Echte Schlüsselblume

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Echte Schlüsselblume
Echte Schlüsselblume (Primula veris)

Echte Schlüsselblume (Primula veris)

Systematik
Familie: Primelgewächse (Primulaceae)
Unterfamilie: Primuloideae
Gattung: Primeln (Primula)
Untergattung: Primula
Sektion: Primula
Art: Echte Schlüsselblume
Wissenschaftlicher Name
Primula veris
L.

Die Echte Schlüsselblume (Primula veris) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Primeln (Primula) in der Familie der Primelgewächse (Primulaceae). Sie ist in weiten Teilen Europas und Vorderasiens verbreitet.

Trivialnamen[Bearbeiten]

Die Bezeichnung Schlüsselblume ist durch die Ähnlichkeit des Blütenstandes mit einem Schlüsselbund entstanden. Weitere Trivialnamen (volkstümliche Namen) sind Wiesen-Primel, Frühlings-Schlüsselblume (Schweiz), Wiesen-Schlüsselblume, Arznei-Schlüsselblume und Himmelschlüssel.

Beschreibung[Bearbeiten]

Illustration: auch die Heterostylie ist dargestellt.
Modell einer Schlüsselblume, Botanisches Museum Greifswald
Blütenstand mit fünfzähligen Blüten
Offene Kapselfrüchte
Fruchtstand und Samen

Erscheinungsbild und Blatt[Bearbeiten]

Die Echte Schlüsselblume wächst als ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 8 bis 30 Zentimetern erreicht und meist in kleineren und größeren Gruppen anzutreffen ist. Sie überwintert mit einem ausdauernden, dicken, kurzen Rhizom. Die vegetativen Pflanzenteile sind oft flaumig behaart aber nicht bemehlt.

Die Laubblätter sind in einer grundständigen Rosette angeordnet, die oft zu mehreren zusammenstehen. Die Laubblätter sind zwischen Blattspreite und geflügeltem Blattstiel undeutlich bis auffällig scharf abgrenzt. Die dünne und im Alter häutige, einfache Blattspreite ist bei einer Länge 5 bis 20 Zentimetern und einer Breite von 2 bis 6 Zentimetern eiförmig bis eiförmig-länglich mit spitzem bis stumpfem oberen Ende; sie verschmälert sich mehr oder weniger plötzlich in Richtung Blattstiel. Die dunkelgrüne Blattoberseite weist eine runzlige Struktur auf und die Blattunterseite ist hellgrün. Beide Blattflächen können weich mit einfachen Trichomen flaumig behaart oder kahl sein. Der wellige und unregelmäßig grob gezähnte Blattrand ist bei jungen Blättern nach unten eingerollt.

Blütenstand und Blüte[Bearbeiten]

Die Blütezeit erstreckt sich von April bis Juni (Deutschland und nördlicher) oder von Februar bis Mai (Österreich, Schweiz, Slowenien etc.). Auf einem mehr oder weniger langen, blattlosen, behaarten Blütenstandsschaft befinden sich in einem endständigen, einseitswendigen, doldigen Blütenstand fünf bis zu zwanzig Blüten. Die Tragblätter sind flach und ungleich. Die aufrechten bis nickenden, behaarten Blütenstiele sind mit einer Länge von 3 bis 20 Millimetern ein- bis dreimal so lang wie die Tragblätter.

Die zwittrige Blüte ist radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf blass-grünen, 0,8 bis 2 Zentimeter langen Kelchblätter sind bauchig und breit-glockig verwachsen. Die fünf dottergelben Kronblätter sind an ihrer Basis zu einer Röhre verwachsen. Die Kronröhre ist mit einer Länge von 8 bis 20 Millimetern höchstens so lang wie der Kelch. Der Kronschlund weist einen Durchmesser von 8 bis 28 Millimetern auf. Die fünf tellerförmig ausgebreiteten, 8 bis 14 mm langen Kronlappen besitzen an ihrer Basis einen orangefarbenen Fleck und sind am oberen Ende leicht ausgerandet bis deutlich gekerbt. Die fünf Staubblätter sind mit der Kronröhre verwachsen. Fünf Fruchtblätter sind zu einem oberständigen, einkammerigen Fruchtknoten verwachsenen. Im Zentrum des Fruchtknotens befindet sich die dicke Plazenta, an der die Samenanlagen sitzen.

