Wiener Außenring Schnellstraße

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Schnellstraße S1 in Österreich
Wiener Außenring Schnellstraße
 Wiener Außenring Schnellstraße Wiener Außenring Schnellstraße
Karte
Verlauf der S 1
 In Betrieb       In Planung
Basisdaten
Betreiber: ASFINAG
weiterer Betreiber: Bonaventura Logo.svg
Straßenbeginn: Vösendorf
(48° 7′ N, 16° 20′ O48.11947616.327786)
Straßenende: Korneuburg
(48° 22′ N, 16° 19′ O48.36084716.309041)
Gesamtlänge: 63,3 km
  davon in Betrieb: 39,7 km
  davon in Planung: 23,6 km

Bundesland:

S1 Richtung Schwechat vor der Anschlussstelle Leopoldsdorf
S1 Richtung Schwechat vor der Anschlussstelle Leopoldsdorf
Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten: OSM, Google oder Bing

Die Wiener Außenring Schnellstraße S 1 ist eine Schnellstraße in Österreich und ein wichtiger Teil des Regionenrings um Wien. Sie soll im Endausbau in einem östlichen Halbkreis um die Bundeshauptstadt herum führen und die Stadtautobahnen entlasten.

Derzeit sind die Süd- und die Nordumfahrung in Betrieb, welche zwischen 2006 und 2010 eröffnet wurden. Der südliche Teil verbindet die Süd Autobahn A 2 und die Wiener Außenring Autobahn A 21 vom Knoten Vösendorf mit der Ost Autobahn A 4 beim Knoten Schwechat. Der nördliche Abschnitt beginnt beim Übergang von der Wiener Nordrand Schnellstraße S 2 bei Süßenbrunn und führt über den Knoten Eibesbrunn mit der Nord Autobahn A 5 zum Knoten Korneuburg mit der Donauufer Autobahn A 22. Der letzte Abschnitt zwischen dem Knoten Schwechat und Süßenbrunn ist derzeit in Planung.

Die S 1 steht straßenverkehrsrechtlich im Rang einer Autobahn und ist vignetten- bzw. mautpflichtig. Der Betrieb und die Instandhaltung erfolgt im Abschnitt VösendorfSchwechat durch die ASFINAG, im Abschnitt SüßenbrunnKorneuburg durch die Bonaventura Straßenerhaltungs-GmbH.

Bedeutung[Bearbeiten]

Befürworter versprechen sich durch die S 1 eine große Entlastung der stark befahrenen Wiener Südosttangente A 23, während die Gegner einen rapiden Anstieg des Transits auch auf angrenzenden Autobahnen befürchten. So versuchten Naturschutzorganisationen immer wieder, den Bau durch Gerichtsverfahren und Einsprüche zu verzögern.

Tatsächlich hat sich der Verkehr auf der Tangente seit der Eröffnung des ersten Abschnittes der S 1 zwischen Vösendorf und Schwechat deutlich verringert. Bis zu 60.000 Fahrzeuge bzw. ein Drittel der Lkws sind seither weniger auf der A 23 unterwegs.[1] Vor allem für den West-Ost-Verkehr stellt die S 1 eine deutlich schnellere Verbindung als über die A 23 und das Wiener Stadtgebiet dar.

Entlang der S 1 gibt es auf niederrangigen Straßen flächendeckend Durchfahrverbote für Lastkraftwagen über 3,5 Tonnen um den Transitverkehr aus den Orten zu verbannen und Mautflüchtlingen vorzubeugen.

Streckenabschnitte[Bearbeiten]

Vösendorf–Schwechat (Südumfahrung)[Bearbeiten]

Die 16,2 km lange Trasse zwischen dem Knoten Vösendorf (A 2, A 21) und dem Knoten Schwechat (A 4) wurde ursprünglich bereits in den 1940er Jahren geplant. Aber erst mit dem Bau der A 21 wurde hier die Neuplanung als „B 301“ wieder begonnen. In der Zwischenzeit wurden große Teile der ursprünglichen Trasse bereits verbaut, so dass nicht nur zahlreiche Grundstücksablösen, sondern auch Untertunnelungen (etwa im Bereich Rannersdorf) durchgeführt werden mussten.

