Wiedergeltingen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Wiedergeltingen
Wiedergeltingen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Wiedergeltingen hervorgehoben
48.03972222222210.672222222222609Koordinaten: 48° 2′ N, 10° 40′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Unterallgäu
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Türkheim
Höhe: 609 m ü. NHN
Fläche: 11,61 km²
Einwohner: 1371 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 118 Einwohner je km²
Postleitzahl: 86879
Vorwahl: 08241
Kfz-Kennzeichen: MN
Gemeindeschlüssel: 09 7 78 216
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Mindelheimer Str. 21
86879 Wiedergeltingen
Webpräsenz: www.wiedergeltingen.de
Bürgermeister: Norbert Führer (BVW)
Lage der Gemeinde Wiedergeltingen im Landkreis Unterallgäu
Kaufbeuren Landkreis Augsburg Landkreis Günzburg Landkreis Neu-Ulm Landkreis Oberallgäu Landkreis Ostallgäu Landkreis Unterallgäu Memmingen Amberg (Unterallgäu) Apfeltrach Babenhausen (Schwaben) Bad Grönenbach Bad Wörishofen Benningen Benningen Böhen Boos (Schwaben) Breitenbrunn (Schwaben) Buxheim (Schwaben) Dirlewang Egg an der Günz Eppishausen Erkheim Ettringen (Wertach) Fellheim Hawangen Heimertingen Holzgünz Kammlach Kettershausen Kirchhaslach Kirchheim in Schwaben Kronburg Lachen (Schwaben) Lauben (Unterallgäu) Lautrach Legau Markt Rettenbach Markt Wald Memmingerberg Mindelheim Niederrieden Oberrieden (Schwaben) Oberschönegg Ottobeuren Pfaffenhausen Pleß Rammingen (Bayern) Salgen Sontheim (Schwaben) Stetten (Schwaben) Trunkelsberg Türkheim Tussenhausen Ungerhausen Ungerhausen Unteregg Westerheim (Unterallgäu) Wiedergeltingen Winterrieden Wolfertschwenden Woringen Kaufbeuren Landkreis Augsburg Landkreis Günzburg Landkreis Neu-Ulm Landkreis Oberallgäu Landkreis Ostallgäu Landkreis Unterallgäu Memmingen Amberg (Unterallgäu) Apfeltrach Babenhausen (Schwaben) Bad Grönenbach Bad Wörishofen Benningen Benningen Böhen Boos (Schwaben) Breitenbrunn (Schwaben) Buxheim (Schwaben) Dirlewang Egg an der Günz Eppishausen Erkheim Ettringen (Wertach) Fellheim Hawangen Heimertingen Holzgünz Kammlach Kettershausen Kirchhaslach Kirchheim in Schwaben Kronburg Lachen (Schwaben) Lauben (Unterallgäu) Lautrach Legau Markt Rettenbach Markt Wald Memmingerberg Mindelheim Niederrieden Oberrieden (Schwaben) Oberschönegg Ottobeuren Pfaffenhausen Pleß Rammingen (Bayern) Salgen Sontheim (Schwaben) Stetten (Schwaben) Trunkelsberg Türkheim Tussenhausen Ungerhausen Ungerhausen Unteregg Westerheim (Unterallgäu) Wiedergeltingen Winterrieden Wolfertschwenden Woringen Baden-WürttembergKarte
Über dieses Bild
Ortsmitte mit Brunnen, Rathaus und Kirche St. Nikolaus
Ansicht von Wiedergeltingen, Blickrichtung Südost
Ansicht von Wiedergeltingen, Blickrichtung Südwest

Wiedergeltingen ist eine Gemeinde im schwäbischen Landkreis Unterallgäu und Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Türkheim. Das Haufendorf liegt in einer Unterbrechung der Seitenmoräne der Wertach, nördlich der Bahnlinie Buchloe - Memmingen und der Autobahn A 96 München - Lindau. Die ursprünglich stark landwirtschaftlich geprägten Strukturen wurden durch Gewerbeansiedlungen in den letzten Jahren tiefgreifend verändert.

Geographie[Bearbeiten]

Wiedergeltingen liegt rund 40 km östlich von Memmingen in der Region Donau-Iller in Mittelschwaben. Das Gemeindegebiet wird im Westen von der Wertach durchflossen[2]. Auf der südwestlichen Gemeindegrenze befindet sich der Irsingener See, eine Staustufe der Wertach. Von der Fläche des Irsingener Sees entfallen etwa 17 ha auf Wiedergeltingen[3]. Nördlich davon wird durch eine Wehranlage der Mühlbach aus der Wertach ausgeleitet, der bei Türkheim schließlich wieder in sie zurückfließt. Durch das östliche Gemeindegebiet fließen der Kleine und der Große Hungerbach. Der südliche Teil der Wiedergeltinger Flur wird durch einen bewaldeten Höhenrücken, dem Heisteig, in eine Ost- und eine Westhälfte gegliedert.

