Widerstand gegen den Nationalsozialismus

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Die Briefmarke „Verfolgung und Widerstand 1933–1945“ der Deutschen Bundespost von 1983 symbolisiert das Thema mit einer von Stacheldraht umgebenen Weißen Rose.

Als Widerstand gegen den Nationalsozialismus, auch antifaschistischer Widerstand, wird der Widerstand von Einzelpersonen wie Georg Elser, Gruppen wie der Roten Kapelle, des Attentats vom 20. Juli 1944, der Weißen Rose, den Edelweißpiraten oder des Kreisauer Kreises sowie Institutionen wie Gewerkschaften, Kirchen oder politischen Parteien im Deutschen Reich und den davon besetzten Staaten während der Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 bezeichnet. Zum Teil setzte der Widerstand lange vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 ein.

Definition

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Der politische Widerstand gegen die NS-Diktatur ist nach Richard Löwenthal als „bewusste politische Opposition“ zu verstehen, die von der „weltanschaulichen Dissidenz“ und der „gesellschaftlichen Verweigerung“ abzugrenzen ist.

„Widerstand [gegen die NS-Diktatur] ist eine Provokation, welche die Toleranzschwelle des nationalsozialistischen Regimes unter den jeweils gegebenen Umständen bewusst überschreitet mit einer Handlungsperspektive, die auf eine Schädigung oder Liquidation des Herrschaftssystems abzielt.“

Klaus Schönhoven[1]

Neben dem politischen gab es auch religiösen sowie ethisch motivierten Widerstand. Außerdem wird zwischen organisiertem und individuellem Widerstand unterschieden. Verschiedentlich verweisen Historiker darauf, dass in einer Wertung die Gefahr der Hierarchisierung des Widerstandes bestehe. Sie sei aber nicht angemessen, betrachte man Umfang, Einsatz und Wirkung der unterschiedlichen Formen.

Struktur des Widerstands in Deutschland

Der politische Widerstand gegen die NS-Diktatur ist von ganz unterschiedlichen Menschen und Widerstandsbewegungen geleistet worden. Es hat „keine einheitlich auftretende und handelnde deutsche Widerstandsbewegung“[2] gegeben. Der Widerstand formierte sich sowohl unkoordiniert in Einzelaktionen (Attentat Georg Elsers im Bürgerbräukeller) als auch professionell vorbereitet in weitausgreifenden Aktionen (20. Juli 1944).

In Deutschland waren bis 1934 alle Mittel der Verfassung zur Entmachtung Adolf Hitlers ausgeschaltet worden. Deshalb war, anders als in Italien, keine legale Absetzung Hitlers möglich. Kurz nach der Machtergreifung der NSDAP waren vor allem kommunistische, sozialdemokratische und andere linke Gruppen aktiv. Diese wurden jedoch innerhalb weniger Jahre durch die Gestapo und die SS stark geschwächt. In den folgenden Jahren waren verstärkt religiös und ethisch motivierte Gruppen und Einzelpersonen aktiv. Zu einer umfassenden, staatsstreichartigen, den Staat sofort umwälzenden Widerstandsaktion war erst die Organisation um den 20. Juli fähig, die sich zu einem Großteil aus Funktionseliten des Dritten Reichs rekrutierte.

Teile der Wehrmachtsführung und sogar wertkonservativ-national gesinnte Politiker (Paul von Hindenburg, Kurt von Schleicher) standen dem Nationalsozialismus von Anfang an eher kritisch gegenüber. Seit der Entmachtung der Wehrmachtsführung mit Hilfe der inszenierten Skandale um von Blomberg und von Fritsch (Blomberg-Fritsch-Krise) versuchte General Ludwig Beck, ein gemeinsames Vorgehen der Generalität gegen die Kriegsplanungen Hitlers zu organisieren. Größere Umsturzpläne kamen aber auch von dieser Seite vor dem 20. Juli nicht zur Ausführung. Meist wurden das System und die Verfolgung etwa der Arbeiterbewegung mitgetragen, solange ein siegreicher Ausgang des Krieges möglich schien.

Allen Gruppen war bewusst, dass sie eine verschwindend kleine Minderheit der Bevölkerung darstellten. Sie besaßen keine realistische Chance, das System grundlegend zu ändern. Eine Unterstützung durch die Alliierten erhielt der deutsche Widerstand nicht, vielmehr führte die Forderung einer bedingungslosen Kapitulation zu einer Solidarisierung mit der Führung und gab dem Widerstand keine Möglichkeit, durch eine Machtübernahme die Friedensbedingungen zu verbessern.

Nach 1945 diente der Bezug auf den Widerstand oft als Identitäts- und Legitimationsgrundlage neu entstandener Organisationen und Systeme. So bezog (und bezieht) sich die als Resultat der Wiederbewaffnung entstandene Bundeswehr stark auf den 20. Juli, während der „kommunistische Widerstand“ während der NS-Zeit eine der Hauptlegitimationen der DDR wurde. Dies führte meist zu einer Überbetonung einer Form des Widerstandes im geschichtlichen Erinnern, während andere marginalisiert wurden. Einzelne Widerstandskämpfer wie Georg Elser oder die Edelweißpiraten verschwanden fast vollkommen aus dem kollektiven Gedächtnis. Die Einschätzung des Wirkens hängt somit auch heute noch vom jeweiligen Standpunkt ab.

