Wieger

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Dieser Artikel behandelt die DDR-Handfeuerwaffen; für Personen namens Wieger siehe Wieger (Begriffsklärung).
Wieger
Wieger STG941 GDR.jpg
Allgemeine Information
Militärische Bezeichnung: Wieger STG 940
Einsatzland: DDR, Peru, Indien
Entwickler/Hersteller: VEB Geräte- und Werkzeugbau Wiesa
Entwicklungsjahr: etwa 1985
Herstellerland: DDR
Produktionszeit: etwa 1985 bis 1990
Modellvarianten: STG 940, STG 941, STG 942, STG 943, STG 944, STG 945
Waffenkategorie: Selbstladebüchse
Ausstattung
Gesamtlänge: 915 - 959 (typenabhängig) mm
Lauflänge: 317 - 500 (typenabhängig) mm
Technische Daten
Kaliber: 5,56 X 45 (SS 109)
Mögliche Magazinfüllungen: 30 Patronen
Munitionszufuhr: Kurvenmagazin
Kadenz: ca. 600 Schuss/min
Feuerarten: Einzelfeuer, Dauerfeuer
Drall: 305 mm
Visier: Schiebevisier / Zielfernrohr
Verschluss: Drehkopfverschluss
Ladeprinzip: Gasdrucklader
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Wieger sind militärische Handfeuerwaffen der Serie 9xx aus DDR-Produktion.

Der Markenname „Wieger“ wurde dabei speziell für den Export der Waffen des VEB Geräte- und Werkzeugbau Wiesa (GWB) in das Ausland kreiert. „Wieger“ ist eine Zusammenziehung (Kontraktion) der Wörter „Wiesa“ und „Germany“.

Wieger 940[Bearbeiten]

Die in Wiesa im Erzgebirge produzierten Waffen hatten 900er Nummern, wobei 91x für Waffen im Kaliber 7,62 x 39 mm und 92x für 5,45 x 39 mm vergeben war. Beim Waffensystem Wieger 940 handelt es sich um eine von der DDR auf der Basis der Reihe 920 (sowjetisches AK-74) in Eigenregie entwickelte Sturmgewehrfamilie. Sie war hauptsächlich für den Export bestimmt.

Beschreibung[Bearbeiten]

Das Konstruktionssystem der 920er Baureihe wurde technisch modifiziert, auf das NATO-Kaliber 5,56 x 45 mm ausgelegt und eine 3-Schuss-Automatik eingebaut. Neben der Verwendung eines anderen Kunststoffes für den neu entwickelten Handschutz und einem neuen Mündungsfeuerdämpfer prägen vor allem die DDR-typische Schulterstütze und ein transparentes Stangenmagazin das Erscheinungsbild des Sturmgewehrs. Die Adaption des Kalibers 5,56 x 45 erfolgte im VEB ZFT Dresden unter der Codebezeichnung 956. Die STG-940-Serie umfasst fünf bekannte Modelle, die sowohl Sturmgewehre in unterschiedlichen Varianten, als auch LMG und Scharfschützenwaffe beinhaltet. Den jeweiligen Waffentypen wurden dabei unterschiedliche Nummerierungen der Modellreihe 940 zugewiesen. Im Einzelnen sind dies: Das STG-941 als Standardsturmgewehr mit Holz- oder Kunststoffkolben, STG-942 mit einklappbarer Metallschulterstütze (beide mit Lauflänge 415 mm), das STG-943 als Kompaktvariante mit verkürztem Lauf (Lauflänge 317 mm) und beiklappbarer Metallschulterstütze; vorgesehen waren das LMG-944 als leichtes Gruppenmaschinengewehr mit Zweibein und Lauflänge 500 mm und das Präzisionsgewehr PG-945 mit Zweibein, verlängertem Lauf und Zielfernrohr. Eine Waffe mit der Nummerierung 940 existiert nicht. Sie ist lediglich die Bezeichnung für die Grundausführung des Waffensystems.

Geschichte[Bearbeiten]

Entwicklung[Bearbeiten]

Die Entwicklung der Waffenfamilie und Vorbereitung der Serienproduktion um das Jahr 1985 geht auf eine Initiative des Bereiches Kommerzielle Koordinierung (KoKo) des Ministeriums für Außenhandel (MAH) der DDR zurück. Der Träger des Entwicklungsprojektes war die der KoKo-Hauptabteilung II zugeordnete Firma IMES GmbH („Internationale Meßtechnik“ Import-Export-GmbH), die hauptsächlich für den Handel mit Waffen und militärischem Gerät zuständig war. Der Leiter der MAH-Abteilung Handelspolitik, Herr Uhlig, war auch gleichzeitig Firmenleiter der IMES GmbH. Des Weiteren war die „Abteilung Bewaffnung und Chemische Dienste“ (BCD) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) an diesem Projekt beteiligt. Hierbei war mit großer Wahrscheinlichkeit Oberst Bernd Dreßler für die Sicherung der geheimen Entwicklung verantwortlich.

Die Produktion der Waffenfamilie erfolgte im erzgebirgischen VEB Geräte- und Werkzeugbau Wiesa (GWB). Die Firma mit einem Jahresausstoß von ca. 100.000 und einer angestrebten Produktionskapazität von 200.000 Stück Sturmgewehren des Systems Kalaschnikow im Jahr war neben dem Standort Suhl, an dem die einzelnen Waffenteile gefertigt wurden, alleiniger Schützenwaffenhersteller der DDR und für die Endmontage der Waffen verantwortlich.

Was den Anstoß zur Entwicklung der STG–940–Familie gab, ist nicht sicher. Ein möglicher Grund können die erhöhten Devisengewinne aus den Exportgeschäften in das nichtsozialistische Ausland gewesen sein. Die Auslegung der Waffen für das NATO-Kaliber könnte ein zentraler Hinweis darauf sein. Bereits seit den Siebzigerjahren wurden Handfeuerwaffen des GWB Wiesa vor allem in Dritte-Welt-Staaten gewinnbringend exportiert. Ansonsten beschränkte sich der Export sonstiger militärischer Güter überwiegend auf die Staaten des Warschauer Paktes. Deshalb könnten die Verantwortlichen der DDR-Wirtschaft eine Möglichkeit zur Aufbesserung der sich stetig verschlechternden Außenhandelsbilanz u. a. in der Steigerung der Rüstungsexporte in Staaten außerhalb des Warschauer Paktes gesehen haben. Zwar wurde 1981 durch ein Abkommen zwischen der DDR und der UdSSR Bauanleitungen und Lizenzrechte für die Kalaschnikow-Reihe AK74 erworben, nicht aber eine Exportgenehmigung („Abkommen zwischen den Regierungen der DDR und der UdSSR über die Vergabe der Lizenz und technischen Dokumentation für die Produktion der Maschinenpistolen 5,45 mm Kalaschnikow AK74, AKS74 und AKS 74N in der DDR“). Die Vermutung liegt nahe, dass mit einer Neuentwicklung und ein Ausweichen auf das NATO-Kaliber diese Restriktion umgangen werden sollte.

Ein weiteres Motiv lag mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Überlegung, eine kostengünstige Waffe am internationalen Markt anbieten zu können, welche sowohl die logistischen Vorteile der weit verbreiteten NATO-Patrone als auch die des bewährten Kalaschnikowsystems in sich vereint. Eine aufwendige Umschulung auf das neue Waffensystem wäre hier für die meisten Staaten hinfällig gewesen, da Kalaschnikowsysteme weit verbreitet und einfach zu handhaben sind.

Erprobung[Bearbeiten]

Ausführliche Tests der Waffen der Wieger-940-Serie wurden im September 1988 durch einen Oberleutnant und drei Unteroffiziere der NVA auf dem Gelände der Raketentechnischen Basis 2 in Brandenburg durchgeführt. Getestet wurden vier STG-941, drei STG-942 und drei STG-943. Es wurden innerhalb von drei Tagen rund 2000 Schuss/Waffe abgefeuert. Den Waffen wurde eine zuverlässige Funktion, gute Treffsicherheit und keine wesentlichen Unterschiede zum vergleichbaren Kalaschnikowsystem der Reihe 74 bescheinigt. Die Läufe zeigten keinen sichtbaren Verschleiß. Positiv hervorgehoben wurden im Testbericht die Resistenz gegen Schmutz beim üblichen taktischen Gebrauch in der Truppe, die hohe Treffsicherheit, sowie die Handhabung der Waffen. Negativ wurde der zu feste Sitz des Reinigungszeugs im Griffstück beurteilt, das „teilweise nur mit der Zange herausgezogen werden konnte“.

Produktion[Bearbeiten]

Über die Anzahl aller jemals gefertigten Waffen des Wiegersystems sind keine sicheren Zahlen vorhanden. Die Angaben widersprechen sich bis hin zur Vermutung völlig unrealistischer Stückzahlen. Als gesichert gilt nur die Angabe über die Fertigung von rund 10.000 Stück STG 941/942. Die Kompaktversion, das STG 943, wurde 1989 in einer NVA-Einheit erprobt, wobei nur vier Waffen des Gerätes 943 zum Einsatz kamen.

