Wiener Neudorf

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Wiener Neudorf
Wappen von Wiener Neudorf
Wiener Neudorf (Österreich)
Wiener Neudorf
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Mödling
Kfz-Kennzeichen: MD
Fläche: 6,04 km²
Koordinaten: 48° 5′ N, 16° 19′ O48.08555555555616.313055555556205Koordinaten: 48° 5′ 8″ N, 16° 18′ 47″ O
Höhe: 205 m ü. A.
Einwohner: 8.932 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 1479 Einw. pro km²
Postleitzahlen: 2351, 2355
Vorwahl: 0 22 36
Gemeindekennziffer: 3 17 25
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Europaplatz 2
2351 Wiener Neudorf
Website: www.wiener-neudorf.gv.at
Politik
Bürgermeister: Ing. Christian Wöhrleitner (SPÖ)
Gemeinderat: (2010)
(33 Mitglieder)
17 SPÖ, 12 L.ÖVP, 3 UFO, 1 FPÖ
Lage der Marktgemeinde Wiener Neudorf im Bezirk Mödling
Achau Biedermannsdorf Breitenfurt bei Wien Brunn am Gebirge Gaaden Gießhübl Gumpoldskirchen Guntramsdorf Hennersdorf Hinterbrühl Kaltenleutgeben Laab im Walde Laxenburg Maria Enzersdorf Mödling Münchendorf Perchtoldsdorf Vösendorf Wiener Neudorf Wienerwald NiederösterreichLage der Gemeinde Wiener Neudorf im Bezirk Mödling (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)

Wiener Neudorf ist eine Marktgemeinde mit 8932 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014) östlich der Bezirkshauptstadt Mödling im Industrieviertel in Niederösterreich in der Nähe von Wien.

Geografie[Bearbeiten]

Wiener Neudorf liegt im flachen Teil des Bezirkes Mödling, im Wiener Becken.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde umfasst nur einen Ort, und eine Katastralgemeinde und Ortschaft.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]


Vösendorf

Mödling Nachbargemeinden Biedermannsdorf
Guntramsdorf

Geschichte[Bearbeiten]

Das damalige „Neudorf“ und seine Umgebung um 1872 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)

Eine erste Besiedelung des Raumes Mödling (und damit Wiener Neudorf eingeschlossen) lässt sich auf etwa 4000 v  Chr. datieren, was vor allem aus Funden von Gefäßen geschlossen wird.

Die erste Erwähnung Wiener Neudorfs war etwa Mitte 12. Jahrhundert (Nowendorf). Im Austausch für das Dorf Siegenfeld (es wurde dem Kloster Heiligenkreuz geschenkt) bekam Herzog Heinrich II. Jasomirgott um 1176 unter anderem eine Hube (ein Hof mit 10–15 ha Land) zu Nuwendorf.[1] In einer Urkunde des Stiftes Klosterneuburg von 1231 wird ein Richter (= Ortsvorsteher) Meinhard von Neudorf (Meinhardo iudice de Niwedorf)[2] als Zeuge genannt. Als gesichert kann Wiener Neudorfs Existenz spätestens ab 1270 gelten: ein Dokument aus diesem Jahr bietet eine Auflistung der Mauten von Sollenau und Wiener Neudorf. Jene Mautstelle an der Mödlingbachbrücke würde bis ins 19. Jahrhundert hinein eng mit der Ortsentwicklung verbunden sein.

Mitte des 14. Jahrhunderts kam es aufgrund von Missernten (1330er und 1340er) sowie des Ausbruchs der Pest zu einem Rückgang der Bevölkerung in der Gegend. Um das Jahr 1500 herum gab es eine befestigte Anlage im Ort, die Feste Neudorf. (Diese wurde von einfallenden Türken mindestens einmal zerstört).

Vor allem das Postwesen des frühen 19. Jahrhunderts verhalf Wiener Neudorf zu seinem heutigen Namen. Um die vielen Orte gleicher Namen besser unterscheiden zu können bekamen diese Zusätze zu Namen – wie 'Neudorf bei Staatz' oder 'Neudorf bei Pöggstall'. Wiener Neudorf wurde schlicht ein 'W.' vor den Namen gesetzt. Diese Schreibweise kam immer mehr in Mode bis diese 1854 schließlich offiziell anerkannt wurde.

Ebenfalls Mitte des 19. Jahrhunderts setzte in der Gegend von Wiener Neudorf die Industrialisierung ein. Vor allem das reichlich vorhandene Rohmaterial für Ziegel bot eine günstige Lage für die Neudorfer Ziegelwerke der Firma Wienerberger, und nicht nur in Wiener Neudorf entstanden viele Lehmgruben. Ebenfalls erwähnenswert in dieser Zeit ist die Austria-Brauerei, welche zu dieser Zeit zu den größten Brauereien des Landes gehörte.

Um 1900 herum geschah vieles im Ort: Das Telefonnetz des Ortes wurde mit dem der Nachbargemeinden vereinheitlicht. Der Ort bekam einen eigenen Gendarmerieposten, und die Kanalisation wurde ausgebaut.

Nach dem Anschluss wurde Wiener Neudorf 1938 als Teil des 24. Bezirks nach Groß-Wien eingemeindet – ein Zustand, der über das Ende Großdeutschlands hinaus andauerte. Erst 1954 wurde Wiener Neudorf wieder eine eigenständige Gemeinde.

Während des Zweiten Weltkriegs bestand das KZ-Außenlager Wiener Neudorf, ein Nebenlager des Konzentrationslagers Mauthausen. Circa 1940 begannen die Vorbereitungsarbeiten für die Flugmotorenwerke Ostmark. Noch bevor diese komplett ausgebaut waren begannen 1943 die ersten Bombenangriffe der Alliierten in der Gegend. Trotz der ansässigen Flugmotorenwerke gab es nur wenige Tote durch Bombenangriffe zu beklagen. Mit Kriegsende 1945 waren etwa 80 % der Häuser beschädigt; etwa 30 waren komplett zerstört oder unbewohnbar geworden. Der Ort geriet am 6. April unter russische Kontrolle. Theo Rossiwall schreibt in seinem Buch Die letzten Tage über die Kämpfe in Wr. Neudorf (8. April 1945): „Wiener Neudorf hatte dreitägige Kämpfe mit Brandbombenwürfen hinter sich, eine Brücke der Badnerbahn war zerstört.“

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Volkszählung Einwohner
2011 8.838
2001 8.428
1991 8.385
1981 7.933
1971 4.072

Quelle: Bevölkerungsentwicklung der Statistik Austria

Politik[Bearbeiten]

Rathaus

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

  • Bürgermeister: Christian Wöhrleitner, SPÖ
  • Gemeinderat (33 Sitze): 17 SPÖ, 12 L.ÖVP, 3 UFO, 1 FPÖ

Partnerschaften[Bearbeiten]

Wiener Neudorfs Partnergemeinde ist seit 1973 Bärnkopf im Waldviertel.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Auf dem Gelände der ehemaligen Flugmotorenwerke Ostmark, den späteren USIA-Betrieben hat die Eco Plus ein großes Industriegelände errichtet, von dem der größte Teil zum Gemeindegebiet von Wiener Neudorf gehört. Durch die gute Verkehrsanbindung siedelten sich sehr viele Betriebe, die aus dem Großstadtbereich von Wien herauszogen, an (Industriezentrum Süd). Dadurch ist Wiener Neudorf heute eine der wirtschaftlich stärksten Gemeinden in Österreich. Ein Teil der Shopping City Süd liegt in Wiener Neudorf und auch das Industriezentrum Niederösterreich Süd (IZ NÖ Süd) mit Unternehmen wie LKW Walter, BILLA, Isovolta, Eternit-Werke, Hitachi und Konica Minolta liegt großteils auf Wiener Neudorfer Boden.

Das Industriegelände der Eco Plus und auch der Ortskern von Wiener Neudorf werden mit Biomassefernwärme aus dem Fernwärmenetz Mödling versorgt.

Verkehr[Bearbeiten]

Durch die Südautobahn A2 und die Badner Bahn ist es in kurzer Zeit von der Bundeshauptstadt Wien zu erreichen. In den Raum Schwechat kommt man über die im Jahre 2006 fertiggestellte Schnellstraße S1 sowie die Mödlinger Straße B 11.

Aber auch in den Westen gelangt man leicht über die Wiener Außenringautobahn.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das alte Rathaus
Die Pfarrkirche Maria Schnee

Bauten[Bearbeiten]

  • Altes Rathaus
  • Pfarrkirche Maria Schnee mit Pfarrhof und Kriegerdenkmal
  • Mariensäule
  • Türkenkreuz
  • Prenninger Kapelle
  • Hackl Kreuz
  • Christoph-Migazzi-Haus
Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Wiener Neudorf

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Bedeutende hier geborene oder hier wirkende Menschen:

  • Othmar Skala (1895–1958), niederösterreichischer Heimatforscher
  • Robert Herzfelder (1841–1907), Industrieller, führte die Austria-Brauerei[3] und von 1881 bis 1900 auch die Ziegelwerke am Griesfeld in Wiener Neudorf. Er gehörte dem Gemeinderat von Wiener Neudorf an und wurde 1897 zum Ehrenbürger von Wiener Neudorf ernannt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Kurt Janetschek: Wiener Neudorf im Wandel der Zeit. 1978
  • Kurt Janetschek: Unser Neudorf. Mitteilung des Archivs der Marktgemeinde Wiener Neudorf, 2000/2006

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wiener Neudorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Urkunde um 1176 aus dem Stiftsarchiv Heiligenkreuz, mom-ca.uni-koeln.de
  2. Urkunde von 1231 aus dem Stiftsarchiv Klosterneuburg, mom-ca.uni-koeln.de
  3. Austria-Brauerei im RegiowikiAT abgerufen am 25. Juli 2014