Wiener Oktoberaufstand 1848

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hinrichtung Robert Blums (Gemälde von Carl Constantin Heinrich Steffeck, 1848/49)

Der Wiener Oktoberaufstand 1848, oft auch „Wiener Oktoberrevolution“ genannt, war die letzte Erhebung der österreichischen Revolution von 1848/49.

Ablauf[Bearbeiten]

Der Aufstand vom 6. Oktober[Bearbeiten]

Als am 6. Oktober 1848 kaiserliche österreichische Truppen von Wien aus gegen das aufständische Ungarn ziehen sollten, versuchten die mit den Ungarn sympathisierenden Wiener Arbeiter, Studenten und aufständischen Truppen den Abmarsch zu verhindern. Den Auftakt zur Wiener Oktoberrevolution markierte die Meuterei eines Grenadierregiments in der Arbeitervorstadt Gumpendorf, das den Befehl zum Auszug missachtete und die Einrichtungen seiner eigenen Kaserne beschädigte. Die Akademische Legion und Teile der bürgerlichen Nationalgarde schlossen sich den Revoltierenden an. Generalmajor Hugo von Bredy war mit der Führung einer kaiserlichen Gegenwehr beauftragt. Sein Versuch, die Bogen der beschädigten Taborbrücke, die von den Aufständischen zur Errichtung von Barrikaden verwendet worden waren, durch Pioniere wieder instandsetzen zu lassen und somit den Abmarsch der Truppen nach Ungarn zu ermöglichen, scheiterte: In einem Gefecht mit den Aufständischen verlor Bredy sein Leben und die regulären Truppen waren gezwungen, sich angesichts der zahlenmäßigen Überlegenheit der Gegenpartei zurückzuziehen.[1] Im Folgenden kam es zu weitreichenden Straßenkämpfen in der Wiener Innenstadt, wobei selbst im Stephansdom Menschen umkamen.

Die Leiche des gelynchten Kriegsministers wird an eine Laterne gehängt

Kriegsminister Graf Baillet von Latour, der den Abmarsch der Truppen befohlen hatte, wurde von der aufgebrachten Volksmenge gelyncht. Nachdem den Aufständischen die Eroberung des ergiebigen Zeughauses gelungen war, verließ das kaiserliche Militär die Stadt, sodass Wien in der Hand der Revolutionäre war.

Kaiser Kaiser Ferdinand und sein Hof flohen noch am 7. Oktober mit der neuen Eisenbahn nach Olmütz, Lokführer war der erste deutschsprachige Lokführer der Donaumonarchie, der Danziger Migrant Carl Grundmann. 1874 gründete er mit der dafür erhaltenen Belohnung - immerhin hatte er mit der durch Revolutionäre extrem bedrohten nächtlichen Fahrt die Monarchie gerettet - die größte Schließwarenfabrik der Donaumonarchie im niederösterreichischen Herzogenburg, sein Sohn Wilhelm errichtete 1894 ein weiteres Werk im niederösterreichischen Hainfeld.

Gegenreaktionen der Kaiserlichen[Bearbeiten]

Die Kroaten, welche unter ihrem Banus Joseph Jelačić von Bužim den Kaiserlichen nach Wien zur Hilfe entgegenrückten, hatten am 6. Oktober Ungarisch-Altenburg erreicht und erhielten dort Nachricht von der Ermordung des Kriegsministers. Auf Befehl des Kommandierenden Generals in Prag, Fürst Alfred I. Fürst zu Windisch-Graetz rückten jetzt zwei Korps aus Böhmen nach Wien um die dortige Revolte niederzuschlagen. Es handelte sich dabei um das II. Korps unter FML Laszlo Wrbna und ein neu aufgestelltes Reserve-Korps unter Graf Serbelloni. Bis zum 9. Oktober hatte Windischgrätz die Eisenbahnlinie zwischen Prag und Lundenburg in seine Hand bekommen und dadurch den Transport und Nachschub seiner Truppen gesichert. Am 10. Oktober erreichten vom Osten die kroatischen Vorposten die Laaer Berge, am 12. erfolgte deren Vereinigung mit den regulären Truppen Wiens unter FML Fürst Karl von Auersperg.

Alfred Fürst zu Windisch-Grätz, Feldmarschall, Lithographie von Joseph Kriehuber 1848

Am 15. Oktober wurde Fürst Windisch-Grätz zum Feldmarschall und Oberkommandanten aller außer Italien stehenden k. k. Truppen ernannt. Am 19. Oktober verlegte der Fürst sein Hauptquartier von Olmütz nach Lundenburg, drei Tage später nach Stammersdorf, wo sich seine Armee versammelte. Andere Truppenteile waren bei Krems über die Donau gegangen und trafen vom Westen her in Wien ein.

Der Reichstag wurde am 22. Oktober nach Kremsier verlegt. Am gleichen Tag war die Einschließung Wiens abgeschlossen, das unter dem Banus stehende I. Korps der Kroaten war von Kaiser-Ebersdorf bis gegen Himberg aufgestellt, um die Abschließung der St. Marxer Linie zu bewirken. Fürst Windischgrätz traf am 24. Oktober in seinem Hauptquartier zu Hetzendorf ein. Der Banus empfing nun alle weiteren Befehle direkt vom Fürsten Windischgrätz. Am 24. Oktober war die Brigittenau besetzt, bis zum 27. waren die Truppen der Division des FML Ramberg aus der Au gegen den Prater vorgerückt.

Generalsturm der Kaiserlichen[Bearbeiten]

Am 26. Oktober befahl Fürst Windischgrätz die Beschießung Wiens. Die Verteidiger führte der polnische General Josef Bem an, der sich seit 14. Oktober in der Stadt befand. Der 28. Oktober brach an, Feldmarschall Windischgrätz setzte die Bombardierung fort und kommandierte vom Laaerberg aus, den Angriff auf die inneren Stadtteile. Jelačićs Korps griff gegen die Vorstädte Landstraße, Erdberg und Weißgerber an. Eine Division unter FML Hartlieb trat vom Walltor an und erstürmte nacheinander elf Barrikaden, bis gegen 19 Uhr war nach einem achtstündigen Kampfe auch die ganze Jägerzeile bis an den Donaukanal erobert. General Csorich kommandierte die kaisertreuen Truppen in der Leopoldstadt und übernahm später das Kommando über die Einheiten, welche die innere Stadt einschlossen, seine Verbände drangen gegen die Matzleinsdorfer Linie und gegen den Wien-Gloggnitzer Bahnhof vor.

Alle gegen Wien verwendeten Teile des II. Korps unter FML von Auersperg verblieben in ihren Stellungen, nur die Brigade Grammont wurde aus der Leopoldstadt abgezogen um sich den aus Osten gemeldeten Ungarn entgegenzustellen. Die Brigade Parrot besetzte die Nußdorfer Linie ohne Kampf und rückte an den Alserbach vor und entwaffnete die dort liegenden Bürgerkräfte.

Schlacht bei Schwechat[Bearbeiten]

Mittlerweile hatte das Heer der ungarischen Insurgenten am 28. Oktober die Leitha, am 29. die Fischa passiert. Gegen Abend des 29. Oktober gewahrte man von kaiserlicher Seite die ungarischen Kolonnen unter Oberbefehl von General János Móga zu beiden Seiten der von Schwadorf nach Schwechat führenden Straße, wo sie auf der Höhe eine Aufstellung nahmen. Am 30. Oktober gegen 9 Uhr vormittags hatten die Ungarn die Stellungen des Banus bei Mannswörth erreicht und hatten den Kampf mit heftigem Geschützfeuer eröffnet. Die Stärke der Ungarn in der folgenden Schlacht von Schwechat betrug etwa 23.500 Mann und 71 Geschütze. Erst gegen Abend konnte der Banus durch das Eingreifen einer Brigade unter General Zeisberg den Angriff der Gegner zurückwerfen. [2]

