Wiener Symphoniker

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Die Wiener Symphoniker mit Dirigent Bertrand de Billy, Fest der Freude in Wien 2013

Die Wiener Symphoniker sind ein Sinfonieorchester mit etwa 160 Auftritten jährlich, davon etwa 110 in Wien. Sie sind weltweit als Tournee-Orchester aktiv, bestreiten einen wesentlichen Teil der Opernproduktionen im Theater an der Wien und sind Orchestra in Residence der Bregenzer Festspiele.

Geschichte[Bearbeiten]

Wiener Konzerthaus
Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Alben
Wiener Festwochen (Rainhard Fendrich & Wiener Symphoniker)
  AT 1 05.07.1992 (18 Wo.)

Das Orchester wurde 1900 als Wiener Concertverein gegründet mit dem Ziel, die breite Öffentlichkeit durch den Besuch erschwinglicher Konzertveranstaltungen am kulturellen Leben teilnehmen zu lassen. So fanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts sogenannte Popularkonzerte statt, in denen häufig auch Salonstücke für Orchester oder Potpourris gespielt wurden. Das erste Konzert fand am 30. Oktober 1900 unter Ferdinand Löwe statt. Das Orchester brachte eine Reihe von bedeutenden Werken zur Uraufführung oder österreichischen Erstaufführung, so Anton Bruckners 9. Sinfonie (UA), Gustav Mahlers 6. Sinfonie (EA) sowie Franz Schmidts Das Buch mit sieben Siegeln (UA). Von großer kulturpolitischer Bedeutung waren auch die Arbeiter-Symphoniekonzerte, die seit 1907 von der Sozialistischen Bildungszentrale unter David Josef Bach organisiert und in den 1920er Jahren häufig von Anton Webern geleitet wurden.

1913 wurde die Konzertstätte, das Wiener Konzerthaus, eingeweiht. Die großbürgerlich-mäzenatische Unterstützung fand im Ersten Weltkrieg ihr jähes Ende, das Orchester wurde mit dem Wiener Tonkünstler-Orchester fusioniert und trat ab 1921 als Wiener Sinfonieorchester in die Dienste der beiden großen Wiener Konzertveranstalter, ohne selbst weiter eigenständig Konzerte zu geben. Seit 1924 beanspruchte die neu gegründete RAVAG (Radio Verkehrs-AG) die Dienste des Orchesters für Auftritte, dennoch blieb eine permanente finanzielle Krisensituation bestehen. Richard Strauss dirigierte Benefiz-„Monsterkonzerte“, in denen das Wiener Sinfonieorchester gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern auftrat.

1933 übernahm die bereits ständestaatlich kontrollierte RAVAG 50 % der Orchesterdienste und erzwang die Auflösung der Orchester-Dienstverträge. Jüdische Musiker wurden entlassen und das Orchester nunmehr unter dem Namen Wiener Symphoniker mit neuem Organisationsstatut und verschlechterten Anstellungsbestimmungen weitergeführt.[1] Oswald Kabasta wurde neuer Orchesterchef, die Wiener Symphoniker fanden bei großen England- und Italien-Tourneen 1935 und 1937 erstmals auch internationale Beachtung. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde das Orchester erstmals in seiner Geschichte kommunalisiert und entsprechend der Tarifordnung für deutsche Kulturorchester in die erste Kategorie eingereiht, was für die Musiker Gagenerhöhungen bis 30 % bedeutete. Es ist daher nicht verwunderlich, dass es unter ihnen (wie auch bei den Wiener Philharmonikern) einen überproportional großen Anteil an Parteimitgliedern und -anwärtern gab. Bis 1944 spielte das Orchester u. a. in KdF-Konzerten, im Reichsrundfunk und in den großen Wiener Konzertserien, ehe es – bereits personell durch Einberufungen erheblich reduziert – im August dieses Jahres stillgelegt wurde.

