Widuchowa

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Ort in der Woiwodschaft Westpommern. Für den gleichnamigen Ort in der Woiwodschaft Heiligkreuz siehe Widuchowa (Heiligkreuz).
Widuchowa
POL gmina Widuchowa COA.svg
Widuchowa (Polen)
Widuchowa
Widuchowa
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Landkreis: Gryfino
Gmina: Widuchowa
Geographische Lage: 53° 8′ N, 14° 23′ O53.12777777777814.388888888889Koordinaten: 53° 7′ 40″ N, 14° 23′ 20″ O
Einwohner: 1551 (2010[1])
Postleitzahl: 74-120
Telefonvorwahl: (+48) 91
Kfz-Kennzeichen: ZGR
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Landesstraße 31: Stettin-Słubice
Schienenweg: Staatsbahnlinie 273: Stettin–Breslau
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Gemeinde
Gemeindeart: Landgemeinde
Gemeindegliederung: 21 Ortschaften
14 Schulzenämter
Fläche: 209,63 km²
Einwohner: 5598
(31. Dez. 2013)[2]
Bevölkerungsdichte: 27 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3206092
Verwaltung (Stand: 2014)
Gemeindevorsteher: Michał Lidwin
Adresse: ul. Grunwaldzka 8
74-120 Widuchowa
Webpräsenz: www.widuchowa.com.pl

Widuchowa (deutsch Fiddichow) ist ein Dorf in der Woiwodschaft Westpommern in Polen.

Das Dorf bildet mit weiteren Dörfern die Gmina Widuchowa, eine Landgemeinde im Powiat Gryfiński (Greifenhagener Kreis).

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Ortschaft liegt in Hinterpommern etwa 25 Kilometer südlich von Stettin, unmittelbar am östlichen Oderufer. Von dort erstrecken sich die Häuser terrassenförmig den erhöhten Uferhang hinauf. Es gibt keinen direkten Eisenbahnanschluss, denn die Bahnstrecke Stettin–Breslau verläuft vier Kilometer weiter östlich. Gegenüber am westlichen Oderufer liegt in der Bundesrepublik Deutschland die Stadt Schwedt/Oder, zu der es 15 Kilometer südlich einen Grenzübergang gibt.

Der Ort Widuchowa[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Dort wo später Fiddichow entstand, muss schon sehr früh gesiedelt worden sein. Als man 1867 und 1984 Münzfunde machte, befanden sich darunter auch Münzen aus dem 9. und 10. Jahrhundert. Da auch arabische Geldstücke darunter waren, vermutet man an dieser Stelle den Verlauf eines alten Handelsweges. Dass auch Slawen dort gesiedelt haben, wird wegen des Vorhandenseins einer wendischen Burgwallanlage vermutet.

Historische Zeichnung des Stadtwappens

Von einer an der Oder gelegenen Burg Uiduchoua ist in einer Urkunde von 1159 die Rede, mit der Bischof Adalbert von Pommern dem Kloster Grobe auf Usedom ein Drittel der Einnahmen der Burg zusichert.[3] Hundert Jahre später wird als Burgherr der Ritter Burchard von Vehlefanz genannt. Zu dieser Zeit muss es schon eine Siedlung mit Marktgerechtigkeit gegeben haben, denn für 1283 wird vermerkt, dass der Flecken Fiddichow auf Veranlassung des pommerschen Herzogs Bogislaw IV. seine Marktrechte an die Stadt Greifenhagen abtreten musste. Durch diese Maßnahme wurde die Entwicklung des Ortes offensichtlich gehemmt, denn erst am 17. April 1347, fast ein Jahrhundert nach der ersten Welle der pommerschen Stadtgründungen verlieh Herzog Barnim III. Fiddichow das Magdeburger Stadtrecht. Doch auch danach spielte die Stadt eine untergeordnete Rolle und befand sich in den folgenden Jahrhunderten als so genannte Mediatstadt im wechselnden Besitz adliger Familien. Das führte unter anderem auch dazu, dass Fiddichow 1478 durch teilweisen Verkauf zur einen Hälfte unter pommerschem und zur anderen Hälfte unter brandenburgischem Lehen stand.

Als Folge des Dreißigjährigen Krieges kam Fiddichow zu Schwedisch-Pommern. Der Krieg hat die Stadt schwer getroffen, denn von vormals 936 Einwohnern lebten nur noch wenig mehr als dreißig Menschen dort. Fiddichow gehörte zu dem Gebietsstreifen Pommerns, der im Frieden von Saint-Germain (1679) nach dem brandenburgisch-schwedischen Krieg von Schweden an Brandenburg abgetreten wurde. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts errichtete der damalige Stadtherr Hildebrand Magnus von Wulffen auf dem Amtsberg ein aufwändiges Schloss, das ihn in den finanziellen Ruin steuerte. Als 1725 der Markgraf Friedrich Wilhelm von Schwedt Fiddichow erwarb, ließ er das Wulffensche Schloss wieder abreißen, angeblich weil es seinem Schwedter Schloss zu ähnlich war.

