Wickrathberg

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51.1118055555566.4168888888889Koordinaten: 51° 6′ 43″ N, 6° 25′ 1″ O

Wickrathberg
Wappen von Wickrathberg
Fläche: 3,52 km²
Einwohner: 2205 (31. Dez. 2012)
Bevölkerungsdichte: 626 Einwohner je km²
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 41189
Vorwahlen: 02161, 02166
Karte

Lage von Wickrathberg im Stadtbezirk West der Stadt Mönchengladbach

Wickrathberger Kirche

Wickrathberger Kirche

Wickrathberg ist ein Stadtteil von Mönchengladbach im Stadtbezirk West. Er liegt im Süden der Stadt, südlich von Wickrath und nördlich von Wanlo. Der Ort wird von der Niers durchflossen und hat rund 2205 Einwohner.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Nach der Eiszeit lebten Menschen an der Niers zwischen Wickrathberg und Wanlo[Bearbeiten]

In Wickrathberg und Wanlo sind steinzeitliche Spuren entdeckt worden. Besonders nach der letzten Eiszeit, am Schluss der Altsteinzeit (11700 – 9600 v. Chr.) lebten im Großraum Wanlo, unweit der zahlreichen Quellen der Niers, Menschen. Verzierte Gefäße aus Keramik, aus dem Zeitraum von 5000 bis 2000 v. Chr., sind in diesem Gebiet außerdem gefunden worden.[2]

Die Römer lebten links und rechts der Niers im Gebiet des heutigen Wickrathberg (~ 50 – 274 n. Chr.)[Bearbeiten]

Schon zur Römerzeit im 2. bis 3. Jahrhunderts gibt es im Gebiet von Wickrathberg drei größere Trümmerstellen.[3] Es dürften drei römische Bauernhöfe (Villa rustica), die das nur wenige Kilometer entfernte römische Dorf (Vicus Mülfort) belieferten. Eines der Landgüter, am Kinkelbach, besaß ein Hypokaustum. 274 n. Chr. wurden durch den Einfall der Franken das Dorf und alle Bauernhöfe zerstört.[4]

Die Franken gründeten vermutlich im 10. Jahrhundert Wickrathberg[Bearbeiten]

Zwei fränkische Stämme siedelten sich links und rechts der Niers an. In Wickrath lebten Menschen des salischen und in Wickrathberg des ripuarischen Frankenstamms.[5] Vorher gab es schon Siedlungen in Wickrath, Mennrath, Beckrath und Herrath.[6] Wickrathberg gehörte im Mittelalter zur Reichsherrschaft Wickrath an. Die Zugehörigkeit zu Wickrath hörte erst 1975, bei der kommunalen Gebietsreform, auf.

Im Jahr 1050 n.Chr. wurde die erste Wickrathberger Kirche, eine Saalkirche mit eingezogenen quadratischen Chor gebaut. Kurz darauf, im Jahr 1220 n.Chr. wurde die Kirche vergrößert.[7]

Wickrathberg wurde im Gegensatz zu Wickrath evangelisch (1530)[Bearbeiten]

Nach der Gründing einer reformierten Gemeinde in Wickrath, im Jahr 1530, wechselte Wickrathberg auch zum evangelischen Glauben. Ab 1569 wurde die Wickrathberger Kirche zur Herrschaftskirche der Grafen zu Wickrath, die im Gegensatz zu de Bevölkerung in Wickrath, nicht katholisch blieben.

Im Jahr 1654 gründete der Pastor Johannes Eilbracht eine lateinische Schule, die in der Folgezeit weit über die Grenzen berühmt wurde. 1886 schloss die Schule.

1794 marschierten die Franzosen, unter Napoleon, ein und besetzten Schloss Wickrath. Dies bedeutete das Ende der Reichsgrafen. Otto Wilheln m von Quadt und seine Familie flüchteten. Damit verlor Wickrathberg seinen letzten großzügigen Gänner und es begannen schwierige Zeiten. 1813 ziehen die Franzosen nach der Völkerschlacht bei Leipzig aus dem heutigen Gebiet von Deutschland komplett ab. Wickrath kam zu Preußen.

Landkarten von Wickrathberg (1573–1760)[Bearbeiten]

Im Jahr 1700 wurde vom Grafen Quadt, Schlossherr von Wickrath, eine bis heute funktionierende Wassermühle, im barocken Stil erbaut.

Die jüdische Gemeinde Wickrathberg[Bearbeiten]

Wickrathberg war zeitweise die größte jüdischen Gemeinden im Landkreis Grevenbroich. Anders als in Gladbach und Rheydt blühte die jüdische Gemeinde bereits im 18. und 19. Jahrhundert auf. 1816 bestanden in Wickrathberg zwei Bethäuser. 1860 wurde ein neues Synagogengebäude erstellt. Neben einer Synagoge gab es auch eine Schule und Friedhof, der im benachbarten Wanlo lag. 1935 lebten noch 118 Juden in Wickrathberg. Bei der von den Nationalsozialisten inszenierten “Reichskristallnacht” wird die Synagogen in Wickrathberg völlig zerstört. Auch in Wohnungen jüdischer Einwohner drangen in Zivil gekleidete SA-Leute ein und verwüsteten diese. 50 jüdische Männer wurden in Gladbach, Rheydt und Wickrath verhaftet. Spätestens 1942 war die jüdische Gemeinde am Ende.[8].

Wickrathberg im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Im Februar 1945 brach die Frontlinie, die seit dem Herbst 1944 an der Rur bei Lövenich zum Stillstand kam, zusammen. Binnen drei Tagen kamen die Alliierten so über die Rur zum Rhein. Die abrückenden deutschen Soldaten sprengten daraufhin diverse Brücken am linken Niederrhein. Darunter die Niersbrücke in Wickrathberg. Dabei trafen mehrere Granaten auch die benachbarte Wassermühle. Das Mahlwerk wurde dabei stark beschädigt.

Das britisch-amerikanische Kriegsgefangenenlager (1945)[Bearbeiten]

Denkmal des Gefangenenlagers

In den letzten Kriegstagen errichteten die US-Streitkräfte zwischen Mongshof, Wickrathberg und Hochneukirch das neun Quadratkilometer große Gefangenenlager „Wiesenlager Wickrathberg“, das später auch unter Führung der britischen Streitkräfte war. Dort lebten bei voller Belegung mindestens 150.000 deutsche Soldaten. Die Soldaten verbrachten die gesamte Zeit unter schrecklichen Bedingungen draußen und schliefen hauptsächlich in selbstgegrabenen Erdlöchern. Auch die Verpflegung war sehr spärlich. Genaue Todesopfer sind unklar. Zeugen sprechen von 20 Todesfällen am Tag. Andere von insgesamt 226 Toten. Das Lager existierte von April bis September 1945.[9]

Eingemeindung in die Stadt Mönchengladbach (1975)[Bearbeiten]

Wickrathberg wurde am 1. Januar 1975 in die neue Großstadt Mönchengladbach eingemeindet.[10]

Re-Naturierung der Niers (Seit 2002)[Bearbeiten]

Parallel zu den Vorarbeiten zur Euroga in Schloss Wickrath, wird vom Niersverband das Projekt „Re-Naturierung der Niers“ in Angriff genommen. Hierbei wird der ehemalige Flusslauf der Niers wiederhergestellt. So wurde zwischen Wanlo und Wickrathberg das Projekt in Angriff genommen.[11]

In Wickrathberg lebten am 31. Oktober 2013 exakt 2.185 Einwohner.

Kultur[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Im höher gelegenen Teil Wickrathbergs steht die zwischen 1200 und 1205 geweihte Wickrathberger Kirche. Der romanische Bau war als dreischiffige Basilika angelegt. Reste des romanischen Chors und das spätgotische Sternengewölbe sind noch erhalten. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Kirche vollständig umgebaut (Fenster, Mansarddach des Mittelschiffs, Haube des Westturms). Von der Rokokoausstattung aus den siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts mit Orgel, Kanzel, Gestühl, besonders sehenswert die Grafenloge mit dem von zwei Bären flankierten Wappen der Quadt-Wickrath, die seit 1752 Reichsgrafen waren: Im Herzschild sind zwei Wechselzinnenbalken (= Quadt) zu sehen, vom Beschauer links oben einen Adler (= Wickrath), darunter das Wappen der Herrschaft Loenen (Gelderland), rechts oben Wappen der Herrschaft Wildenborch (Gelderland), darunter Wappen von Schwanenberg, im Schildfuß die Schlüssel des Geldrischen Erbhofmeisteramtes. Die Orgel wurde 1770 von Jacob Engelbert Teschemacher geschaffen.
  • Eine Gedenkplatte im Bürgersteig der Berger Dorfstraße erinnert an die ehemalige Synagoge. Abgebildet ist die Menora, ein siebenarmiger Leuchter. Die Platte wurde von dem Künstler Bonifatius Stirnberg geschaffen.
  • Der Findling der Erinnerung am Hochneukircher Weg erinnert an das Kriegsgefangenenlager.