Nach Kriegsende erstand das Wiener Konzertleben unter unvorstellbar schwierigen Bedingungen neu, das „Festkonzert zur Neubildung des Orchesters“ fand am 16. September 1945 statt und brachte Mahlers 3. Sinfonie – Musik eines seit 1933 nicht mehr gespielten Komponisten. Da beinahe alle bedeutenden Dirigenten unter die Entnazifizierungsbestimmungen fielen, übernahm Hans Swarowsky kurzfristig den Posten eines Chefdirigenten, auch Josef Krips war am Wiederaufbau des Konzertlebens maßgeblich beteiligt. Ab 1948 war Herbert von Karajan als Konzertdirektor der Gesellschaft der Musikfreunde quasi Chefdirigent des Orchesters und errang mit ihm bei Deutschland-Tourneen 1950 und 1953 große internationale Erfolge. Organisatorisch gesehen fungierten jedoch die Wiener Symphoniker, nunmehr subventioniert von der Gemeinde Wien, weiterhin als Mietorchester ohne eigenes Haus und Programmautonomie. Darunter hatte auch der erste „echte“ Chefdirigent nach Kriegsende, Wolfgang Sawallisch, zu leiden, unter dessen Leitung das Orchester in den 1960er Jahren erstmals große Überseereisen nach Amerika und Japan unternahm. Auch Carlo Maria Giulini scheiterte an der unentwirrbaren Organisationsstruktur und resignierte nach drei Jahren Chefdirigentenzeit (1973–76).

Erst in den 1980er Jahren errang das Orchester gegenüber den Konzertveranstaltern eine gewisse Autonomie und konnte in deren Sälen eigene Konzerte veranstalten. Zudem verbesserte sich deren Kooperation untereinander und mit der Orchesterleitung erheblich und führte zu einer weit professionelleren Programm- und Terminplanung. Nach einem verunglückten Intermezzo mit Gennadi Roschdestwenski, der jede Probenarbeit verweigerte, führte die Zusammenarbeit mit Georges Prêtre als 1. Gastdirigenten sowie mit Rafael Frühbeck de Burgos und Wladimir Fedossejew zu erfreulichen Resultaten. Zwischen 1986 und 1996 hatte das Orchester in Zusammenarbeit mit Christian Kolonovits auch als Vienna Symphonic Orchestra Project (VSOP) mit mehreren Longplayern und Konzerttourneen Erfolg.[2] Im Herbst 2005 übernahm Fabio Luisi die Chefdirigenten-Position, der seine Tätigkeit 2013 beenden wird. Ihm folgt aber der Saison 2014–15 der Schweizer Philippe Jordan.

Der Aufgabenbereich des Orchesters ist vielfältig: er umfasst zwei Zyklen bei der Gesellschaft der Musikfreunde im Wiener Musikverein, einen Zyklus im Wiener Konzerthaus, einen Matineen- und einen Kammermusikzyklus als Eigenveranstaltung und etliche Sonderkonzerte. Zusätzlich spielen die Wiener Symphoniker seit 2006 jährlich einige Opernproduktionen im Theater an der Wien, das nach einer langen Phase als Musicalbühne wieder ausschließlich für Opernproduktionen verwendet wird. Daneben finden Tourneen im europäischen Raum und in Übersee statt, seit 1946 treten die Wiener Symphoniker jeden Sommer bei den Bregenzer Festspielen auf, mit deren Entwicklung sie eng verbunden sind. Neuerdings findet die Orchestertätigkeit auch eine wichtige Ergänzung in Richtung Jugendarbeit, Benefiz- und Open-Air-Konzerten.

1951 gehörten die Symphoniker zu den Preisträgern des Karl-Renner-Preises.[3][4]

Dirigenten[Bearbeiten]

Chefdirigenten des Orchesters waren:

Auch viele andere berühmte Dirigenten standen am Pult des Orchesters, so Claudio Abbado, Leonard Bernstein, Karl Böhm, Sergiu Celibidache, Jascha Horenstein, Carlos Kleiber, Otto Klemperer, Lorin Maazel, Bruno Maderna, Zubin Mehta, Mendi Rodan, Karl Richter, Horst Stein, Bruno Walter und Bruno Weil.

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Manfred Permoser: Die Wiener Symphoniker im NS-Staat, Wien 2000
  2. VSOP – The Vienna Symphonic Orchestra Project
  3. Wiener Rathauskorrespondenz, 13. Dezember 1951, Blatt 2230
  4. Wiener Rathauskorrespondenz, 26. Jänner 1952, Blatt 111
  5. http://www.wienersymphoniker.at/orchester/dirigenten/wolfgangsawallisch