Wiesen-Bärenklau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wiesen-Bärenklau
HeracleumSphondylium1.jpg

Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Doldenblütlerartige (Apiales)
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
Unterfamilie: Apioideae
Gattung: Bärenklau (Heracleum)
Art: Wiesen-Bärenklau
Wissenschaftlicher Name
Heracleum sphondylium
L.

Die oder der Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium), auch Gemeine Bärenklau genannt, ist eine Pflanzenart in der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Sie ist im Gegensatz zum Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) in Europa heimisch. Weil die lappig gestielten und behaarten Blätter Tierfüßen ähneln, hat diese Pflanzenart den Namen Bärenklau (= „Bärenklaue“) erhalten.

Beschreibung[Bearbeiten]

Illustration
Blattscheiden sind groß und auffällig
Rau behaarter, kantig gefurchter, hohler Stängel
Unterer Teil einer Pflanze mit Grundblättern und kräftigem Stängel

Die Wiesen-Bärenklau ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von bis zu 1,5 Metern erreicht. Die Grundachse ist dick, verzweigt und tiefwurzelnd. Die Pflanze verströmt einen unangenehmen Geruch und enthält reichlich ätherische Öle. Der Stängel ist kantig gefurcht. Die Laubblätter sind drei- bis vierfach fiederschnittig. Die Blätter haben eine große, als Knospenschutz dienende Blattscheide (= Ochrea).

In einem doppeldoldigen Blütenstand stehen viele Blüten. Ihre Blüten sind weiß, oft leicht grünlich oder hellrosa überlaufen. Der Nektar liegt ähnlich wie beim Wiesenkerbel offen in der Blüte und ist daher auch für kurzrüsselige Insekten gut erreichbar. Die Blütezeit reicht von Juni bis Oktober.

Die Früchte sind geflügelte Doppelachänen. Die Früchte reifen zwischen Juli bis September. Der Wiesenbärenklau blüht von Juni bis September.

Ökologie[Bearbeiten]

Die Wiesen-Bärenklau ist eine Halbrosettenpflanze.

Die Blüten sind „Nektar führende Scheibenblumen“ und stehen in zusammengesetzten Dolden. Die Randblüten sind „strahlend“. Es ist die Namen gebende Art für den Heracleum-Typ. Die Blüten der Hauptdolde sind meist zwittrig, die übrigen besitzen neben zwittrigen Blüten oft männliche und durch sterile Staubbeutel oder Pollenkörner funktionell weibliche. Die Blüten sind vormännlich d.h. die Staubblätter strecken sich nach ihrer Entfaltung nach außen und entladen den Pollen. Die Griffel mit der kopfigen Narbe entwickeln sich meist später. Sie sind von einem grünlichen, reichlich Nektar absondernden Diskus („Griffelpolster“) umgeben. Die Bestäubung der stark duftenden Blüten erfolgt meist zufällig durch verschiedenste herumlaufende und sich sonnende Insekten. Diese Pflanzenart ist die Hauptpollenquelle für die Sandbiene (Andrena rosae). Zu den befruchtenden Insekten zählen vor allem Fliegen und Käfer.

Die Früchte sind geflügelte Doppelachänen und verbreiten sich mit dem Wind als „Schirmchenflieger“ (Anemochorie). Die Hauptausbreitung erfolgt durch Wasserhaft- (Nautochorie) und Zufallsausbreitung durch Weidetiere (Zoochorie) und Stallmist.

Vorkommen[Bearbeiten]

Man findet die Wiesen-Bärenklau verbreitet in Fettwiesen und Staudenfluren, an Ufern und Gräben, in Auenwäldern und deren Säumen und in Hochstaudenfluren. Sie wächst bevorzugt auf lockerem, feuchtem Boden. Nach Ellenberg ist sie eine Halblichtpflanze, ein Mäßigwärmezeiger mit ozeanischer Kontinentalitätszahl, ein Frischezeiger, ein ausgesprochener Stickstoffzeiger und eine Ordnungscharakterart gedüngter Frischwiesen und -weiden (Arrhenatheretalia).[1]

Unterarten und ihre Verbreitung[Bearbeiten]

Die Wiesen-Bärenklau ist eine sehr formenreiche Art. In der Flora Europaea[2] werden neun Unterarten genannt. Zwei weitere Unterarten werden für die Türkei, fünf für Nordafrika angegeben.[3] In Deutschland unterscheidet man drei Unterarten:

  • Bergwiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium subsp. elegans (Crantz) Schübl. & G.Martens, Syn.: H. sphondylium subsp. montanum (Schleicher ex Gaudin) Briq.)[3]
  • Grünblühende Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium subsp. sibiricum (L.) Simonk.)
  • Gewöhnliche Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium L. subsp. sphondylium)

Weitere europäische Unterarten sind:[2]

  • Heracleum sphondylium subsp. alpinum (L.) Bonnier & Layens (Syn.: H. alpinum L.): Sie kommt nur im Jura vor.
  • Heracleum sphondylium subsp. orsinii (Guss.) H.Neumayer: Sie kommt im mittleren und südlichen Apennin und in den Gebirgen der Balkan-Halbinsel.
  • Heracleum sphondylium subsp. pyrenaicum (Lam.) Bonnier & Layens (Syn.: H. pyrenaicum Lam.): Sie kommt in den Pyrenäen, den Alpen, im nördlichen Apennin und in den Gebirgen der Balkan-Halbinsel vor.
  • Heracleum sphondylium subsp. ternatum (Velen.) Brummitt: Sie kommt im nördlichen und mittleren Apennin und in den Gebirgen der Balkan-Halbinsel vor.
  • Heracleum sphondylium subsp. transsilvanicum (Schur) Brummitt: Sie kommt in den Karpaten vor.
  • Heracleum sphondylium subsp. verticillatum (Pančić) Brummitt: Sie kommt auf der Balkan-Halbinsel vor.

Aufgrund der großen Variabilität der Merkmale und dem Auftreten von Zwischenformen erscheint die Einstufung von Heracleum alpinum, Heracleum elegans und Heracleum sibiricum als eigene Arten nicht gerechtfertigt.

Inhaltsstoffe und Verwendung[Bearbeiten]

Nach Berührung der Pflanze können unangenehme Rötungen und Schwellungen der Haut auftreten („Wiesen-Dermatitis“). Sie werden durch die lichtempfindlich machenden Furocumarine verursacht. Von dieser Stoffklasse sind in den Wurzeln Pimpinellin, Isopimpinellin, Sphondin und Bergapten enthalten; in den Früchten außerdem Xanthotoxin und Imperatorin. Unreife Früchte besitzen den höchsten Furocumaringehalt.

Junge Blätter sind ein gutes Viehfutter z. B. für Kaninchen. Für hellhäutige Tiere ist bei der Verfütterung großer Mengen jedoch Vorsicht geboten, weil durch den Furocumaringehalt des Krauts bei Sonnenbestrahlung auch hier entzündliche Hautreaktionen auftreten können.

Verwendung in der Kräuterküche[Bearbeiten]

Die Wiesen-Bärenklau ist jung ungiftig. Junge Blätter und Sprosse werden daher vom Menschen als Wildgemüse genutzt. Bei größeren Exemplaren kann der Stiel geschält und roh gegessen oder zu Kompott verarbeitet werden. Empfindliche Personen sollten beim Schälen der haarigen, stacheligen Stängel Handschuhe tragen, um Hautreizungen zu vermeiden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gertrud Scherf: Wiesenblumen - der etwas andere Naturführer. BLV-Verlag, München 2004, ISBN 3-405-16909-7.
  •  Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
  •  Lutz Roth, Max Daunderer, Kurt Kormann: Giftpflanzen – Pflanzengifte. Giftpflanzen von A-Z. Notfallhilfe. Vorkommen. Wirkung. Therapie. Allergische und phototoxische Reaktionen. 4. Auflage. Nikol, Hamburg 2000, ISBN 3-933203-31-7 (Nachdruck von 1994).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Heinz Ellenberg: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht (= UTB für Wissenschaft. Grosse Reihe. Band 8104). 5. stark veränderte und verbesserte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1996, ISBN 3-8252-8104-3.
  2. a b Richard Kenneth Brummitt: Heracleum L. In:  T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. Volume 2: Rosaceae to Umbelliferae, Cambridge University Press, Cambridge 1968, ISBN 0-521-06662-X, S. 364–366 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. a b Ralf Hand: Apiaceae – Heracleum sphondylium. In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Berlin 2011.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wiesen-Bärenklau – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien