Wien Museum

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Wien Museum am Karlsplatz
Wien Museum Karlsplatz, Juli 2008

Das Wien Museum, eigentlich Museen der Stadt Wien, ist eine wissenschaftliche Anstalt öffentlichen Rechts mit eigener Rechtspersönlichkeit und Sitz in Wien, unter der mehrere Museen der Stadt zu einer Museumsgruppe zusammengefasst sind. Neben dem Haupthaus am Karlsplatz, das als Museumsneubau am 23. April 1959 eröffnet wurde, und der Hermesvilla, einem ehemals kaiserlichen Schloss, bestehen zahlreiche Außenstellen in Form von Spezialmuseen, Musikerwohnungen und Ausgrabungsstätten.

Die ständige Kunstsammlung und die historische Sammlung zur Geschichte Wiens weisen Exponate von der Jungsteinzeit bis Mitte des 20. Jahrhunderts auf. Der Schwerpunkt liegt auf dem 19. Jahrhundert, etwa mit Werken von Gustav Klimt. Daneben veranstaltet das Wien Museum diverse Sonderausstellungen.

Geschichte, Trägerschaft[Bearbeiten]

Städtische Sammlungen[Bearbeiten]

Das 1887 gegründete Historische Museum der Stadt Wien und das Städtische Waffenmuseum wurden seit 1888 in Lehmann's Allgemeinem Wiener Wohnungs-Anzeiger unter diesen Namen geführt. Bis 2002 waren die späteren Museen der Stadt Wien Teil des Magistrats der Stadt Wien, der seit 1883 seinen Hauptsitz im damaligen Neuen Rathaus hat. Dort wurden unter gemeinsamer Leitung auch die Städtischen Sammlungen (Archiv, Bibliothek, Museales) untergebracht, die Schauräume im 1. Stock, dem Repräsentationsgeschoß. 1889 wurde das heutige Wiener Stadt- und Landesarchiv von den anderen städtischen Sammlungen getrennt, 1939 auch die heutige Wienbibliothek im Rathaus.

Seit 1939 bildeten die Städtischen Sammlungen eine Abteilung der Gemeindeverwaltung des Reichsgaues Wien. Neben dem Historischen Museum und der Waffensammlung im Neuen Rathaus wurde im 4., Rainergasse 18, ein Römisches Museum betrieben, auf dem Klosterneuburger Hauptplatz (26. Bezirk) ein städtisches Weinmuseum. Am ehemaligen Wohnort des Malers Rudolf von Alt, 8., Skodagasse 11, befand sich eine Alt-Gedenkstätte. Damals zählten auch die Heimatmuseen von Meidling, Ottakring, Hernals, Floridsdorf und Mödling (bis 1954 24. Bezirk) und das Ortsmuseum Klosterneuburg zu den Städtischen Sammlungen.[1]

Museen der Stadt Wien[Bearbeiten]

Nach 1945 waren die städtischen Museen jahrzehntelang als MA 10 (Magistratsabteilung 10) bekannt. Sie ressortier(t)en zur Geschäftsgruppe Kultur, die von einem amtsführenden Stadtrat geleitet wird.

Ausgliederung aus der Stadtverwaltung[Bearbeiten]

1998 und 2002 wurde für die Bundesmuseen mit dem Bundesmuseen-Gesetz 2002 i.d.g.F die Möglichkeit geschaffen, deren Betrieb aus dem Staatseigentum formal in eigenständige Rechtsträger, genannt wissenschaftliche Anstalten, auszugliedern. Damit sollte die stärker an privatwirtschaftlicher Gestion orientiere Führung des Museumsbetriebs erleichtert werden. 1999 und 2000 wurden die ersten großen staatlichen Museen mit Vollrechtsfähigkeit ausgegliedert.

Das Land Wien übernahm dieses Modell 2001 im Wiener Museumsgesetz (Wr. MuG).[2]

Die MA 10 – Museen der Stadt Wien wurde auf Grund dieses Gesetzes 2002 als vollrechtsfähige, d.h. uneingeschränkt eine eigene Rechtspersönlichkeit darstellende wissenschaftliche Anstalt öffentlichen Rechts namens Museen der Stadt Wien konstituiert (§ 3 Wr. MuG). Die bis dahin erworbenen Sammlungsbestände wurden der Anstalt nicht ins Eigentum übertragen, sondern laut Gesetz als Leihgabe (§ 8 Wr. MUG) anvertraut. Die Museumsordnung war von der Wiener Landesregierung als Verordnung zu erlassen,[3] der Direktor (Geschäftsführer) von der Landesregierung auf Vorschlag des Kulturstadtrates zu bestellen. Als Aufsichtsrat fungiert ein von der Landesregierung bestelltes achtköpfiges Kuratorium. Die Anstalt unterliegt weiters der Aufsicht durch die Landesregierung und der Kontrolle durch den Stadtrechnungshof, bis 2013 als Kontrollamt der Stadt Wien bezeichnet.

Die Anstalt führt, seit Wolfgang Kos 2003 die Direktion übertragen wurde, in der Öffentlichkeit den Namen Wien Museum.

Wien Museum Karlsplatz[Bearbeiten]

Studie Otto Wagners zur Gestaltung des Karlsplatzes, links das Kaiser Franz Joseph Stadtmuseum (um 1900)
Wien Museum Karlsplatz (2013)

Das Historische Museum der Stadt Wien besteht seit 1887 und war bis 1959 im Wiener Rathaus untergebracht. Die ersten Pläne für ein Wiener Stadtmuseum am Karlsplatz wurden schon anfangs des 20. Jahrhunderts entworfen: Von Otto Wagner liegt ein besonders attraktives Projekt vor. Die Realisierung des Museumsbaus verschob sich jedoch – vor allem wegen der zwei Weltkriege – um Jahrzehnte.

1953 fasste der Wiener Gemeinderat anlässlich des 80. Geburtstags des Bundespräsidenten und ehemaligen Wiener Bürgermeisters Theodor Körner den Beschluss, ihm zu Ehren den Bau des Museums zu verwirklichen. Es wurde ein Wettbewerb ausgelobt,[4] zu dem 13 Architekten namentlich eingeladen wurden (beispielsweise Clemens Holzmeister, Erich Boltenstern und Karl Schwanzer), der darüber hinaus aber offen war. Die Entwürfe wurden von einer Jury beurteilt, die aus dem Vorsitzenden Franz Schuster, den Architekten Max Fellerer und Roland Rainer, dem Stadtbaudirektor von Wien, dem Direktor der Städtischen Sammlungen Franz Glück, dem Leiter der Abteilung Stadtregulierung und dem Leiter der Abteilung Architektur bestand.[5]

Von den 80 Teilnehmern wurden insgesamt 96 Entwürfe eingereicht; Oswald Haerdtl wurde von der Jury der vierte Platz zugesprochen.[6] Hierauf wurde Haerdtl „freihändig“ beauftragt und realisierte den Bau im zurückhaltend modernen Stil der damaligen Zeit. Haerdtl entwarf auch die Inneneinrichtung bis zur Möblierung des Direktionszimmers. Die Grundsteinlegung fand am 2. Oktober 1954 statt.[7] Am 23. April 1959 wurde das Museum am Karlsplatz als erster und für Jahrzehnte einziger Museumsneubau der Zweiten Republik eröffnet.[8]

Das Historische Museum der Stadt Wien trat immer wieder mit Sonderausstellungen hervor. Unter Direktor Robert Waissenberger veranstaltete das Haus 1985 im auf dem Karlsplatz gegenüberliegenden Künstlerhaus Wien die Jugendstilausstellung „Traum und Wirklichkeit“, mit über 600.000 Besuchern eine der erfolgreichsten jemals in Wien abgehaltenen Ausstellungen.

Im Jahr 2000 wurde der Innenhof überdacht. 2003, als unter der Direktion von Wolfgang Kos die Museen der Stadt Wien zu der neuen Dachmarke „Wien Museum“ zusammengeführt wurden, erfolgte die Umbenennung in „Wien Museum Karlsplatz“. Anfang 2006 erfolgte eine Umgestaltung des Foyers, außerdem wurden im Bereich eines ehemaligen Depots neue Ausstellungsflächen freigemacht.

Präsentiert als Mischung aus historischer Sammlung und Kunstsammlung soll dem Besucher ein Querschnitt der Entwicklung Wiens, von den jungsteinzeitlichen Anfängen über das römische Legionslager Vindobona bis zum 20. Jahrhundert, vermittelt werden. Neben der Dauerausstellung werden regelmäßig Sonderausstellungen gezeigt.

