Wickede (Ruhr)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Wickede (Ruhr)
Wickede (Ruhr)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Wickede (Ruhr) hervorgehoben
51.4963888888897.8658333333333140Koordinaten: 51° 30′ N, 7° 52′ O
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Arnsberg
Kreis: Soest
Höhe: 140 m ü. NHN
Fläche: 25,24 km²
Einwohner: 11.476 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 455 Einwohner je km²
Postleitzahl: 58739
Vorwahl: 02377
Kfz-Kennzeichen: SO, LP
Gemeindeschlüssel: 05 9 74 056
Gemeindegliederung: 5 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 81
58739 Wickede (Ruhr)
Webpräsenz: www.wickede.de
Bürgermeister: Dr. Martin Michalzik (CDU)
Lage der Gemeinde Wickede (Ruhr) im Kreis Soest
Hamm Hochsauerlandkreis Kreis Gütersloh Kreis Paderborn Kreis Unna Kreis Warendorf Märkischer Kreis Anröchte Bad Sassendorf Ense Erwitte Geseke Lippetal Lippstadt Möhnesee (Gemeinde) Rüthen Soest Warstein Welver Werl Wickede (Ruhr)Karte
Über dieses Bild
Luftaufnahme (2014)

Wickede (Ruhr) ist eine Gemeinde im Regierungsbezirk Arnsberg in Nordrhein-Westfalen, Deutschland und gehört zum Kreis Soest.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Die Gemeinde Wickede liegt im Ruhrtal am Rande des Sauerlands am südlichen Hang des Haarstrangs. Das Gemeindegebiet ist gekennzeichnet durch die Ortsmitte, die sich im Tal der Ruhr erstreckt und Erweiterungen, die sich an den Erhebungen des Haarstrangs von der Mitte aus entwickelt haben. Die Ruhr durchschneidet die Gemeinde und prägt das Ortsbild.

Höchste Erhebung im Gemeindegebiet ist der Bellingser Berg mit einer Höhe von 238 m über NN. Der tiefste Punkt mit 128 m über NN befindet sich an der Ruhr an der Grenze zwischen Menden (Sauerland) und Fröndenberg/Ruhr.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Dorfplatz mit Kirche, Dorfbrunnen und Maibaum im Ortsteil Echthausen

Nach der Hauptsatzung vom 7. Juli 2009 ist das 25,2 km² große Gemeindegebiet in die Ortschaften Echthausen, Schlückingen, Wiehagen und Wimbern aufgeteilt.[2]

Nachfolgende Übersicht zeigt die Besiedlungsstärke der einzelnen Ortsteile zum 31. Juli 2011.[3]

Ortsteil Fläche
in km²
Einwohner Einwohner
je km²
Echthausen 6,89 1.515 225
Schlückingen 4,89 209 43
Wickede (Hauptort) 4,54 8.060 1.793
Wiehagen 3,38 1.380 402
Wimbern 5,55 860 164

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Wickede grenzt an fünf Städte und Gemeinden aus vier Kreisen in Nordrhein-Westfalen. Beginnend im Norden und dann im Uhrzeigersinn folgend sind dies Werl und Ense im Kreis Soest, Arnsberg im Hochsauerlandkreis, Menden im Märkischen Kreis und Fröndenberg im Kreis Unna.

Geschichte[Bearbeiten]

Nach 800 wurde Wickede erstmals als Ort schriftlich erwähnt. In einem Heberegister der Abtei Werden an der Ruhr tauchte zum ersten Mal der Name „Wikki“ auf. Um 1100 gab es eine aus fünf Höfen bestehende Streusiedlung. Diese gehörte zur Grafschaft Arnsberg. Mit dem Verkauf der Grafschaft Arnsberg fiel Wickede 1368 an Kurköln. Das gesamte kurkölnische Herzogtum Westfalen und damit das Gebiet von Wickede (außer Scheda) mit damals 443 Einwohnern kam 1803 zu Hessen-Darmstadt und ab 1816 zu Preußen.

Die begonnene Industrialisierung brachte auch für Wickede (Ruhr) die Nutzung der Wasserkraft der Ruhr. Es entstand ein Puddel- und Walzwerk als indirekter Vorgänger der heutigen Wickeder Westfalenstahl GmbH. Die Bevölkerung wuchs bis 1870 auf rund 1000 Einwohner an. Die Ruhrtalbahn der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft wurde 1870 eröffnet. Wickede bekam einen eigenen Bahnhof. Im Jahre 1889 wurde eine Glashütte errichtet und sorgte für einen großen Bevölkerungsanstieg. Diese Glashütte wurde allerdings 1915 wieder geschlossen. Die erste Glaskuppel des Eiffelturms in Paris stammte aus Wickede. Mit der weiteren Industrialisierung stieg die Bevölkerung auf 1547 Einwohner, da viele Facharbeiter im Ort wohnten. Im Jahr 1939 lebten in Wickede 3334 Einwohner.

Durch einen britischen Luftangriff auf die Sperrmauer des Möhnesees am 17. Mai 1943 im Zweiten Weltkrieg wurde das Ruhrtal und mit ihm Teile Wickedes in Flussnähe von einer Flutwelle getroffen. In Wickede starben 118 Menschen in den Fluten.[4]

Das Stadtgebiet von Wickede war ab dem 1. April 1945 Teil des von Alliierten Truppen eingeschlossenen Ruhrkessels.[5] Truppen der US-Army besetzten zwischen dem 9. und 14. April das Stadtgebiet. Bei der Besetzung kam es nicht zu größeren Kämpfen im heutigen Stadtgebiet. Am schwersten waren die Auswirkungen in Echthausen. Echthausen wurde vor dem US-Einmarsch am 14. April für drei Tage durch US-Artillerie beschossen. Dabei wurden zwei Frauen und mehrere ausländische Kriegsgefangene, die im dortigen Lazarett lagen, getötet, ferner mehrere Gebäude getroffen.[6]

Ende 1967 hatte Wickede 7585 Einwohner. Die Arbeiter in der Industrie verdienten ihr Geld in erster Linie in der Stahlverarbeitung und in zwei großen Betrieben, die sich auf Klinikbedarf spezialisiert hatten.

Skulptur am Dorfplatz in Echthausen

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Die heutige Gemeinde Wickede (Ruhr) entstand am 1. Juli 1969 durch das Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Soest und von Teilen des Landkreises Beckum. Die bisherigen Gemeinden Echthausen (Amt Hüsten im Landkreis Arnsberg), Schlückingen, Wickede und Wiehagen (alle Amt Werl im Landkreis Soest) und Wimbern (Amt Menden im Landkreis Iserlohn) wurden zur neuen amtsfreien Gemeinde zusammengeschlossen. Gleichzeitig wurden Teile von Bentrop (Landkreis Unna) und Büderich (Amt Werl im Landkreis Soest) eingegliedert.[7][8]

Religionen[Bearbeiten]

Der überwiegende Teil der Bevölkerung ist christlichen Glaubens. Etwa 60 % sind katholisch; neben den evangelisch Konfessionellen gibt es eine kleine Neuapostolische Gemeinde.

Die beiden katholischen Kirchen St. Antonius von Padua in Wickede und St. Vinzenz in Echthausen gehören zum Pastoralverbund Wickede (Ruhr) im Dekanat Hellweg des Erzbistums Paderborn. Ferner existiert die Kapellengemeinde Schlückingen sowie das Heilig-Geist-Kloster, Provinzialkloster der Steyler Missionsschwestern in Wickede-Wimbern.

Die evangelisch-lutherische Gemeinde mit Christuskirche und Gemeindezentrum Lutherhaus ist die flächenmäßig kleinste und eine der jüngsten Gemeinden im Kirchenkreis Arnsberg der Evangelischen Kirche von Westfalen.[9]

Die Gottesdienste der Neuapostolischen Gemeinde werden in der eigenen Kirche in Wickede-Wiehagen gefeiert.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009[10][11]
Wahlbeteiligung: 56,6 % (2004: 62,8 %)
 %
50
40
30
20
10
0
49,8 %
27,1 %
9,7 %
8,5 %
4,9 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-4,5 %p
-3,1 %p
+1,0 %p
+1,7 %p
+4,9 %p

Nach der Kommunalwahl am 30. August 2009 setzt sich der Rat der Gemeinde folgendermaßen zusammen:[10]

Partei/Gruppierung Sitze
CDU 16
SPD 8
GRÜNE 3
FDP 3
BG 2

Bürgermeister nach 1945[Bearbeiten]

  • 1945–1946 Richard Merse (Schlossermeister)
  • 1946–1948 Alfons Brumberg (Organist, Chorleiter)
  • 1948–1950 Wilhelm Heide (Expedient)
  • 1950–1952 Wilhelm Schulte
  • 1952–1952 Philipp Luft (Malermeister)
  • 1952–1964 Franz Schweins (Lehrer)
  • 1964–1969 Alfons Brumberg (Organist, Chorleiter)

1969 kommunale Neuordnung

  • 1969–1984 Alfons Brumberg (Organist, Chorleiter)
  • 1984–1989 Alfons Henke (Kaufm. Angestellter)
  • 1989–1999 Werner Koenig (Bahnbeamter)

1999 hauptamtliche Bürgermeister

  • 1999–2004 Jakob Martens (parteilos)
  • 2004-2014 Hermann Arndt (CDU)
  • seit 2014 Dr. Martin Michalzik

Wappen[Bearbeiten]

Wappenabbildung

Blasonierung

In dem von Silber (Weiß) über Blau im Wellenschnitt geteilten Schild oben ein durchgehendes schwarzes Kreuz, unten ein silbernes (weißes) aus dem Schildfuß herauswachsendes Zahnrad.[7]

Beschreibung

In der oberen Hälfte des Wickeder Wappens taucht das schwarze Kreuz des Kurfürstentums Köln auf, zu dem das Gebiet der Ruhrgemeinde in früheren Jahren gehörte. Die untere Hälfte symbolisiert ein schweres Zahn- bzw. Schwungrad. Es steht als deutlich sichtbares Zeichen für die besondere Stellung der Gemeinde Wickede (Ruhr), die sie für die Schwerindustrie einnimmt. Die wellenförmige Trennlinie erinnert in diesem Zusammenhang an die Ruhr, die sich durch den Ort schlängelt und in Wickede ihren nördlichsten Punkt erreicht. Das Wappen wurde am 3. April 1070 vom Regierungspräsidenten in Arnsberg genehmigt.

Weiterhin führt die Gemeinde eine Flagge. Sie ist in Längsrichtung blau-weiß-blau gestreift und trägt in der oberen Hälfte des weißen Feldes das Gemeindewappen. Das Dienstsiegel enthält das Wappen mit der umlaufenden Schrift Gemeinde Wickede (Ruhr).[7]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Am 14. November 2000 beschloss der Gemeinderat, eine Städtepartnerschaft einzugehen, weshalb Kontakte zur polnischen Landgemeinde Jemielnica/Himmelwitz aufgenommen wurde. Der offizielle Partnerschaftsvertrag wurde am 12. Mai 2006 im Wickeder Bürgerhaus unterschrieben. Bereits vor der Besiegelung entstand ein Freundeskreis, der gegenseitige Besuche der Partner organisiert.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Schloss Echthausen

Auf dem Gemeindegebiet befinden sich einige geschichtlich wichtige Bauwerke bzw. Anlagen, die alle in privater Nutzung stehen und nur von außen besichtigt werden können. Zu den denkmalgeschützten Bauwerken gehört Schloss Echthausen. Das ehemalige Rittergut mit großzügigem Park war lange im Besitz der Familie von Boeselager. In dieser Zeit ist es stark verfallen. Die jetzige Besitzerfamilie restaurierte das gesamte Anwesen aufwendig und nutzt es für Wohnzwecke selbst.

Das Kloster Scheda ist ein ehemaliges Prämonstratenserkloster, um das sich viele Legenden ranken. Unter anderem soll dort immer noch der „Weiße Abt“ durch den Park spuken. Die Anlage war lange im Besitz der Grafen von Kanitz, die dort Landwirtschaft betrieben. Der Gebäudebestand wechselte im Mai 2011 an den Unternehmer Walter P. J. Droege von der Droege International Group.

Die ersten Besitzer des Gutes Schafhausen waren die Herren von Schaephuisen, Vasallen der Dynasten von Bilstein. Das Gut bildete um 1863 eine zusammenhängende Fläche von ungefähr 800 Morgen. Davon waren etwa 460 Morgen Ackerland, der Rest war hauptsächlich Eichen- und Lärchenwald. Heute ist das Gut im Besitz der Familie Aurich. Gut Beringhof ist ein ehemaliger Gutshof unmittelbar an der Alten Ruhr gelegen. Er war früher im Besitz der Familie Bering, später von Boeselager. Nach drohendem Verfall und zwischenzeitlicher Nutzung durch eine spirituelle Gemeinschaft wurde das gesamte Anwesen nach einem Besitzerwechsel von der Familie Müller gänzlich renoviert und erweitert. Es entstand eine Pferdezucht und ein Springstall.

Sehenswert ist auch die denkmalgeschützte Fabrikantenvilla, die im Volksmund Weiße Villa genannt wird. Früher wurde sie von den Direktoren der ehemaligen Wickeder Eisen- und Stahlwerke, einem der größten Arbeitgeber der Region bewohnt.

Landschafts- und Naturschutzgebiete, Parks[Bearbeiten]

Sieben Teilbereiche des Gemeindegebietes von Wickede sind 2006 mit dem Landschaftsplan V Wickede-Ense als Landschaftsschutzgebiete (LSG) ausgewiesen worden.[12] Es handelt sich um die Landschaftsschutzgebiete Schafhauser Haar (163 ha), Wiehagener Wassertal (21 ha), Strullbachtal (92 ha) und Wickeder Ruhraue/Feldflur Beringhof/Nesselbruch (85 ha), Lütkenheide/Aufschlag/Bellingser Berg (73 ha), Oevinghauser Wald und Ruhrtal (262 ha) und Echthauser Berg/Echthauser Heide/Osterberg (303 ha). Wickede hat ferner drei Gebiete welche als Naturschutzgebiet (NSG) ausgewiesen wurden.[13] Es handelt sich um die Naturschutzgebiete Ruhraue (370 ha, Teilgebiet im Stadtgebiet Ense), Wimberner Bach (13 ha) und Wälder am Mühlenbach (71,5 ha). Alle drei Naturschutzgebiete sind auch als Europäisches Schutzgebiet (FFH-Gebiet) ausgewiesen worden. Die Ruhraue war teilweise schon 1985 erstmals als NSG ausgewiesen worden.[14] Im NSG Ruhraue soll insbesondere die Ruhr mit ihrer Unterwasservegetation, Ruhraltarmen, Schlammbänken und Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder am Ruhrufer geschützt werden. Im NSG Ruhraue kommen die folgenden Tierarten von Anhang II der FFH-Richtlinie vor: Kammmolch, Bachneunauge, Groppe, Teichfledermaus, Eisvogel, Uferschwalbe, Krickente, Flussregenpfeifer, Teichrohrsänger, Tafelente, Gänsesäger, Wiesenpieper, Singschwan und Zwergtaucher.

Inmitten des Hövelwaldes oberhalb der Ruhr, am sogenannten Bösen Ufer, stand mit der Dicken Buche das einzige Naturdenkmal im Stadtgebiet Wickede.[15] Die Dicke Buche stürzte im Januar 2012 in einem Sturm um.[16] Im Gemeindegebiet sind die sechs geschützten Landschaftsbestandteile Waldbereiche Schafhauser Haar, Hohlweg nördlich von Wiehagen, Strullbach mit Seitensiepen, Brakelbach, Jordan und Tümpel Ruhraue ausgewiesen.[17] Ferner gibt es einige gesetzlich geschützte Biotope.[18] Neben dem Bernhard-Bauer-Park mit Teich und altem Baumbestand im Zentrum des Gemeindegebietes, gibt es in den Ortsteilen noch weitere parkähnliche Anlagen.

Sport[Bearbeiten]

Im Gemeindegebiet sind unterschiedliche sportliche Freizeitaktivitäten möglich.

Fußball wird „Im Ohl“ auf einer modernen Fußballanlage mit einem Rasen- und Kunstrasenplatz und einem weiteren kleinen Trainingsplatz gespielt. Hier trainiert auch der TuS Wickede. Im Ortsteil Echthausen steht für den Turn- und Spielverein 1911 Echthausen ebenfalls eine moderne Fußballanlage, das sogenannte „Waldstadion Echthausen“ mit Kunstrasen zur Verfügung. Für den Beachvolleyballsport stehen in Echthausen zwei Beachvolleyballfelder zur Verfügung. Am Waldrand von Echthausen und in den Ortsteilen Schlückingen und Wimbern befinden sich kleinere Bolzplätze.

Sporthallen befinden sich in der Engelhard-, Gerken-, Melanchthon- und Westerheideschule.

Der größte Sportverein in Wickede (Ruhr) mit ca. 1700 Mitgliedern ist der TV Wickede angeboten wird Turnen, Judo, Handball, Tennis, Badminton, HipHop für Kids, Fitness Mix, Krabbelgruppen, Nordic-Walking, ZUMParty, Leistungsturnen, Aerobic, Streetdance, Modern Tang Soo Do,und vieles mehr. Tennis wird in der Gemeinde auf den fünf Tennisplätzen des TV Wickede gespielt. Die Tennisclubanlage befindet sich an der Hauptstraße.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Schützenfeste finden in Wickede und seinen Ortsteilen, wie auch in anderen Städten und Gemeinden des Kreises, in regelmäßigen Abständen statt. Die Schützenfeste werden von den Schützenbruderschaften „Sankt Johannes Wickede (Ruhr)-Wiehagen 1818“, „Sankt Vinzentius Echthausen“ und der „Schützenbruderschaft Wimbern 1891“ ausgerichtet. Der alljährliche Weihnachtsmarkt wird durch die heimischen Vereine und der Gemeinde veranstaltet.

Die katholische Kirchengemeinde St. Antonius Wickede veranstaltet am Vorabend des Namenstages des Heiligen Nikolaus, in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Dorf Wiehagen seit 60 Jahren den traditionellen „Nikolausumzug“. Dabei reitet der Heilige Nikolaus begleitet von berittenen Herolden und Fußvolk durch die Gemeinde.

Seit 2001 findet in der Wickeder Innenstadt ein Rosenmontagszug statt, der vom Verein „WiKaVau Helau 01“ organisiert wird. Der Wirtschaftsverband Wickede (Ruhr) veranstaltet jährlich am ersten Wochenende im Oktober das Lanferfest.

Von der Gemeinde und dem Kreisjugendamt Soest wird seit 1990 im Erbker Wald ein Open-Air Amateurrock-Festival für den Nachwuchs durchgeführt. Für die Teilnehmer gibt es unter anderem eine Altersbeschränkung von 27 Jahren.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

In Wickede entwickelte sich im 19. Jahrhundert mit Beginn der Industrialisierung eine Glashütte. Anstelle der Glasverarbeitung trat zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Stahlindustrie. Es entwickelten sich große Betriebe dieser Branche, so siedelte sich Mannesmann an und der Wickeder Westfalenstahl wurde zum größten Arbeitgeber des Ortes. Ebenfalls im Hauptort befinden sich die Unternehmen „Wissner Bosserhoff“ und „Schmitz u. Söhne GmbH & Co. KG“, die beide ihr Standbein in der Herstellung von hochwertigem Klinik- und Pflegebedarf wie Krankenhausbetten, Pflegebetten und OP-Tischen und Einrichtungen haben. Außerdem sind dort die Firma Wilhelm Humpert GmbH & Co. KG, ein im Bereich Fahrradteile in vierter Generation weltweit tätiges Unternehmen, sowie das Kettenwerk HEKO seit Jahrzehnten ansässig.

Anfang der 1980er Jahre wurde durch die Gemeinde oberhalb des Gemeindegebietes an der Grenze zur Nachbarstadt Werl das Industriegebiet Westerhaar erschlossen. Hier siedelten sich kleinere und größere Betriebe unterschiedlicher Branchen an. Hierzu zählen unter anderem Oberflächenveredler, wie die Firma Walter Hillebrand, Großbäckereien, ein Steinwerk, Elektrobetriebe, Entsorgungs- und Verpackungsunternehmen.

Im Ortskern befinden sich zahlreiche Einzelhandelsgeschäfte, die den Konsumbedarf der Einwohner gut abdecken. Neben zahlreichen Gaststätten (unter anderem einer Westernkneipe), Imbissbetrieben, Pizzerien und gut bürgerlichen Restaurants befindet sich auch ein Restaurant der gehobenen Klasse in der Nähe des Gewerbegebietes Westerhaar.

Im Juni 2010 gab es in der Gemeinde 4.391 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Davon waren 2.723 im produzierenden Gewerbe, 500 im Handel, Gastgewerbe, Verkehr und Lagerei, 21 in der Land- und Forstwirtschaft und Fischerei, sowie 1.147 in sonstigen Dienstleistungen tätig.[19]

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhofsgebäude (vor der letzten Renovierung)

Das Gemeindegebiet wird durch die B63 durchschnitten. Diese ist die wichtigste Verkehrsader im Ort und Verbindungsglied zwischen Münsterland und Ruhrtal. Im Norden tangiert die A44/A445 das Gemeindegebiet. Die B7 verläuft durch den Ortsteil Wimbern.

Die Ruhr ist bei Wickede nicht schiffbar, allenfalls durch kleine Boote nutzbar.

Der Bahnhof Wickede an der Oberen Ruhrtalbahn bietet direkte Anschlüsse an die größeren Bahnhöfe in Dortmund, Hagen und Kassel-Wilhelmshöhe, sowie in das Sauerland in Richtung Winterberg und Bestwig.

Medien[Bearbeiten]

In Wickede gibt es eine werktäglich erscheinende Zeitung mit Wickeder Lokalteil, den Soester Anzeiger.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Im Ortsteil Wimbern befand sich das Marien-Krankenhaus, eine Allgemeinmedizinische Klinik, die von den im benachbarten Kloster lebenden Schwestern des Steyler Missionsordens gegründet wurde. Das Krankenhaus wurde Anfang des 21. Jahrhunderts an den „Deutschen Orden“ übergeben. Im Jahr 2008 schloss sich die Klinik der Katholischen Hospitalvereinigung Hellweg an, der bereits das Katharinen-Hospital in Unna, das Mariannen-Hospital in Werl sowie das Marienkrankenhaus in Soest und zwei Alten- und Pflegeheime angehören. Zum Ende des Jahres 2011 wurde das Krankenhaus geschlossen.

Ebenfalls im Ortsteil Wimbern liegt die Ruhrtalklinik, direkt an der Ortsgrenze zu Menden-Barge. Die Ruhrtalklinik ist eine Rehabilitationsklinik für geistig und/oder körperlich behinderte Menschen.

Bildung[Bearbeiten]

Im Gemeindegebiet befinden sich zwei Grundschulen, eine Ganztags-, eine Sekundar- und eine Förderschule. Die Förderschule hat den Schwerpunkt Lernen mit integriertem anerkannten Montessorizweig. Die nächstgelegenen Realschulen und Gymnasien befinden sich Werl. Öffentliche berufsbildende Schulen befinden sich in Soest und Lippstadt.[20]

In den einzelnen Ortsteilen der Gemeinde befinden sich fünf Kindergärten, die sich in Trägerschaft der Gemeinde (Echthausen und Wiehagen) oder in Trägerschaft der Katholischen Kindertageseinrichtung Hellweg gGmbH befinden. Im Ortsteil Wimbern wird eine Kindertagesstätte von einem Verein geführt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben oder wirken[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Willy Timm: 125 Jahre Alte Apotheke in Wickede (Ruhr); Von der Zweigapotheke zur Vollapotheke 1872 – 1937 – 1997, Verlag Hellweg-Bücherei, 1997, ISBN 3872980661
  • Franz Haarmann, Josef Kampmann: Wickede (Ruhr), Sutton Verlag, 2004, ISBN 3-89702-763-1
  • Andreas Dunker, Jürgen B. Bauer, Franz Haarmann: Chronik des 20. Jahrhunderts - 100 Jahre Wickede (Ruhr) 1900–2000, AD-Verlag, 2001, ISBN 3-9804899-0-6
  • Kreis Soest: Landschaftsplan V "Wickede-Ense", Soest, 2006
  • Fritz Oelmann Die Industriegemeinde Wickede in Der Kreis Soest - Werden und Wesen, Im Auftrag der Kreisverwaltung, Verlag Hans Burkhard Essen

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wickede (Ruhr) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 31. Juli 2013. (Hilfe dazu)
  2. § 3 der Hauptsatung der Gemeinde Wickede (Ruhr) (PDF; 44 kB). Abgerufen am 21. Juli 2012.
  3. Fläche und Wohnbevölkerung in Wickede (Ruhr). Gemeinde Wickede, 31. Juli 2011, abgerufen am 21. Juli 2012.
  4. Helmuth Euler: Als Deutschlands Dämme brachen. Die Wahrheit über die Bombardierung der Möhne-Eder-Sorpe-Staudämme 1943. Motorbuchverlag, Stuttgart 1975, ISBN 3-87943-367-4.
  5. Willi Mues: Der große Kessel - Eine Dokumentation über das Ende des Zweiten Weltkrieges zwischen Lippe und Ruhr/Sieg und Lenne. Erwitte 1984.
  6. Willi Mues: Der große Kessel. Eine Dokumentation über das Ende des Zweiten Weltkrieges zwischen Lippe und Ruhr/Sieg und Lenne. Erwitte 1984. S. 486.
  7. a b c Hauptsatzung der Gemeinde Wickede (Ruhr). Gemeinde Wickede (Ruhr), 7. Juli 2009, abgerufen am 22. Mai 2012 (PDF; 44 kB).
  8. Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Soest und von Teilen des Landkreises Beckum vom 24. Juni 1969 (online)
  9. Homepage. Evangelische Kirchengemeinde Wickede, abgerufen am 22. Mai 2012.
  10. a b KDVZ, Kommunalwahl 2009, abgerufen am 29. Juli 2012.
  11. http://www.wahlergebnisse.nrw.de/kommunalwahlen/2009/Gem_raete/c974056kw0900.html
  12. Kreis Soest: Landschaftsplan V Wickede-Ense. S. 80–92.
  13. Kreis Soest: Landschaftsplan V Wickede-Ense. S. 57–79.
  14. http://www.naturschutzinformationen-nrw.de/bk/de/karten/bk Biotopkataster NRW
  15. Kreis Soest: Landschaftsplan V Wickede-Ense. S. 93.
  16. soester-anzeiger.de, abgerufen am 21. Februar 2012
  17. Kreis Soest: Landschaftsplan V Wickede-Ense. S. 95.
  18. Kreis Soest: Landschaftsplan V Wickede-Ense.
  19. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort am 30. Juni 2010, Kommunalprofil Wickede (Ruhr), Seite 15 (PDF; 220 kB). Abgerufen am 12. Juli 2012.
  20. Schulamt Kreis Soest: Schulen im Kreis Soest Abgerufen am 18. September 2012.
  21. Kurzbiographie