Wiesen-Goldhafer

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Wiesen-Goldhafer
Trisetum flavescens - Oslo botanical garden - IMG 8899.jpg

Wiesen-Goldhafer (Trisetum flavescens)

Systematik
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Süßgräser (Poaceae)
Unterfamilie: Pooideae
Gattung: Trisetum
Art: Wiesen-Goldhafer
Wissenschaftlicher Name
Trisetum flavescens
(L.) P.Beauv.

Der Wiesen-Goldhafer (Trisetum flavescens), in botanischer Literatur auch Gold-Grannenhafer,[1] umgangssprachlich meist nur Goldhafer genannt, ist eine Pflanzenart, die zur Familie der Süßgräser (Poaceae) gehört. Sie kommt in weiten Teilen Europas sowie im Kaukasus natürlich vor.

Weiterer für die Pflanzenart belegter deutschsprachiger Trivialname ist für die Region Bern die Bezeichnung Goldhafergras.[2]

Beschreibung[Bearbeiten]

Illustration
Ährchen mit Grannen

Beim Wiesen-Goldhafer handelt sich um eine ausdauernde[3] krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 20 bis 80 (selten bis 100) Zentimeter erreicht. Sie bildet lockere Horste. Die aufrechten bis aufsteigenden, gelbgrünen Halme besitzen zwei bis fünf Nodien (Knoten).[4]

Die wechselständig an den Halmen angeordneten Laubblätter sind in Blattscheide und Blattspreite gegliedert. Die Blattscheide ist behaart. Das sehr kurze Blatthäutchen besitzt einen fein gezähnten Rand. Die einfache Blattspreite ist 3,5 bis 12 cm lang sowie 2 bis 5 mm breit.

Der vielblütige, bis 20 Zentimeter lange, rispige Blütenstand ist von charakteristischer goldgelber Farbe. Während der Blütezeit von Mai bis Juni sind die Rispenäste ausgebreitet, später werden sie zusammengezogen. Die meist dreiblütigen, 5 bis 7 Millimeter langen Ährchen sind zusammengedrückt und die Hüllspelzen gekielt. Die häutige Deckspelze ist an der Spitze zweigeteilt und trägt eine gekniete Granne. Die drei Staubblätter sind 1,3 bis 2,5 (selten bis 2.8) mm lang.[4]

Ökologie[Bearbeiten]

Der Wiesen-Goldhafer ist ein Hemikryptophyt, der lockere Horste bildet und zahlreiche Erneuerungsknospen an kurzen, oberirdischen Kriechsprossen besitzt. Die vegetative Vermehrung erfolgt durch kurze, ober- oder unterirdische Ausläufer.[5]

Die Ährchen werden bis zur Reife goldgelb.[5]

Der Wiesen-Goldhafer ist Kulturfolger. Die von ihren Spelzen umgebenen Karyopsen werden durch den Wind oder durch Tiere ausgebreitet. Fruchtreife ist von Juli bis Oktober. Die Karyopsen sind Lichtkeimer.[5]

Vorkommen und Grünlandnutzung[Bearbeiten]

Der Wiesen-Goldhafer kommt in weiten Teilen Europas sowie im Kaukasus vor. Vereinzelt ist er in Nordamerika und Neuseeland ein Neophyt.

Man findet ihn auf nährstoff- und basenreichen Wiesen besonders im Berg- und Hügelland. In den Alpen ist er in Höhenlagen bis zu 2.400 Metern zu finden. Seinen Verbreitungsschwerpunkt hat er in Fettwiesen (Arrhenatheretalia Pawl. 1928). In einer Höhenlage von 400 bis 900 Metern in kühl-feuchten Gebieten wird er zur Charakterart der Pflanzengesellschaft der Gebirgs-Fettwiesen (Polygono-Trisetion) bzw. Goldhaferwiesen (Trisetetum flavescentis).[6] Diese sind in den Alpen und den deutschen Mittelgebirgen verbreitet.

Der Goldhafer gilt als wertvolles Futtergras (Futterwertzahl 7), der durch Kultur in Gebiete gelangte, in denen er ursprünglich nicht vorkam. Sein reicher Calcitriol-Gehalt kann bei zu ausgiebiger Verfütterung Kalzinose hervorrufen.[7] Diese Wirkung bleibt auch im Dürrfutter aktiv.[8]

Systematik[Bearbeiten]

Mit 2n = 36 besitzt Trisetum flavescens eine ungewöhnliche Chromosomenzahl innerhalb der Tribus Aveneae, bei der die Chromosomengrundzahl x = 7 ist. Die Tribus Aveneae gehört zur Unterfamilie der Pooideae innerhalb der Familie der Süßgräser (Poaceae).[9]

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 durch Carl von Linné unter dem Namen (Basionym) Avena flavescens in Species Plantarum, 1, S. 80. Die Neukombination zu Trisetum flavescens (L.) P.Beauv. wurde 1812 durch Ambroise Marie François Joseph Palisot de Beauvois in Essai d'une Nouvelle Agrostographie 88, S. 153 veröffentlicht. Weitere Synonyme für Trisetum flavescens (L.) P.Beauv. sind: Avena sikkimensis Hook. f., Rebentischia flavescens Opiz, Trisetaria flavescens (L.) Baumg., Trisetaria flavescens (L.) Maire, Trisetum flavescens subsp. pratense (Pers.) Asch. & Graebn., Trisetum pratense Pers..[10][11].

Von der Nominatform

  • Trisetum flavescens subsp. flavescens (Gewöhnlicher Wiesen-Goldhafer) unterscheidet sich die Unterart
  • Trisetum flavescens subsp. purpurascens (DC.) Arcang. (Purpurner Wiesen-Goldhafer) durch im Durchschnitt breitere Blätter (5 bis 10 Millimeter) und eine rötlich überlaufene Rispe. Ihr Vorkommen ist auf steinige Grashänge des Hochgebirges beschränkt.[12]

Nicht mehr zu Trisetum flavescens gehört: Trisetum flavescens subsp. alpestre (Host) Asch. & Graebn., der Alpen-Goldhafer → heute Trisetum alpestre (Host) P.Beauv.

Literatur[Bearbeiten]

  • Mogens Skytte Christiansen: Gräser. Süßgräser, Sauergräser und Binsen (BLV-Bestimmungsbuch), 4.Aufl., München, Wien, BLV 1993, ISBN 3-405-13615-6
  •  Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora. Unter Mitarbeit von Theo Müller. 5., überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1983, ISBN 3-8001-3429-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Werner Rothmaler (Begr.), Eckehart J. Jäger, Klaus Werner (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland, Band 4, Gefäßpflanzen: Kritischer Band. 9. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2002, ISBN 3-8274-0917-9
  2. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 53, online.
  3. Informationen zur Grünlandnutzung. (PDF; 152 kB)
  4. a b Eintrag bei GrassBase.
  5. a b c Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korr. u. erw. Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
  6. Otti Wilmanns: Ökologische Pflanzensoziologie, 3. Aufl., 1984, ISBN 3-494-02027-2, S. 226
  7. http://www.botanikus.de/Botanik3/Ordnung/Goldhafer/goldhafer.html
  8. http://www.vetpharm.uzh.ch/reloader.htm?giftdb/pflanzen/0106_tox.htm?inhalt_c.htm
  9. Grit Winterfeld: Molekular-cytogenetische Untersuchungen an Hafergräsern (Aveneae) und anderen Poaceae, Dissertation Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, 2004 (PDF; 315 kB).
  10. Trisetum flavescens bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis. Abgerufen am 22. Juni 2013.
  11. Trisetum flavescens im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 22. Juni 2013.
  12.  Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz (= Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Band 2). 2. korrigierte und erweiterte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2007, ISBN 978-3-8001-4990-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wiesen-Goldhafer – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien