Wickrathberg

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51.1118055555566.4168888888889Koordinaten: 51° 6′ 43″ N, 6° 25′ 1″ O

Wickrathberg
Wappen von Wickrathberg
Fläche: 3,52 km²
Einwohner: 2205 (31. Dez. 2012)
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 41189
Vorwahlen: 02161, 02166
Karte

Lage von Wickrathberg im Stadtbezirk West der Stadt Mönchengladbach

Wickrathberger Kirche

Wickrathberger Kirche

Wickrathberg ist ein Stadtteil von Mönchengladbach im Stadtbezirk West. Er liegt im Süden der Stadt, südlich von Wickrath und nördlich von Wanlo. Der Ort wird von der Niers durchflossen und hat rund 2205 Einwohner.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Bergh (südlich von Wickrath (Wyckrayd) und nördlich von Wanlo (Wanloo)) (1573)

Schon zur Römerzeit im 2. bis 3. Jahrhunderts gibt es im Gebiet von Wickrathberg drei größere Trümmerstellen.[2] Vermutet werden hier römische Bauernhöfe (Villa rustica), die das nur wenige Kilometer entfernte römische Dorf (Vicus Mülfort) belieferten. 274 n.Chr. wurden durch den Einfall der Franken das Dorf und alle Bauernhöfe zerstört.[3]

Wickrathberg wurde vermutlich im 10. Jahrhundert durch die Franken besiedelt. Vorher gab es schon Siedlungen in Wickrath, Mennrath, Beckrath und Herrath.[4]

Im 11. Jahrhundert wurde die erste Wickrathberger Kirche, eine Saalkirche mit eingezogenen quadratischen Chor gebaut. Kurz darauf wurde die Kirche vergrößert.[5]

Wickrathberg gehörte im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit zur Reichsherrschaft Wickrath und gehörte bis zur Gebietsreform 1975 zur Gemeinde Wickrath.

Das Kriegsgefangenenlager[Bearbeiten]

Denkmal des Gefangenenlagers

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges errichtete die amerikanische Armee im Dreieck zwischen Güdderath, Hochneukirch und Wickrathberg ein großes Kriegsgefangenenlager, eines der sogenannten Rheinwiesenlager. Koordinaten: 51,1116° N, 6,4328° O51.11166.43275.

Religion[Bearbeiten]

Die Bevölkerung ist mehrheitlich evangelisch. Die Kirche, zu deren Pfarrsprengel der rechts der Niers gelegene Teil der Herrschaft Wickrath gehörte und die in der Erzdiözese Köln (Dekanat Bergheim) lag, wird 1220 erstmals erwähnt. Ab etwa 1530 war die Pfarrei reformiert. Die Kirche wurde nach der Rückgabe des Wickrather Gotteshauses an die Katholiken im Jahre 1569 religiöses Zentrum der Reformierten in der Herrschaft Wickrath.

In Wickrathberg existierte seit dem 17. Jahrhundert eine kleine jüdische Gemeinde. Der Friedhof der Gemeinde lag im benachbarten Wanlo. 1816 bestanden in Wickrathberg zwei Bethäuser. Um 1860 wurde in der heutigen Berger Dorfstraße eine neue Synagoge errichtet. Während der Novemberpogrome 1938 wurde in der Nacht vom 9. und 10. November das Innere zerstört, in der folgenden Nacht wurde die Synagoge niedergebrannt. Kurze Zeit später wurden die Gebäudereste abgerissen.

Kultur[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Im höher gelegenen Teil Wickrathbergs steht die zwischen 1200 und 1205 geweihte Wickrathberger Kirche. Der romanische Bau war als dreischiffige Basilika angelegt. Reste des romanischen Chors und das spätgotische Sternengewölbe sind noch erhalten. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Kirche vollständig umgebaut (Fenster, Mansarddach des Mittelschiffs, Haube des Westturms). Von der Rokokoausstattung aus den siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts mit Orgel, Kanzel, Gestühl, besonders sehenswert die Grafenloge mit dem von zwei Bären flankierten Wappen der Quadt-Wickrath, die seit 1752 Reichsgrafen waren: Im Herzschild sind zwei Wechselzinnenbalken (= Quadt) zu sehen, vom Beschauer links oben einen Adler (= Wickrath), darunter das Wappen der Herrschaft Loenen (Gelderland), rechts oben Wappen der Herrschaft Wildenborch (Gelderland), darunter Wappen von Schwanenberg, im Schildfuß die Schlüssel des Geldrischen Erbhofmeisteramtes. Die Orgel wurde 1770 von Jacob Engelbert Teschemacher geschaffen.
  • Eine Gedenkplatte im Bürgersteig der Berger Dorfstraße erinnert an die ehemalige Synagoge. Abgebildet ist die Menora, ein siebenarmiger Leuchter. Die Platte wurde von dem Künstler Bonifatius Stirnberg geschaffen.
  • Der Findling der Erinnerung am Hochneukircher Weg erinnert an das Kriegsgefangenenlager.

Vereine[Bearbeiten]

  • Verein für Heimat- und Denkmalpflege Wickrathberg
  • Spielverein Wickrathberg 1906 e.V.
  • Gesangverein „Eintracht“ 1863 e.V.
  • Freiwillige Feuerwehr Mönchengladbach Einheit Wickrathberg

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Luise Förster war Lehrerin in Wickrathberg. Unter dem Pseudonym Ada Linden war sie schriftstellerisch tätig. Eines ihrer bekanntesten Werke war der Roman „Wie ich das Glück suchte“, Leipzig 1905.
  • Hilde Sherman-Zander wuchs als Jüdin in Wickrathberg auf. Über ihr Schicksal in den Konzentrationslagern, insbesondere im Ghetto von Riga, veröffentlichte sie ein Buch. Darin beschrieb sie auch ihre Kindheit im Dorf und den Brand der Synagoge.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hilde Sherman-Zander: Zwischen Tag und Dunkel, Mädchenjahre im Ghetto. Frankfurt am Main 1984, ISBN 3-548-20386-8
  •  Herbert Reiners, Verein für Heimat- und Denkmalpflege Wickrathberg (Hrsg.): Kriegsgefangenenlager Wickrathberg 1945. Ein Beitrag zur Mönchengladbacher Stadtgeschichte. Mönchengladbach 1998, ISBN 3-00-003279-7.
  • Rheinische Kunststätten, Mönchengladbach-Wickrath, von Wolfgang Löhr. (Heft 255, 1981)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Stadt Mönchengladbach, Der Oberbürgermeister, Fachbereich Stadtentwicklung und Planung, Abt. Statistik (Hrsg.): Die Bevölkerung der Stadt Mönchengladbach am Ort der Hauptwohnung nach Stadtbezirken und Stadtteilen am 30.06.2012. Mönchengladbach 30. Juni 2012 (PDF-Dokument; 15,22 KB, abgerufen am 29. März 2013).
  2.  Wolfgang Löhr mit Unterstützung der Sparkassenstiftung für Kunst und Wissenschaft, der Reiners-Stiftung GmbH und der Josef und Hilde Wilberz-Stiftung (Hrsg.): Loca Desiderata, Mönchengladbacher Stadtgeschichte. 1, Rheinland-Verlag- und Betriebsgesellschaft des Landschaftsverbandes Rheinland, Abtei Brauweiler, 50259 Pulheim 1994, ISBN 3-7927-1375-6, S. 263–267.
  3.  Wolfgang Löhr mit Unterstützung der Sparkassenstiftung für Kunst und Wissenschaft, der Reiners-Stiftung GmbH und der Josef und Hilde Wilberz-Stiftung (Hrsg.): Loca Desiderata, Mönchengladbacher Stadtgeschichte. 1, Rheinland-Verlag- und Betriebsgesellschaft des Landschaftsverbandes Rheinland, Abtei Brauweiler, 50259 Pulheim 1994, ISBN 3-7927-1375-6, S. 257.
  4.  Wolfgang Löhr mit Unterstützung der Sparkassenstiftung für Kunst und Wissenschaft, der Reiners-Stiftung GmbH und der Josef und Hilde Wilberz-Stiftung (Hrsg.): Loca Desiderata, Mönchengladbacher Stadtgeschichte. 1, Rheinland-Verlag- und Betriebsgesellschaft des Landschaftsverbandes Rheinland, Abtei Brauweiler, 50259 Pulheim 1994, ISBN 3-7927-1375-6, S. 437.
  5.  Wolfgang Löhr mit Unterstützung der Sparkassenstiftung für Kunst und Wissenschaft, der Reiners-Stiftung GmbH und der Josef und Hilde Wilberz-Stiftung (Hrsg.): Loca Desiderata, Mönchengladbacher Stadtgeschichte. 1, Rheinland-Verlag- und Betriebsgesellschaft des Landschaftsverbandes Rheinland, Abtei Brauweiler, 50259 Pulheim 1994, ISBN 3-7927-1375-6, S. 439.