Wiener Börse

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Dieser Artikel behandelt die Wiener Börse AG, für das Gebäude an der Wiener Ringstraße siehe Wiener Börse (Gebäude).
Wiener Börse AG
Wiener Börse Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1771
Sitz Wien, Österreich
Leitung Birgit Kuras,
Michael Buhl
Mitarbeiter 100 (2011)
Produkte FinanzdienstleistungenVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.wienerborse.at
Sitz der Wiener Börse im Palais Caprara-Geymueller

Die Wiener Börse, im Jahr 1771 als eine der ältesten Börsen der Welt gegründet, ist heute ein modernes, kunden- und marktorientiertes Finanzdienstleistungsunternehmen. Sie betreibt nicht nur die einzige Wertpapierbörse Österreichs, sondern auch die österreichische Strombörse EXAA und die CEGH Gas Exchange der Wiener Börse. Zu den Hauptgeschäftsbereichen zählen der Handel am Kassamarkt (equity market, bond market)und der Handel mit strukturierten Produkten. Zusätzliche Leistungen umfassen Datenverkauf, Indexentwicklung und -management sowie finanzmarktspezifische Seminare und Lehrgänge. Die Wiener Börse ist Initiator und, ebenso wie die Börsen Budapest, Laibach und Prag, eine 100 %-ige Tochter der CEE Stock Exchange Group (CEESEG), der größten Börsegruppe Zentral- und Osteuropas.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Wiener Börse wurde von Maria Theresia gegründet und gehört zu den ältesten Wertpapierbörsen der Welt. Anfänglich wurden nur Anleihen, Wechsel und Devisen gehandelt. Die Oesterreichische Nationalbank war 1818 die erste Aktiengesellschaft, die an der Wiener Börse notierte.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts führte die wachsende Industrialisierung zu einem gewaltigen Wirtschaftsaufschwung und viele Unternehmen finanzierten sich mit Aktienemissionen über die Börse. Eine liberale Wirtschaftspolitik begünstigte übereilte und zum Teil unsolide Unternehmensgründungen. Diese Faktoren lösten eine Spekulationswelle aus, die am 9. Mai 1873 mit dem Wiener Börsenkrach abrupt endete. Etwa die Hälfte der Aktiengesellschaften verschwand wieder vom Kursblatt. Es dauerte Jahre, bis sich der Aktienmarkt der Wiener Börse von diesem Rückschlag erholte.

altes Börsengebäude an der Wiener Ringstraße, 1877 von Theophil von Hansen erbaut

Neue Regelungen und Börsengesetze waren nötig geworden, um den immer lebhafteren Handel in geordneten Bahnen abwickeln zu können. 1875 wurde das dritte Börsegesetz seit Bestehen der Wiener Börse erlassen, das die vollkommene Autonomie der Wiener Börse und einen reibungslosen Handelsablauf garantierte. 1877 wurde das von Theophil von Hansen entworfene historische Börsegebäude am Schottenring feierlich eingeweiht.

Von Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges konsolidierten sich die Verhältnisse auf dem Kapitalmarkt weiter. Während des Ersten Weltkrieges war die Börse geschlossen. Erst Ende 1919 wurde der offizielle Aktienhandel wieder aufgenommen und die Wiener Börse erlebte erneut einen starken Zulauf und eine Hausse, die mit einem Crash im März 1924 abrupt endete. Die Aktienkurse erholten sich in Wien in den folgenden Jahren nur langsam. Der Kurssturz an der New York Stock Exchange im Oktober 1929 hatte für Wien jedoch keine erheblichen Auswirkungen.

Obwohl die Stellung der Wiener Börse als Finanzplatz durch den Zerfall der Monarchie stark geschmälert worden war, behielt sie für Südosteuropa weiterhin Bedeutung. Unter den 205 Aktien, die 1937 an der Wiener Börse gehandelt wurden, befanden sich noch 75 ausländische aus den Nachfolgestaaten.

Mit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im Jahre 1938 verlor die Wiener Börse ihre Selbstständigkeit und wurde dem deutschen Börsenrecht unterstellt. Der Wertpapierhandel selbst wurde – wenngleich stark eingeschränkt – bis kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges fortgesetzt. 1948 wurde die Börse wieder eröffnet. Der Aktienmarkt erlitt nach dem Krieg durch die Verstaatlichung einzelner Industriezweige eine gewisse Einengung. Der Anleihenmarkt hingegen hatte sich nach der Währungsreform im Jahre 1952 wieder erholt.

Ein Großbrand am 13. April 1956 zerstörte einen Teil des Börsegebäudes. Das Gebäude wurde im Dezember 1959 wieder eröffnet.

Während der Rentenmarkt an der Wiener Börse beständig wuchs, führte der Aktienhandel weiterhin ein Schattendasein. Die große Wende kam erst im Jahr 1985, als ein amerikanischer Analyst eine Aktienhausse auslöste, indem er auf das extrem hohe Potenzial des österreichischen Kapitalmarktes aufmerksam machte. Nach rund zwei Jahrzehnten stagnierender Kurse kam es zu Kursanstiegen von durchschnittlich 130 %. Die Umsätze versechsfachten sich. Das änderte die bisher eher verhaltene Einstellung der Wirtschaftspolitik zum Aktienmarkt. Eine Reihe großer Unternehmen gingen in den folgenden Jahren an die Börse, wie zum Beispiel RHI, OMV (1987); Austrian Airlines, Verbund (1988), EVN (1989). Ab Mitte 1988 setzte an der Wiener Börse abermals eine Aktienhausse ein, die bis August 1990 anhielt.

Im Dezember 1997 wurde die Wiener Wertpapierbörse mit der Österreichischen Termin- und Optionenbörse (ÖTOB) zur neuen Wiener Börse AG fusioniert.

Im Jänner 1998 übersiedelte die Wiener Börse in Räumlichkeiten der OeKB in der Strauchgasse 1-3 und in die Wallnerstraße 8, 1014 Wien.

Nach dem Beschluss, die Wiener Börse AG zu privatisieren, wurde die Börsekammer im Juni 1999 aufgelöst und die Eigentümeranteile (50 % der Aktien) den österreichischen Emittenten (mit Ausnahme der Banken) zum Kauf angeboten.

Seit November 1999 erfolgt der Handel mit Wertpapieren über das vollelektronische Handelssystem Xetra®.

Ende 2001 übersiedelte die Wiener Börse AG in das Palais Caprara-Geymüller.

Die Wiener Börse war von den Markteinbrüchen, wie sie die großen internationalen Börsen Ende 2002 erlebten, verschont geblieben. 2003 begann sich der Kassamarkt der Wiener Börse zu beleben. Österreichischen Unternehmen gelang es, sich nach der EU-Erweiterung in Osteuropa gut zu positionieren, was sich auf die Kursentwicklung des ATX positiv auswirkte. Der Aufschwung der Wiener Börse verstärkte das Interesse sowohl inländischer als auch internationaler Investoren am österreichischen Kapitalmarkt.

Ein österreichisches Konsortium, bestehend aus österreichischen Banken, der Wiener Börse AG, und der OeKB, erwarb 2004 die Mehrheit an der Budapester Börse. Diese Partnerschaft war der Grundstein für ein Börse-Netzwerk, das durch Kooperationsabkommen mit zahlreichen Börsen der südosteuropäischen Region wie Bukarest, Zagreb, Belgrad, Sofia, Sarajevo, Montenegro, Banja Luka und Mazedonien stetig erweitert wurde.

Im Juli 2004 kletterte der ATX, der die 20 größten börsennotierten Unternehmen Österreichs repräsentiert, erstmals über die 2.000 Punkte Marke, im Juni 2005 erreichte er die 3.000 Punkte Marke und im Mai 2006 durchbrach der ATX die 4.000 Punkte Marke. 2008 konnte sich auch die Wiener Börse den Turbulenzen an den internationalen Finanzplätzen nicht entziehen. Insbesondere im zweiten Halbjahr musste der Leitindex ATX starke Kursverluste hinnehmen und schloss per Ultimo 2008 mit 1.750,83 Punkten. Stand das Jahr 2009 zu Beginn noch ganz im Zeichen der Finanz- und Wirtschaftskrise, die im Jahr davor ihren Höhepunkt erreicht hatte, setzte nach erneuten kräftigen Kursverlusten ab Mitte März eine Rallye ein. Der Aufschwung an der Wiener Börse fiel im Vergleich zu anderen internationalen Finanzplätzen sogar überdurchschnittlich deutlich aus, und obwohl der ATX in den letzten Monaten des Jahres seitwärts tendierte, schloss er 2009 mit einem Plus von rund 42,5 % bei 2.495,56 Punkten.

Nach dem Erwerb von Mehrheitsanteilen an den drei benachbarten Börsen Budapest, Laibach und Prag im Juni 2008 widmete sich die Wiener Börse 2009 intensiv der Gründung der CEE Stock Exchange Group – zunächst in Form einer gemeinsamen Dachmarke. Am 14. Jänner 2010 wurde die Holdinggesellschaft CEESEG AG ins Firmenbuch eingetragen. Ihr sind nun die Börsen Wien, Budapest, Laibach und Prag gleichrangig als Tochtergesellschaften unterstellt. Alleinaktionärin der Wiener Börse AG ist nunmehr die CEESEG AG, die bisherigen Aktionäre der Wiener Börse AG sind nun Aktionäre der CEESEG AG.

Unternehmensstruktur[Bearbeiten]

Die Wiener Börse ist eine 100 %-Tochter der CEESEG AG. Diese gehört zu 52 % österreichischen Banken und 48 % österreichischen Unternehmen.[1]

Größte Wertpapieremissionen[Bearbeiten]

Größte Börsegänge:

  1. 2007: Strabag SE, 1.325,4 Mio. €
  2. 2005: Raiffeisen International, 1.113,8 Mio. €
  3. 2000: Telekom Austria, 1.008 Mio. €
  4. 2003: Bank Austria Creditanstalt, 957,9 Mio. €
  5. 2006: Österreichische Post, 651,7 Mio €

Größte Kapitalerhöhungen:

  1. 2006: Erste Bank, 2.918 Mio. €
  2. 2007: Immoeast, 2.835 Mio. €
  3. 2014: Raiffeisen International, 2.778 Mio. €
  4. 2006: Immoeast, 2.752 Mio. €
  5. 2009: Erste Group, 1.740 Mio. €

Indizes[Bearbeiten]

Die Wiener Börse berechnet und verteilt eine Reihe von Indizes, darunter auch mehrere Osteuropa-Indizes welche unter dem Namen „CECE Indices“ bekannt sind.

Der wichtigste, von der Wiener Börse berechnete Index ist der Fließhandelsindex ATX, der die 20 liquidesten Wiener Werte umfasst.

CEE-Aktienindizes gibt es für Tschechien (CTX – Czech Traded Index), Ungarn (HTX – Hungarian Traded Index), Polen (PTX – Polish Traded Index), Kroatien, Serbien und Bulgarien sowie Indizes für die gesamte Region (CECE Composite Index, SETX, CECExt, CECE MID, NTX). Weiters bedeutsam sind die insgesamt 10 CIS-Indizes.

Daneben berechnet die Wiener Börse den China Traded Index (CNX) aus den Schlusskursen (ca. 8:45 Uhr).

Literatur[Bearbeiten]

  • Johann Schmit: Die Geschichte der Wiener Börse. Ein Viertel Jahrtausend Wertpapierhandel. ISBN 3-9500956-3-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wiener Börse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Finanz und Wirtschaft vom 19/06/2010: Wiener Börse startet mit einem Kilometer Vorsprung (Seite 35)

48.21516.366666666667Koordinaten: 48° 12′ 54″ N, 16° 22′ 0″ O