Wiek (Rügen)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Wiek
Wiek (Rügen)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Wiek hervorgehoben
54.62222222222213.2891666666672Koordinaten: 54° 37′ N, 13° 17′ O
Basisdaten
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Vorpommern-Rügen
Amt: Nord-Rügen
Höhe: 2 m ü. NHN
Fläche: 25,53 km²
Einwohner: 1130 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 44 Einwohner je km²
Postleitzahl: 18556
Vorwahl: 038391
Kfz-Kennzeichen: VR, GMN, NVP, RDG, RÜG
Gemeindeschlüssel: 13 0 73 101
Adresse der Amtsverwaltung: Ernst-Thälmann-Straße 37
18551 Sagard
Webpräsenz: www.wiek-ruegen.de
Bürgermeisterin: Petra Harder
Lage der Gemeinde Wiek im Landkreis Vorpommern-Rügen
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Über dieses Bild

Wiek, früher auch Wieck, ist eine Gemeinde im Landkreis Vorpommern-Rügen auf der Insel Rügen in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Die Gemeinde wird vom Amt Nord-Rügen mit Sitz in der Gemeinde Sagard verwaltet.

Geografie und Verkehr[Bearbeiten]

Wiek liegt etwa 30 Kilometer nordwestlich von Bergen auf Rügen auf der Halbinsel Wittow. Die Gemeinde ist über die Landstraße 30 entweder über die Nehrung der Schaabe zu erreichen oder über die Wittower Fähre, einer Autofähre zwischen den Gemeinden Wiek und Trent. Wiek grenzt im Westen an den Wieker Bodden, der im Westen durch die Halbinsel Bug von der Ostsee abgetrennt ist und so einen guten Naturhafen darstellt. Im Süden hat der Bodden eine schmale Verbindung zum Meer. Von Wiek aus gibt es einen regelmäßigen Fährverkehr zur Insel Hiddensee.

Vom 21. Dezember 1896 bis zum 10. September 1968 verlief die 750-mm-Schmalspurbahnstrecke Bergen–Trent–Wittower Fähre–Wiek–Altenkirchen der Rügenschen Kleinbahn (RüKB) durch Wiek.

Ortsteile[Bearbeiten]

  • Bischofsdorf
  • Bohlendorf
  • Fährhof
  • Parchow

Geschichte[Bearbeiten]

Bohlendorf[Bearbeiten]

Seit dem 13. Jahrhundert war Bohlendorf Stammsitz der Familie von Bohlen mit einem Gut von 264 ha. Dieses Geschlecht gab dem Ort auch seinen Namen und blieb bis zum Zweiten Weltkrieg. 1794 ließ Ernst Casimir von Bohlen das heutige Gutshaus bauen. Nachdem die Besitzer kinderlos starben, kaufte Alexander von Quistorp 1942 das Gut Bohlendorf. Das Gut wurde 1945 mit der Bodenreform zersiedelt. Das Herrenhaus wurde Wohnhaus für Umsiedler, später dann als Ferienanlage des VEB Erdöl-Erdgas Grimmen genutzt.[2] Nach der Wiedervereinigung wurde das Gutshaus umfangreich renoviert und ein Hotelbetrieb eingerichtet.

Wiek[Bearbeiten]

Name

Wiek wurde erstmals 1165 als Vikr urkundlich dokumentiert. Dabei war auch die Rede von einem slawischen Burgwall. Nach 1168 wurde auch das Gebiet von Wiek christianisiert. Es siedelten sich dann im Laufe der Zeit immer mehr Deutsche in dem Ort an und die slawische Bevölkerung wurde assimiliert. 1314 und 1318 wurde eine parochia Medowe sive Wyk, also eine Med-Aue oder Honigwiese bei Wyk beschrieben (ostgermanisch MedouveMed = Honig, ouve = Aue).

In den slawischen Siedlungsgebieten wurden die zu der Herrschaftsburg gehörenden Bau- oder Wirtschaftshöfe als Bauwiek oder einfach Wiek benannt. Dorthin wurden die Slawen (für Rügen – die Ranen) angesiedelt (siehe entsprechende Ortsteile z.B. in Stettin, Greifswald und Gützkow).

Das Germanische WIC ist verwandt mit dem Lateinischen vicus = Ort und victual = Lebensmittel. Es ist auch im Angelsächsischen als wicing, (siehe Widsith-Poem) bekannt. Das friesische Wik oder Wyk für Bucht deutet ebenso auf Marktstelle oder Handelsort hin, denn diese entwickelten sich an Gewässern und besonders in Buchten.

Wie alle Namen änderte er sich im Laufe der Jahrhunderte. 1314 und 1318 hieß es Medove sive Wiek und Medove sive Wyk, 1324 nur noch Wik, später de Wyke, Wick, Wieck und heute wieder Wiek.

Mittelalter

Der Name Medove, also Honigwiese, könnte zur Annahme führen, dass hier die Wiesenbienenwirtschaft die Grundlage des Erwerbslebens der Einwohner war. Auch dürfte der Ort durch die auf Rügen typischen Burgwälle (wie Arkona oder Charenza) und von Wäldern umgeben gewesen sein. Die Halbinsel Wittow war um 1000 von dem polabisch sprechenden slawischen Volk der Ranen (Rujanen) besiedelt, welches nach den Rugiern benannt wurde, die vor der Völkerwanderung hier lebten.

Hafen von Wiek mit Hafenmeisterei und Kreidebrücke

Die Dänen kämpften im 12. Jahrhundert mehrfach um die Halbinsel und siegten schließlich 1168. Deutsche Siedler kamen und lebten neben den slawischen Einwohnern. Im Laufe der Jahrhunderte veränderten sich Sprache, Sitten, Religion und die Landwirtschaft. 1404 starb auf Jasmund die letzte Einwohnerin, die noch wendisch sprach.

1314 wurde Wiek in einer Steuerliste des Rügenfürsten Wizlaw III. aufgeführt, und scheint danach eine schon sehr beträchtliche Einwohnerzahl aufzuweisen. Erneut wurde Wiek 1318 urkundlich erwähnt. Nach dem Tod Witzlaws III. kam Rügen zum Herzogtum Pommern-Wolgast und ab 1350 herrschte der Landvogt als Vertreter des Fürsten. 1355 verkaufte Ritter Johann von Kyle (Kiel) seine Güter aus Wiek und Goos. Um 1400 wurde mit dem Bau der Dorfkirche begonnen. 1421 wurden bereits die sozial orientierte Elendenbruderschaft und 1456 die Fronleichnamsbruderschaft in Wiek genannt. Um 1453 war das Seeräuberwesen der Vitalienbrüder unter Klaus Störtebecker und Gödeke Michels in dieser Gegend sehr aktiv. 1462 wurde das Armenhaus St. Jürgen in Wiek eingerichtet. 1515 belehnte Herzog Bogislaw X. Heinrich von der Lancken unter anderem „mit de Wyke gantz“. Den Lanckens und dem Nonnenkloster zu Bergen gehörten zu dieser Zeit der Ort.

17. bis 18. Jahrhundert

Im Dreißigjährigen Krieg hatte Rügen und somit Wiek ebenso zu leiden wie das ganze Pommernland. 1627 bis 1630 waren Wallensteins kaiserliche Truppen auf Rügen. Durch Hungersnot und Krankheiten verminderte sich die Bevölkerungszahl erheblich. Nach der schwedischen Besetzung konnte sich Wiek – im Gegensatz zu Pommern – wieder vom Krieg erholen. Es kam 1648 mit Vorpommern zu Schweden. Auch der Krieg Schweden gegen Brandenburg (1678) und der Große Nordische Krieg berührten Wiek. 1711 landete Feldmarschall Graf Stenbock mit ca. 10.000 Mann auf Wittow; der Ort hatte Spanndienste zu leisten. 1730 jedoch hieß es: „Wiek ist wohlbewohnt und volkreich. Die Einwohner stehen unter einigen adelichen Herrschaften, auch befinden sich allhier Kirchenbauern.“ Erst 1806 hebt der Schwedenkönig die Leibeigenschaft auf. Auch die Besetzung durch französische Truppen 1807 bis 1810 war im Ort spürbar. 1815 wurde Wiek preußisch.

Neuere Geschichte
Die Hafenmeisterei im Wieker Hafen

Seit 1818 gehörte Wiek zum Kreis bzw. Landkreis Rügen. Nur in den Jahren von 1952 bis 1955 war es dem Kreis Bergen zugehörig. Die Gemeinde gehörte danach bis 1990 zum Kreis Rügen im Bezirk Rostock und wurde im selben Jahr Teil des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Der seit 1990 wieder so bezeichnete Landkreis Rügen ging 2011 im Landkreis Vorpommern-Rügen auf.

1819 galt Wiek als größtes Dorf auf Rügen. Im Jahr 1820 entstand das Spritzenhaus. Fritz Reuter schrieb über Wiek 1830: „Am Morgen wanderte ich Wittow, der Kornkammer Rügens zu. Da lag das lieblichste, reich ausgestaltete Ländchen im Sommermorgen, umgürtet vom sonnenbegrenzten Meer, in unendlicher Mannigfaltigkeit durch die Buchten, Bodden und Wyken, …“ 1850 kann Wiek zwei Schulstandorte (im Küsterhaus und in einem gesonderten Haus) verzeichnen.

Im Jahr 1872 standen Teile von Wiek bei dem großen Sturmhochwasser im November unter Wasser. Drei Jahre später wurde der Friedhof auf dem alten Slawenwall – angelegt. Die Burgwallanlage stammt aus dem 11. und 12. Jahrhundert und wird vor Ort „Borgwall“ genannt.