Ob bereits gefertigte Waffen an Einheiten der bewaffneten Organe der DDR ausgegeben wurden, ist nicht klar. Allerdings weisen einige Quellen auf eine geplante Ausgabe des STG 941/942 an Volkspolizei-Bereitschaften und andere Truppenteile der Kasernierten Einheiten des MdI für das Jahr 1990 hin.

Export[Bearbeiten]

1989 lagen zwei Exportverträge vor: Peru bestellte ein Kontingent der Sturmgewehrfamilie (58.000 Stück, Kaliber 7,62 x 39) zur Ausrüstung seiner Polizeikräfte, und Indien ließ zusätzlich zu 35.000 Stück im Kaliber 5,45 x 39 mm bestellten Waffen eine Bestellung von über 10 Millionen Exemplaren vormerken. Ebenso sollten 5000 Sturmgewehre im Kaliber 5,45 mm nach Uganda exportiert werden. Die Erfüllung der Verträge kam durch den Zusammenbruch der DDR nicht mehr zustande. Die Bundesrepublik als Rechtsnachfolgerin der DDR stornierte die bestehenden Bestellungen und zahlte an diese Länder entsprechende Konventionalstrafen. 1990 sollten insgesamt 15.000 Waffen des Typs 941/942 nach Ghana und Nigeria geliefert werden.

Versionen[Bearbeiten]

STG-941
Sturmgewehr (Standard)
STG-942
Karabiner
STG-943
Kurzversion
LMG-944
Leichtes Maschinengewehr
PG-945
Präzisionsgewehr
Abbildung Wieger STG941 GDR.jpg Wieger STG942 GDR.jpg Wieger STG943 GDR.jpg
Hersteller VEB Geräte und Werkzeugbau Wiesa
Bauart Gasdrucklader mit Drehkopfverschluss
Kaliber 5,56 x 45 mm
Länge 920 mm 915 mm ??? (mit abgeklappter Schulterstütze) 959 mm 950 mm
Lauflänge 415 mm 415 mm 317 mm 500 mm 500 mm
Munitionszufuhr Stangenmagazin
Magazinkapazität Kapazität: 30 Schuss
Feuerrate 600 Schuss/min Einzelschuss
Weitere Ausstattungsmerkmale Dauerfeuer-, Einzelfeuer-, 3-Schuss-Feuerstoß-Modus, starrer Kunststoffkolben mit individuell anpassbarer Schaftkappe, antrazitfarbener Pistolengriff mit Fingerauflage, Reinigungsgerät befindet sich im Griff, ein dreiteiliger Putzstock ist zerlegt im Vorderschaft untergebracht Dauerfeuer-, Einzelfeuer-, 3-Schuss-Feuerstoß-Modus, seitlich abklappbare Metallschulterstütze, antrazitfarbener Pistolengriff mit Fingerauflage, Reinigungsgerät befindet sich im Griff, ein dreiteiliger Putzstock ist zerlegt im Vorderschaft untergebracht Dauerfeuer-, Einzelfeuer-, 3-Schuss-Feuerstoß-Modus, seitlich abklappbare Metallschulterstütze, antrazitfarbener Pistolengriff mit Fingerauflage, Reinigungsgerät befindet sich im Griff, ein dreiteiliger Putzstock ist zerlegt im Vorderschaft untergebracht Dauerfeuer-, Einzelfeuer-, 3-Schuss-Feuerstoß-Modus, starrer Kunststoffkolben mit individuell anpassbarer Schaftkappe, antrazitfarbener Pistolengriff mit Fingerauflage, Reinigungsgerät befindet sich im Griff, ein dreiteiliger Putzstock ist zerlegt im Vorderschaft untergebracht, Abklappbares Zweibein vor der Kornhalterung, im abgeklappten Zustand im unteren Handschutz verborgen Nur Einzelfeuer-Modus, starrer Kunststoffkolben mit individuell anpassbarer Schaftkappe, antrazitfarbener Pistolengriff mit Fingerauflage, Reinigungsgerät befindet sich im Griff, ein dreiteiliger Putzstock ist zerlegt im Vorderschaft untergebracht, Abklappbares Zweibein vor der Kornhalterung, im abgeklappten Zustand im unteren Handschutz verborgen

Literatur[Bearbeiten]

  •  Wilfried Kopenhagen: DDR-Sturmgewehr WIEGER 940. In: Internationales Waffen-Magazin. Nr. 3, 1991, S. 136–138.
  •  Heinz Fichtner: Wieger 940. www.epubli.de, 1992, S. 150.

Weblinks[Bearbeiten]