Ausdehnung des Gemeindegebietes[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet besteht nur aus der Gemarkung Wiedergeltingen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die ersten Siedlungsspuren in der Wiedergeltinger Gegend reichen zurück in die mittlere Bronzezeit (1600 - 1200 v. Chr.) und die Hallstattzeit (800 - 500 v. Chr.). Entsprechende Bodendenkmale sind in Form von etwa 150 Hügelgräbern südlich des Ortes nachweisbar. Darüber hinaus gibt es einige Funde von Werkzeugen und Schmuck aus der angesprochenen Zeit auf Wiedergeltinger Flur.

Wann die Gründung des Ortes am heutigen Platz stattfand, lässt sich nur ungefähr eingrenzen. Mit der alemannischen Landnahme nach Abzug der Römer dürften im 5. Jahrhundert neue Siedler in die Gegend um Wiedergeltingen gekommen sein. Der Aufstieg der Franken/Karolinger im 7. und 8. Jahrhundert und die einhergehende fränkische Dominanz über Alemannien führte zu mehreren Siedlungsschüben aus Norden - u. a. wurde die nicht weit entfernte Benediktinerabtei Ottobeuren 764 von fränkischen Adeligen gegründet. Der Ortsname gibt darüber hinaus ebenfalls einen Hinweis, in welcher Zeit die entscheidende Ansiedlung stattfand. Der bestimmende Namensteil ist der Personenname "Widargelt", zusammen mit dem bei den Alemannen in Ortsnamen üblichen Suffix "ingen", was "bei den Leuten des Widargelt" heißt. Die Gründung der "ingen"-Orte in der Gegend wird allgemein in das 6. und 7. Jahrhundert datiert. Eine wahrscheinliche Deutung ist, dass Widargelt in dem genannten Zeitraum mit einem fränkisch-alemannischen Siedlerzug in diese Gegend kam und die vorhandene Altsiedlung übernahm.

Ebenfalls fast bis in diese Zeit dürfte die Verbindung des Ortes mit dem Herrschergeschlecht der Welfen reichen. Diese gehörten dem karolingischen Dienstadel an und kamen ebenfalls mit der fränkischen Expansion zu Macht und Grundbesitz u. a. im süddeutschen, schwäbischen Raum. Spekulationen, ob in Wiedergeltingen - wie auch z. B. in Mindelheim oder Kaufbeuren - ein fränkischer Reichshof bestand, konnten bislang nicht belegt werden. Die in Bodenfunden nachgewiesene Welfenburg (s. u.) könnte dafür in Betracht kommen - entsprechende Untersuchungen wurden bisher jedoch nicht durchgeführt.

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes datiert auf den 26. Januar 1172, als Herzog Welf VI. "in domo Welfonis ducis" - d. h. in der örtlichen Pfalz/Burg – eine Urkunde ausstellt. Welf VI. schenkte um diese Zeit umfangreiche Güter in Wiedergeltingen an das von ihm 1147 gegründete Prämonstratenserkloster Steingaden. Der Ort bildete eine geschlossene Hofmark der ehemals reichsunmittelbaren (bis zum 15. Jahrhundert) Abtei und war zunächst Teil der Herrschaft Schwabegg, nach dessen Verkauf dann des Kurfürstentums Bayern. Steingaden hatte bis zur Säkularisation 1803 die niedere Gerichtsbarkeit über den Ort und einige Dörfer in der Gegend inne. In Wiedergeltingen wurde zur Verwaltung der umliegenden steingadischen Besitzungen ein Oberrichteramt (Obervogtamt) errichtet. Einer der Wiedergeltinger Oberrichter war Anton Wilhelm Ertl (frühestens 1686 bis spätestens 1696), der in dieser Zeit seinen Kurbayerischen Atlas herausgab. Die im Mittelalter übliche Zweiteilung der Gerichtsbarkeit (kleinere Vergehen wurden von den örtlichen Vögten geahndet, während der Blutbann für schwere Verbrechen vom Landesherren ausgeübt wurde) führte in der Folge zu wiederholten Streitigkeiten zwischen dem Kloster und den wechselnden Besitzern der Herrschaft Schwabegg, welche die hohe Gerichtsbarkeit beanspruchten. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

Die Lage an der Straße Landsberg - Mindelheim - Memmingen brachte dem Ort gelegentlich hohen Besuch. Nach der Doppelwahl im Jahr davor standen sich Anfang September 1315 König Ludwig der Bayer und seine Gegner König Friedrich der Schöne und Herzog Leopold in der unmittelbaren Nähe des Ortes an der Wertach gegenüber. Ungünstige Geländeverhältnisse und schlechtes Wetter verhinderten jedoch Kampfhandlung, so dass der Ort und seine Umgebung nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde. Im Mai 1501 lagen dann Teile des Gefolges des römisch-deutschen Königs Maximilian I. im Dorf. Dies dürfte im Zusammenhang mit dem Reichstag stehen, den Maximilian im Juli dieses Jahres in Nürnberg abhielt.

