Wien Aspangbahnhof

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Bild des Aspangbahnhofs um 1905
Gedenkstein und Transparent anlässlich des 70. Gedenktages am 9. November 2008.

Der Aspangbahnhof in Wien, 1881 eröffnet und für den Personenverkehr 1971 geschlossen, war Ausgangsbahnhof der Aspangbahn Richtung Süden und befand sich im 3. Wiener Gemeindebezirk, Landstraße, auf den später so genannten Aspanggründen an der Aspangstraße, zwischen Rennweg und Landstraßer Gürtel gelegen. Bahn und Bahnhof wurden nach der Marktgemeinde Aspang im südlichsten Niederösterreich benannt.

Geschichte[Bearbeiten]

Der 1803 eröffnete Wiener Neustädter Kanal wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunehmend als unwirtschaftlich betrachtet. Die Erste österreichische Schiffahrts-Canal-Actiengesellschaft, die den Kanal betrieb, suchte daher 1872 erfolgreich um eine Konzession für den Bau und Betrieb einer Eisenbahnstrecke an, der Aspangbahn. Im Juli 1879 wurde die Schifffahrt im Wiener Stadtgebiet eingestellt und das Wasser im Kanal im Wiener Bereich abgelassen (in Niederösterreich besteht der Kanal noch).

Noch im gleichen Jahr wurde das Hafenbecken zugeschüttet und an dessen Stelle 1880 / 1881 der Bahnhof der neuen Eisenbahn Wien–Aspang (E. W. A.) errichtet. Das Aufnahmsgebäude befand sich nördlich der Gleisanlage; es wurde von Franz von Gruber, Professor an der k.u.k. Technischen Militärakademie, im historisierenden Renaissancestil errichtet. Das Bahnhofsgebäude war 97 Meter lang und verfügte über ein sehr modernes Postamt mit Telegrafenamt und Rohrpost; der Perron hatte eine Länge von 160 Meter. Daneben gab es eine Gastwirtschaft mit großem Restaurantsaal und kleinerer Gaststube.

Der Bahnhof hatte eine Fläche von etwa acht Hektar; darauf waren 7,7 km Gleise und 45 Weichen verlegt. 1881 wurde, vom nordwestlichen Ende des Bahnhofs ausgehend, ein Verbindungsgleis zur Wiener Verbindungsbahn Richtung Nordbahnhof eröffnet. Die nördlich des Bahnhofs entlang führende Straße erhielt 1894 den Namen Aspangstraße; zuvor hieß sie, wie heute noch im 11. Bezirk entlang der Bahntrasse, Am Kanal.

1937 übernahmen die Bundesbahnen Österreich den Bahnbetrieb, 1942 wurde die Bahn vom NS-Regime verstaatlicht.

Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938 war der Bahnhof bis 1942 Ausgangspunkt für die Deportation der jüdischen Bürger Wiens: Von Oktober 1939 bis Oktober 1942 wurden insgesamt etwa 50.000 jüdische Wiener zusammengetrieben und vom Aspangbahnhof aus in 47 Transporten zunächst in Ghettos genannte Sammellager, später direkt in Konzentrations- und Vernichtungslager des NS-Regimes abtransportiert. Ab 1943 erfolgte die Abfertigung der Deportationszüge vom Nordbahnhof aus. 1994 wurde beim ehemaligen Aspangbahnhof der Platz der Opfer der Deportationen benannt. Ein am 8. Mai 1995 an diesem Platz enthüllter Gedenkstein erinnert an die Transporte.

Der Betrieb des Bahnhofs musste Anfang 1945 kriegsbedingt eingestellt werden; am 26. Juli 1945 fuhr wieder der erste Zug. Bis 1947 musste der Bahnbetrieb wegen akuten Kohlemangels auf einen Zug pro Tag beschränkt werden. Während der Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg diente der Bahnhof den britischen Besatzungstruppen, zu deren Wiener Sektor der 3. Bezirk gehörte, bis zu deren Abzug 1955 als Ausgangspunkt für ihre Züge durch das sowjetisch besetzte Niederösterreich in die britisch besetzte Steiermark und nach Villach im ebenfalls britisch besetzten Kärnten. Weiters wurden (und werden) die Züge der Pressburger Bahn (heute S7) seit 1945 aus Richtung Nordbahnhof bzw. Praterstern über die Aspangbahn Richtung Wien Zentralfriedhof geführt.

Nachdem auch nach 1955 keine nennenswerten Erneuerungen und Renovierungen an den Bahnanlagen vorgenommen worden waren, verfielen diese zunehmend. Der letzte Dampfzug nach Puchberg verließ den Bahnhof am 26. September 1970. Als im Mai 1971 an der S-Bahn-Stammstrecke bei der Abzweigung zum Aspangbahnhof die Schnellbahnhaltestelle Rennweg eröffnet wurde, verlor der nahe gelegene Aspangbahnhof im Personenverkehr jede Funktion. Am 31. Mai 1971 wurde der Bahnhof für den Personenverkehr gesperrt; die Züge der Aspangbahn (und der Pressburger Bahn) fuhren nun von Wien Praterstern ab und gelangten über Rennweg auf die Aspangbahnstrecke. Das Aufnahmsgebäude des Aspangbahnhofs wurde im Sommer 1977 abgerissen; beim Abriss wurden römische Mauern und zahlreiche antike Artefakte gefunden.

Von Mai 1979 an fuhren die Personenzüge der Aspangbahn, da der Bau des Zentralverschiebebahnhofs die Wiener von der niederösterreichischen Bahnstrecke trennte, bis Dezember 2009 von Wien Südbahnhof ab und tangierten seither den früheren Aspangbahnhof, der für den Güterverkehr bis 2001 als Verkehrsstelle erhalten blieb, nicht mehr. Bis zur Fertigstellung des neuen Wiener Hauptbahnhofs, Ende 2014, verkehren die Züge der so genannten Inneren Aspangbahn (= der Strecke von Wien bis Wiener Neustadt) nun von Maria Lanzendorf aus; dorthin verkehren vom Hauptbahnhof aus Autobusse.

Nachnutzung[Bearbeiten]

Die Fläche des abgerissenen Bahnhofs blieb lang unbebaut. Erst nach dem Jahr 2000, als der bisherige Grundeigentümer ÖBB mit der Wiener Stadtverwaltung zusammenarbeitete, kam es zu konkreten Planungen für das Stadtentwicklungsgebiet Aspanggründe / Eurogate.[1]. Das vom einstigen Bahnhof (die Bahnstrecke wurde tiefgelegt) bis zum Landstraßer Gürtel reichende Areal soll mit Wohnungen, Büros und sozialer wie technischer Infrastruktur bebaut werden. Unter anderem wird geplant, das größte Passivhaus Europas mit 740 Wohnungen dort zu errichten. Dazu wurde ein Straßennetz geplant, das auf dem Stadtplan 2012 bereits mit zahlreichen neu benannten Verkehrsflächen aufschien.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Kos, Günter Dinhobl (Hrsg.): Großer Bahnhof. Wien und die weite Welt. Czernin, Wien 2006, ISBN 3-7076-0212-5 (Sonderausstellung des Wien-Museums 332), (Ausstellungskatalog, Wien, Wien-Museum, 28. September 2006 – 25. Februar 2007).
  • Gerhard Kletter: Der Aspangbahnhof und die Wien-Saloniki-Bahn. Sutton Verlag, Erfurt 2006, ISBN 978-3-89702-928-6
  • Josef Steindl (Red.): 125 Jahre Eisenbahn Wien – Aspang. 1881 – 2006. Selbstverlag des Museums- und Bildungsvereins Pitten, Pitten 2006[2]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Entwicklungszonen Erdberger Mais, Aspanggründe und Arsenal auf der Website der Wiener Stadtverwaltung
  2. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund

48.19027777777816.394722222222Koordinaten: 48° 11′ 25″ N, 16° 23′ 41″ O