Wie der Stahl gehärtet wurde

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Wie der Stahl gehärtet wurde (russ. Как закалялась сталь; Kak sakaljalas stal; wiss. Transliteration Kak zakaljalas’ stal’) ist ein Roman des sowjetischen Schriftstellers Nikolai Alexejewitsch Ostrowski. Er ist eines der bekanntesten Beispiele für die Literatur des Sozialistischen Realismus und hat nach Einschätzung des Lexikons der Weltliteratur „bei der sozialistischen Erziehung in der Sowjetunion und bei der sozialistischen Bewußtseinsbildung der fortschrittlichen Jugend in der ganzen Welt eine bedeutende Rolle gespielt.“[1]

Inhalt und Änderungen[Bearbeiten]

Die Lebensgeschichte von Pawel „Pawka“ Kortschagin basiert auf der Biographie des Verfassers. Kortschagin kämpft in der Roten Armee, dem Komsomol und der Kommunistischen Partei. Er erblindet und ist ans Bett gefesselt. Doch nie verliert der Held seine Zuversicht und seinen Kampfesmut. Beständig sucht sich Pawka den Weg zurück in „Reih und Glied“ (bzw. „Kampfreihen“, je nachdem, auf welcher Übersetzung die Ausgabe basiert).

Ostrowski arbeitete in den Jahren 1930 bis 1933 an seinem Hauptwerk. Die erste Veröffentlichung erfolgte in den Jahren 1932 und 1934. Das Buch erfuhr im Laufe der Jahre immer wieder Änderungen. Während Pawka z.B. in der Erstausgabe noch Mitglied der Arbeiteropposition ist, revidiert Ostrowski das in der dritten Auflage, um den jungen Revolutionär makellos erscheinen zu lassen. Das Buch ist heute vielen Kritiken ausgesetzt, da es sehr von der damaligen politischen Linie gefärbt ist. Am augenscheinlichsten dabei ist die Darstellung der Machnowschtschina als kriminelle Bande und der generell abwertende Tonfall gegenüber innerparteilichen, oppositionellen Strömungen der Arbeiteropposition und des Trotzkismus.

Das berühmte Zitat[Bearbeiten]

Im dritten Kapitel des zweiten Teils ist Pawel Kortschagin vom Typhus noch geschwächt und hat zum vierten Mal „an der Schwelle des Todes gestanden und war wieder zum Leben zurückgekehrt.“ Den Genesungsurlaub verbringt er bei seiner Herkunftsfamilie in einer kleinen Stadt, wo er – angewidert vom „kleinbürgerlichen Milieu“ – sich nach „den riesigen Steingebäuden, nach den verrußten Werkstätten seines Betriebes, den Maschinen und dem leisen Surren der Riemen“ sehnt. Beim Spaziergang ergreift ihn eine „seltsame Niedergeschlagenheit“. Am Stadtrand kommt er zu dem Platz, an dem Genossen erhängt wurden, und zu ihren Gräbern: „Hier hatten die tapferen Kameraden ihr Leben gelassen, damit das Leben derer schöner werde, die in Elend und Armut geboren wurden und für die allein die Geburt schon den Anfang der Sklaverei bedeutete. ... Trauer, tiefe Trauer erfüllte sein Herz.“ Er nimmt die Mütze ab und denkt:

„Das Wertvollste, was der Mensch besitzt, ist das Leben. Es wird ihm nur einmal gegeben, und er muss es so nützen, daß ihn sinnlos verbrachte Jahre nicht qualvoll gereuen, die Schande einer kleinlichen, inhaltslosen Vergangenheit ihn nicht bedrückt und daß er sterbend sagen kann: Mein ganzes Leben, meine ganze Kraft habe ich dem Herrlichsten in der Welt – dem Kampf für die Befreiung der Menschheit – geweiht. Und er muß sich beeilen, zu leben. Denn eine dumme Krankheit oder irgendein tragischer Zufall kann dem Leben jäh ein Ende setzen.“

Nikolai Ostrowski: Wie der Stahl gehärtet wurde[2]

Zum Abschied spielt er Ziehharmonika für seine Mutter, die staunt: „In seiner Musik klang jetzt nicht mehr die unbändige Verwegenheit, jenes tolle Jauchzen voller Ausgelassenheit, jener trunkene Übermut, die den jungen Harmonikaspieler Pawka im ganzen Städtchen berühmt gemacht hatten. Seine Musik klang melodisch, war jedoch, ohne ihre Kraft einzubüßen, ernster und tiefgründiger geworden.“[3]

Filmographie[Bearbeiten]

Das Buch wurde dreimal von sowjetischen Regisseuren verfilmt: Wie der Stahl gehärtet wurde 1942 (Mark Donskoi), Pawel Kortschagin 1956 (Aleksandr Alow und Wladimir Naumow), Wie der Stahl gehärtet wurde 1975 (Nikolai Mastschenko).

Stimmen zum Werk[Bearbeiten]

Der französische Schriftsteller Romain Rolland im Vorwort von Wie der Stahl gehärtet wurde, 1936:

„Alles in Ostrowski ist Flamme der Aktion und des Kampfes – und diese Flamme wuchs und dehnte sich aus, je enger Nacht und Tod ihn umringten. Er strömte von unermüdlichem Lebensmut und Optimismus über. Und diese Freude verband ihn mit allen kämpfenden und vorwärts schreitenden Völkern der Erde.“

Verlagswerbung von 1950:

„Der Autor erzählt mit großer Wahrhaftigkeit die Geschichte einer jungen Generation, die im Sturm geschichtlicher Ereignisse erzogen und gestählt wurde. [...] Der Kampf zwischen Gutem und Bösem, Reinem und Schmutzigem, Hohem und Niedrigem, Schönem und Hässlichem, Menschlichem und Barbarischem, der im Menschen selbst tobt, aber den die Menschen auch untereinander ausfechten, findet bei diesem Dichter lebenswahren Ausdruck.“

Verlag Neues Leben: Berlin (Ost)

Ausgaben[Bearbeiten]

  • Erstausgabe in zwei Bänden, Moskau 1932–1934
Deutsche Ausgaben
  • Übersetzung: Anonym. Staatsverlag der nationalen Minderheiten der UdSSR, Kiew 1937 (erste deutsche Ausgabe)
  • Übersetzung: Anonym. Neues Leben, Berlin 1947
  • Übersetzung neu bearbeitet von Nelly Drechsler
    • Mit Zeichnungen von Kurt Zimmermann. Verlag Neues Leben, Berlin 1954 (13. Auflage)
    • Reclam, Leipzig 1957
  • Übersetzung neu bearbeitet von Ernst Dornhof
    • Zeichnungen von Kurt Zimmermann. Verlag Neues Leben, Berlin 1961 (20. Auflage)
    • Reclam, Leipzig 1969 (13. Auflage)
    • Zeichnungen von Kurt Zimmermann. Weltkreis-Verlagsgesellschaft, Dortmund 1973
  • Neuübersetzung von Thomas Reschke
    • Verlag Neues Leben, Berlin 1977 (36. Auflage); Weltkreis-Verlag, Dortmund 1977, ISBN 3-88142-018-5; Reclam, Leipzig 1981 (22. Auflage)
    • Illustriert von Eberhard Binder. Verlag Neues Leben, Berlin 1985 (43. Auflage); Weltkreis-Verlag, Dortmund 1985 (6. Auflage), ISBN 3-88142-018-5
  • Illustriert von Kurt Zimmermann. LeiV, Leipzig 2004, ISBN 3-89603-197-X

Vertonung[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lexikon der Weltliteratur – Fremdsprachige Schriftsteller und anonyme Werke von den Anfängen bis zur Gegenwart. Volksverlag Weimar 1963, S. 511.
  2. 17., unveränderte Auflage. Deutsche Übersetzung neu bearbeitet von Nelly Drechsler. Verlag Neues Leben, Berlin 1959, S. 270. Russisch: „Самое дорогое у человека — это жизнь. Она даётся ему один раз, и прожить её надо так, чтобы не было мучительно больно за бесцельно прожитые годы, чтобы не жёг позор за подленькое и мелочное прошлое, чтобы, умирая, смог сказать: вся жизнь и все силы были отданы самому прекрасному в мире — борьбе за освобождение человечества. И надо спешить жить. Ведь нелепая болезнь или какая-либо трагическая случайность могут прервать её.“
  3. Nikolai Ostrowski: Wie der Stahl gehärtet wurde. 17., unveränderte Auflage. Deutsche Übersetzung neu bearbeitet von Nelly Drechsler. Verlag Neues Leben, Berlin 1959, S. 272.