In den Bauernaufständen legten die Aufständigen am 3. März 1525 die "Wiedergeltinger Artikel" mit ihren Forderungen vor, daraufhin wurde der Ort am 20. April 1525 durch Truppen Herzog Ludwigs von Bayern als abschreckende Maßnahme zerstört. Als Vergeltung brannten die Bauern im Jahr darauf u. a. das Kloster Steingaden nieder. Im Dreißigjährigen Krieg litt der nahe der Heerstraße gelegene Ort ebenfalls Schaden, als durchziehende Söldnerheere sich schadlos hielten und die Pest mit sich brachten.

1683 heiraten in Wiedergeltingen die Eltern des berühmten Orgelbaumeisters Augustin Simnacher, er selbst verbringt einige Jahre seiner Kindheit dort.

Im Bereich der heutigen südöstlichen Flurgrenze befand sich bis in die Zeit der Schwedenkriege (1630-1635) der mittlerweile abgegangene Ort Hermannstetten.

Religion[Bearbeiten]

Eine Kirche wird im Ort ab 1185 beurkundet, diese wurde bereits 1235 von den Rittern von Mattsies im Zuge einer Streitigkeit mit dem Kloster Steingaden wieder in Brand gesetzt. Die heute noch bestehende Kirche datiert in ihren Fundamenten in das 14. Jahrhundert, der Chor wurde um das Jahr 1500 errichtet, während das Langhaus um 1700 fertiggestellt wurde. Nahe der Wiedergeltinger Mühle besteht seit 2011 eine kleine Kapelle.[4] Die örtliche katholische Pfarrgemeinde ist Mitglied in der Pfarreiengemeinschaft Türkheim.

Wiedergeltingen Kirche

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister ist Norbert Führer vom Bürgerverein Wiedergeltingen e.V. (BVW). Er wurde bei der Kommunalwahl am 16. März 2014 Nachfolger von Michael Schulz (CSU), der zuvor über zwei Legislaturperioden das Amt innehatte. Bei der Wahl ergab sich folgende Stimmverteilung: Michael Schulz: 39,77%, Norbert Führer: 60,23%. [5]

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 1999 umgerechnet 571.000 €, davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto) umgerechnet 146.000 €.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 23. Januar 1953 durch Bescheid des Bayerischen Staatsministeriums des Innern genehmigt.

Blasonierung: „In Silber ein aus drei, eins zu zwei gestellten roten Quadersteinen aufwachsender roter Greifenlöwe.“

Der welfische rote Greifenlöwe erinnert an den seit dem 12. Jahrhundert nachgewiesenen bedeutenden Besitz des welfischen Herzogshauses im Ort, die drei roten Quadersteine sind dem Klosterwappen des Prämonstratenserstiftes Steingaden entnommen, dem von 1147-1803 die pfarrherrlichen, gerichtlichen und grundherrlichen Rechte im Ort zustanden.

Der Entwurf des Wappens stammt von Dr. Klemens Stadler und die Gestaltung übernahm der Münchner Emil Werz.

Flagge[Bearbeiten]

Die Flagge wurde am 27. September 1962 durch Bescheid des Bayerischen Staatsministeriums des Innern genehmigt.

Die Flagge ist Rot - Weiß (1:1) gestreift mit dem aufgelegten Gemeindewappen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Liste der Baudenkmäler in Wiedergeltingen

Wiedergeltingen Dorfzentrum Gasthaus Ritter

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft sowie Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten]

Es gab 1998 nach der amtlichen Statistik im produzierenden Gewerbe 181 und im Bereich Handel und Verkehr 31 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 422. Im verarbeitenden Gewerbe gab es einen Betrieb, im Bauhauptgewerbe drei Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 37 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 716 ha, davon waren 339 ha Dauergrünfläche.

Wiedergeltingen Gewerbegebiet
Solarpark

Bildung[Bearbeiten]

Im Jahr 1999 gab es folgende Einrichtungen:

  • Kindergarten St. Nikolaus (Träger ist die katholische Kirche): 50 Kindergartenplätze mit 46 Kindern
  • Volksschulen: 1 mit 8 Lehrern und 159 Schülern (Grundschule)

Eine Schule ist am Ort seit dem 17. Jahrhundert nachgewiesen. Während zunächst in der Wohnung des Mesners unterrichtet wurde, konnte 1808 ein Schulsaal im alten steingadischen Zehentstadel eingerichtet werden. 1833/34 wurde dann an der Stelle des abgerissenen Stadels eine Schule mit zunächst einem Saal errichtet. In den späteren Jahren erfolgen zahlreiche Umbauten und ein kompletter Neubau in den Jahren 1939 und erneut 1994.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wiedergeltingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Bundesamt für Kartographie und Geodäsie, Landesamt für Vermessung und Geoinformation Bayern: Digitale Topographische Karte 1:50 000, BayernViewer, abgerufen am 28. März 2011
  3. Flächennutzungsplan der Gemeinde Wiedergeltingen von 2008
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Formatbz: Wiedergeltinger Familie errichtet ein kleines Gotteshaus. Allgäuer Zeitung all-in.de, 21. Juni 2011, abgerufen am 14. Juli 2011.
  5. http://www.wiedergeltingen.de/wiederg/cms_extract/l26797b26797/aktuell.html