Wieland Schmied

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Wieland Schmied (* 5. Februar 1929 in Frankfurt am Main; † 22. April 2014 in Vorchdorf, Oberösterreich) war ein österreichischer Kunsthistoriker und -kritiker, Literaturwissenschaftler und Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Wieland Schmied war der älteste Sohn des österreichischen Philosophen Walther Schmied-Kowarzik und dessen zweiter Ehefrau, der aus Kurland stammenden deutsch-baltischen Dichterin Gertrud von den Brincken. Er übersiedelte 1939 mit den Eltern nach Wien, wo er nach der Matura in Mödling Rechtswissenschaften und Kunstgeschichte studierte.

Nach seiner Promotion arbeitete Schmied in der Redaktion der Zeitschrift Die Furche. Von 1960 bis 1962 war er Lektor beim Insel Verlag und Kunstkritiker bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Von 1963 bis 1973 war er Direktor der Kestner-Gesellschaft Hannover, für deren Ausstellungskataloge er zahlreiche Vorworte und andere Beiträge schrieb. Von 1973 bis 1975 war er Hauptkustos der Nationalgalerie Berlin, von 1978 bis 1986 Direktor des DAAD in Berlin. 1980 bis 1999 war er Präsident der Internationalen Sommerakademie Salzburg.

1977 war er an der Documenta 6 in Kassel beteiligt. Bei den Katholikentagen in Berlin kuratierte er Ausstellungen über „Religiöse Tendenzen in der Kunst des 20. Jahrhunderts“ (1980) bzw. zu „Spuren des Transzendenten in der Kunst unserer Zeit“ (1990). Im Jahre 1982 war Schmied Mitglied des Kuratoriums der Ausstellung Zeitgeist in Berlin. Von 1986 bis 1994 war er Professor für Kunstgeschichte an der Akademie der Bildenden Künste München. Dieser Akademie stand er von 1988 bis 1993 als Rektor vor. Von 1988 bis 2004 war er Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und dort von 1992 bis 1995 Direktor der „Abteilung Bildende Kunst“, von 1995 bis 2004 Präsident der Akademie.

Er war Mitunterzeichner des Frankfurter Appells, der sich gegen die Rechtschreibreform von 1996 richtet.

Wieland Schmied war seit 1966 mit der Grafikerin Erika Schmied verheiratet, mit der er mehrere Bücher herausgab. Sie wurden Eltern zweier Töchter. Zuletzt lebte er in Vorchdorf/Lederau in Oberösterreich, wo er an einem Krebsleiden im April 2014 im Alter von 85 Jahren im Kreis seiner Familie verstarb.

Schriftstellerisches Werk[Bearbeiten]

Wieland Schmied veröffentlichte neben zahlreichen Arbeiten zur Kunst und Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts auch eigene Lyrik. Er war befreundet mit Thomas Bernhard und Friedrich Stowasser.[1]

Eine Hauptquelle künstlerischer Inspiration sah Schmied in der Spiritualität; er pflegte daran zu erinnern, dass Inspiration wie Spiritualität aus dem esprit geboren werden.[2] Dabei bezog er sich ausdrücklich auch auf die außerchristliche Spiritualität und Religionsgeschichte.[3] Der Mensch vollende seine Geschöpflichkeit, indem er selber schöpferisch werde.[4] „Der Mensch als Schöpfer hat das Urbild des Schöpfergottes vor sich.“[5]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

  • Von den Chinesen zu den Kindern, 1957
  • Landkarte des Windes. Gedichte, 1957
  • Das Poetische in der Kunst, 1960
  • Fenster ins Unsichtbare. Zur Kunst der Christen, 1960
  • Heinrich Schliemann. Kein Troja ohne Homer. Zwei Jahrzehnte Archäologischer Forschung. Herausgeber Wieland Schmied, Glock und Lutz, Nürnberg, 1960
  • Richard Oelze, 1965
  • Mark Tobey, 1966
  • Malerei des phantastischen Realismus. Die Wiener Schule, 1964
  • Wegbereiter zur modernen Kunst, 50 Jahre Kestnergesellschaft, 1966
  • Alfred Kubin, 1967.
  • Josef Albers, zu seinem 80. Geburtstag. Lithografien – Serigrafien, Kestnergesellschaft, Hannover 1968.
  • Neue Sachlichkeit und magischer Realismus in Deutschland 1918–1933,1969
  • Brauer. Essay von Wieland Schmied. Monographie mit Werkkatalog, Jugend und Volk, Wien/München, 1972
  • Hundertwasser, 1972
  • 200 Jahre phantastische Malerei, 1974
  • Malerei nach 1945 in Deutschland, Österreich und der Schweiz, 1974
  • Caspar David Friedrich, 1975
  • Werner Heldt, 1976
  • Nach Klimt, 1979
  • Schach mit Marcel Duchamp, 1980
  • Francis Bacon, 1985
  • Andere Stimmen. Erinnerungen, 1985
  • Rudolf Hoflehner, 1987
  • De Chirico und seine Schatten, 1989
  • Kunst, Kunstgeschichte Kunstakademie, 1990
  • Berührungen. Essays, 1991
  • Matta, 1991
  • Salvador Dalí. Das Rätsel der Begierde, Verlag Piper, Serie Piper Galerie, München 1991, ISBN 3-492-11206-4.
  • Die fünf Hämmer des Wolf Vostell, Edition Wewerka, Berlin 1992, ISBN 3-924306-30-3
  • Ezra Pound. Ein Leben zwischen kunst und Politik, 1994
  • Thomas Bernhards Häuser, gem. mit Erika Schmied, 1995
  • Edward Hopper. Bilder aus Amerika, 1995
  • Malerei in Österreich 1945–1995, Ausstellungskatalog Künstlerhaus Wien (Hrsg.), 1996
  • Max Weiler. Ein anderes Bild der Natur, 1998
  • Thomas Bernhards Welt, gem. mit Erika Schmied, 1999
  • Ezra Pound Studien I, 2000, ISBN 3-89086-752-9
  • Thomas Bernhards Österreich, gem. mit Erika Schmied, 2000
  • Die andere Moderne – De Chirico und Savinio, 2001
  • H. C. Artmann. 1921–2000. Erinnerungen und Essays, 2001, ISBN 3-89086-727-8
  • Erinnerungen an Ezra Pound, 2002, ISBN 3-89086-719-7
  • Hundertwasser – Oeuvre-Katalog (Hrsg.), 2002
  • Die schwierige Schönheit. Ezra Pound und die bildende Kunst. Ezra Pound Studien II, 2003, ISBN 3-89086-705-7
  • Wohin geht die Reise der Kunst, Essays, 2003
  • Leidenschaft und kühler Blick. Vergleichende Kunsthistorie, 2004
  • Hundertwassers Paradiese, gem. mit Erika Schmied, 2004
  • Begegnung mit Samuel Beckett in Berlin, 2006, ISBN 3-89086-681-6
  • Hermann Nitsch. Der Mensch hinter seinen Aktionen, gem. mit Erika Schmied, 2006
  • Bilder zur Bibel. Maler aus sieben Jahrhunderten erzählen das Leben Jesu, 2006, ISBN 3-87173-365-2
  • Von der Schöpfung zur Apokalypse, 2007
  • Thomas Bernhard. Leben und Werk in Bildern und Texten, 2008, ISBN 9783701730896
  • Nicht nur Farbe sondern auch Blut. 14 Versuche über Hermann Nitsch, 2008, ISBN 978-3-85252-792-5
  • Lust am Widerspruch. Biographisches, 2008, ISBN 978-3-87173-105-1
  • Der Künstler, dem die Welt ein Rätsel blieb. Neunmal Giorgio de Chirico, 2009, ISBN 978-3-85252-943-1
  • Zwischen Nachtseite und Tagseite. Gedichte, 2009, ISBN 978-3-85252-709-3
  • Eröffnungen, 2011, ISBN 978-3-900000-77-6
  • Auersbergers wahre Geschichte und andere Texte über Thomas Bernhard. Ein Alphabet, 2014, ISBN 978-3-99028-258-8
  • Forschungen eines Vogels über die Natur der Dinge. Die Welt des Surrealismus. Fotografien von Erika Schmied, 2014, ISBN 978-3-99028-336-3

Literatur[Bearbeiten]

  • Eugen Blume (Einl.): Joseph Beuys. Provokation Lebensstoff der Gesellschaft / Kunst und Antikunst (Podiumsdiskussion „ende offen. Kunst und Antikunst“ zwischen Max Bense, Joseph Beuys, Max Bill, Arnold Gehlen und Wieland Schmied, 27. Januar 1970), Band 3; Staatliche Museen zu Berlin 2003, ISBN 3-88609-077-9
  • Wolf Vostell. Happening, Dé-coll/age. In: Retrospektive Wolf Vostell 1958–1974. Neue Nationalgalerie Berlin, Berlin, 1974.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.mittelbayerische.de/nachrichten/kultur/artikel/der-freund-der-kuenste-ist-tot/1051495/der-freund-der-kuenste-ist-tot.html
  2. Alex Stock: Spiritualität der Avantgarde. Was von Wieland Schmied zu lernen wäre. In: Stimmen der Zeit, Jg. 68 (2014), S. 312–316, hier S. 314.
  3. Wieland Schmied: Spiritualität in der Kunst des 20. Jahrhunderts. In: Communio, Jg. 12 (183), S. 73–90, hier S. 76 und 78.
  4. Wieland Schmied: Fenster ins Unsichtbare. Zur Kunst der Christen. Glock und Lutz, Nürnberg 1960.
  5. Wieland Schmied im Katalog zur Ausstellung „Gegenwart Ewigkeit. Spuren des Transzendenten in der Kunst unserer Zeit“, Martin-Gropius-Bau, Berlin, 7. April bis 24. Juni 1990. S. 48.
  6. DGPA
  7. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)

Weblinks[Bearbeiten]