Vereine[Bearbeiten]

  • Verein für Heimat- und Denkmalpflege Wickrathberg
  • Spielverein Wickrathberg 1906 e.V.
  • Gesangverein „Eintracht“ 1863 e.V.
  • Freiwillige Feuerwehr Mönchengladbach Einheit Wickrathberg

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Luise Förster war Lehrerin in Wickrathberg. Unter dem Pseudonym Ada Linden war sie schriftstellerisch tätig. Eines ihrer bekanntesten Werke war der Roman „Wie ich das Glück suchte“, Leipzig 1905.
  • Hilde Sherman-Zander wuchs als Jüdin in Wickrathberg auf. Über ihr Schicksal in den Konzentrationslagern, insbesondere im Ghetto von Riga, veröffentlichte sie ein Buch. Darin beschrieb sie auch ihre Kindheit im Dorf und den Brand der Synagoge.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hilde Sherman-Zander: Zwischen Tag und Dunkel, Mädchenjahre im Ghetto. Frankfurt am Main 1984, ISBN 3-548-20386-8
  •  Herbert Reiners, Verein für Heimat- und Denkmalpflege Wickrathberg (Hrsg.): Kriegsgefangenenlager Wickrathberg 1945. Ein Beitrag zur Mönchengladbacher Stadtgeschichte. Mönchengladbach 1998, ISBN 3-00-003279-7.
  • Rheinische Kunststätten, Mönchengladbach-Wickrath, von Wolfgang Löhr. (Heft 255, 1981)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Stadt Mönchengladbach, Der Oberbürgermeister, Fachbereich Stadtentwicklung und Planung, Abt. Statistik (Hrsg.): Die Bevölkerung der Stadt Mönchengladbach am Ort der Hauptwohnung nach Stadtbezirken und Stadtteilen am 30.06.2012. Mönchengladbach 30. Juni 2012 (PDF-Dokument; 15,22 KB, abgerufen am 29. März 2013).
  2.  Wolfgang Löhr (Hrsg.): Kleine Mönchengladbacher Stadtgeschichte. Pustet, Regensburg 2009, Regensburg 2009, ISBN 978-3-7917-2226-9, S. 15.
  3.  Wolfgang Löhr mit Unterstützung der Sparkassenstiftung für Kunst und Wissenschaft, der Reiners-Stiftung GmbH und der Josef und Hilde Wilberz-Stiftung (Hrsg.): Loca Desiderata, Mönchengladbacher Stadtgeschichte. 1, Rheinland-Verlag- und Betriebsgesellschaft des Landschaftsverbandes Rheinland, Abtei Brauweiler, 50259 Pulheim 1994, ISBN 3-7927-1375-6, S. 263–267.
  4.  Wolfgang Löhr mit Unterstützung der Sparkassenstiftung für Kunst und Wissenschaft, der Reiners-Stiftung GmbH und der Josef und Hilde Wilberz-Stiftung (Hrsg.): Loca Desiderata, Mönchengladbacher Stadtgeschichte. 1, Rheinland-Verlag- und Betriebsgesellschaft des Landschaftsverbandes Rheinland, Abtei Brauweiler, 50259 Pulheim 1994, ISBN 3-7927-1375-6, S. 257.
  5. Die Wickrathberger Dorfgeschichte - Heimatverein Wickrathberg
  6.  Wolfgang Löhr mit Unterstützung der Sparkassenstiftung für Kunst und Wissenschaft, der Reiners-Stiftung GmbH und der Josef und Hilde Wilberz-Stiftung (Hrsg.): Loca Desiderata, Mönchengladbacher Stadtgeschichte. 1, Rheinland-Verlag- und Betriebsgesellschaft des Landschaftsverbandes Rheinland, Abtei Brauweiler, 50259 Pulheim 1994, ISBN 3-7927-1375-6, S. 437.
  7.  Wolfgang Löhr mit Unterstützung der Sparkassenstiftung für Kunst und Wissenschaft, der Reiners-Stiftung GmbH und der Josef und Hilde Wilberz-Stiftung (Hrsg.): Loca Desiderata, Mönchengladbacher Stadtgeschichte. 1, Rheinland-Verlag- und Betriebsgesellschaft des Landschaftsverbandes Rheinland, Abtei Brauweiler, 50259 Pulheim 1994, ISBN 3-7927-1375-6, S. 439.
  8. Jüdische Gemeinden - Mönchengladbach - Heimatverein Wickrath
  9. Heinz-Josef Katz: Kriegsgefangenen-Lager. Abgerufen am 12. November 2011.
  10.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 291.
  11. Wickrather Geschichte - Heimatverein Wickrath