Widerstandsgruppen in Deutschland

Widerstand aus der Arbeiterbewegung

Kommunistischer Widerstand

Viele Mitglieder der in die Illegalität gezwungenen KPD waren seit der Machtübernahme im antifaschistischen Widerstand aktiv. 1934/1935 wurde er aufgrund seiner überschaubaren Organisationsstruktur durch Verhaftungswellen stark geschwächt und verlagerte sich teilweise in die Konzentrationslager, wo illegale Häftlingsstrukturen aufgebaut wurden. 1936–1938 gingen zahlreiche Kommunisten nach Spanien, um in den Internationalen Brigaden mitzukämpfen. Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion (Juni 1941) entstanden wieder etliche kommunistische Widerstandsgruppen (unter anderem um Bernhard Bästlein, Wilhelm Knöchel, Anton Saefkow, Georg Schumann, Robert Uhrig), die sich zum Teil am Nationalkomitee Freies Deutschland (NKFD) orientierten. Die Gruppe um Robert Uhrig baute über den nationalrevolutionären Kommunisten Beppo Römer Kontakte zur Münchner Hartwimmer-Olschewski-Gruppe und zu anderen regionalen Gruppen auf. 1942 wurden die Gruppen um Uhrig und Römer von der Gestapo zerschlagen. Saefkow und Bästlein hatten über Adolf Reichwein 1944 Kontakt zu den Verschwörern des 20. Juli 1944.

Als Beispiel einer von Kommunisten initiierten Widerstandsaktion in der Form eines versuchten Generalstreiks schon zu Beginn des Nationalsozialismus, siehe unter Mössinger Generalstreik.

Eine überwiegend aus jüdischen Mitgliedern bestehende kommunistische Widerstandsorganisation war die Gruppe um Herbert Baum in Berlin, deren Mitglieder 1942 nach einem Brandanschlag auf eine nationalsozialistische Propagandaausstellung im Lustgarten größtenteils verhaftet und ermordet wurden.

Sozialdemokratischer Widerstand

Mit dem Verbot der SPD am 22. Juni 1933 gruppierte sich der sozialdemokratische Widerstand hauptsächlich in folgenden Organisationen:

Widerstand anderer linker oder anarchistischer Organisationen und Parteien

Kleinere linke Organisationen gewannen in der ersten Phase des Widerstandes bis etwa 1937/38 eine (gegenüber ihrer zahlenmäßigen Stärke in der Endphase der Weimarer Republik) überdurchschnittlich große Bedeutung. Den unten genannten Organisationen war es, auch auf Grund einer realistischeren Einschätzung der Stabilität des NS-Regimes, sehr viel besser als SPD oder KPD gelungen, sich auf die Arbeit in der Illegalität vorzubereiten. Auch gelang es diesen Organisationen zumeist auf Grund ihrer Struktur als relativ geschlossene und gefestigte Kaderorganisationen, das Gros der eigenen Mitgliedschaft in die illegale Arbeit einzubinden und Infiltrationsbestrebungen seitens Polizei und Gestapo entgegenzuwirken; ferner kam den kleineren linken Organisationen zugute, dass sie zunächst in einem geringeren Maße als die Massenparteien SPD und KPD seitens der Gestapo Beachtung fanden. Die zentralen und meisten regionalen Strukturen dieser Organisationen wurden bis 1937/38 von der Gestapo zerschlagen.

Gewerkschaftlicher Widerstand

Opposition unter Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen

Die Organisation Brüderliche Zusammenarbeit der Kriegsgefangenen (russisch Bratskoje Sotrudnitschetswo Wojennoplennych, BSW) versuchte, unter sowjetischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern im süddeutschen Raum gegen die Anwerbung zur Wlassow-Armee aufzutreten und für Sabotageakte zu werben.

Bündischer und jugendbewegter Widerstand

Mitglieder der Bündischen Jugend organisierten ihren Widerstand in unterschiedlichster Weise:

Kultureller Widerstand

  • Die Swing-Jugend agierte mit zunehmender Verfolgung auch politisch

Bürgerlicher Widerstand

Widerstand innerhalb der Wehrmacht

  • In den frühen Jahren der Republik standen Teile der Wehrmacht trotz einer oft republikkritischen oder sogar republikfeindlichen Haltung der NSDAP und insbesondere der SA (als Machtkonkurrent) ablehnend gegenüber. Dies äußerte sich etwa 1923 im Verbot der NSDAP durch Hans von Seeckt oder im Verlauf der Blomberg-Fritsch-Krise Anfang 1938, in der die bis dahin vergleichsweise selbstständige und den Kriegsplänen Hitlers kritisch gegenüberstehende Wehrmachtsführung abgesetzt wurde.
  • Geplante Verhaftung Hitlers 1938: Als Hitler in der Sudetenkrise zum Krieg entschlossen schien, plante eine Gruppe von Militärs unter Führung des zurückgetretenen Generals Ludwig Beck die Verhaftung Hitlers. Der Plan scheiterte, als Großbritannien im Münchener Abkommen in letzter Minute nachgab und Hitler dadurch einen ungeheuren Prestigeerfolg in Deutschland ermöglichte.
  • Wehrmachtsangehörige vom einfachen Soldaten bis zum Oberst waren auch in der Roten Kapelle aktiv tätig.
  • Attentatsversuch durch Wilhelm Canaris, Erwin Lahousen und Fabian von Schlabrendorff durch Platzierung einer Bombe im Führerflugzeug am 13. März 1943 in Smolensk, die aber nicht detonierte. Die schon erfolgte Auslösung von „Walküre“ konnte gerade noch als Übung dargestellt und somit vertuscht werden.
  • Umsturzversuch am 20. Juli 1944: größter organisierter Widerstandsversuch gegen den Nationalsozialismus (Persönlichkeiten des 20. Juli 1944)
  • Freiheitsaktion Bayern, Ende April 1945. Mehrere Wehrmachtsangehörige versuchten, Bayern kampflos den US-amerikanischen Verbänden zu übergeben und weiteres Blutvergießen zu verhindern.
  • Es gab auch Deutsche, die sich durch Fahnenflucht, Kriegsdienstverweigerung oder als „Kriegsverräter“ der Teilnahme am Krieg entzogen. Diese sind zum Teil bis heute nicht vollständig rehabilitiert.

Widerstand des Adels

Zwar hingen auch viele Adlige völkischen und nationalistischen und teilweise auch nationalsozialistischen Ideen an (viele standen dabei eher der DNVP nahe). Viele Adlige hielten allerdings auch schon früh kritische Distanz zum Nationalsozialismus, den ungebildeten Schlägertrupps der SA und dem Emporkömmling Hitler. Beispielsweise versuchten die meisten Adligen im „Kabinett der Barone“ und auch Hindenburg selbst, Hitler auszubooten. Hitler beseitigte aber schon früh adlige Kritiker in der Verwaltung und Wehrmacht. Im Laufe des Kriegs und im Lichte der erlebten Gräueltaten wandten sich dann zunehmend auch viele anfänglich begeisterte Anhänger vom Nationalsozialismus ab und wurden zu Gegnern des Regimes. Adelige spielten eine oft führende Rolle innerhalb von Widerstandskreisen. Dies gilt sowohl für bündische, bürgerliche, kirchliche und insbesondere militärische Widerstandskreise. Menschen aus adligen Familien spielten auch bei einer ganzen Reihe von Attentatsversuchen auf Hitler – die schließlich zum Attentat und Putschversuch am 20. Juli 1944 führten – eine zentrale Rolle: Hennig von Tresckow, Fabian von Schlabrendorff, Rudolf-Christoph Freiherr von Gersdorff, von dem Bussche, von Kleist und von Breitenbuch. Viele ließen insbesondere im Rahmen des Attentats vom 20. Juli 1944 auf Hitler ihr Leben.

Religiös motivierter und kirchlicher Widerstand

Einzelne Vertreter verschiedener Kirchen prangerten in Predigten Judenverfolgung oder Konzentrationslager an und erhielten daraufhin Rede- und Schreibverbot oder wurden in KZs inhaftiert.

  • Die Bekennende Kirche war eine Oppositionsbewegung evangelischer Christen; sie lehnte die Kirchengleichschaltung ab. Daneben leisteten einige Mitglieder wie Niemöller, Schneider, von Jan, Stöhr und Bonhoeffer passiven und aktiven Widerstand.
  • Die Württembergische Pfarrhauskette, organisiert durch Theodor Dipper, war eine Untergrundorganisation evangelischer Pfarrer zur Rettung von Juden.
  • Clemens August Graf von Galen, Bischof von Münster, kritisierte in Predigten die Rassenideologie Alfred Rosenbergs, die Gestapo und die Aktion T4 und konnte sogar erreichen, dass dieses Euthanasieprogramm zeitweilig gestoppt wurde.
  • Der Berliner Dompropst Bernhard Lichtenberg setzte sich öffentlich für die verfolgten Juden ein und wandte sich, wie von Galen, gegen die systematische Ermordung unheilbarer Kranker.
  • Der Kreuzkampf im Oldenburger Land des Bistums Münster war ein seltener Fall offenen Volkswiderstandes gegen die Nationalsozialisten. Nach dem Verbot der Kreuze in den Schulen brach 1936 ein derartiger Proteststurm aus, dass dieses Verbot schließlich wieder aufgehoben werden musste. Zu ähnlichen Ereignissen kam es nach dem Schulkreuzerlass des bayerischen Innenministers und Gauleiters Adolf Wagner 1941 in ganz Ober- und Niederbayern. Auch hier wurde der Erlass wenig später wieder zurückgenommen.
  • Der Katholische Jungmännerverband (1938 aufgelöst) bezog im Wahlkampf 1933 gegen die NSDAP Stellung und widersetzte sich dem erzwungenen Rückzug aus dem Kirchenleben.
  • Der Kölner Kreis war ein ziviler Widerstandskreis aus dem Umfeld des politischen Katholizismus.
  • Junger Bundschuh war eine Fluchthelfergruppe, die hauptsächlich aus Katholiken bestand.
  • Die Zeugen Jehovas beteiligten sich nicht an Wahlen; sie lehnten den Personenkult um Hitler (etwa den Hitlergruß) sowie eine Mitgliedschaft in den NS-Organisationen ab. Viele Zeugen Jehovas verweigerten den Wehrdienst. In großen Flugblatt-Verteilaktionen machten sie 1936/37 auf die Unterdrückung der Zeugen Jehovas in Deutschland aufmerksam.
  • Die Mitglieder der Gemeinschaft der Siebenten Tags Adventisten Reformationsbewegung verweigerten, ebenso wie die Mitglieder der Christadelphians, den Wehrdienst .
  • Die Vierergruppen waren Widerstandsgruppen, die im Sommer 1941 zeitgleich und unabhängig voneinander durch christlich geprägte Jugendliche in Hamburg, München und Wien entstanden.
  • Hugolinus Dörr, ein katholischer Missionar, gründete die Saarländische Wirtschaftsvereinigung gegen die Eingliederung des Saarlands ins Deutsche Reich.
  • Die Mitglieder der Weißen Rose (Hans Scholl, Sophie Scholl, Christoph Probst, Willi Graf, Alexander Schmorell) druckten und verteilten vom Juni 1942 bis zum Februar 1943 Flugblätter. Sie handelten nach eigener Aussage aus christlicher Überzeugung.
  • Die Widerstandsbewegung Bethanien, 1933 gegründet von Cuno und Margarete Horkenbach, Reinhold Meyer und anderen (hauptsächlich aus der ehemaligen Dreifaltigkeitsgemeinde in Berlin-Kreuzberg), organisierte die Rettung zahlreicher Verfolgter des NS-Regimes.
  • Vikar Ernst Moritz Roth betrieb aktive Gegnerschaft gegen die Nationalsozialisten in Dattenfeld. Die Folge waren der Entzug seiner Unterrichtserlaubnis und seine Versetzung.
  • Die von Karl Ludwig Freiherr von und zu Guttenberg herausgegebenen Weißen Blätter boten bis 1943 Freiraum vor der Gleichschaltung, der bei der Sammlung des konservativen Widerstands zum Tragen kam.
  • Provikar Carl Lampert trat gegen das NS-Regime auf und wurde hingerichtet, von der katholischen Kirche selig gesprochen.

Jüdischer Widerstand

Siehe Jüdischer Widerstand im Holocaust-ArtikelSiehe auch Herbert Baum

Spontaner Widerstand

1943 versammelte sich eine Gruppe von Ehefrauen verhafteter jüdischer Männer vor dem Gestapogebäude in Berlin und verharrte dort so lange, bis ihre Ehemänner freigelassen wurden (siehe Rosenstraße-Protest).

Widerstand im Alltag

Im Überblick betrachtet und in Relation zur Gesamtbevölkerung gab es in Deutschland zwischen 1933 und 1945 nur sehr wenige Bürger, die im Alltag die Zivilcourage aufbrachten, sich dem System des NS-Staates zu verweigern oder gar zu widersetzen. Aber es gab vereinzelt auch diesen zivilen Widerstand im Kleinen, indem Anordnungen der Regierung nicht befolgt wurden. Es gab Eltern, die versuchten, ihre Kinder von der HJ fernzuhalten, Soldaten, die sich weigerten, an Kriegsverbrechen teilzunehmen, Bürger, die Juden versteckten oder Zwangsarbeiter mit Nahrung versorgten, Gefängnisbeamte, die Akten „verlegten“, um Häftlinge vor der Verschickung zu bewahren. Auch wenn dies Einzelaktionen waren, bedeuteten sie für die betroffenen Personen beträchtliche Gefahr.

Italienischer Widerstand gegen Faschismus und Nationalsozialismus

Der Begriff Resistenza (italienisch für Widerstand) bezeichnet die Gesamtheit von Parteien und politischen Bewegungen, die Widerstand gegen den italienischen Faschismus und die nationalsozialistischen Kräfte in Italien leisteten. Diese Kräfte hielten Teile Italiens nach dem alliierten-italienischen Waffenstillstand vom 8. September 1943 besetzt. Wichtigster Kern waren die verschiedenen Formen der Partisanen-Bewegung – Comitato di liberazione nazionale, CLN (Komitee für nationale Befreiung), GAP und SAP.

Als Vergeltung gegen solche Widerstandsaktionen beging die SS Massaker wie in den Ardeatinischen Höhlen.

In der Nachkriegszeit gab es Goldene Tapferkeitsmedaillen für eine Reihe Gemeinden als Ganzes, die diese Partisanen-Bewegung unterstützten. Man rechnet, dass die Gefallenen des italienischen Widerstandes (in Kämpfen oder in Gefangenschaft erschossen) zusammen ca. 44.700 ausmachen; weitere 21.200 blieben verstümmelt und als Invaliden zurück. Der Anteil kämpfender Frauen unter den Partisanen war sehr hoch.

Die Deportation italienischer Juden fand nur in Ansätzen statt. Etwa 10.000 der in Lager deportierten Juden wurden ermordet.

Widerstand in Österreich

Chiffre der Widerstandsgruppe O5 am Wiener Stephansdom

Die meisten der österreichischen Widerstandsgruppen hatten nicht nur die Bekämpfung des nationalsozialistischen Regimes zum Ziel, sondern auch die Loslösung Österreichs vom Deutschen Reich. Vielfach waren die Mittel der Gruppen im politischen Bereich angesiedelt (Propaganda, Organisationsbildung, etc.). Des Weiteren war der Übergang zwischen Widerstandsaktivitäten und der nachrichtendienstlichen Tätigkeit für die Alliierten fließend. Diese Widerstandsform ist somit eher als Widerstand im Untergrund zu titulieren. Kämpferische Gruppen bildeten die Minderheit und waren meist erst nach 1942 aktiv tätig. Für sozialdemokratische, sozialistische und kommunistische Gruppen begann der Widerstand in Illegalität und Exil allerdings schon 1933/34, als diese mit der Installierung des Ständestaates illegalisiert wurden. Charakteristisch für den Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Österreich ist die tiefe parteipolitische Fragmentierung, weswegen man grob zwischen linkem (Sozialisten, Kommunisten) und rechtem (bürgerlichen und katholischen) Widerstand unterscheiden kann. Erst im späteren Verlauf des Krieges und motiviert durch die Moskauer Deklaration kam es zur Ausbildung eines überparteilichen Widerstandes. Neben den einzelnen Gruppierungen gab es auch individuellen Widerstand. Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes schätzt die Zahl der am Widerstand beteiligten Österreicher auf 100.000.[4]

Aufzählung der diversen Gruppen:

Widerstand in den besetzten Ländern

Belgien

Der belgische Widerstand war vielfältig und begann teilweise direkt nach der Besetzung durch die Deutschen: Es entstand eine breitgefächerte Untergrundpresse[5], Fluchthilfenetzwerke wurden aufgebaut und große Sabotageaktionen durchgeführt[6]. Belgische Widerstandsgruppen unterschiedlicher politischer Ausrichtung (Front de l'Indépendance/Onafhankelijkheidsfront, Mouvement National Royaliste/Nationale Koninklijke Beweging, Groupe G (Abk. von Groupe Général de Sabotage de Belgique), Witte Brigade sowie die Armée secrète) sorgten gemeinsam dafür, dass die deutschen Truppen den Antwerpener Hafen vor ihrem Abzug 1944 nicht zerstören konnten. Viele belgische Soldaten und Offiziere schlossen sich der Armée Secrète ihres Landes an.

Bulgarien

Bulgarien war kein besetztes Land, sondern ein Mitgliedstaat des Dreimächtepakts. Es gab in Bulgarien seit 1941 kleine kommunistische Partisanengruppen. Sie wurden von sowjetischen Agenten organisiert, die mit Fallschirmen absprangen oder von U-Booten angelandet wurden. Sie unternahmen Sabotageakte und Anschläge auf Militärtransporte und Dienststellen.

Dänemark

Hauptartikel: Dänischer Widerstand

Als ab dem 1. Oktober 1943 die dänischen Juden in Konzentrationslager deportiert werden sollten, wurde in einer beispiellosen Solidaritätsaktion innerhalb weniger Tage ein Großteil der dänischen Juden versteckt und von dänischen Fischern über die Ostsee ins sichere Schweden gebracht. So konnten über 7000 der 8000 Juden vor den Nationalsozialisten gerettet werden.

Frankreich

Die Résistance, als Sammelbegriff für verschiedene politische Gruppierungen, kämpfte jahrelang gegen die Deutschen. Auch Frauen agierten in der Résistance.

1940 entstand die Vereinigung Freies Frankreich unter Charles de Gaulle. Militärisch wurde der Widerstand erst ab den Sommer- und Herbstmonaten 1943 bedeutsam. Die Wehrmacht setzte ab dann auch eigene Truppen zu ihrer Bekämpfung ein. Vorher war dies Aufgabe französischer und deutscher Polizeidienststellen gewesen.[7] Vor und während der Landung in der Normandie im Juni 1944 zerstörten Résistance-Gruppen oder -einzeltäter Telefonleitungen oder andere Infrastruktureinrichtungen (Näheres hier). Als Vergeltung tötete eine Kompanie der Waffen-SS am 10. Juni 1944 beim Massaker von Oradour 642 Zivilisten. Die Résistance war auch an der Schlacht um Paris im August 1944 beteiligt. Die kapitulierende Wehrmacht übergab die Stadt dem Résistance-General Henri Rol-Tanguy.

Siehe auch Befreiung (Libération)

Griechenland

Griechische Partisanen begingen Sabotageakte, unternahmen Anschläge auf deutsche Besatzungsdienststellen und Militärtransporte. Als Vergeltung gegen solche Widerstandsaktionen begingen deutsche Soldaten die Massaker in Kalavrita auf dem Peloponnes und in Distomo bei Delphi. Bei der Schlacht um Kreta im Mai 1941 ermordeten deutsche Gebirgsjäger am 23. Mai 1941 im kleinen Bergdorf Floria alle Einwohner, die sie ergreifen konnten, weil sich die Griechen gegen die deutsche Besatzung wehrten und dabei 14 Gebirgsjäger starben. Griechische Mönche versteckten die aus Kreta abziehenden britischen Soldaten im Kloster Preveli an der kretischen Südküste, als diesen bei ihrem Rückzug zu ihren Schiffen von deutschen Fallschirmjägern der Weg abgeschnitten war. Einer der heute bekanntesten Partisanen Griechenlands war Mikis Theodorakis.

Jugoslawien

Hauptartikel: Jugoslawische Partisanen

Luxemburg

Luxemburg wurde zu Beginn des Westfeldzuges gegen Frankreich im Mai 1940 von der Wehrmacht besetzt. Es wurde im August 1942 annektiert. Auch im kleinsten, vom Dritten Reich besetzten und annektierten Nachbarland kam es zu Widerstandsaktionen von Untergrundgruppen wie der Lëtzeburger Patriote Liga (LPL), Lëtzeburger Freihétsbewegong (LFB), Lëtzeburger Freihétskämpfer (LFK), Lëtzeburger Volleks Legio'n (L.V.L.), Lëtzeburger Ro'de Lé'w (L.R.L.), Patriotes Indépendants (PI-Men), Lëtzeburger Freihétsbond (LFB), AlWeRaJe, die sich in D'Unio'n, dem Zusammenschluss der Luxemburger Widerstandsgruppen zusammenfanden.

Niederlande

Durch die Bemühungen von Geertruida Wijsmuller-Meier wurden von 1938 bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs 10.000 jüdische Kinder aus Deutschland und Österreich gerettet, die mittels sogenannter Kindertransporte nach England ausreisten.

Die erste niederländische Widerstandsgruppe, die „Geuzen“, wurde am 15. Mai 1940, dem Tag der niederländischen Kapitulation vor Hitler-Deutschland, gegründet. Ein paar Tage später entstand die kommunistische Widerstandsbewegung. Auch demobilisierte Offiziere bildeten schnell eine Widerstandsgruppe, „Ordedienst“ (OD) genannt. Der niederländische Widerstand war vor allem gewaltfrei.

Im November 1940 kündigten die Besatzer ein Berufsverbot für Juden ab. Das führte in den Universitäten Delft und Leiden zu kurzen Streiks von Studenten und einigen Mitarbeitern. Der Februarstreik im Februar 1941 in Amsterdam und Nordholland war eine im besetzten Europa einzigartige Reaktion auf die ersten Judendeportationen in den Niederlanden. An dem von Kommunisten organisierten zweitägigen Streik nahmen ungefähr 40.000–50.000 Menschen teil.

Niederländische Partisanen versteckten Juden aus Holland und Deutschland (z. B. Anne Frank oder Edith Stein), ebenso Niederländer, die vor dem Arbeitsdienst oder Arbeitseinsatz untertauchten, geflüchtete Kriegsgefangene (insbesondere abgeschossene Besatzungen alliierter Flugzeuge) oder verhalfen ihnen zur Flucht über den Ärmelkanal, versteckten deutsche Wehrmachtsdeserteure, übermittelten den Alliierten in Großbritannien Umfang, Zustand und Lage deutscher Wehrmachtsverbände, insbesondere deren Vorbereitung der geplanten Invasion Großbritanniens, und verübten Anschläge auf deutsche Besatzungsdienststellen und Militärtransporte.

Bald entstanden auch illegale Zeitschriften, insgesamt 1100. Einige dieser Ausgaben, Zeitungen wie „Het Parool“, „Trouw“ und die Wochenzeitung „Vrij Niederland“, existieren noch.

Der Bankier Wally van Hall zahlte ein regelmäßiges Tagegeld für Widerstandskämpfer und Zehntausende anderer Bürger. Die Abteilung hatte auf ihrem Höhepunkt 2000 illegal Beschäftigte.

Im April und Mai 1943 gab es vor allem im Osten des Landes ein paar Tage Generalstreiks, als demobilisierte niederländische Soldaten erneut festgenommen wurden. Dabei starben 90 Zivilisten.

Am 17. September 1944 rief die niederländische Regierung zu einem Generalstreik der Eisenbahn auf, um die alliierte Operation Market Garden zu unterstützen. Die Alliierten wollten via Arnheim nach Deutschland entlang der nördlichen Spitze des Westwalls vorstoßen.

Laut dem Niederländischen Institut für Kriegsdokumentation (NIOD) versteckten die Holländer auf dem Höhepunkt des Widerstandes 350.000 Menschen. Diese Leute wurden von mehr als 500.000 Menschen unterstützt – von bis zu einem Zehntel der damaligen Bevölkerung. Unter den Versteckten befanden sich 25.000 Juden. Insgesamt 5.200 Niederländer wurden von Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern ausgezeichnet. Die Niederlande haben damit laut Yad Vashem den höchsten Anteil an Ausgezeichneten unter den besetzten Ländern.

Das kleine Dorf Nieuwlande in Drenthe beschloss eine Quotenregelung für Flüchtlinge einzurichten. Daher erhielt nach dem Krieg das ganze Dorf von Yad Vashem eine Auszeichnung für die Rettung von Juden. Auch die Widerstandsgruppe „NV“, die jüdische Kinder rettete, erhielt diese Auszeichnung.

Die niederländische Exil-Regierung in London half bei der Gründung einer Stiftung, des Nationaal Steunfonds aus Staatsanleihen und niederländischen Spenden, mit dem sie die verschiedenen Aktivitäten des niederländischen Widerstands von London zu unterstützen versuchte. Zu diesem Widerstand gehörte die Ende 1942 gegründete Landelijke Organisatie voor Hulp aan Onderduikers (LO), die landesweit Untergetauchten mit falschen Papieren, Lebensmittelrationierungsmarken, Geld und Verstecken zu helfen versuchte. In Aalten, unweit von Bocholt, wurde 2005 ein Untertauchermuseum eingerichtet, das die groteske, reale, zeitweilige Situation erfahrbar macht, als im selben Haus im Erdgeschoss die Ortskommandantur und unter dem Dach Untergetauchte untergebracht waren. Auf eine damalige Bevölkerung van 10.000 Leute versteckten die Aalter 2.500 Menschen.

Der bewaffnete Widerstand war ursprünglich ein Teil der Organisation des Versteckens. Dieser konzentrierte sich auf die Beschlagnahme von Ausweisen und Lebensmittelkarten. Allmählich wurden die Angriffe gewalttätiger. Es kam zu Befreiungsaktionen verhafteter Widerständler, ein Dutzend Mal mit spektakulärem Erfolg.

Eine wichtige Rolle im Widerstand, so beim Februarstreik, spielte bis zu ihrer Zerschlagung im April 1942 die Marx-Lenin-Luxemburg-Front (MLL-Front) um Henk Sneevliet, Willem Dolleman und Ab Menist, die alle am 12. April 1942 von den deutschen Besatzern hingerichtet wurden. Die MLL-Front unterschied sich von den meisten anderen Widerstandsgruppen dadurch, dass sie eine Zusammenarbeit mit von ihr als monarchistisch oder imperialistisch eingeschätzten Kräften ablehnte. Die MLL-Front verfügte über etwa 500 feste Mitglieder und gab vierzehntäglich die viel gelesene Untergrundzeitung Spartacus in einer Auflage von etwa 5000 Exemplaren heraus.

Der niederländische Autor Maarten 't Hart beschäftigt sich in seinen Romanen Das Wüten der ganzen Welt und Die Netzflickerin mit dem niederländischen Widerstand.

Ein Beispiel von Widerstand gegen den Nationalsozialismus auf der Insel Schouwen-Duiveland in Zeeland sind Die Zehn von Renesse.

Norwegen

Beschädigte Gebäude und deutsche Soldaten in Bergen, nach Explosion des Munitionsschiffs Vorboode am 20. April 1944. (Quelle: Bundesarchiv)

Der Norwegische Widerstand verhalf Juden zur Flucht nach Schweden und übermittelte den Alliierten in Großbritannien Informationen über Umfang, Zustand und Lage deutscher Wehrmachtsverbände, insbesondere der Marine. Das letzte große deutsche Schlachtschiff Tirpitz wurde mit Hilfe des norwegischen Widerstands im Karrfjord am 22. September 1943 mit britischen Mini-U-Booten angegriffen (die Norweger hatten herausgefunden, dass die U-Boot-Horchgeräte am Grund des Fjords an diesem Tag wegen Wartungsarbeiten abgeschaltet wurden) und 1944 in Tromsø von britischen Bombern mit einer besonderen Bombe, der Tallboy, versenkt. Die in Deutschland bekannteste Angehörige des norwegischen Widerstands dürfte Rut Bergaust sein, die hierbei ihren späteren Ehemann, den deutschen Exilanten Willy Brandt, kennenlernte.

Polen

Mitte 1940 beteiligten sich über 100.000 Männer und Frauen an Partisanenaktionen gegen die deutsche Besatzung.

Tschechien

Anfang 1940 gründeten die größten drei nicht-kommunistischen Widerstandsgruppen im Protektorat Böhmen und Mähren die Dachorganisation ÚVOD zur Koordination des Widerstands und der Nachrichtenverbindung zur Exilregierung in London. Durch Verhaftungen und Hinrichtungen der Mitglieder kam die Tätigkeit des ÚVOD bis Ende 1942 praktisch zum Erliegen.

Im Mai 1942 verübten zwei tschechische Soldaten der Exilarmee, die Ende 1941 bei Pilsen mit Fallschirmen von einem britischen Bomber abgesprungen und in den folgenden Monaten in Prag untergetaucht waren, dort ein Handgranaten- und Maschinenpistolenattentat auf den höchsten SS-Machthaber in Tschechien, Reinhard Heydrich. Die Aktion lief unter dem Decknamen „Anthropoid“. Heydrich erlag einige Tage später seinen Verletzungen. Als Vergeltung wurden alle erwachsenen Einwohner und die meisten Kinder aus Lidice und Ležáky brutal ermordet und die Ortschaften vollständig zerstört, weil man annahm, die Einwohner hätten den Attentätern Unterschlupf gewährt.

Im Juni 1942 formierte General Ludvík Svoboda ein tschechoslowakisches Infanteriebataillon, aus dem eine Brigade wurde.

Slowakei

Im Spätsommer/Herbst 1944 kam es in der Slowakei zum Slowakischen Nationalaufstand. Kommunistische Partisanen kämpften gemeinsam mit Teilen der slowakischen Armee gegen das Regime des deutschen Satellitenstaates unter dem Präsidenten und Führer Jozef Tiso.

Den 2.500 Partisanen standen 50.000 deutsche Soldaten (einschließlich Waffen-SS und deren Dirlewanger-Brigade), die Bereitschaftseinheiten der Hlinka-Garde und 14.500 Soldaten der slowakischen Armee gegenüber. Am 27. Oktober 1944 wurde der Widerstand gebrochen, bei den anschließenden „Säuberungen“ kam es zu Massakern und gewalttätigen Übergriffen an den Partisanen, aber auch an der slowakischen Zivilbevölkerung.

Sowjetunion

Der Deutsch-Sowjetische Krieg, in der Sowjetunion als Großer Vaterländischer Krieg bezeichnet, war die Mobilisierung großer Teile der sowjetischen Bevölkerung gegen die Eindringlinge im Zusammenhang mit dem Krieg. Neben der Roten Armee, die an der Front gegen die Eindringlinge kämpfte, gab es in den besetzten Gebieten hinter der deutschen Front eine breite Partisanenbewegung. Zugleich war jede Unterstützung der Rüstung und der Roten Armee im nicht besetzten Hinterland patriotischer Einsatz (auch wenn die KPdSU als Partei nicht unterstützt wurde).

Ungarn

Die Rettung von Zehntausenden Budapester Juden erfolgte nicht durch den Reichsverweser Horthy, sondern vor dem Hintergrund eines gesellschaftlichen Konsenses in dieser Frage.

Von den 825.000 Personen, die in Ungarn innerhalb der Grenzen von 1941 bis 1945 lebten und als Juden angesehen wurden, kamen im Holocaust etwa 565.000 ums Leben, während 260.000 die Kriegsjahre überlebten (siehe Geschichte der Juden in Ungarn#Der Holocaust in Budapest).

Im Juni 1944 veröffentlichten Medien (Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk) in neutralen und in alliierten Staaten Einzelheiten über das Schicksal der ungarischen Juden. In der Folge setzten sich zahlreiche Persönlichkeiten, darunter ungarische protestantische Bischöfe sowie der ungarische Primas Serédi, bei Horthy für die Einstellung der Deportationen ein. Diese Interventionen führten dazu, dass am 8. Juli die Einstellung der Deportationen beschlossen wurde, der Heinrich Himmler Ende Juli ebenfalls zustimmte.

Im August schien sich die Lage zunächst zu bessern, als die Regierung unter Sztójay von Horthy entlassen wurde und durch eine weniger deutschfreundliche Regierung unter General Géza Lakatos ersetzt wurde. Lakatos blieb jedoch nur im Amt, bis am 15. Oktober die faschistische Pfeilkreuzlerpartei unter Ferenc Szálasi die Macht ergriff. Eichmann - am 24. August aus Budapest abgereist - kehrte am 17. Oktober zurück und nahm die Maßnahmen zur Deportation der Budapester Juden wieder auf. Später wurden diese unmöglich, weil sowjetische Truppen Budapest eingeschlossen hatten.[8]

Einige Bemühungen neutraler Staaten zur Rettung von Budapester Juden erwiesen sich als erfolgreich: Bis Ende Oktober 1944 wurden durch den salvadorianischen Konsulatssekretär George Mandel-Mantello über 1.600 Schutzpässe ausgestellt. Weitere Tausende von Schutzbriefen wurden ausgestellt von den Schweizer Diplomaten Carl Lutz, Harald Feller und Friedrich Born, dem schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg, dem spanischen Diplomaten Ángel Sanz Briz (unterstützt vom italienischen Geschäftsmann Giorgio Perlasca) sowie vom Apostolischen Nuntius Angelo Rotta. Etwa Ende 1944 standen etwa 33.000 Budapester Juden unter diplomatischem Schutz neutraler Staaten oder des IKRK.

Persönlichkeiten, die den Widerstand trugen

Überblick

Untertauchen und Verstecken inländischer Flüchtlinge

Das Untertauchen von jüdischen Bewohnern während der Zeit des Nationalsozialismus und das Verstecken dieser Personen zur Rettung vor der Deportation war auch für ihre Helfer sehr riskant und muss als individuelle Widerstandhandlung gewertet werden. Im besetzten Polen stand darauf die Todesstrafe.

Das Untertauchen einer Person in einem von Kriegswirtschaft geprägten Land ist ein technisch sehr schwieriges Verhalten. Lebensmittel waren nicht auf dem freien Markt erhältlich, sondern nur gegen Abschnitte von Lebensmittelkarten, die eine Bezugsberechtigung und deren Überprüfung voraussetzten. Das Mitsichführen von Gepäck konnte bei Kontrollen sofort Verdacht auslösen – wurde das eigene Gepäck zurückgelassen, bestand die Gefahr, es durch einen plötzlich notwendigen Wechsel des illegalen Übernachtungsplatzes zu verlieren. Der länger als übliche Aufenthalt in einer Gaststätte, Bibliothek oder einem Kino konnte Nachfragen zur Identität auslösen. Das zufällige Zusammentreffen mit Personen, die vom Verschwinden wussten und die zugleich potentielle Unterstützer der Naziregierung waren, musste möglichst vermieden werden. Das Wissen um diese Gefährdungen war sicher ein hoher Stressfaktor. Die Gestapo versuchte gezielt Spitzel in solche Netzwerke einzuschleusen (Berlin – Februar 1943; z. B. Stella Goldschlag).

Siehe auch: Holocaust, Judenretter (andere Ausdrücke Judenhelfer, Judenbegünstigung)

Siehe auch

Literatur

Deutschland

Österreich

Frankreich

  • Jean-Pierre Azéma: Des résistances à la Résistance. In: La France des années noires. T2, Éditions du Seuil, Paris 1993.
  • Philippe Bourdrel: L'Épuration sauvage 1944–45. Éditions Perrin, Paris 2002.
  • Pierre Broué, Raymond Vacheron: Meurtres au maquis. Éditions Grasset, Paris 1997.
  • Walther Flekl: Résistance. In: Frankreich-Lexikon. Erich Schmidt, Berlin 2005. S. 833-836 (Lit.) ISBN 3-503-06184-3.* Jean-François Muracciole: Histoire de la résistance en France. PUF, Que sais-je ?, Paris 2003.
  • Alain Guérin: La Résistance. Chronique illustrée 1930–1950. (5 Vol.). Livre Club Diderot, Paris 1972.
  • Dominique Peillon: Les Réseaux de Résistance. In La France des années noires. T1, le Seuil 1993.
  • Dominique Peillon, Olivier Wieviorka: La Résistance. In: La France des années noires. T2, Éditions du Seuil, Paris 1993.
  • Gilles Perrault: Taupes rouges contre SS. Éditions Messidor, Paris 1986 (communistes et antifascistes allemands et autrichiens dans la Résistance en France).

Weblinks

 Commons: Antifaschistischer Widerstand – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Europa

Deutschland

Österreich

Italien

Niederlande

Polen

Einzelnachweise

  1. Rieber, C., Politischer Widerstand in der NS-Diktatur, in: Politik und Unterricht, 2/1994, S. 3 f.
  2. Klaus Hildebrand, Das Dritte Reich, Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH, München, 2009, ISBN 978-3486-59200-9, S. 96 f.
  3. Das „Geheime Deutschland“ – Der Einfluss des Dichters Stefan George auf Stauffenberg, 3sat.de, Januar 2009
  4. Widerstand in Österreich – Ein Überblick. doew.at, abgerufen am 15. Juni 2012
  5. Harry Stone: Writing in the Shadow. Resistance Publications in Occupied Europe, Routledge, London [u.a.] 1996: S. 89.
  6. Herman Bodson: Agent for the Resistance - A Belgian saboteur in World War II, Texas A & M Univ. Press, 1994, S. 150-153.
  7. Peter Lieb: Konventioneller Krieg oder NS-Weltanschauungkrieg. Kriegführung und Partisanenbekämpfung in Frankreich 1943/44. Oldenbourg, München 2007, S. 2.
  8. Am 25. Dezember war Budapest völlig eingeschlossen; Näheres siehe Schlacht um Budapest