Am 25. Oktober 2001 begannen schließlich die Bauarbeiten für die 16,2 km lange „S 1-Süd“ vom Knoten Vösendorf zum Knoten Schwechat. Die Strecke verläuft wechselweise auf dem Gebiet von Wien bzw. Niederösterreich, führt durch fünf Tunnels und ist über acht Anschlussstellen mit dem untergeordneten Straßennetz verbunden.

Am 10. Dezember 2004 konnte das erste Teilstück zwischen Schwechat-Süd und -Ost freigegeben werden, am 4. März 2005 folgte der Abschnitt bis zum Knoten Schwechat. Die Gesamtfreigabe der Strecke Vösendorf–Schwechat erfolgte am 28. April 2006.

Zwischen den Anschlussstellen Leopoldsdorf und Rannersdorf befindet sich die Raststation Schwechat.

2014/15 wird eine weitere Anschlussstelle Güterterminal Inzersdorf (4) errichtet.

Schwechat–Süßenbrunn (Ostumfahrung, in Planung)[Bearbeiten]

Verlängert werden soll die S 1 vom Knoten Schwechat (A 4) in Richtung Norden bis zum Knoten Süßenbrunn (S 1). Dieser Teil ist auch als „Nordostumfahrung“ bekannt und war früher als B 305 geplant. Dabei standen mehrere Varianten zur Auswahl. Im März 2005 fiel der Beschluss, die S 1 unter der Donau hindurch in niederösterreichisches Gebiet und weiter entlang der Stadtgrenze von Wien nach Norden zu führen.

Die geplante Trasse führt östlich des Kraftwerks Freudenau unter der Donau und unter dem Nationalpark Donau-Auen durch einen 8,2 km langen zweiröhrigen Tunnel. Jede der beiden Röhren, die einen Durchmesser von je 15 m haben werden, soll zwei Fahrspuren und einen Pannenstreifen aufweisen. Die Sohle des Tunnels wird etwa 50 m unter der Oberfläche und damit unter den Schotterlagen im Schluff liegen. Soweit der Tunnelbau in bergmännischer Bauweise ausgeführt wird, sollen spezielle „geschlossene Tunnelbohrmaschinen“ eine Drainagierung oder Verunreinigung des Grundwassers verhindern. Die in offener Bauweise zu erstellenden Tunnelabschnitte werden abschnittsweise in geschlossenen abgeschotteten Baugruben ausgeführt, um auch hier die Absenkung des Grundwasserspiegels möglichst gering zu halten.

Zur Erhöhung der Verkehrssicherheit werden die Tunnelröhren in Abständen von 500 m begeh- und in Abständen von 1000 m befahrbare Querschläge haben und es wird ein generelles Tempolimit von 80 km/h gelten. Da im Bereich des Naturparks keine technischen Hochbauten errichtet werden dürfen, erfolgt die Be- und Entlüftung des Tunnels jeweils an dessen Portalen.

Der Bau wird in zwei Teilstücken von Süßenbrunn nach Groß-Enzersdorf sowie von Groß-Enzersdorf, die Lobau und Donau querend, zum Knoten Schwechat erfolgen. Der Bau des Abschnittes von Süßenbrunn nach Groß-Enzersdorf soll zeitgleich mit dem ersten Teilstück der Marchfeld Schnellstraße begonnen werden. War der ursprüngliche Baubeginn für 2014 und die Fertigstellung für 2016 geplant, wurde im Juli 2014 das zweite Halbjahr 2016 als neuer Baustart, und 2018 als Fertigstellungstermin bekanntgegeben.[2]

Der zweite Abschnitt zwischen Groß-Enzersdorf und Schwechat soll 2018 begonnen werden und könnte 2025 fertiggestellt sein. Überlegt wird auch, anstatt des Lobautunnels eine kostengünstigere Brücke über die Donau zu errichten. [3]

Süßenbrunn–Korneuburg (Nordumfahrung)[Bearbeiten]

Im Anschluss an die Wiener Nordrand Schnellstraße S 2 bei Süßenbrunn, wurde die S 1 zwischen 2007 und 2009 bis zur Nord Autobahn A 5 beim Knoten Eibesbrunn errichtet. Dazwischen liegt die Anschlussstelle Seyring, für die eine eigene Zubringerstraße, die so genannte Spange Seyring, errichtet wurde. Auf der ca. 10 km langen Strecke von Süßenbrunn nach Eibesbrunn unterfährt die S 1 sowohl die Nordbahn als auch die Laaer Ostbahn in Form von Wannenbauwerken. Die Verkehrsfreigabe dieses Abschnitts, der während der Bauzeit die Bezeichnung „S 1-Ost“ trug, erfolgte am 31. Oktober 2009.[4] Die Raststation Deutsch-Wagram wurde zwischen Herbst 2010 und Juni 2011 eröffnet.

Bis zur Eröffnung des Teilstücks der S 1 zwischen Groß-Enzersdorf und Süßenbrunn ist der Abschnitt zwischen dem geplanten Knoten Süßenbrunn und der Landesgrenze Wien/Niederösterreich, nördlich der Anschlussstelle Süßenbrunn, Teil der Wiener Nordrand Schnellstraße S 2. Seit 2014 trägt auch dieser Straßenzug die Bezeichnung „S 1“.

Im Anschluss an den Knoten Eibesbrunn führt die S 1 bis zur Donauufer Autobahn A 22 beim Knoten Korneuburg. Dieser 13,5 km lange Abschnitt verläuft etwa zur Hälfte im Tunnel und trägt die Bezeichnung „S 1-West“[5].

Nachdem die ursprüngliche Trassenverordnung für diesen Bereich vom österreichischen Verfassungsgerichtshof wegen eines Formalfehlers im Sommer 2007 aufgehoben wurde, musste das UVP-Verfahren neu durchgeführt werden. Da allerdings schon alle Gutachten aus dem vorigen Verfahren vorhanden waren, konnte dieses in weit kürzerer Zeit als üblich über die Bühne gebracht werden. Seit 27. Dezember 2007 ist der Verlauf der „S 1-West“ durch einen Bescheid des Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie wieder fixiert.

Die „S 1 West“ wird durch drei Tunnel geführt. Die zwei Unterflurtrassen Kreuzenstein und Stetten wurden dabei in offener Bauweise errichtet, während der Tunnel Tradenberg der erste bergmännisch errichtete Tunnel im Weinviertel ist. Nach 37 Monaten Bauzeit wurde die S 1-West am 31. Jänner 2010 für den Verkehr freigegeben.

Beide Abschnitte (S 1 Ost und West) werden wie auch die Nord Autobahn und die S 2 „Umfahrung Süßenbrunn“ als Teil der PPP Ostregion durch ein Public Private Partnership-Modell von der Bonaventura Straßenerrichtungs-GmbH (einem Konsortium aus HOCHTIEF PPP Solutions GmbH, ALPINE Bau GmbH und Egis Projects) errichtet und anschließend 30 Jahre lang von der Bonaventura Straßenerhaltungs-GmbH betrieben.[6]

Spange Seestadt Aspern (in Planung)[Bearbeiten]

Nach ursprünglichen Planungen hätte die hochrangige Anbindung der Seestadt Aspern durch die Verlängerung der A 23 (Südosttangente) vom Knoten Hirschstetten zum S 1-Knoten Raasdorf erfolgen sollen. Bedingt durch eine Novelle zum Bundesstraßengesetz vom 29. Juli 2011 wurde dies verworfen, und stattdessen wird nur der Abschnitt vom Knoten Raasdorf bis zur Anschlussstelle Heidjöchl als Teil der S 1 errichtet werden. Die Verbindung S 1 Heidjöchl – A 23 Hirschstetten wird von der Gemeinde Wien als vierspurige Stadtstraße ausgebaut werden, wofür die Stadt Wien Sonderzuschüsse vom Bund gewährt bekommt. Die Spange Flugfeld Aspern wird eine Länge von 4,6 km aufweisen. Die Strecke wird vom Knoten Raasdorf unmittelbar nördlich neben der Marchegger Ostbahn verlaufen. Zwischen den Anschlussstellen Telefonweg und Flugfeld Aspern ist bei der Cassinonestraße eine Grünbrücke über Straße und Bahnstrecke vorgesehen. Die Spange Flugfeld Aspern wird mit baulich getrennten Richtungsfahrbahnen mit je zwei Fahrstreifen und einen Abstellstreifen errichtet werden. Der Baubeginn ist für 2015, die Verkehrsfreigabe für das Jahr 2017 vorgesehen, die Kosten sind mit 228 Millionen Euro veranschlagt. [7][8].

Technik[Bearbeiten]

Die S 1 gilt auf Grund ihrer Ausstattung als die am modernsten ausgestattete Autobahn bzw. Schnellstraße in Österreich. Entlang der gesamten Strecke sind Überkopfwegweiser in Form von Prismenwendern und LED-Anzeigen angebracht, die über eine Verkehrsbeeinflussungsanlage die Autofahrer je nach Verkehrslage verschiedene Routen, Hinweise, Geschwindigkeitsbeschränkungen und sonstige Meldungen anzeigen können. Sie werden alle von der Leitzentrale in Wien-Inzersdorf automatisch gesteuert.

In den drei Tunnels der S 1 Süd sind Pumpanlagen eingerichtet, die das Niederschlagswasser so schnell wie möglich wegpumpen.

Kritik[Bearbeiten]

Bauliche Kritik[Bearbeiten]

Knoten Schwechat[Bearbeiten]

Gleich nach der Eröffnung des Abschnittes Vösendorf - Schwechat kam heftige Kritik in Bezug auf die Anbindung an die A 4 beim Knoten Schwechat. Die bisherige Anschlussstelle Schwechat wurde, um Verkehrsbehinderungen auf der A 4 zu vermeiden, im Zuge des Baus der S 1 Süd nicht ausgebaut. Die bestehende Anschlussstelle war als Doppelkurve jedoch mit sehr engen Kurvenradien ausgeführt. Unmittelbar nach Eröffnung der S 1 kam es am Knoten Schwechat sehr häufig zu schweren Unfällen. Trotz anschließend verfügter Beschränkung der Geschwindigkeit auf 60 km/h fuhren die Verkehrsteilnehmer am Verkehrsknoten Schwechat für den dortigen Kurvenradius zu schnell, was zahlreiche Unfallopfer und schließlich auch Todesopfer zur Folge hatte. Auch ein Aufrauen der Fahrbahn im Gefahrenbereich half wegen der Kombination aus engen Kurvenradien und Geschwindigkeitsüberschreitungen nichts. Nach einem Unfall mit Todesfolge wurde der ursprüngliche Plan verworfen und der Umbau umgehend begonnen, welcher im Dezember 2006 abgeschlossen wurde.

Beschilderung[Bearbeiten]

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Beschilderung speziell für Tempolimits sehr verwirrend sei. Einerseits sind ferngesteuerte variable Verkehrszeichen auf Überkopfbrücken montiert. Zusätzlich gibt es noch Beschränkungen für Lkw mit Zusatztafeln.

Geisterfahrer[Bearbeiten]

Der Umbau sowohl bei der S 1 als auch bei der A 4 führte bereits in den ersten Monaten nach den Eröffnungen zu einem Rekord von Geisterfahrern (16 in nur vier Monaten). Als Grund wird von der Autobahnpolizei angegeben, dass die meisten Geisterfahrer an Anschlussstellen aufgrund überhöhter Geschwindigkeit vorbeifahren und dann auf der Schnellstraße wenden oder zurückschieben.

Naturschutzbedenken[Bearbeiten]

Bei der geplanten Verlängerung der S 1 im Gebiet der Lobau, gibt es Bedenken, dass zwar der Verkehr selbst unterhalb verläuft, aber die Abgase des Tunnels mitten im Naturschutzgebiet herausgeführt werden.

Aus diesen und anderen Gründen gibt es immer wieder Bürgerinitiativen gegen die Verlängerung nach Norden. So wurde im Dezember 2006 das Gebiet, wo Probebohrungen durchgeführt werden, von Demonstranten besetzt und die Baufirmen an den Bohrungen gehindert. Erst nach acht Wochen konnten diese nach einer Klagsdrohung der ASFINAG und einer Zusage eines Runden Tisches an der auch Umweltschützer teilnehmen sollen, durchgeführt werden.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. S1 entlastet Tangente deutlich
  2. asfinag.at - S 1 Wiener Außenring Schnellstraße Schwechat – Süßenbrunn
  3. Erster Abschnitt der S 1 Wr. Außenring Schnellstraße soll 2014 in Bau gehen
  4. http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20091030_OTS0240
  5. asfinag.at
  6. a5nordautobahnsued.at
  7. Meldung des BMVIT
  8. Projektseite ASFINAG

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wiener Außenring Schnellstraße S1 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien