Wiederbeschaffungskosten

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Die Wiederbeschaffungskosten eines Gutes stellen die Anschaffungskosten des gleichen oder zumindest eines vergleichbaren Wirtschaftsguts in der Zukunft dar. Sie führen zu einer besseren Substanzerhaltung als Zeitwerte, sind dagegen aber auch schwerer und ungenauer zu ermitteln. Anwendung finden die Wiederbeschaffungskosten vor allem bei der Abschreibung innerhalb der Kosten- und Leistungsrechnung.

Der Wiederbeschaffungswert ist im Sinne des § 1332 ABGB (Österreich) der gemeine, ordentliche Wert einer Sache. Er wird durch objektiv-abstrakte Ermittlungen bestimmt und richtet sich nach dem allgemeinen und gewöhnlichen Nutzen. Abzustellen ist auf den Zeitpunkt der Beschädigung, sowie auf den Ort, an dem die Sache gewöhnlich genutzt wird, wo der Geschädigte regelmäßig die Reparatur durchführen lässt oder Ersatz beschafft. Im Allgemeinen wird dies der Wohnort (nicht der Ort der Beschädigung) sein.

Man unterscheidet

  • Wiederbeschaffungsneuwert
Der Wiederbeschaffungsneuwert stellt die Größe dar, die aufzubringen wäre, um den Gegenstand „heute“ neu zu kaufen. Um diesen Wert mit dem eines bereits gebrauchten Gegenstands vergleichbar zu machen, muss er fortgeführt werden. Wurde der gebrauchte Gegenstand bereits zur Hälfte abgeschrieben, so schreibt man den Wiederbeschaffungsneuwert ebenfalls zur Hälfte ab und vergleicht nun die beiden Werte.
  • Wiederbeschaffungszeitwert
Der Wiederbeschaffungszeitwert ist ein Wert eines möglichst gut vergleichbaren Gegenstands, der gebraucht verkauft wird/wurde. Er ist direkt mit dem Wertansatz des gebrauchten Gegenstands vergleichbar.

Der Wiederbeschaffungswert eines Kraftfahrzeugs ist dem durchschnittlichen Händlerverkaufspreis gleichzusetzen, weil sich der Geschädigte zulässigerweise des redlichen Kraftfahrzeughandels bedienen darf und nicht etwa günstigere Angebote von Privaten annehmen muss. Schon allein wegen der mit dem Verkauf verbundenen Gewährleistungsansprüche sind Händlerverkaufspreise höher als jene Preise, die ein Käufer gewillt ist einem privaten Verkäufer zu bezahlen (siehe auch andere Wertdefinitionen des Kfz [1]).

Die Händlerverkaufspreise unterscheiden sich regional wegen unterschiedlicher Marktgegebenheiten und Händlerdichte. Bei der Verwendung von Hilfen zu Schätzung, Internetrecherchen oder Listen (Händlerverkaufspreis zB „EurotaxGlass's-gelb“), wird über große Gebiete gemittelt. Man muss diese Werte durch Berücksichtigung der Region (in Österreich: Ost-West-Gefälle) korrigieren. Mittelwerte aus Internetrecherchen, die mehrere Länder umfassen, müssen diesbezüglich korrigiert werden.

In den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen weist das Statistische Bundesamt das Anlagevermögen zu Wiederbeschaffungspreisen aus. Mit „Wiederbeschaffungspreise“ sind die Preise gemeint, die zum Berichtszeitpunkt gelten.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Paul Nechvatal, Bernhard Wielke: Definitionen des Wertes eines Kfz. In: Der Sachverständige. Heft 2, 2011, ZDB-ID 550271-8, S. 86, (PDF; 222 kB).
  2. „Unter dem Wiederbeschaffungspreis wird der Betrag verstanden, der hätte gezahlt werden müssen, wenn das Vermögensgut im Berichtszeitpunkt angeschafft worden wäre.“