezeichnet eine mit Wicca verwandte italienische, mittelalterlich geprägte Form des Hexentums, die von Charles Godfrey Leland („Aradia, or the Gospel of the Witches“ 1899) und Raven Grimassi („The Book of the Holy Strega“ 1981; „Ways of the Strega“ 1994) wiederbelebt wurde. Im Zentrum steht die Verehrung der Hexengöttin Aradia.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Margot Adler: Drawing Down the Moon, Penguin 1979, ISBN 0-143-03819-2
  • Kathrin Fischer: Das Wiccatum. Volkskundliche Nachforschungen zu heidnischen Hexen im deutschsprachigen Raum, Würzburg 2007, ISBN 978-3-89913-589-3
  • Joyce Higginbotham & River Higginbotham: Paganism: An Introduction to Earth-Centered Religions, ISBN 0-738-70222-6
  • Ronald Hutton: The Triumph of the Moon: A History of Modern Pagan Witchcraft, 2001 - ISBN 0-19-285449-6
  • Silver RavenWolf: Das Zauberbuch der Freien Hexe. Geschichte & Werkzeug, ISBN 3-548-74139-8
  • Rensing, Britta: Die Wicca-Religion: Theologie, Rituale, Ethik, Tectum 2007, ISBN 978-3-8288-9486-0 (PDF der zu Grunde liegenden Dissertation)

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Begriffsbestimmung um die 9 Edlen Tugenden (PDF; 271 kB)