Marktplatz in Fiddichow um 1905

Mit dem Erwerb durch das preußische Königshaus 1788 endete die Privatherrschaft über Fiddichow, und endlich erlebte die Stadt einen Aufschwung. Mit Brauereien und einer Zuckerfabrik begann eine zunächst bescheidene Industrialisierung, die mit der Etablierung von zuletzt drei Rohrmattenfabriken dafür sorgte, dass sich die Einwohnerzahl von 853 im Jahre 1794 auf 3.010 im Jahre 1864 steigerte. Der fehlende Eisenbahnanschluss wurde durch den regen Frachtverkehr auf der Oder ausgeglichen. Bis in das 20. Jahrhundert hinein blieb Fiddichow jedoch auch eine Ackerbürgerstadt mit mehr als 60 Landwirten. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges hatte die Stadt 2.496 Einwohner und war damit im Landkreis Greifenhagen hinter der Kreisstadt Greifenhagen, Gartz (Oder) und Bahn die viertgrößte Gemeinde.

Kirche

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region zusammen mit ganz Hinterpommern Teil Polens. Der Ort verlor nun sein Stadtrecht und erhielt den polnischen Namen Widuchowa. Nach der Flucht - und Vertreibung der deutschen Bevölkerung lebten 1947 nur noch rund 600 Menschen in dem Ort.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahl
1791 844[4]
1864 3.010
1900 2.780[5]
1925 2.360[6]
1939 2.496
2010 1.551[1]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

Gmina Widuchowa[Bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten]

Die Landgemeinde Widuchowa umfasst ein Gebiet von etwas mehr als 200 km² und zählt 5.500 Einwohner. Sie liegt an der Oder im Nationalpark Unteres Odertal am Westrand der Pommerschen Seenplatte. Nachbargemeinden sind:

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahl
1995 5.688
1997 5.710
1999 5.733
2001 5.642
2003 5.648
2005 5.571

Verkehr[Bearbeiten]

Die Gmina Widuchowa liegt verkehrsgünstig an der Landesstraße 31, die Stettin mit Słubice (Frankfurt (Oder)) verbindet, außerdem besteht über die Woiwodschaftsstraße 122 eine schnelle Verbindung sowohl in die deutsche Stadt Schwedt/Oder als auch in die Nachbarkreisstadt Pyrzyce (Pyritz).

Widuchowa ist Bahnstation an der bedeutenden Nord-Süd-Bahnstrecke, die von Stettin nach Breslau führt.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Landgemeinde Widuchowa gliedert sich in 21 Ortschaften, die sich auf 14 Schulzenämter (sołectwo) verteilen:

  • Schulzenämter:
  • Bolkowice (Wilhelmsfelde)
  • Czarnówko (Klein Zarnow)
  • Dębogóra (Brusenfelde)
  • Kłodowo (Kladow)
  • Krzywin (Kehrberg)
  • Lubicz (Lindow)
  • Marwice (Marwitz)
  • Ognica (Nipperwiese)
  • Pacholęta (Pakulent)
  • Polesiny (Jägersfelde)
  • Rynica (Roderbeck)
  • Widuchowa (Fiddichow)
  • Żarczyn (Groß Schönfeld)
  • Żelechowo (Selchow)
  • Übrige Ortschaften:

Kiełbice (Kolbitz), Krzywinek (Kehrberg), Lubiczyn (Obervorwerk), Pąkowo (Pankows Hof), Radoszki (Schenksruh), Tarnogórki (Stephanshöhe), Widuchówko (Försterei Fiddichow) und Wilcze (Vorwerk Wilhelmaswalde).

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten]

  • Penkun, Deutschland (Mecklenburg-Vorpommern), seit 2005
  • Gehrde, Deutschland (Niedersachsen)

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern - Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865, S. 133-136 (Volltext)
  • Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern und des Fürstentums Rügen. Teil II, Band 3, Anklam 1868, S. 305-313 (Volltext)

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Zusammen mit den Ortschaften Lubiczyn und Widuchowa-Stacja. Quelle: Główny Urząd Statystyczny, Portret miejscowości statystycznych w gminie Widuchowa (powiat gryfiński, województwo zachodniopomorskie) w 2010 r. Online-Abfrage
  2. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 11. Juli 2014.
  3. Klaus Conrad (Bearb.): Pommersches Urkundenbuch. Band 1. 2. Auflage. Böhlau Verlag, Köln und Wien 1970, Nr. 48.
  4. Christian Friedrich Wutstrack, Hrsg.: Kurze historisch-geographisch-statistische Beschreibung des königlich-preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Stettin 1793, Übersichtstabelle auf S. 736.
  5. Meyers Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 6, Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien 1907, S. 549.
  6. Der Große Brockhaus. 15. Auflage, 6. Band, Leipzig 1930, S. 218.