Wien Museum Hermesvilla[Bearbeiten]

Hermesvilla

Seit 1971 werden in der Hermesvilla, einem Schloss im Lainzer Tiergarten im Westen von Wien, das Kaiser Franz Joseph für seine Frau Kaiserin Elisabeth von 1882 bis 1886 errichten ließ, Ausstellungen gezeigt. Das Gebäude wurde in den 1970er Jahren vom Verein der Freunde der Hermesvilla unter Altbürgermeister Bruno Marek revitalisiert und später von der Stadt Wien übernommen. Die Dauerausstellung widmet sich der Geschichte des Gebäudes und dem Kaiserpaar, das sich bis zum Tod Elisabeths einige Tage pro Jahr dort aufhielt. Darüber hinaus werden Sonderausstellungen zu den verschiedensten kulturgeschichtlichen Themen gezeigt.

Spezialmuseen[Bearbeiten]

Otto-Wagner-Pavillon Karlsplatz[Bearbeiten]

Otto-Wagner-Pavillon am Karlsplatz

In dem von Otto Wagner entworfenen ehemaligen Stationsgebäude der Wiener Stadtbahn wird seit 2005 eine Dauerausstellung über das Leben und Werk Wagners gezeigt.

Im Zuge der Errichtung der Stadtbahn in den 1890er Jahren, für die der Architekt Otto Wagner den Gestaltungsauftrag erhielt, entstand 1898 dieser Jugendstil-Pavillon, der einen ihm gegenüber liegenden Zwillingspavillon hat. Als in den 1960er Jahren die Planung für den neuen U-Bahn-Knoten Karlsplatz voranschritt, konnte ein Abriss gerade noch verhindert werden. Die Pavillons wurden demontiert, restauriert und 1977, nach dem Ende der Arbeiten zur Neugestaltung des Karlsplatzes, als reine Design-Denkmäler wieder aufgestellt. Im westlichen der beiden Pavillons, der vom Wien Museum genutzt wird, befindet sich an der Hinterseite ein Abgang zur U-Bahn-Station, der östliche wird von einem Kaffeehaus genutzt.

Otto-Wagner-Hofpavillon Hietzing[Bearbeiten]

Otto-Wagner-Hofpavillon in Hietzing

Der Pavillon des k.u.k. Allerhöchsten Hofes in der Nähe von Schloss Schönbrunn in Hietzing wurde 1899 nach Entwürfen von Otto Wagner errichtet und diente dem Kaiser und den Mitgliedern des Hofes als Ein- und Ausstiegsstelle, so diese mit der Stadtbahn reisten. In der ursprünglichen Stadtbahnplanung war dieser Pavillon nicht vorgesehen, aber Otto Wagner hat den Bau auf eigene Verantwortung initiiert und konnte schließlich auch den Eisenbahnminister Heinrich von Wittek überzeugen. Im Gegensatz zu den anderen Stadtbahnstationen weist dieser Pavillon mit Kuppel barocke Stilelemente auf, was als eine Respektbekundung des Architekten Wagner vor dem Kaiser interpretiert werden kann. Der Pavillon wurde am stadtzentrumsseiten Bahnsteigende an die 1898 eröffnete Stadtbahnstation Hietzing angebaut; (später abgetragene) Stiegenabgänge vom Pavillon führten zu diesen öffentlichen Bahnsteigen. Allerdings ist nur von zwei Fällen der Benutzung des Gebäudes durch den Monarchen bekannt, 1899 bei der Eröffnung der unteren Wientallinie der Stadtbahn (Meidling Hauptstraße–Hauptzollamt) und ein weiteres Mal im April 1902.

Heute werden im Pavillon der kaiserliche Wartesalon, das Arbeitskabinett des Kaisers und andere Räume als Dauerausstellung gezeigt. Ab 2010 war der Pavillon wegen Baufälligkeit gesperrt; darüber, wer die Sanierungskosten begleicht, bestand Uneinigkeit zwischen den Wiener Linien als Eigentümer und dem Wien Museum als Nutzer. Von 2012 bis 2014 wurde der Pavillon im Auftrag der Stadt Wien nach dem Originalentwurf von Otto Wagner restauriert. Seit der Eröffnung am 21. Juni 2014 ist er wieder als Außenstelle des Wien Museums der Öffentlichkeit zugänglich.[9]

Pratermuseum[Bearbeiten]

Das Pratermuseum

Das Pratermuseum befindet sich im Prater, im gleichen Gebäude wie das Planetarium, das zwischen Riesenrad und Hauptallee steht. Mit Exponaten wie einer alten Wahrsagermaschine und Schaustücken aus Geisterbahnen und Kuriositätenshows bietet es Einblick in die Geschichte des größten Vergnügungsparks Wiens, des Wurstelpraters. Der Heimatforscher Hans Pemmer gründete das Museum 1933 in seiner Wohnung und schenkte die Sammlung 1964, im Jahr der Planetariumseröffnung, der Stadt Wien.[10] Das Museum verfügt weiters über Exponate aus den Beständen des Wien Museums, der Sammlung Adanos und der Laterna-magica-Sammlung von Ernst Hrabalek.

Uhrenmuseum[Bearbeiten]

Eingang zum Uhrenmuseum im Palais Obizzi

Das im Palais Obizzi in der Wiener Innenstadt untergebrachte Uhrenmuseum gilt als eines der bedeutendsten seiner Art in ganz Europa. Das Museum wurde 1917 gegründet, den Grundstock bildeten die Uhrensammlungen des ersten und langjährigen Direktors Rudolf Kaftan und der Dichterin Marie von Ebner-Eschenbach. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das „Haus der zehntausend Uhren“, wie es auch genannt wurde, geschlossen, die wertvollen Uhren versuchte man auf verschiedenen Schlössern in Niederösterreich in Sicherheit zu bringen, was allerdings nur zum Teil gelang. Nach Kriegsende wurde mit den Wiederaufbauarbeiten im Museum begonnen, dank Zuschüssen seitens der Stadt Wien sowie privater Spenden konnte die Sammlung um einige seltene Stücke bereichert werden.[11]

Öffentliche Bibliothek der Modesammlung[Bearbeiten]

Im Schloss Hetzendorf in Meidling befindet sich neben der Modeschule Wien in Schloss Hetzendorf die – öffentlich nicht zugängliche – Modesammlung des Wien Museums. Für Besucher offen steht hingegen die angeschlossene Bibliothek, die aus mehr als 12.000 Bänden und zahlreichen Journalen, Fotos und rund 3.000 Kupferstichen zum Thema Mode besteht.

Musikerwohnungen[Bearbeiten]

Mozarthaus Vienna in der Domgasse

Zahlreiche Wohnungen, aber auch Geburts- und Sterbehäuser namhafter Komponisten bestehen weitgehend im Originalzustand und sollen dem Besucher einen Einblick in Leben und Alltag der Künstler vermitteln. Zu den Exponaten zählen unter anderem deren Notenblätter, aber auch Gebrauchsgegenstände.

Mozartwohnung[Bearbeiten]

Die Wohnung in der Domgasse in unmittelbarer Nähe des Stephansdoms ist die einzige erhaltene Wohnung von Wolfgang Amadeus Mozart in Wien (die Originalmöblierung blieb allerdings nicht erhalten). Mozart lebte hier von 1784 bis 1787; in dieser Zeit entstand unter anderem die Oper Le nozze di Figaro, weshalb das Haus heute auch als Figarohaus bekannt ist. Die Wohnung kann bereits seit Jahrzehnten besichtigt werden, Anfang 2006 wurde sie nach einer Umgestaltung wiedereröffnet. Sie ist Teil des Mozarthauses Vienna, das über Ausstellungsflächen auf mehreren Stockwerken verfügt und Exponate wie den Tisch, an dem Mozart die Zauberflöte komponiert haben soll, zeigt.

Beethoven-Wohnung Heiligenstadt[Bearbeiten]

Heiligenstadt: Haus in der ehemaligen Herrengasse 6 (heute Probusgasse 6)

Den Sommer 1802 verbrachte Ludwig van Beethoven in einem Haus in Heiligenstadt. Der damalige Vorort von Wien verfügte über eine Kur- und Badeanstalt, hier suchte Beethoven nach Heilung bzw. Besserung seines fortschreitenden Gehörleidens. Während dieses Aufenthalts schrieb er unter anderem an seiner 2. Sinfonie, er verfasste aber auch – in einer Phase von Sorge und Pessimismus über den Zustand seines Gehörs – sein Heiligenstädter Testament. Mündlichen Überlieferungen nach handelte es sich um das Haus in der heutigen Probusgasse 6, was jedoch umstritten ist, da zur damaligen Zeit für die Wiener Vororte keine Konskriptionsbogen existierten und auch Beethovens Briefe keinen Beleg für diese Adresse enthielten.

Beethoven-Eroicahaus[Bearbeiten]

Die Gedenkstätte Eroicahaus erinnert an Beethovens Aufenthalt in Oberdöbling im Sommer 1803, während dessen er einen großen Teil seiner 3. Sinfonie, der Eroica, komponierte. Beethoven wohnte allerdings nie in diesem Haus. Josef Böck-Gnadenau irrte sich bei seiner Identifikation, da er nicht wusste, dass die erste Neunummerierung der Döblinger Häuser nicht 1802, sondern erst 1804 stattfand. Alexander Wheelock Thayer nannte das richtige Eroica-Haus schon 1872: Hofzeile 15 (dieses Gebäude ist nicht erhalten).

Beethoven-Pasqualatihaus[Bearbeiten]

Eingang und Hof des Pasqualati-Hauses

Das Haus seines Gönners Johann Baptist Freiherr von Pasqualati auf der Mölker Bastei in der Wiener Innenstadt diente Beethoven in den Jahren 1804 bis 1808 und 1810 bis 1814 als Wohnung. Hier komponierte er einige seiner Werke, unter anderem die 5. und 6. Sinfonie, Für Elise, das „Erzherzog-Trio“ und seine einzige Oper Fidelio. Da Beethovens Wohnung im nördlichen Teil des vierten Stocks des Pasqualatihauses vermietet ist, zeigt man die Nachbarwohnung als Beethoven-Stätte.

Haydnhaus[Bearbeiten]

Haydns Wohnhaus um 1840

Joseph Haydn erwarb 1793 das Haus in der heutigen Haydngasse 19 in Mariahilf und bewohnte es bis zu seinem Tod im Jahr 1809. Ursprünglich hatte das Haus die Anschrift Kleine Steingasse 71 (ab 1795 Nr. 73) und lag in der kleinen Siedlung Obere Windmühle, die zur Vorstadt Windmühle gehörte und von der wesentlich größeren Vorstadt Gumpendorf, zu deren Kirchenbezirk sie gehörte, fast vollständig umschlossen wurde. Dort komponierte Haydn unter anderem die Oratorien Die Schöpfung und Die Jahreszeiten. 1862 wurde die Haydngasse nach ihrem berühmtesten Bewohner benannt, das Haus ist seit 1899 Gedenkstätte und seit 1904 städtisches Museum. In einem Johannes Brahms gewidmeten Raum kann man Brahms' Komponierpult bewundern. 2009 wurde anlässlich des 200. Todesjahres von Joseph Haydn die Dauerausstellung neu konzipiert und erweitert, ein Schwerpunkt liegt auf den letzten Lebensjahren des Komponisten.

Schubert Geburtshaus[Bearbeiten]

Franz Schubert Geburtshaus

Franz Schubert verbrachte seine ersten viereinhalb Lebensjahre in diesem Haus in der Nussdorfer Straße am Himmelpfortgrund im heutigen 9. Bezirk Alsergrund. Wichtigstes Ausstellungsstück ist Schuberts äußerliches „Markenzeichen“, seine Brille. Darüber hinaus sind in dem Haus auch rund 50 Gemälde Adalbert Stifters ausgestellt, der vor allem als Schriftsteller Berühmtheit erlangte.

Schubert-Sterbewohnung[Bearbeiten]

In der Sterbewohnung Schuberts in der Kettenbrückengasse in Wieden, die seinem Bruder Ferdinand gehörte, verbrachte der Komponist nur die letzten zweieinhalb Monate seines Lebens. Zu den Exponaten zählen letzte musikalischen Entwürfe, sowie eine Kopie des letzten von ihm eigenhändig geschriebenen Briefes an Franz von Schober.

Johann-Strauß-Wohnung[Bearbeiten]

Die Wohnung in der Praterstraße 54 in der Leopoldstadt, dem 2. Bezirk, diente Johann Strauß (Sohn) in den 1860er Jahren als Quartier in der Wintersaison. Hier komponierte er unter anderem den Walzer „An der schönen blauen Donau“, besser bekannt unter dem Namen Donauwalzer, zu dessen Klängen die Wiener traditionell das neue Jahr begrüßen.

Ausgrabungsstätten[Bearbeiten]

Alle Ausgrabungsstätten des Wien Museums befinden sich im 1. Wiener Gemeindebezirk, Innere Stadt, und dokumentieren verschiedene Epochen der Geschichte Wiens.

Ausgrabungen Michaelerplatz[Bearbeiten]

Ausgrabungen Michaelerplatz

Im Zuge von archäologischen Untersuchungen des Michaelerplatzes von 1989 bis 1991 wurden unter anderem Reste der römischen Lagervorstadt Canabae des Lagers Vindobona entdeckt. Hier dürften sich vor allem Wohnhäuser der Frauen und Kinder der Soldaten befunden haben. Das Grabungsfeld wurde 1991 permanent für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht, die Gestaltung übernahm Hans Hollein.

Virgilkapelle[Bearbeiten]

Die Virgilkapelle wurde um 1250 erbaut, diente aber ab dem 14. Jahrhundert einer reichen Wiener Familie als Gruft. Nachdem 1732 der Friedhof um den Stephansdom aufgelassen wurde und 1781 die Magdalenskapelle neben dem Dom abbrannte, wurde in weiterer Folge auch die Virgilkapelle zugeschüttet und geriet in Vergessenheit. 1973 wurde sie im Zuge von U-Bahn-Bauarbeiten (Linie U1) wiederentdeckt und ist heute rund 12 Meter unter der Oberfläche als Museum integrativer Bestandteil der U-Bahn-Station Stephansplatz und auch über diese erreichbar.

Römermuseum[Bearbeiten]

Ruinen im Römermuseum am Hohen Markt
Hauptartikel: Römermuseum Wien

Am Hohen Markt sind Reste von Häusern, die im römischen Legionslager Vindobona als Offiziersquartierte dienten, zu besichtigen. Zu den Exponaten zählen auch Keramiken, Grabsteine und andere Objekte, die einen Einblick in das Leben in dem römischen Lager und der angeschlossenen Zivilstadt vor rund 2000 Jahren geben. Diese früher „Römische Ruinen“ genannte Museumsaußenstelle wurde zu dem im Mai 2008 eröffneten „Römermuseum“ erweitert.[12]

Römische Baureste[Bearbeiten]

Im Keller der Feuerwehrzentrale Am Hof befindet sich ein in originaler Lage erhalten gebliebenes Stück eines römischen Lagerhauptkanals, der einst dazu diente, die Abwässer aus dem südlichen Teil des Lagers über den Tiefen Graben zum Ottakringer Bach zu führen. Entdeckt wurden diese Baureste in den 1950er Jahren im Zuge des Fundamentaushubs für den Neubau der Wiener Feuerwehrzentrale, die gegen Ende des Zweiten Weltkrieges durch Bombentreffer zerstört wurde. Dabei kamen in einer Tiefe von knapp drei Metern Mauerreste, ein Turm der Lagermauer, ein Teil einer entlang des Lagerwalls verlaufenden Straße sowie ein rund fünf Meter langer Teil des darunter liegenden Kanals zum Vorschein.[13]

Neidhart-Fresken[Bearbeiten]

Die Neidhart-Fresken befinden sich in einem aus dem 14. Jahrhundert stammenden Gebäude an den Tuchlauben in der Altstadt und gelten als die ältesten erhaltenen nichtkirchlichen Wandmalereien Wiens. 1398 wurde der damalige Festsaal im Haus im Auftrag des wohlhabenden Wiener Händlers Michel Menschein mit dem Bilderzyklus ausgestattet, der größtenteils Szenen aus dem Leben des Minnesängers Neidhart von Reuental zeigt. Die Fresken wurden 1979 im Zuge von Umbauarbeiten unter einer Schicht Putz entdeckt. Seit 1982 sind sie der Öffentlichkeit zugänglich.[14]

Depot[Bearbeiten]

Das Wien Museum hat viele Jahrzehnte lang bis zu acht Depots in Wien dazu verwendet, nicht ausgestellte Objekte zu verwahren. 2012 wurde entschieden, ein zentrales Depot einzurichten. 2013 erfolgte die Übersiedlung von mehr als einer Million an Objekten in eine in Himberg, einer Gemeinde wenige Kilometer südlich der Stadtgrenze Wiens, angemietete Halle mit mehreren Stockwerken und 12.000 Quadratmeter Fläche. Unmittelbar benachbart ist ein Depot des Kunsthistorischen Museums.[15][16]

Historische Details 1959–2008[Bearbeiten]

Zu seinem 50-jährigen Bestehen im Museumsgebäude auf dem Karlsplatz publizierte das Wien Museum im Herbst 2008 eine Übersicht über 50 Jahre Sammlungsgeschichte, der die meisten folgenden Angaben entnommen sind[17]:

  • 1949–1967: Direktion Franz Glück[18]
  • 23. April 1959: Feierliche Eröffnung des Historischen Museums sowie der ersten Sonderausstellung Hieronymus Löschenkohl durch Bundespräsident Adolf Schärf
  • 1980: Ausstellung Das Wiener Kaffeehaus. Von den Anfängen bis zur Zwischenkriegszeit
  • 1981: 106.000 Besucher bei der Egon-Schiele-Ausstellung mit Werken aus der Sammlung Serge Sabarsky
  • 1982: Neidhart-Fresken als neue Außenstelle
  • 1983: Erste Großausstellung im Künstlerhaus: Die Türken vor Wien, gestaltet von Hans Hollein
  • 1985: Großausstellung Traum und Wirklichkeit. Wien 1870–1930, gestaltet von Hans Hollein; 622.000 Besucher bedeuten Wiener Rekord
  • 1986: Ausstellung Elisabeth von Österreich. Einsamkeit, Macht und Freiheit in der Hermesvilla
  • 1987–2003: Direktion Günter Düriegl[21]
  • 1987: Ausstellung Biedermeier und Vormärz im Künstlerhaus, gestaltet von Boris Podrecca
  • 1989: Ausstellung Arnulf Rainer, weitere Stationen in New York und Chicago
  • 1993: Ausstellung Das rote Wien
  • 1995: Ausstellung Hans Hollein
  • 1997: Schubert-Ausstellung, gestaltet von Hermann Czech
  • 1999: Ausstellungen Das ungebaute Wien 1800–2000. Projekte für die Metropole und Johann Strauß. Unter Donner und Blitz
  • 2000: Zubau und Überdachung des Atriums durch Dimitris Manikas; Ausstellung Hans Makart. Malerfürst in der Hermesvilla
  • 2002: Ausgliederung des Historischen Museums der Stadt Wien aus der städtischen Verwaltung
  • 2003: Direktion Wolfgang Kos, Umbenennung in Wien Museum
  • 2004: Ausstellung Gastarbajteri. 40 Jahre Arbeitsmigration und Großausstellung Alt-Wien. Die Stadt, die niemals war (Künstlerhaus)
  • 2006: Umbau durch BWM Architekten und Partner: neuer Eingangsbereich, zusätzlicher Ausstellungsraum
  • 2007: Ausstellungen Im Wirtshaus und Ganz unten. Die Entdeckung des Elends
  • 2008: Eröffnung des Römermuseums am Hohen Markt
  • 2009: Neueröffnung des umgestalteten Haydnhauses
  • 2009-2010: Großausstellung im Künstlerhaus: kampf um die stadt. politik, kunst und alltag um 1930

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lehmanns Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger für Wien, Ausgabe 1942, Band 2, Kapitel V, Abschnitt 7 (= S. 1570)
  2. Gesetz, mit dem die Museen der Stadt Wien als Anstalt öffentlichen Rechts eingerichtet und deren Organisation, Betrieb und Erhaltung geregelt werden (Wiener Museumsgesetz – Wr. MuG) vom 12. November 2001, LGBl. für Wien Nr. 95 / 2001, mit Novellen LGBl. Nr. 30 / 2002 und Nr. 11 / 2008
  3. Museumsordnung vom 10. Dezember 2011, LGBl. Nr. 105 / 2001
  4. Der Wettbewerb für den Museumsneubau. In: Rathauskorrespondenz vom 14. Juli 1953.
  5. Museum der Stadt Wien: Die erste Besichtigung der Wettbewerbsentwürfe. In: Rathauskorrespondenz vom 3. November 1953.
  6. Museum der Stadt Wien: Die Jury hat entschieden. In: Rathauskorrespondenz vom 23. November 1953.
  7. Feierliche Grundsteinlegung zum Museum der Stadt Wien. In: Rathauskorrespondenz vom 2. Oktober 1954.
  8. Eröffnung des Historischen Museums der Stadt Wien. In: Rathauskorrespondenz vom 23. April 1959.
  9. Otto Wagners Hofpavillon wiedereröffnet wien.at, abgerufen am 30. Oktober 2014
  10. Bezirksmuseum Landstraße: Prof. Hans Pemmer, der unermüdliche Volksbildner
  11. Wien im Rückblick: Das Haus der zehntausend Uhren
  12. Wien Museum: Eröffnung des neuen Römermuseum Presseinformation von April 2008, abgerufen am 12. November 2014.
  13. Wien im Rückblick: Ein römischer Kanal unter der Feuerwehrzentrale
  14. Burgenkunde.at: Neidhart Fresken
  15. Wien Museum: Neues Depot in Himberg, Meldung auf der Website des ORF vom 13. Juni 2012.
  16. Barbara Mader: Hier parkt Bruno Kreiskys Rover, Bericht der Tageszeitung Kurier vom 14. April 2014, S. 23, und auf der Website der Zeitung
  17. Prospekt 1959–2009: 50 Jahre Geschichte mit Zukunft. Wien Museum Karlsplatz. Ausstellungen 2009, Hrsg. Wien Museum, o.J.
  18. Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Band 4, Kremayr & Scheriau, Wien 1995, ISBN 3-218-00546-9, S. 328
  19. Czeike, a. a. O.
  20. Eintrag Robert Waissenberger im Österreich-Lexikon
  21. Ehrung für Hofrat Dr. Günter Düriegl, in: Rathauskorrespondenz vom 7. Mai 2003

Literatur[Bearbeiten]

  • Hundert Jahre Historisches Museum der Stadt Wien (Katalog zur 106. Sonderausstellung, red. v. Wilhelm Deutschmann), Wien 1987.
  • Sándor Békési / Monika Sommer: Arrested Development or Prolonged Stagnation? The Historical Museum of the City of Vienna and the First World War, in: Austrian Studies, 21 (2013), S. 121-141.
  • Sándor Békési: Das Rathaus als Museums- und Ausstellungsort. Über Formen und Funktionen städtischer Repräsentation in Wien 1886-1958, in: Pils, Susanne Claudine u.a. [Hrsg.]: Rathäuser als multifunktionale Räume der Repräsentation, der Parteiungen und des Geheimnisses (Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte, 55), Innsbruck u.a. 2012, S. 339-372.
  • Johann Josef Böker: Architektur der Gotik. Bestandskatalog der weltgrößten Sammlung an gotischen Baurissen (Legat Franz Jäger) im Kupferstichkabinett der Akademie der Bildenden Künste Wien, mit einem Anhang über die mittelalterlichen Bauzeichnungen im Wien Museum am Karlsplatz. Verlag Anton Pustet, Salzburg 2005, ISBN 3-7025-0510-5; Rezension von Klaus Jan Philipp in: Journal für Kunstgeschichte Band 10, Heft 4, 2006, S. 314-317 Architektur und Plastik.
  • Elke Doppler, Christian Rapp, Sándor Békési (Hrsg.): Am Puls der Stadt. 2000 Jahre Karlsplatz (Katalog zur gleichnamigen Ausstellung des Wien Museums). Czernin Verlag, Wien 2008, ISBN 978-3-7076-0266-1
  • Franz Glück: Das historische Museum der Stadt Wien. Rückblick und Ausblick, in: Kulturarbeit der Stadt Wien 1945-1955, Wien 1955, 61-77 (Wiener Schriften, 1).
  • Wolfgang Kos und Gudrun Ratzinger (Hg.): Fifty fifty. Kunst im Dialog mit den 50er Jahren (Katalog der 358. Sonderausstellung des Wien Museum Karlsplatz), Nürnberg: Verl. für Moderne Kunst, 2009.
  • Wolfgang Kos: Aktiv Sammeln! (Aber wie?). Die Sammlungsstrategie des Wien Museums, in: Neues Museum. Die österreichische Museumszeitschrift, Februar 2008, S. 14-19.
  • Sylvia Mattl-Wurm: Vom Scheitern der Moderne im Wiener Museumswesen, in: Herbert Posch (Hg.), Politik der Präsentation. Museum und Ausstellung in Österreich 1918-1945, Wien 1996, S. 143-166.
  • Gerhard Murauer: "In dieser drangvollen Zeit..." Zur Weltkriegssammlung der Stadt Wien, in: Alfred Pfoser / Andreas Weigl (Hrsg.): Im Epizentrum des Zusammenbruchs. Wien im Ersten Weltkrieg, Wien 2013, S. 540-555.
  • Alexander Ortel: Die Städtischen Sammlungen, in: Amtsblatt der Stadt Wien, 53 (1948) 102, S. 1-2.
  • Hermann Reuther: Das historische Museum der Stadt Wien, in: Das neue Wien. Städtewerk, Wien 1927, 113-130 (hg. v. d. Gemeinde Wien, Bd. 2).
  • Monika Sommer: Stadt im Museum. Wien und die Musealisierung in der Gründerzeit, in: Wolfgang Kos / Christian Rapp (Hg.): Alt-Wien. Die Stadt, die niemals war (Katalog zur 316. Sonderausstellung des Wien Museums), Wien 2004, S. 77-85.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wien Museum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.19888888888916.373055555556Koordinaten: 48° 11′ 56″ N, 16° 22′ 23″ O