Wienerwald

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Dieser Artikel befasst sich mit der Landschaft Wienerwald, weitere Bedeutungen unter Wienerwald (Begriffsklärung).
Wienerwald
Wienerwald bei Breitenfurt

Wienerwald bei Breitenfurt

Höchster Gipfel Schöpfl (893 m ü. A.)
Lage Niederösterreich, Wien
Teil der Nordalpen
Koordinaten 48° 5′ N, 15° 55′ O48.08722222222215.911944444444Koordinaten: 48° 5′ N, 15° 55′ O
Gestein Flyschzone/Kalkalpen (Flysch- und Kalkwienerwald)
Besonderheiten UNESCO-Biosphärenpark
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Der Wienerwald ist der östlichste Ausläufer der Nordalpen in Niederösterreich und Wien, und damit das Nordostende der Alpen. Das 45 km lange und 20 bis 30 km breite Mittelgebirge ist großteils bewaldet und ein beliebtes Naherholungsgebiet der Wiener. Es ist heute, unter Einschluss der Randgebiete in der Millionenstadt Wien selbst, weitgehend vollständig als UNESCO-Biosphärenpark Wienerwald ausgewiesen.

Physische Geographie[Bearbeiten]

Der Wienerwald westlich von Wien, im Norden die Donau, im Südwesten das Semmeringgebiet, im Südosten der Neusiedlersee
Ende des 19. Jahrhunderts. Generalkarte von Mitteleuropa, Blatt 34° 48° Wien. Stand: 1893

Lage und Struktur[Bearbeiten]

Die hügelig bis mittelgebirgsartig ausgeprägte, 105,645 ha umfassende Region liegt im östlichen Niederösterreich an der Grenze zwischen dem Mostviertel (Viertel ober dem Wienerwald) und dem Industrieviertel (Viertel unter dem Wienerwald), mit Höhenlagen zwischen 300 und knapp 900 m. Von den östlichen Randbergen hat man prächtige Tiefblicke auf Wien und das Wiener Becken.

Im Osten wird der Wienerwald durch die Thermenlinie (tektonische Abbrüche zum Wiener Becken) begrenzt, im Süden durch die Flüsse Triesting und Gölsen, im Westen durch die Flüsse Traisen und Große Tulln, im Norden durch das Tullnerfeld und die Donau bis zur Wiener Pforte sowie im Nordosten – bereits im Stadtgebiet Wiens – durch den Schwarzenbergpark und den Lainzer Tiergarten.

Die Täler des Gebirges verlaufen großteils Ost-West und in Höhen von 200 bis 400 m. Besonders reizvoll ist der Wechsel zwischen einsamen und dicht besiedelten Tälern und ihre stark variierende Hangneigung (etwa 20 % bis 75 %). Speziell eindrucksvoll sind das vielbesungene Helenental beim Kurort Baden und die markante Hagenbachklamm. Geologisch gehört der Großteil des Wienerwaldes zu den Flyschalpen (vorwiegend Sandstein), der Südosten hingegen zu den Kalkalpen.

Wiesenwienerwald[Bearbeiten]

Der westliche Wienerwald zwischen Traisen und der Großen Tulln wird auch „Wiesenwienerwald“ genannt. Im frühen Mittelalter wurde der Wald bereits von den Bauern gerodet und es bildeten sich zahlreiche Einzelhöfe mit umgebenden Obstgärten und nur wenigen Orten in Tallagen.[1]

In den zahlreichen Obstgärten und an den Waldrändern in einer Seehöhe von 300 bis 500 Meter wird traditionell die Elsbeere kultiviert. Diese Region hat sich zusammengeschlossen und vermarktet die traditionellen Produkte aus der Elsbeere unter der Marke Genussregion Wiesenwienerwald Elsbeere. Die Elsbeere ist auch im Register der Traditionellen Lebensmittel erfasst.[2]

Berge, Fernblicke, Pässe und Höhlen[Bearbeiten]

Die höchsten Erhebungen im Wienerwald sind mit 893 m ü. A. der zur Flyschzone Sandstein gehörende Schöpfl mit der Matraswarte und der benachbarte Mitterschöpfl (882 m ü. A.), auf dem sich das Leopold Figl-Observatorium der Wiener Universität befindet. Vom Schöpfl reicht der Blick oft 100 km zum Ötscher, Schneeberg und weiteren Zweitausendern der steirisch-niederösterreichischen Kalkalpen.

Südwestlich des Schöpfls liegt der Gföhlberg mit 885 m ü. A., sowie im Südosten der zu den nördlichen Kalkalpen gehörende Hohe Lindkogel (834 m ü. A.) und der Peilstein (716 m ü. A.) mit seiner markanten Kletterwand.

Der höchste Berg auf Wiener Gemeindegebiet ist der Hermannskogel (542 m) mit der Habsburgwarte, die der Fundamentalpunkt des Vermessungsnetzes der Monarchie war. Markant ist auch der Dreimarkstein mit 454 m, der die Grenze zwischen den Wiener Bezirken Hernals und Döbling sowie dem niederösterreichischen Ort Weidling bildet. Prächtige Tiefblicke auf Wien bieten die Wiener Hausberge Leopoldsberg und Kahlenberg, deren geschichtsträchtige Kirchen von den Türkenbelagerungen erzählen, sowie die Jubiläumswarte (449/480 m) am Gallitzinberg und der Wienerblick im Lainzer Tiergarten.

Im Wienerwald gibt es nur wenige Berge mit Gipfelkreuz und Gipfelbuch:

Mit Ausnahme des Hohen Ge sind diese Gipfel wenig aussichtsreich, da bewaldet, und nur auf unmarkierten Wegen zu erreichen.

Die Wienerwaldtäler liegen großteils in den Bezirken Wien-Umgebung, Mödling und Baden. Um sie miteinander zu verbinden, gibt es einige – wenn auch nicht hohe – Passstraßen wie den Exelberg (Sofienalpe), den Gerichtsberg, den Kleinen Semmering, den Hafnerberg, und den Hengstl. Ferner gibt es einige Höhlen, beispielsweise die Dreidärrischenhöhle unter dem Aussichtsberg Anninger (675/514 m), die Elfen- und Einödhöhle zwischen Pfaffstätten und Gaaden, die Arnsteinhöhle bei Maria Raisenmarkt und die Tropfsteinhöhle Alland. Erwähnenswert auch die Seegrotte – der größte unterirdische See Europas. Deren Besuch wird oft mit einigen Burgruinen bei Mödling kombiniert.

Nebst Burgen gibt es im Wienerwald auch einige bedeutende Klöster:

Von anderen Natursehenswürdigkeiten seien noch einige mit sprechenden Namen genannt: der Glocknergrat und die Lausbubenwände bei Mödling, das Matterhörndl, für Kletterer das Jammerwandl, die Mizzi-Langer-Wand und der überhängende Engelstein bei Baden.

Flüsse[Bearbeiten]

Oberlauf der Schwechat

Die wichtigsten Flüsse des Wienerwaldes sind die Wien, die Liesing, der Mödlingbach, die Schwechat und die Triesting, die nach Osten entwässern, sowie die Große Tulln und die Kleine Tulln, der Hagenbach und der Weidlingbach, die nach Norden entwässern. Alle fließen letztlich in die Donau.

Klima[Bearbeiten]

Im Wesentlichen wird der Wienerwald vom atlantisch geprägten Übergangsklima bestimmt. An der Thermenlinie herrscht pannonisches, im gebirgigen Süden teilweise schon alpines Klima. Speziell der nördliche Wienerwald bildet eine Wetterscheide. So regnen sich am nordwestlichen Rand oft die von Westen kommenden Regenwolken aus. Auch verstärkte Nebelbildung ist dort zu verzeichnen. Speziell auf der Wiener Außenringautobahn bei Hochstraß in 553 m Höhe herrschen des Öfteren schlechte Verkehrsverhältnisse durch Nebel, Schnee oder Glatteis.

Wald[Bearbeiten]

Im Norden (Flysch-Wienerwald) weist der Wienerwald zu 77 % Laubwaldbestand (vor allem Buche, Eiche und Hainbuche), im Südosten (Kalk-Wienerwald) zu etwa 46 % Nadelwaldbestand (Föhre, Fichte, Schwarzkiefer, Tanne und Lärche) auf; an den Osthängen des Wienerwalds wächst Wein.

Lange Zeit war der Wienerwald Bannwald und landesfürstliches Jagdrevier; in den Jahren 1870 bis 1872 rettete Josef Schöffel den Wienerwald vor der Abholzung. Heute ist der Wienerwald durch die oben erwähnten Gesetze geschützt.

Die Fläche des Stadtwaldes in Wien beträgt 8650 ha, das sind 20 % des Wiener Gemeindegebiets (41.487 ha).[3]

Naturschutz[Bearbeiten]

Hauptartikel: Biosphärenpark Wienerwald

Der Wienerwald ist durch Naturwaldreservate, Natura 2000, Naturschutzgesetz und Landschaftsschutzgesetz geschützt und seit 2005 ein von der UNESCO anerkanntes Biosphärenreservat. Der Lainzer Tiergarten als Teil des Wienerwaldes der Bundeshauptstadt Wien wurde zum Naturschutzgebiet erklärt. Zusätzlich gibt es vier Naturparks, die in Teilgebieten des Wienerwaldes eingerichtet wurden (von Nord nach Süd): Eichenhain, Sandsteinwienerwald, Naturpark Sparbach und die Föhrenberge.

Bis 2013 wurde in Tullnerbach ein neues Schul- und Biosphärenparkzentrum Norbertinum Tullnerbach errichtet.[4]

In dem durch die Witterung pilzreichen Jahr 2014 wurde eine Zählung der im Wienerwald vorkommenden Pilzarten durchgeführt. Dabei wurden 828 Arten gefunden, darunter waren 17 Arten, die bisher im Wienerwald nicht heimisch waren, wie der Gelbflockige Schleimkopf, der Orangebraune Schönkopf oder der Nördliche Höckerrindenpilz.[5]

Humangeographie[Bearbeiten]

Eine der ersten detaillierteren Darstellungen des südlichen Wienerwaldes (Alland, Heiligenkreuz, Kaltenleutgeben, Tal des Mödlingbaches) ist die Josephinische Landesaufnahme aus den Jahren um 1780–1790

Geschichte[Bearbeiten]

Siehe Hauptartikel: Geschichte des Wienerwalds, Geschichte Niederösterreichs.

Gemeinden[Bearbeiten]

Wichtige Gemeinden am und im Wienerwald sind Klosterneuburg, Purkersdorf, Mauerbach, Breitenfurt bei Wien, Pressbaum, Eichgraben, Altlengbach, Neulengbach, Alland, Bad Vöslau, Baden, Gumpoldskirchen, Mödling, Brunn am Gebirge und Sulz.

Verkehr[Bearbeiten]

Durch den Wienerwald führt eine Reihe von Hauptverkehrswegen: die Westbahn der ÖBB, die Westautobahn A 1) und die Wiener Außenringautobahn A 21 (das über Alland führende Verbindungsstück zwischen West- und Südautobahn). Ein ersatzlos gestrichenes Bauprojekt war die Wienerwald-Schnellstraße S 43, die eine nord-westliche Umfahrung von Wien bilden sollte.

Lokal verkehren mehrere Autobuslinien im Rahmen des Verkehrsverbundes Ost-Region.

Um die Westbahn im Verlauf des Wienerwalds, der für Schnellzüge ein Hindernis darstellt, zu beschleunigen, war seit 2004 der Wienerwaldtunnel unter dem nördlichen Wienerwald als Teil der Neuen Westbahn in Bau. Am 9. Dezember 2012 konnte der Betrieb auf dem fertiggestellten Neubauabschnitt Wien - Sankt Pölten Hauptbahnhof aufgenommen werden. Am selben Tag ging auch der Lainzer Tunnel als Verbindung zur Südbahn und Ostbahn in Betrieb, der seit 2006 in Bau war und die Verbindungsbahn durch die Außenbezirke Wiens entlasten soll. Da er den Lainzer Tiergarten unterquert, wird er im Volksmund auch Wildschweintunnel genannt.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Alter Bergwerksstollen im Buchberg, Alland
Alter Kalkofen im Helenental

An zahlreichen Stellen wurde und wird Sand und Schotter abgebaut. Der frühere Gipsstollen der Seegrotte in der Hinterbrühl wurde in der Zeit des Nationalsozialismus als Fabrik für Kampfflugzeuge genutzt. Heute ist der entstandene unterirdische See beliebtes Ausflugsziel und Schauhöhle. Die Seegrotte war aber nicht der einzige Gipsabbau. Zahlreiche Abbaustellen, von denen eine bei Preinsfeld nahe Heiligenkreuz die größte war, aber auch von Kalkgewinnungen führten zur Errichtung von Öfen, wo Gips und Kalk gebrannt wurden.

Entlang der Flussläufe entstanden spätestens in der Industriellen Revolution verschiedene Mühlen wie Säge- oder Bandmühlen sowie Schmieden, die teilweise heute als High Tech-Unternehmen (z. B. in Berndorf) erfolgreich tätig sind. Die Bezirke Mödling und Baden zählen mit über 6000 aktiven Betriebsstandorten neben den Bezirken St. Pölten Stadt und Land zu jenen mit den meisten in Niederösterreich. Auch im Bezirk Wien-Umgebung gibt es sehr viele Unternehmen, weniger in Tulln und sehr wenige in Lilienfeld. Neben Gewerbe, Handel, Handwerk und Dienstleistung gibt es viel Tourismus und Gastronomie – von der Berghütte bis zur Haute Cuisine. In der Biedermeierstadt Baden sind die Spielbank der Casinos Austria und die Kurbäder ein wichtiger Faktor. Aber auch der Tages- und Wochenendtourismus aus Wien spielt eine große Rolle.

Landwirtschaftlich weisen das Voralpengebiet und der Alpenostrand durch ihre Höhenlage (Betriebe bis 1100 m Seehöhe), durch steile Flächen und seichtgründige Böden relativ ungünstige Produktionsbedingungen auf. Bei hohen Niederschlägen handelt es sich daher um typische Grünlandgebiete, nur rund 20 % der landwirtschaftlichen Flächen werden als Äcker genutzt (Voralpengebiet und Wienerwald mit durchwegs Milchvieh). Am Alpenostrand mit weniger Niederschlag dominieren gemischte Betriebe mit höherem Ackeranteil. Hier sind Milchviehbetriebe mit steigendem Mastrinderanteil typisch. Der Streuobstanbau gewinnt in jüngster Zeit wieder an Bedeutung, da die Most- und Safterzeugung, aber vor allem die Ciderproduktion im Triestingtal einen stark steigenden Absatz verzeichnet. An der Thermenlinie, besonders in den Orten Gumpoldskirchen, Sooß und Bad Vöslau, ist der Weinbau von großer Bedeutung. Forstwirtschaft, Pferdesport und biologischer Anbau runden das Leistungsspektrum ab.


Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Schöffel-Gedenkstein bei Purkersdorf

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. klima:aktiv in den Wiesenwienerwald auf der Seite der Naturfreunde abgerufen am 9. März 2013
  2. niederoesterreich/wiesenwienerwald-elsbeere. Eintrag Nr. Wiesenwienerwald Elsbeere im Register der Traditionellen Lebensmittel des österreichischen Lebensministeriums.
  3. Statistische Daten des Forstamts der Stadt Wien, Zugriff am 4. September 2013.
  4.  Christian Milota, Amt der NÖ Landesregierung, Landesamtsdirektion Pressedienst (Hrsg.): Neues Schul- und Biosphärenparkzentrum Tullnerbach. (Presseaussendung NLK 22. Februar 2008, [1], noel.gv.at).
  5. Auf dem Land leben in Heimat Niederösterreich der NÖN Ausgabe 12/2014

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wienerwald – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Wienerwald – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen