Wie ein wilder Stier

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Raging Bull ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Für die gleichnamige Achterbahn, siehe Raging Bull (Six Flags Great America).
Filmdaten
Deutscher Titel Wie ein wilder Stier
Originaltitel Raging Bull
Wie ein wilder Stier Logo.png
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1980
Länge 124 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Martin Scorsese
Drehbuch Paul Schrader
Produktion Robert Chartoff,
Irwin Winkler
Musik Pietro Mascagni
Kamera Michael Chapman
Schnitt Thelma Schoonmaker
Besetzung

Wie ein wilder Stier (Originaltitel: Raging Bull) ist ein hauptsächlich in Schwarz-Weiß gedrehtes Boxerdrama von Martin Scorsese aus dem Jahr 1980 über Aufstieg und Niedergang des Boxers Jake LaMotta.

Obwohl man dem Werk zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung wegen Sprache und Gewaltdarstellung auch mit Kritik gegenüber trat, ist Wie ein wilder Stier heute als einer der besten bzw. wichtigsten Filme des amerikanischen Kinos anerkannt. So tauchte der Film nicht nur 1992 auf Platz zwei der Regisseur-Liste des Sight & Sound auf, sondern auch auf dem vierten Platz der 2007er Liste des American Film Institute. 1990 wurde er in die National Film Registry aufgenommen und wurde ferner von wichtigen Kritikern wie Roger Ebert als einer der besten Filme der 1980er Jahre und überhaupt bezeichnet.

Handlung[Bearbeiten]

That’s entertainment: Mit diesen Worten endet die kurze Exposition zu Beginn des Filmes, in der sich Jake LaMotta 1964 auf einen Auftritt als Entertainer vorbereitet. Es folgt ein Schnitt zurück ins Jahr 1941: Eine Faust trifft Jake während eines Boxkampfes ins Gesicht. Seine Gegenwehr wird durch den Gongschlag zum Ende der Runde unterbrochen.

Der Film zeigt – wie viele Filme von Scorsese – das Scheitern der Hauptperson. Jake ist ein Boxer, der sich nicht den in der Szene geltenden Regeln unterwerfen will. Sein Charakter sieht nur Feinde in seiner Umwelt, nur seinem Bruder und Betreuer Joey begegnet er einstweilen mit Vertrauen. Den Kampf um den Weltmeistertitel bekommt er nur, weil er gegenüber den Promotern und Joey dann doch Kompromisse eingeht.

Durch seinen Bruder Joey, der auch sein Manager ist, lernt er die junge Vicky kennen. Nachdem die erste Ehe von Jake zerbrochen ist, heiratet er 1945 Vicky.

Am 15. Juni 1949 gewinnt er gegen Marcel Cerdan durch einen technischen K. o. und erringt so den Weltmeistertitel im Mittelgewicht. Die Verteidigung des Titels fällt ihm jedoch schwer, da er sich in der Vorbereitungszeit gehen lässt und zusehends Fett ansetzt. Jakes Misstrauen gilt besonders seiner Frau Vickie. Als diese ihm entnervt und zynisch an den Kopf wirft, sie habe „auch“ ein Verhältnis mit seinem Bruder gehabt, fühlt sich Jake in seinem Misstrauen bestätigt. Er verprügelt Joey und schlägt schließlich seine Frau Vickie bewusstlos, die beiden einzigen Verbündeten in seinem Leben. Die Versöhnung mit seinem Bruder scheitert. Schließlich verliert er seinen Weltmeistertitel in einem brutal inszenierten Kampf gegen Sugar Ray Robinson, bei dem er die Schläge des Gegners am Rande der Bewusstlosigkeit und ohne Deckung hinnimmt.

Nach seiner Boxer-Karriere geht der Abstieg Jakes aber weiter. Er schwemmt auf und wird Besitzer einer Bar, in der er auch als Conferencier mit schlüpfrigen Ansagen auftritt. Vickie lässt sich von ihm scheiden. Da Minderjährige in seiner Bar verkehren, landet Jake im Gefängnis. Hier ist er ganz allein, er hat kein Gegenüber, nur sich selbst als einzigen Gegner; der Tiefpunkt seines Lebens ist erreicht.

Doch nach seiner Strafe richtet Jake sich wieder etwas auf. Er wird Entertainer – eine Art Stand-Up Comedian – der aber eher sein Publikum beschimpft.

Der Film endet, wie er begann: Mit der Vorbereitung Jakes auf einen weiteren Auftritt, bei dem er aber diesmal die berühmte Rede Marlon Brandos aus der Taxi-Szene des Filmklassikers Die Faust im Nacken rezitiert. Das Proben des Textes gegenüber seinem Spiegelbild wirkt aber eher wie ein Resümee seines Lebens, eine Beichte. Jake zitiert, er spricht mit einem Bekannten aus seiner Zeit als Boxer, er spricht mit sich selbst.

Hintergrund und Bewertung[Bearbeiten]

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Wie ein wilder Stier ist ein Beispiel für die dunkle Seite des Boxerfilms, man vergleiche ihn nur mit dem zur gleichen Zeit herausgekommenen Rocky mit Sylvester Stallone. Der Film ist hauptsächlich in Schwarz-Weiß gedreht, die Boxkämpfe sind kurz, sie sind weder heldenhaft noch unterhaltsam und äußerst brutal in Szene gesetzt. In ihnen zeigt sich der Kampf Jakes gegen die Welt, aber auch sein Leiden und der Wunsch nach Bestrafung oder Erlösung.

Aber nicht nur dem Auge sondern auch dem Ohr wird bei den Kämpfen einiges zugemutet. Man hört das laute Knallen der Schläge, ein Brummen in den ruhigen Phasen und ein Knurren, das vom Gegner kommt. Eine objektive Darstellung der Kämpfe ist das nicht, sondern eher die subjektive Wahrnehmung Jakes. So ist auch jeder Kampf in einer anderen Stimmung dargestellt worden. Unübersichtlich und verschwommen, wie in einer Hölle oder auch suggestiv und völlig losgelöst vom Publikum.

Martin Scorsese erklärte später, dieser Film habe sein Leben gerettet: Der Regisseur landete durch lange Kokainsucht schwer angeschlagen im Krankenhaus, wo ihn De Niro besuchte. Dieser überredete ihn Wie ein wilder Stier zu drehen, wodurch Scorsese seine Sucht schließlich überwand.

Robert De Niro hat sich für die Darstellung des älteren Jake LaMotta das Gewicht erst zulegen müssen und dafür sehr viel Respekt und die Belohnung mit einem Oscar erhalten. Es entspricht aber auch dem ruinösen und kämpferischen Charakter seiner Filmrolle. De Niro lernte zunächst tatsächlich zu boxen und trainierte wie ein Weltmeister. Er wurde von LaMotta persönlich ausgebildet. Später nahm er dann 27 Kilogramm Gewicht zu, um den alten, dick gewordenen LaMotta zu spielen und den Unterschied zu dem jungen und muskulösen Boxer darzustellen. Dies war bis 1987 ein Weltrekord im Guinness-Buch der Rekorde für die größte Gewichtszunahme eines Schauspielers für seine Rolle.

John Turturro hat einen Kurzauftritt im Club Webster Hall.

Als musikalische Unterlegung des Vor- und Abspanns wurde das Intermezzo der italienischen Oper Cavalleria rusticana verwendet.

Kritik[Bearbeiten]

Der film-dienst schrieb: „Meisterhafte filmische Biografie des ehemaligen Boxweltmeisters im Mittelgewicht Jake La Motta. Regisseur Scorsese nimmt die zwischen 1941 und 1964 in Episoden verlaufende Geschichte zum Anlaß für die psychologische Studie eines selbstzerstörerischen und gewalttätigen Menschen, beschreibt dabei aber auch das soziale Umfeld, "Little Italy", das italienische Einwandererviertel von New York. Vor allem durch die kompromißlos harten Kampfszenen und die brillante Interpretation Robert de Niros erreicht der Film eine beklemmende Intensität.

Critic.de schrieb: Wie ein wilder Stier zählt wohl zu Scorseses gründlichsten Ausarbeitungen einer Thematik, die ihn in vielen seiner Filme beschäftigt: bestimmte Formen von Maskulinität und damit assoziierte männliche Werte. Von all dem hat Jake La Motta auch eine eigene Vorstellung, und an dieser hält er verzweifelt fest, selbst als er von einem gefeierten Boxchampion zu einem fetten, eher relativ erfolgreichen Stand-Up Comedian degeneriert.“[1]

Umfragen[Bearbeiten]

  • Bei einer Umfrage unter Filmkritikern wurde Wie ein wilder Stier zum besten Film der 80er-Jahre erklärt.
  • Im November 2002 wurde der Film bei einer anderen Umfrage – dieses Mal ging es um den besten Film des letzten Vierteljahrhunderts – von 50 britischen Filmkritkern und -autoren auf den zweiten Platz gewählt; den ersten Platz errang Francis Ford Coppola mit seinem Vietnam-Kriegsfilm Apocalypse Now.

Historische Ungenauigkeiten[Bearbeiten]

In der 1. Kampfszene Jake La Motta gegen Jimmy Reeves gewinnt Jimmy Reeves einstimmig. In Wahrheit endete der Kampf aber mit einer SD (Split Decision), sprich einer 2 zu 1 Wertung für Jimmy Reeves.[2]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Der Film erhielt folgende Auszeichnungen und Nominierungen:

Oscars 1981

In den vom American Film Institute herausgegebenen Listen der 100 besten amerikanischen Filme aller Zeiten ist Wie ein wilder Stier zweimal vertreten: In der Ausgabe 1998 auf Position 24 und in der Ausgabe 2007 auf Platz 4.

Des Weiteren erreichte er Platz 51 in der Liste der besten 100 Thriller aller Zeiten, die das American Film Institute ebenfalls zusammenstellte.

2008 erschien eine vom American Film Institute herausgegebende Liste der Top 10 Sportfilme aller Zeiten. Der Film platzierte sich auf Platz 1.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kurzkritik auf Critic.de
  2. http://www.boxrec.com/list_bouts.php?human_id=009030&cat=boxer&pageID=2

Weblinks[Bearbeiten]