Qisās

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Qisās (arabisch ‏قصاص‎, DMG qiṣāṣ) bezeichnet im islamischen Recht (Scharia) das Prinzip der Wiedervergeltung. Sie kann bei Tötung eines Menschen und bei nichttödlicher Verwundung angewendet werden. Der Begriff qisas ist synonym zu qawad.

Unter den Arabern zu Zeit Mohammeds war die Blutrache verbreitet. Die islamische Wiedervergeltung leitet die Blutrache in bestimmte, geregelte Bahnen, im Sinne des alttestamentlichen Auge für Auge. Im Koran wird die genaue Wiedervergeltung als göttliche Anordnung vorausgesetzt:

Ihr Gläubigen! Bei Totschlag ist euch die Wiedervergeltung vorgeschrieben: ein Freier für einen Freien, ein Sklave für einen Sklaven und ein weibliches Wesen für ein weibliches Wesen. Und wenn einem (der einen Totschlag begangen hat) von seiten seines Bruders (dem die Ausübung der Wiedervergeltung obliegt) etwas nachgelassen wird, soll die Beitreibung (des Blutgeldes durch den Rächer) auf rechtliche und (umgekehrt) die Bezahlung an ihn auf ordentliche Weise vollzogen werden. Das ist (gegenüber der früheren Handhabung der Blutrache) eine Erleichterung und Barmherzigkeit von seiten eures Herrn. Wenn nun aber einer, nachdem diese Regelung getroffen ist, eine Übertretung begeht (indem er sich an die frühere Sitte der Blutfehde hält), hat er (im Jenseits) eine schmerzhafte Strafe zu erwarten. (Sure 2, Vers 178 nach Paret)

In der Gemeindeordnung von Medina wurde festgelegt, dass es dem Gläubigen untersagt ist, einen Gläubigen wegen der Tötung eines Nichtgläubigen zu töten. Der Prophet Mohammed griff mehrfach persönlich in die Handhabung der qisas ein. So bezahlte er das Sühnegeld (diya) für Heiden, die in einem Vertragsverhältnis zu ihm standen und von Muslimen ermordet wurden. Er erzwang auch zweimal die Annahme von Sühnegeld oder ließ Mörder bei erschwerenden Umständen hinrichten, ohne dem Bluträcher die Möglichkeit eines Sühnegelds zu gewähren.[1]

Gemäß der Überlieferung von Ibn Ishaq tilgte Mohammed bei der Eroberung Mekkas jegliche Blutschuld.[2]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Joseph Schacht: Kisas. In: Encyclopaedia of Islam, Leiden 1980
  2. Ibn Ishaq: Das Leben des Propheten. Aus dem Arabischen von Gernot Rotter. Kandern 2004, S. 223