Frucht und Samen[Bearbeiten]

Der überdauernde Kelch ist doppelt so lang wie die Kapselfrucht und umhüllt sie. Die bei einer Länge von 5 bis 10 Millimetern eiförmige, leicht bauchige Kapselfrucht öffnet sich bei Reife mit zehn Kapselzähnchen und entlässt die zahlreichen Samen. Die Samen besitzen winzige Bläschen.[1]

Chromosomenzahl[Bearbeiten]

Für europäische Populationen werden Chromosomenzahlen von 2n = 22 angegeben.

Unterscheidungsmerkmale zu ähnlicher Art[Bearbeiten]

Die Merkmale, mit denen sich die Echte Schlüsselblume unter anderem von der Hohen Schlüsselblume (Primula elatior) unterscheidet, sind die dottergelben, stark duftenden Blüten mit ihren fünf orangefarbenen Flecken (Saftmale) im Schlund der Blüte. Die Hohe Schlüsselblume dagegen duftet weniger stark und der Schlund ihrer Blüten ist goldgelb. Der Blütenkelch ist bei der Echten Schlüsselblume blassgrün, bauchig und glockig, während er bei der Hohen Schlüsselblume eng an den Blütenkronblättern anliegt.

Ökologie[Bearbeiten]

Die Echte Schlüsselblume ist eine Rosettenpflanze mit zwiebelförmigen Erneuerungsknospen. Das kräftige Speicher-Rhizom steht ziemlich senkrecht und verzweigt sich evtl. schon im 2. Jahr.

Blütenökologisch stellen die Blüten Stieltellerblumen dar. Bei den Blüten der Primula veris liegt Heterostylie vor. Sie bildet unterschiedliche Blütentypen mit zwei unterschiedlichen Griffellängen und Staubblattpositionen aus. Der eine Blütentyp besitzt einen langen Griffel und tief in der Kronröhre sitzende Staubblätter. Die köpfige Narbe befindet sich am Kronröhreneingang. Der andere Blütentyp besitzt einen kurzen Griffel, die Staubblätter sind hier wesentlich höher gelegen und enden am Kronröhreneingang. Die Heterostylie dient dazu, Nachbarbestäubung – genetisch gleichwertig mit Selbstbestäubung – zu vermeiden und damit Fremdbestäubung zu unterstützen. Die Bestäubung erfolgt durch langrüsselige Insekten wie Hummeln oder Faltern. Die Blütenkrone ist durch Flavonoide gelb gefärbt mit orangefarbenen, duftenden Saftmalen. Die Pollenkörner sind sehr klein.

Blütezeit ist von April bis Juni.

Die Samen besitzen winzige Bläschen und werden über den Wind ausgebreitet. Zum Keimen benötigen die Samen Kälte und Licht.[1]

Synökologie[Bearbeiten]

Die Echte Schlüsselblume dient mehreren Schmetterlingsraupen als Futterpflanze, darunter der Raupe der Silbergrauen Bandeule, auch Trockenrasenbusch-Bandeule genannt (Epilecta linogrisea) und des Schlüsselblumen-Würfelfalters, beide in ihrem Bestand gefährdete Arten.

Verbreitungskarte von zwei Unterarten.

Vorkommen[Bearbeiten]

Diese kalkliebende Art kommt in ganz Europa und Vorderasien vor, lediglich im Süden der Mittelmeerländer und im äußersten Norden ist sie nicht beheimatet. Als Standorte werden trockene Wiesen, lichte Wälder, Waldränder und Waldschläge insbesondere von krautreichen Eichenwäldern, mitteleuropäischen Flaumeichenmischwäldern, west-submediterranen Flaumeichenwäldern, Hainbuchenwäldern oder auch Seggen-Buchenwäldern bevorzugt. Sie steigt von der Ebene bis zu einer Höhenlage von 1700 Meter.

Standorte und Verbreitung in Mitteleuropa[Bearbeiten]

Die Echte Schlüsselblume braucht kalkhaltigen, stickstoffarmen, lockeren Lehmboden mit reichlicher Humusbeimischung.

Sie besiedelt Halbtrockenrasen, trockene Wiesen, Raine und lichte Laubwälder. Sie fehlt im Tiefland westlich der Elbe weitgehend, im übrigen Tiefland ist sie selten, ebenso in Gebieten mit kalkfreiem Gestein. Im übrigen Mitteleuropa kommt sie zerstreut vor.

Systematik[Bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung von Primula veris erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 1, S. 142–143.[2] Der Gattungsname Primula kommt von Primus für „der Erste“ Artepitheton veris ist abgeleitet von ver für Frühling; Primula veris bedeutet also „die Erste des Frühlings“.

Primula veris gehört zur Sektion Primula aus der Untergattung Primula in der Gattung Primula.[3]

Von Primula veris gibt es beispielsweise folgende Unterarten:[3]

  • Primula veris subsp. canescens (Opiz) Hayek ex Ludi (Syn.: Primula canescens Opiz)
  • Primula veris subsp. macrocalyx (Bunge) Lüdi (Syn.: Primula macrocalyx Bunge, Primula officinalis var. macrocalyx (Bunge) C.Koch, Primula uralensis Fisch. ex Rchb.): Sie wird von manchen Autoren als eigene Art Primula macrocalyx Bunge angesehen.
  • Primula veris subsp. suaveolens (Bertol.) Gutermann & Ehrend. (Syn.: Primula columnae Ten., Primula suaveolens Bertol., Primula veris subsp. columnae (Ten.) Lüdi)
  • Primula veris L. subsp. veris

Hybride[Bearbeiten]

Die Echte Schlüsselblume (Primula veris) kann mit der Stängellosen Schlüsselblume (Primula vulgaris) Hybride bilden, die Primula ×polyantha Mill. oder Primula ×variabilis Goupil non Bastard genannt werden und sowohl in den morphologischen als auch in den ökologischen Merkmalen zwischen den Elternarten stehen. Der Hybrid wird oft übersehen oder falsch bestimmt. Eine wissenschaftliche Arbeit aus der Schweiz zeigt, dass Primula ×variabilis im Tessin nicht selten ist und immer mit seinen Stammarten anzutreffen ist.

Verwendung[Bearbeiten]

Als Heilpflanze[Bearbeiten]

Primulae flos: Die Echte Schlüsselblume in Form ihrer Blütendroge

Schlüsselblumenblüten enthalten geringe Mengen an Saponinen, etwa drei Prozent Flavonoide -insbesondere Rutosid-, Carotinoide und Spuren von ätherischem Öl. Die Wurzeln enthalten drei bis zwölf Prozent Triterpensaponine, beispielsweise Primulasaponin oder Primacrosaponin, Phenolglykosiden wie Primulaverin sowie seltene Zuckerstoffe. Die Triterpensaponine üben eine reizende Wirkung auf die Magenschleimhaut aus. Dieser Effekt soll über Nervenfasern reflektorisch die Bronchialschleimhaut dazu anregen, mehr Schleim zu produzieren. Hierdurch verdünnt sich das Sekret und erleichtert das Abhusten. Extrakte aus Schlüsselblumen werden vor allem bei Erkältungen mit verschleimtem Husten und Schnupfen als Begleitsymptomatik eingesetzt. Als Nebenwirkung der Anwendung konnten Magenschmerzen und Übelkeit sowie allergische Hautreaktionen festgestellt werden.[4]

Frische, junge Schlüsselblumenblättchen können auch Salaten zugesetzt werden.

Als Zierpflanze[Bearbeiten]

Die Echte Schlüsselblume findet gelegentlich als Zierpflanze Verwendung. Gehölzgruppen, Rabatten und Steingärten in vollsonniger Lage sind geeignete Standorte. Die Vermehrung erfolgt durch Aussaat. Auch als Schnittblume in Blumensträußen wird sie gerne verwendet.[5]

Sonstiges[Bearbeiten]

Die Rhizome wurden früher auch für Niespulver verwendet. Mit den Blüten der Schlüsselblumen in kochendem Wasser werden in der Schweiz und Österreich auch Ostereier gefärbt. Vom Sammeln der Pflanze sollte man absehen, da sie regional gefährdet ist und beispielsweise nach der deutschen Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt ist.

Im Volksglauben galt die Echte Schlüsselblume als Schutz- und Fruchtbarkeitsmittel. In der nordischen Mythologie zählte sie zu den Pflanzen, die von Elfen und Nixen geliebt und beschützt werden. Auch wird von einer Sagengestalt, der Schlüsseljungfrau, berichtet, die auf ihrer Krone einen großen goldenen Schlüssel trägt und der Pflanze die Gabe verleiht, verborgene Schätze aufzuspüren.

Poesie und Musik[Bearbeiten]

Der Name Himmelsschlüssel bezieht sich auch darauf, dass diese Pflanzenart als eines der himmelöffnenden Frühlingskräuter gilt.

Bildhaft wird die Pflanze auch im Text der Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach (Bach-Werke-Verzeichnis 245, Nr. 31) in einem Bass-Arioso genannt mit den Worten:

Betrachte, meine Seel, mit ängstlichem Vergnügen,
Mit bittrer Lust und halb beklemmtem Herzen,
Dein höchstes Gut in Jesu Schmerzen,
Wie dir auf Dornen, so ihn stechen,
Die Himmelsschlüsselblumen blühn!
Du kannst viel süße Frucht von seiner Wermut brechen,
Drum sieh ohn' Unterlaß auf ihn !

Literatur[Bearbeiten]

  •  Sylvia Kels: Primulaceae. In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America. Magnoliophyta: Paeoniaceae to Ericaceae. 8, Oxford University Press, New York; Oxford 27. September 2009, ISBN 9780195340266 und ISBN 0195340264, Primula, S. 301 (Primula veris - textgleich online wie gedrucktes Werk).
  • Gertrud Scherf: Wiesenblumen. Der etwas andere Naturführer. BLV, München 2004, ISBN 3-405-16909-7.
  • Erich Müller, Helmut Sauer: Hausbuch der Naturmedizin. Gesund und leistungsfähig durch die Heilkräfte der Natur. Pawlak, Herrsching 1987, ISBN 3-88199-341-X.
  • Bertram Münker: Wildblumen. Mosaik-Verlag, München 1996, ISBN 3-576-10563-8, (Steinbachs Naturführer).
  • Siegfried Bäumler. Heilpflanzen Praxis heute – Portraits, Rezepturen, Anwendung. Seite 366. Elsevier Urban & Fischer München, 1. Auflage 2007.
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korr. u. erw. Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
  • Aichele/Schwegler: Die Blütenpflanzen Mitteleuropas, Franckh-Kosmos-Verlag, 2. überarbeitete Auflage 1994, 2000, Band 3, ISBN 3- 440-08048-X

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Eckehart J. Jäger (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. Begründet von Werner Rothmaler. 20., neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-8274-1606-3.
  2. Primula veris bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  3. a b Primula veris im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  4. Apothekenumschau
  5. Eckehart J. Jäger, Friedrich Ebel, Peter Hanelt, Gerd K. Müller (Hrsg.): Rothmaler Exkursionsflora von Deutschland. Band 5: Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum Akademischer Verlag, Berlin Heidelberg 2008, Seite 294, ISBN 978-3-8274-0918-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Echte Schlüsselblume – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien