Wiener Opernball

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Die Wiener Staatsoper: Schauplatz des Opernballs

Der Wiener Opernball ist jedes Jahr der gesellschaftliche Höhepunkt der Ballsaison im Wiener Fasching. Er findet immer in der Wiener Staatsoper statt, üblicherweise am letzten Donnerstag vor dem Aschermittwoch.

Bedeutung[Bearbeiten]

Der Opernball ist mit seinen bis zu 12.000 Besuchern der größte Treffpunkt Österreichs für Kulturschaffende, Unternehmer und Politiker aus dem In- und Ausland.

Die Ballbesucher und der Werbeeffekt für den österreichischen Tourismus haben sich auch zu einem Wirtschaftsfaktor in Wien entwickelt. Rund 4.700 Besucher kommen jedes Jahr zum Ball nach Wien, wovon etwa die Hälfte der Ballbesucher aus dem Ausland kommt. 180 Paare aus dem In- und Ausland eröffnen den Ball.

Geschichte[Bearbeiten]

Das berühmte Stiegenhaus der Oper – Treffpunkt während des Opernballs

Die Tradition des Opernballes führt zurück in die Zeit von 1814/15, die Zeit des Wiener Kongresses. An dieses politische Ereignis anschließend veranstalteten die Künstler der Hofoper Tanzveranstaltungen. Ein Opernball am heutigen Standort fand erstmals als Hofopern-Soirée am 11. Dezember 1877 statt.[1] Einnahmen aus dieser Veranstaltung waren dem Opernpensionsfonds gewidmet.[2] Der Name rührt auch daher, dass nach Willen des Kaisers nicht hätte getanzt werden sollen, da er tumultartige Zustände wie bei den Pariser Opernbällen fürchtete. Johann Strauss (Sohn) dirigierte das Hofopernorchester, und als sein Bruder Eduard Strauß mit der Strauß-Kapelle erstmals seine Opern-Soirée-Polka aufführte wurden die Sessel beiseite geräumt und es wurde getanzt. Der Programmzettel zur zweiten Hofopern-Soirée am 15. Jänner 1878 trug den Untertitel „(Ball.)“, ebenso wie die „Dritte und letzte Hofopern-Soirée“ in diesem Jahr am 23. Februar. Am 2. März 1878 fand die „Erste Redoute im k. k. Hof-Operntheater“ statt.[3] In der Folge fanden bis 1899 jährlich zwei, manchmal drei Redouten statt, die jährlich durchnummeriert waren. Die Damen waren bis Mitternacht maskiert.[3]

Nach dem Ende der Donaumonarchie fand man sehr schnell wieder zurück zur Balltradition: Bereits am 29. Jänner 1921[4] fand (zugunsten der Altpensionisten der beiden Staatstheater[5]) die erste Redoute der Ersten Republik statt, am 8. Februar die zweite. Allgemein wurden sie schon Opernredoute genannt. Dies war auch der Titel für die folgenden einzelnen Veranstaltungen in den Jahren 1924, 1928 und 1929.

Der erste auch so genannte Opernball wurde (nach fünf Jahren Weltwirtschaftskrise) am 26. Jänner 1935[6] unter dem Ehrenprotektorat von Bundeskanzler Kurt Schuschnigg zugunsten der Winterhilfe 1934/35[7] veranstaltet.[8][Anm. 1] Seitdem findet er (fast) alle Jahre am letzten Donnerstag im Fasching in der Wiener Staatsoper statt. Ausnahmen waren meist Zeiten militärischer Auseinandersetzungen, wie beispielsweise der Zweite Weltkrieg. 1939 wurde der Ball trotz des bevorstehenden Ausbruchs des Krieges auf Anordnung der deutschen Reichsregierung (am 21. Februar)[9] abgehalten.

Am 9. Februar 1956 wurde er erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder veranstaltet. Eine weitere Unterbrechung war 1991 auf Grund des Golfkriegs, bei dem man die Sicherheit der zahlreichen in- und ausländischen (Staats-)Gäste nicht garantieren konnte.

Am 7. Februar 1962 trat Herbert von Karajan (1908–1989) von der künstlerischen Leitung der Wiener Staatsoper zurück, was die Bundestheaterverwaltung den Ball auf den 1. März des Jahres festlegen ließ.[10]

2005 wurde der Wiener Opernball erstmals zur „rauchfreien Zone“ erklärt. Lediglich in zwei Rauchersalons und dem Annex des Logenumganges durfte geraucht werden. 2007 waren erstmals Blindenhunde am Opernball erlaubt. Seit der Saison 2008/2009 besteht in der Wiener Staatsoper ein generelles Rauchverbot – für den Opernball wurden jedoch kleinere Raucherbars eingerichtet.

Beim Ball im Jahr 2011 wirkten erstmals auch die Wiener Philharmoniker bei der Eröffnung mit.

Organisation[Bearbeiten]

Poster

Die Wiener Staatsoper wird innerhalb kürzester Zeit in einen großen Ballsaal verwandelt. Es gibt zwei Schließtage vor dem Ball. Mit dem Umbau und der Dekorierung wird unmittelbar nach der letzten Vorstellung am Montag um etwa 22 Uhr begonnen, und es stehen bis zum Einlass am Donnerstag um 20:30 Uhr etwa 70 Stunden zur Verfügung. Als eine der ersten Tätigkeiten wird die Bestuhlung des Parterres demontiert und auf einem Gerüst ein Fußboden eingezogen, sodass dieser mit der Bühne eine ebene Fläche von etwa 850 m² bildet. Die Idee die verschiedenen Ebenen von Parkett, Orchestergraben und Bühne zu einem einzigen Tanzparkett umzubauen stammt von Willy Elmayer, welcher in den 1920er Jahren die Aufgabe übertragen bekam den Opernball als großen Staatsball zu gestalten. Nach vielen Jahren Widerstand stimmten die Bundestheater kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zu.[11] Zusätzlich zu den 76 Ranglogen werden seit 1985[12] ergänzend 34 Bühnenlogen in drei Rängen aufgebaut, die teilweise als Doppellogen ausgeführt sind. Seit 2008 wird vor dem Haupteingang am Ring ein überdachtes und abgeschirmtes Entrée von 30 × 6,5 m mit rotem Teppich aufgebaut. Insgesamt sind etwa 650 Personen mit dem Umbau beschäftigt. Am Mittwochabend findet die Generalprobe statt. Am Donnerstag in der Früh nimmt die Behörde die Umbauten ab, und danach können noch Mängel behoben und die Dekoration ergänzt werden.[13][14][15]

Organisatorinnen des Opernballs:

Eine weitere Neuerung der Opernballorganisatorin Elisabeth Gürtler war, die begehrten und prestigeträchtigen Parterre- und Ranglogen im Zuschauerraum der Wiener Staatsoper nur noch an Donatoren der Oper zu vermieten. Nun müssen auch langjährige Opernball-Stammgäste einen Jahresbeitrag von 36.800 Euro (plus 10 % Umsatzsteuer) leisten, um weiterhin ihre Logen halten zu können. Ansonsten stehen ihnen nur noch die weniger angesehenen Bühnenlogen zu jeweils 16.000 Euro zur Verfügung.

Die Eröffnung des Balles stand 2008 mit einem Fußballballett (Choreographie: Giorgio Madia, Musik komponiert von Moritz Eggert) im Zeichen der Fußball-Europameisterschaft 2008. Giorgio Madia war auch in den Jahren 2005 und 2010 für die Choreographie verantwortlich.

Seit dem Opernball 2009 wird die Choreographie der Eröffnungszeremonie jedes Jahr an eine andere Tanzschule aus jeweils einem anderen Bundesland vergeben, vorher war das die Aufgabe der Tanzschule Mühlsiegel in Kooperation mit der Tanzschule Elmayer. Herr Mühlsiegel hat hierbei die Choreographie beigesteuert, und die Tanzschule Elmayer zeichnete sich für den Wiener Walzer sowie das Einstudieren der Choreographie verantwortlich.

Die Verantwortlichen für die Choreographie der Eröffnungspolonaise:

  • 2009: Tanzschule Kummer, Graz
  • 2010: danceschool horn, Linz sowie Tanz&more Werner Dietrich, Bad Mitterndorf
  • 2011: Tanzschule Hieble, Dornbirn
  • 2012: Tanzschule isi-dance, Bruck an der Leitha
  • 2013: Tanzschule Iris Huber, Villach
  • 2014: Tanzschule Fränzl, Mödling

Nach dem Ball wird der Blumenschmuck zu einem Teil von den letzten Ballbesuchern mitgenommen, und um 6 Uhr früh wird mit dem Reinigen und dem Rückbau begonnen. War dieser früher bis Freitagabend vollendet,[16] lässt man sich nun einen Tag mehr Zeit. Am Freitagnachmittag finden noch am Ballparkett seit 2003[17] eine oder zwei konzertante Aufführungen der „Zauberflöte für Kinder“ statt, zu der etwa 7.000 Besucher aus ganz Österreich kommen. Bis zum Samstagabend ist der Rückbau abgeschlossen, und es findet die erste reguläre Vorstellung statt.[18]

Ablauf[Bearbeiten]

Der Opernball von 2009

An der Eröffnung sind rund 180 Tanzpaare beteiligt – das Jungdamen- und Herrenkomitee. Der Ball beginnt mit dem Einzug des Bundespräsidenten in seine Loge, der von einer Fanfare begleitet wird. Unmittelbar nach der Bundeshymne und Freude, schöner Götterfunken zieht der erste Teil des Komitees zu den Klängen der von Carl Michael Ziehrer komponierten Fächerpolonaise in den Ballsaal ein. Nach den obligatorischen Einlagen wie Gesangs- und Tanzvorführungen folgt im zweiten Teil der Einzug der Tanzpaare.

Im Jahr 2010 gab es erstmals eine Neuerung beim Einzug des Jungdamen- und Herrenkomitees: Es zogen bereits zu Beginn, nach den Hymnen, alle 176 Tanzpaare zu Frédéric Chopins Polonaise in A-Dur, Op. 40 ein, um nach den künstlerischen Darbietungen den Ball zu Johann Strauss' Warschauer-Polka zu eröffnen.

Anschließend wird traditionell mit dem von Johann Strauß geprägten Kommando „Alles Walzer“ die Tanzfläche für alle freigegeben.

Zu Mitternacht folgt die Mitternachtsquadrille. Um 3 Uhr früh folgt eine weitere Quadrille. Beendet wird der Ball um Punkt 5 Uhr früh.

Traditionsgemäß spielt das Opernballorchester am Ende folgende drei Stücke: Donauwalzer, Radetzkymarsch und „Brüderlein fein“ aus dem Stück „Der Bauer als Millionär“ von Ferdinand Raimund. Üblicherweise nehmen die letzten Gäste Teile des Blumenschmucks als Erinnerung mit, auch wenn dies offiziell nicht erlaubt ist.

Das Opernhaus während des Balles[Bearbeiten]

Die Wiener Staatsoper wird während des Balles vom Keller bis zum Dachboden geöffnet - ist für alle bespielbar, begehbar und vor allem betanzbar. Im Schwind-Foyer oberhalb der Feststiege richten die Casinos Austria jedes Jahr, extra für den Opernball einen Glücksspielbetrieb ein. Es werden Restaurants, Champagnerbars, Austernbars und sogar ein Heuriger (im Philharmonikerzimmer) eingerichtet. Für den Großteil des Caterings am Opernball zeigt sich die Wiener K.u.K. Hofzuckerbäckerei Café Gerstner verantwortlich.

Der Teesalon der Wiener Staatsoper, welcher direkt vor der Mittelloge liegt, ist auch am Abend des Opernballes nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Er bleibt den Künstlern der Wiener Staatsoper sowie den offiziellen Gästen des Balles vorbehalten.

„Export“ des Wiener Opernballs[Bearbeiten]

Foyer der Wiener Staatsoper

In einigen anderen Städten der Erde, zum Beispiel in New York, wird ebenfalls ein Wiener Opernball organisiert. 2005 fand eine solche Veranstaltung erstmals in Dubai und Zagreb,[19] 2007 in Kuala Lumpur statt.

Medien[Bearbeiten]

Seit 1969, mit Ausnahme der Jahre 1982[Anm. 2] und 1983[Anm. 3],[20] überträgt der ORF – bis 2013 gemeinsam mit dem Bayerischen Rundfunk – den Opernball live und in Farbe im TV. Die Ausstrahlung erfolgt auf 3sat zeitgleich.

Beim ORF wurden seither zahlreiche verschiedene Moderatoren eingesetzt, die zumeist alle paar Jahre ausgewechselt werden. Kommentatoren im Studio sind seit 2001 Karl Hohenlohe und Christoph Wagner-Trenkwitz, seit 2003 Direktionsmitglied der Volksoper Wien.

Vorherrschend in den österreichischen Printmedien ist seit 1992 der Bauunternehmer Richard Lugner und die Frage, welche prominente Person ihn für eine hohe Gage auf den Opernball begleitet.[21]

Moderatoren[Bearbeiten]

  • 1958: Fritz Senger
  • 1965: Walter Pissecker
  • ....
  • 1972–1979: Heinz Fischer-Karwin, Walter Richard Langer, Gerhard Vogl
  • 1980: Horst Friedrich Mayer, Robert Hochner, Ursula Stenzel und Hans-Paul Strobl
  • 1981: Horst Friedrich Mayer, Eva Maria Klinger, Robert Hochner, Gerhard Vogl und Erwin Fischer
  • 1982: Gertrude Aubauer, Gerhard Vogl, Erwin Fischer, Walter Seledec (keine TV-Live-Übertragung; siehe: Medien)
  • 1983: Erwin Fischer und Gerhard Vogl (keine TV-Live-Übertragung; siehe: Medien)
  • 1984: Horst Friedrich Mayer, Ursula Stenzel, Erwin Fischer und Gerhard Vogl
  • 1985: Horst Friedrich Mayer, Erwin Fischer, Gerhard Vogl, Nora Frey, Reinhold Henke, Herbert Dobrovolny, Walter Seledec und Vera Russwurm für 3sat
  • 1986: Nora Frey, Ricarda Reinisch, Ernst Grissemann, Erwin Fischer, Gerhard Vogl und Reinhold Henke
  • 1987: Horst Friedrich Mayer, Nora Frey, Alfred Stamm, Gertrude Aubauer, Wolfgang Pav, Herbert Dobrovolny und Robert Reumann
  • 1988: Herbert Dobrovolny, Erwin Fischer und Nora Frey
  • 1989–1993: Herbert Dobrovolny und Erwin Fischer
  • 1994: Max Schautzer, Eva Twaroch, Dieter Chmelar und Catherina Braunsteiner
  • 1995–1998: Horst Friedrich Mayer, Barbara Stöckl und Alfons Haider
  • 1999: Günther Ziesel, Ingrid Thurnher und Alfons Haider
  • 2000: Ingrid Thurnher, Barbara Rett, Dieter Chmelar und Karl Hohenlohe
  • 2001: Ingrid Thurnher, Dieter Chmelar, Christoph Wagner-Trenkwitz und Karl Hohenlohe
  • 2002: Ingrid Thurnher, Alfons Haider, Christoph Wagner-Trenkwitz und Karl Hohenlohe
  • 2003-2005: Arabella Kiesbauer, Alfons Haider, Karl Hohenlohe und Christoph Wagner-Trenkwitz
  • 2006: Arabella Kiesbauer, Alfons Haider, Karl Hohenlohe, Christoph Wagner-Trenkwitz und Tamee Harrison
  • 2007: Arabella Kiesbauer, Alfons Haider, Karl Hohenlohe, Christoph Wagner-Trenkwitz, Barbara Rett und Tamee Harrison
  • 2008: Claudia Stöckl, Alfons Haider, Karl Hohenlohe, Christoph Wagner-Trenkwitz, Barbara Rett, Marie-Claire Zimmermann moderierte erstmal die Zeit im Bild 2 live aus dem Teesalon der Wiener Staatsoper
  • 2009: Alfons Haider, Dorian Steidl, Barbara Rett, Elke Winkens, Marie-Claire Zimmermann, Christoph Wagner-Trenkwitz, Karl Hohenlohe
  • 2010: Kati Bellowitsch, Claudia Reiterer, Barbara Rett, Alfons Haider, Dominic Heinzl, Karl Hohenlohe, Christoph Wagner-Trenkwitz
  • 2011: Alfons Haider, Klaus Eberhartinger, Mirjam Weichselbraun, Kati Bellowitsch, Barbara Rett, Karl Hohenlohe, Christoph Wagner-Trenkwitz
  • 2012: Alfons Haider, Mirjam Weichselbraun, Karl Hohenlohe, Christoph Wagner-Trenkwitz, Barbara Rett
  • 2013: Alfons Haider, Mirjam Weichselbraun, Karl Hohenlohe, Christoph Wagner-Trenkwitz, Barbara Rett
  • 2014: Alfons Haider, Mirjam Weichselbraun, Karl Hohenlohe, Christoph Wagner-Trenkwitz, Barbara Rett

Künstler der Eröffnungszeremonie[Bearbeiten]

Alternative Bälle[Bearbeiten]

Gleichzeitig findet am Abend des Opernballs traditionell der Wiener Rosenball statt, bei welchem sich unter anderem die schwule Szene in Robe hüllt.

Weiters fand von 1998 bis 2004 am Tag des Opernballs der von der Straßenzeitung Augustin organisierte Opferball statt. Der Opferball betrachtete sich als Gegenveranstaltung zum Opernball und sollte die „Wiederbelebung des vergessenen Sinns des Faschings“ sein. Obdachlose hatten freien Eintritt, die Musikgruppen nahmen keine Gage, und die Einnahmen kamen dem Obdachlosen-Projekt zugute.[24]

Demonstrationen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Opernballdemo
Polizeiliches Platzverbot in der Umgebung der Oper während des Opernballs 2008

Die erste Demonstration fand am 22. Februar 1968 statt[25] und war der Beginn[26] der wenigen Aktionen der österreichischen 68er-Bewegung. Es kam zu einer Sitzdemo auf den Rampen vor der Oper durch Studenten, die sich aus den Schaulustigen herauslösten, darunter Mitglieder des Verbands Demokratischer Studenten. Direkt vor den Eingang traute sich niemand zu setzen. Die Demonstranten wurden dann durch Polizisten weggetragen.[27] Es wurden auch Flugblätter ins Foyer geschleudert und andere warfen von der Galerie Flugblätter ins Parkett.[25]

Nach der spektakulären Aktion beim Neujahrskonzert 1982 konnten Mitglieder des losen Zusammenschlusses Rosa Wirbel beim Opernball im selben Jahr kurzzeitig die Transparente „Menschenrechte für alle“ und „Arsch im Mund – Kein krummer Hund“ aufspannen und rosa Flugzettel vom Balkon ins Parkett regnen lassen.[28]

Seit 1987 aus Anlass des Besuchs von Franz Josef Strauß und als Protest gegen die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf war der Opernball fast jährlich das Ziel politischer Demonstrationen zu verschiedenen Themen, die die Anwesenheit des weltweiten Publikums ausnützten. In manchen Jahren kam es auch zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und Polizisten. Die erste Demonstration richtete sich gegen die bayrische Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf und den als Gast anwesenden bayrischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß. Weitere Proteste richteten sich gegen soziale Ungerechtigkeit („Eat the rich!“), den Hunger in der Dritten Welt, gegen die Pelztierzucht bis hin zu Protesten gegen die Koalitionsregierungen von ÖVP und FPÖ und den Irakkrieg. Ende der 1990er Jahre und Ende der 2000er Jahre ebbten die Proteste jeweils ab oder fielen komplett aus. 2011 fanden sich einige Vertreter der satirischen Gruppierung „Unser Wohlstand“[29] vor der Oper ein.[30]

Sonstiges[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jan Zawiejski: Die Adaptirung des k. k. Hofoperntheaters in Wien für Opernredouten. (Vortrag, gehalten in der Fachgruppe für Architektur und Hochbau am 14. Februar 1899). In: Paul Kortz (Red.): Zeitschrift des Oesterreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines. Band 51.1899, Nr. 11.1899, LI. Jahrgang, ZDB-ID 2534647-7. Eigenverlag, Wien 1899, S. 157–161. – Volltext online (PDF; 18,0 MB).
  • Heinrich Kralik: Die Wiener Oper. Rosenbaum, Wien 1962, OBV.
  • Christl Schönfeldt: Der Wiener Opernball. 2., erweiterte Auflage. Koska, Wien/Berlin 1980, OBV.
  • Markus Niklas Ludvik: Grundrechtsverletzungen durch die Exekutive bei Demonstrationen in Österreich unter (besonderer) Berücksichtigung des Polizeieinsatzes in der „Hainburger Au“, sowie beim „Wiener Opernball 1990“. Diplomarbeit. Universität Salzburg, Salzburg 1991, OBV.
  • Ulrike Messer-Krol (Hrsg.), Karlheinz Roschitz: Der Wiener Opernball. Vom Mythos des Walzertanzens. Erste Auflage. Brandstätter, Wien 1995, ISBN 3-85447-639-6.
  • Sabine Schiechl: Der Wiener Opernball – kulturtheoretische Überlegungen zu einer erfundenen Tradition als ruhendem Pol im Wandel der Zeit. Diplomarbeit. Universität Graz, Graz 2001, OBV.
  • Und wieder hieß es: „Alles Walzer!“ Schön, prickelnd, betörend – der Wiener Opernball. In: Peter Meier-Bergfeld: Volk, begnadet für das Schöne? Zehn Jahre Korrespondent in Österreich. Reportagen, Essays, Kommentare, Interviews. Books on Demand, Norderstedt 2003, ISBN 3-8334-0502-3, S. 46–50. – Inhaltsverzeichnis online.
  • Klaus Schmeh: Der Kultfaktor. Vom Marketing zum Mythos. 42 Erfolgsstorys von Rolex bis Jägermeister. Redline Wirtschaft, Frankfurt am Main 2004, ISBN 978-3-636-01082-7. (Enthält ein ausführliches Kapitel über den Wiener Opernball).
  • Johannes Kunz: Der Wiener Opernball. Molden, Wien 2006, ISBN 3-85485-186-3. – Inhaltsverzeichnis online (PDF; 34 kB).
  • Wiener Opernball. Programm. Erscheint jährlich, ZDB-ID 2435965-8. Wiener Staatsoper Wien 2008–.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hofopern-Soirée. In: Wiener Zeitung, 11. Dezember 1877, S. 5, Mitte links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz
  2. Soirée im Hofoperntheater. In: Wiener Zeitung, Wiener Abendpost, 12. Dezember 1877, S. 3, Mitte links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz
  3. a b Nun tanzen sie wieder, die Wiener, ORF, 20. Februar 1995 12:00 Uhr (Beginn und 28:00, Online in der TVthek)
  4. Lokalbericht. Die erste Opernredoute. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, 22. Jänner 1921, S. 7, Mitte links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp
  5. Lokalbericht. Die Opernredoute. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, 29. Jänner 1921, S. 6 Mitte. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp
  6. Rund um den Opernball. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 25272 S/1935, 20. Jänner 1935, S. 9, oben. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  7. BGBl 1934/337. In: Bundesgesetzblatt für den Bundesstaat Österreich, Jahrgang 1934, S. 795. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/bgl.
  8. Der Opernball. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 25279 S/1935, 27. Jänner 1935, S. 9. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp,
    Bilder vom Wiener Opernball 1938. In: Wiener Bilder, Nr. 5/1935 (XL. Jahrgang), 3. Februar 1935, S. 11. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrb.
  9. Anmut und Grazie auf dem Opernball. In: Das Kleine Blatt, Folge 54/1939 (XIII. Jahrgang), 23. Februar 1939, S. 6, unten rechts. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/dkb,
    Bildtext: Wiener Opernball 1939. In: Wiener Bilder, Nr. 9/1939 (XLIV. Jahrgang), 26. Februar 1939, S. 3. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrb.
  10. Opernchef Karajan zurückgetreten. (…) Der Opernball findet doch noch statt. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 8. Februar 1962, S. 1.
  11. 12.000 Arbeitsstunden für Opernball. In: wien.orf.at. 25. Februar 2014, abgerufen am 28. Februar 2014 (Mit Hinweis auf die neu aufgelegten Memoiren „Vom Sattel zum Tanzparkett“ (K&S Verlag)).
  12. Die Bühne, Ausgaben 352-363, 1988, S. 48
  13. Zahlenspiele rund um den Opernball. In: wien.orf.at, 9. Februar 2007, abgerufen am 13. März 2013.
  14. Oper wird wieder zum Ballsaal. In: wien.orf.at, 9. Februar 2010, abgerufen am 13. März 2013.
  15. Wie die Oper zum Ballsaal wird. In: wien.orf.at, 29. Jänner 2008, abgerufen am 13. März 2013.
  16. Hans Pleininger: Waagner-Biró montiert Bühnenlogen. In: wirtschaftsblatt.at, 19. Februar 1998, abgerufen am 16. September 2012.
  17. Die Bühne, Ausgabe 2, 2003, S. 20
  18. APA: Deko mit 40.000 Blumen nach zwei Stunden wie weggefegt. In: derstandard.at, 20. Februar 2009, abgerufen am 13. März 2013.
  19. Alles Walzer! Der Wiener Opernball wird erstmals vom chinesischen Fernsehen übertragen. In: welt.de, 3. Februar 2005, abgerufen am 13. März 2013.
  20. 90 Minuten Live-Übertragung nach zweijähriger Pause: FS 2 bringt wieder den Opernball. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 10. Februar 1984, S. 14, oben.
  21. Gästeliste von „Förtschi“ bis „Ruby“. In: wien.orf.at, 1. März 2011, abgerufen am 13. März 2013.
  22. Eva Lind Opernball 1986
  23. APA: Valentina Nafornita und Adam Plachetka singen bei der Eröffnung. In: vienna.at, 4. Februar 2013, abgerufen am 13. März 2013.
  24. Verein Sand & Zeit: Augustin ABC (…) Opferball. In: augustin.or.at, abgerufen am 13. März 2013.
  25. a b Helga Maria Wolf: Österreichische Feste & Bräuche im Jahreskreis, NP Buchverlag, St. Pölten 2003, ISBN 3-85326-225-2, S. 45 f.
  26. 1968: "Gegen das System", Die Universität Online, 2. Juni 2008
  27. Otmar Bauer: 1968. Artes Literatur, Edition Roesner, 2004, ISBN 3-902300-11-6, S. 27–28.
  28. Ulrike Repnik: Die Geschichte der Lesben- und Schwulenbewegung in Österreich. Feministische Theorie, Band 48, ZDB-ID 2025316-3. Milena-Verlag, Wien 2006, ISBN 3-85286-136-5, S. 122. (Teilweise zugleich: Diplomarbeit. Universität Wien, Wien 2003: Ulrike Repnik: Homosexualitäten als politisches Thema. Entstehung und Verlauf der Lesben- und Schwulenbewegung in Österreich). – Inhaltsverzeichnis online (PDF).
  29. Protest-Kundgebung der „Freunde des Wohlstands“ beim Opernball (…) 2011. In: unser-wohlstand.com, 3. März 2011, abgerufen am 13. März 2013.
  30. „Zufallsgast“ Lang Lang. (…) Minidemo gegen „Proletarisierung“. In: orf.at, 3. März 2011, abgerufen am 16. September 2012.
  31. Lukas Kapeller, Rosa Winkler-Hermaden, Hubsi Kramar: „Das Kostüm hatte ich ja schon“. In: derstandard.at, 10. Februar 2010, abgerufen am 17. März 2011.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Die Veranstaltung war derart gesucht – es wurden 4.000 Besucher erwartet –, dass im Vorfeld gefälschte Eintrittskarten in Umlauf gebracht wurden. – Siehe: Die gefälschten Karten für den Opernball. In: Neue Freie Presse, Abendblatt, Nr. 25276 A/1935, 24. Jänner 1935, S. 1 Mitte. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  2. Wegen der unglücklichen Reportagen der letzten Jahre entschied man sich 1982 gegen eine TV-Übertragung, sendete jedoch vier Stunden Live-Bericht auf Ö Regional bzw. Radio Wien. – Siehe: Hören+Sehen. Heute auf Ö R: Der Opernball. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 18. Februar 1982, S. 14, oben. Am Tag nach dem Ball wurde auf FS 2 eine fünfzehnminütiger Mitschnitt der Eröffnung ausgestrahlt. – Siehe: Hören+Sehen. FS 2. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 19. Februar 1982, S. 14, oben rechts.
  3. Zehn Minuten Vorbericht auf FS 2 am Abend der Veranstaltung; Radio-Live-Übertragung wie 1982. – Siehe: Hören+Sehen. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 10. Februar 1983, S. 14, passim. Am Folgetag 45 minütige Aufzeichnung auf FS 2. – Siehe: Hören+Sehen. FS 2. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 11. Februar 1983, S. 14, oben rechts.