Am 30. Oktober verkündete man bei den Aufständischen in der Stadt den scheinbaren Sieg der Ungarn bei Schwechat, der Oberkommandant der revoltierenden Nationalgarde, Messenhauser brach den eingegangenen Waffenstillstand und eröffnete die Feindseligkeiten von Neuem. Die Antwort von Windischgrätz war ein starkes Bombardement gegen die Vorstädte Mariahilf, Gumpendorf und Wieden, das ihn am 31. Oktober vollständig in den Besitz der Hauptstadt brachte. Windischgrätz hatte sich inzwischen auf 33 Bataillone, 52 Eskadronen und 198 Geschützen verstärkt. Nachdem die kaiserlichen Truppen die Hauptstadt Wien bis zum 31. Oktober wieder unter ihre Kontrolle gebracht hatten, wurde die Hauptarmee jetzt nach Ungarn gesandt, um die letzte Bedrohung des Kaiserreichs zu eliminieren.

Folgen[Bearbeiten]

Hinrichtung des Cäsar Wenzel Messenhauser

Nachdem am 30. Oktober die 23.000 Mann starke ungarische Armee bei Schwechat geschlagen worden war, eroberten die kaiserlichen Truppen am 31. Oktober auch die Innere Stadt zurück. Wenzel Messenhauser, der bedeutendste Anführer der Aufständischen, die Journalisten Alfred Julius Becher und Hermann Jellinek sowie der dem linken Flügel der Liberalen (Demokraten) zugeordnete Abgeordnete der Frankfurter Nationalversammlung Robert Blum wurden in den darauf folgenden Tagen hingerichtet.

Blums Exekution am 9. November 1848, gegen die sich Fürst Windisch-Graetz ausgesprochen hatte, war ein klares politisches Signal des österreichischen Ministerpräsidenten Felix Fürst zu Schwarzenberg an die deutsche Nationalversammlung und spiegelte abermals die realpolitische Machtlosigkeit der Paulskirchenversammlung wider: Blum, der als Abgeordneter de jure parlamentarische Immunität besessen hatte, wurde de facto ohne Zustimmung, ja sogar ohne Befragung der Nationalversammlung hingerichtet.[3] Insgesamt waren bei den Kämpfen rund 2000 Menschen gefallen.

Die Errungenschaften der Märzrevolution gingen zum größten Teil verloren und Österreich trat in die Phase des Neoabsolutismus ein. Als wichtige Ergebnisse der Revolution blieben aber die Bauernbefreiung und die Demokratisierung der Kommunalverwaltung.

Der Erfolg der kaiserlichen Truppen in Wien gab auch der Reaktion in Preußen Auftrieb. Wenige Tage nach der Niederschlagung des Wiener Oktoberaufstands, am 10. November, marschierte General von Wrangel in Berlin ein, sprengte die Preußische Nationalversammlung auseinander und erklärte den Belagerungszustand über die preußische Hauptstadt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Enne: Ein Dokument der Todesangst – Latours Rücktrittsangebot vom 6. Oktober 1848, in: Viribus Unitis, Jahresbericht 2010 des Heeresgeschichtlichen Museums. Wien 2011, S. 92–99, ISBN 978-3-902551-19-1.
  • Wolfgang Häusler: Von der Massenarmut zur Arbeiterbewegung. Demokratie und soziale Frage in der Wiener Revolution von 1848. Jugend und Volk, Wien/München 1979, ISBN 3-7141-6550-9 (Verlagsausgabe der Habilitationsschrift).
  • Wolfgang Häusler, Ernst Violand (Hrsg.): Die soziale Geschichte der Revolution in Österreich 1848. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1984, ISBN 3-215-05479-5.
  • Wolfgang Häusler, Ernst Bruckmüller (Hrsg.): 1848. Revolution in Österreich. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1999, ISBN 3-215-13631-7.
  • Wolfgang Häusler: Das Gefecht bei Schwechat am 30. Oktober 1848. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1977.
  • Rudolf Kiszling: Die Revolution im Kaisertum Österreich (zwei Bände), Universum Verlag, Wien 1948/49

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Revolution März-Oktober 1848 – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Mike Rapport: 1848: Revolution in Europa, Theiss 2011, S. 290 f.
  2. Anatole Wacquant: Die ungarische Donau-Armee 1848-49, Breslau 1900, S. 20
  3. vgl. etwa Frank Lorenz Müller: Die deutsche Revolution von 1848/49. 4. Auflage, Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2012, S. 117