Im Jahr 1883 erhielt der Ort ein kaiserliches Postamt im Gasthof Schröder (Hotel Bismarck).

Im Jahr 1890 wurde mit dem Bau des Hafens und einer Kleinbahn begonnen, die einerseits für die einheimischen Fischer, andererseits für den Kreideabtransport von den Kreidebrüchen beim Kap Arkona gedacht waren. Der Schützenplatz wurde 1898 angelegt. 1903 erhielt der Ort seine erste Straßenbeleuchtung. Eine Schotterstraße verband seit 1907 Wiek mit Altenkirchen. 1915 wurden kriegsbedingt die Arbeiten des 1912 begonnenen Ausbaus des Kreidehafens eingestellt. Auch in Wiek gab es am Ende des Ersten Weltkrieges einige Unruhen unter den stationierten Matrosen.

Ab 1920 entstand das Sächsische Kinderheim, als Kindergenesungsheim. Dieses wurde bis zum Jahr 1928 für etwa 1200 Kinderplätze ausgebaut. 1928 wurde das heutige Schulgebäude erstellt. Zeitgleich wurde die Reederei Alwert gegründet. Um 1929/30 konnten die Nationalsozialisten auch in Wiek Fuß fassen. Sturmabteilungen richteten einiges Unheil an. 1936 fegte ein anderer, richtiger Sturm über den Ort, der bemerkenswert war. Der Hafen wurde um 1934/35 in seiner heutigen Form angelegt. 1938 erfolgte der Bau einer neuen Berufsschule. Ab 1935 wurden Soldaten auf dem nahe gelegten Bug stationiert, und seitdem ist dieser Teil der Halbinsel mit Unterbrechungen bis 1992 stark militärisch geprägt. Am 5. Mai 1945 konnte der Ort kampflos von der Roten Armee besetzt werden.

1949/50 wurde auf Grund der starken Bevölkerungszunahme die Schule ausgebaut.

Nach der Wende wurde der Ort ab 1992 mit Hilfe der Städtebauförderung umfangreich saniert.

Panoramablick über den neu gestalteten Hafen von Wiek. Links die Kreidebrücke

Woldenitz[Bearbeiten]

Woldenitz war seit dem 13. Jahrhundert der Stammsitz der Familie von der Lancken, einer Rügener Familie des Uradels. Als der letzte Herr von der Lancken-Woldenitz kinderlos starb, wurde das Lehns- und Rittergut 1893 an den Nachbarn Wilhelm von Platen auf Parchow verkauft. Das heutige Gutshaus wurde zum Ende des 18. Jahrhunderts errichtet; es liegt an einem Teich in einem kleinen Park. 1945 wurden Gutshaus und Land aufgesiedelt und an lokale Bewohner, meist Flüchtlinge, verteilt.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
1168 um 250
1577 um 350
1805 580
1817 729
1850 1239
1905 1140
1933 1442
1950 2243
2000 1269

Politik[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 12. Juni 2001 durch das Innenministerium genehmigt und unter der Nr. 246 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert.

Blasonierung: „Geteilt; oben in Rot zwei schräg gekreuzte goldene Dreschflegel, die Kreuzung überdeckt von einem goldenen Bienenkorb; unten in Gold ein blaues Wikingerboot mit Segel.“

Das Wappen wurde von dem Sagarder Gerhard Koggelmann gestaltet.

Partnerstadt[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten]

→ Siehe: Liste der Baudenkmale in Wiek (Rügen)

Kriegerdenkmal in Wiek von 1923 für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges
  • Die Pfarrkirche St. Georg zu Wiek, eine um 1400 erbaute gotische Backsteinkirche mit Glockenstuhl (um 1600)
  • Kriegerdenkmal aus dem Jahr 1923 zur Erinnerung an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges auf dem Kirchgelände
  • Der Hafen (bis 2003 neu gestaltet) mit der Kreidebrücke
  • Das Kinderkurheim, bis 1929 nach Plänen des Bauhausschülers Waldo Wenzel entstanden
  • Der Wieker Blasmusik e. V. ist ein über die Ortsgrenzen hinweg bekanntes Orchester. Es wurde 1958 gegründet.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Karl Christian Heller (1770–1837), evangelischer Theologe, Bibliothekar und Chronist
  • Theodor Schwarz (1777–1850), evangelischer Theologe, Pfarrer, Schriftsteller und Maler
  • Karl Schwarz (1812–1885), evangelischer Theologe und Hochschullehrer

Literatur[Bearbeiten]

  • Günter Käning: Wiek/Rügen; Chronik eines Inseldorfes. Verlag Ehrenklau, Lauterbach 1992, ISBN 3-9801496-1-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt M-V – Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden 2012 (XLS-Datei) (Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Hubertus Neuschäffer: Vorpommerns Schlösser und Herrenhäuser. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft 1993, S. 38, ISBN 3-88042-636-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wiek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien