Wikipedia:Wie schreibe ich gute Artikel
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Abkürzung: WP:GA, WP:WSIGA,WP:GUT
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Auf dieser Seite findest du einige Tipps für das Schreiben guter Artikel. Wenn dein Artikel später einmal strukturell, grammatisch oder stilistisch überarbeitet wird: Schäme dich nicht, fühle dich nicht angegriffen. Ein Schreibender sieht meist seine eigenen Fehler nicht, und jeder kann schließlich noch etwas hinzulernen. Am besten lernt es sich aus Beispielen: Im Review und auf den Seiten der Kandidaten für lesenswerte und exzellente Artikel diskutieren und verbessern die Wikipedianer täglich Artikel.
Grundsätze
Wie finde ich geeignete Themen?
Dass es in der Wikipedia schon fast zwei Millionen Artikel gibt, heißt nicht, dass nicht jeder problemlos noch etwas beitragen könnte. Auf der Wikiprojekte-Seite finden sich viele verschiedene Projekte, bei denen neue Mitarbeiter herzlich willkommen sind.
Vorarbeiten und Recherche
Vor dem Schreiben sind einige Vorarbeiten wichtig. Zunächst solltest du herausfinden, was zum geplanten Thema an Artikeln in der Wikipedia schon existiert, damit du nicht Artikel anlegst, die es schon gibt. Dabei kann dir die Suchfunktion eine gute Hilfe sein. Oft existieren auch in anderen Sprachversionen der Wikipedia, vor allem in der englischen Wikipedia, schon Artikel, aus denen du Informationen nach eigener Prüfung übernehmen kannst. Mehr dazu auf Recherche.
Wenn du einen Artikel neu anlegen willst, frage dich als erstes, ob er wirklich in eine Enzyklopädie passt. Die Richtlinien in „Was Wikipedia nicht ist“ liefern hierzu Hinweise. Wenn Artikel zu Personen, Firmen, Organisationen oder Handelswaren unterhalb der Relevanzschwelle liegen oder unter ungeeignetem Lemma abgefasst werden, riskierst du, dass sie schnell wieder gelöscht werden. Das gilt unabhängig davon, wie schön du sie schreibst. Um eventuelle Frustrationen zu vermeiden, ist es deshalb ratsam, vorher zu prüfen, ob die betreffende Person, Firma oder Organisation die Relevanzkriterien erfüllt.
Um an einem gelungenen Artikel mitzuwirken, schreibe über Themen, von denen du etwas verstehst. Sei selbstkritisch und konzentriere dich auf deine Spezialgebiete. Als Quellen zur Erstellung eines guten Artikels benötigst du Bücher, Zeitschriften oder stichhaltige Webseiten.
Beachte dabei, dass das Urheberrecht nicht erlaubt, Texte von anderen Seiten wörtlich zu übernehmen!
Verständlichkeit
→ Hauptartikel: Allgemeinverständlichkeit
Die Wikipedia ist eine allgemeine Enzyklopädie und kein Fachbuch. Sie soll auch für Laien verständlich sein. Erfordert das Verständnis des Themas ein spezielles Wissen, sollte daher die Einleitung den Artikelgegenstand nicht nur definieren, sondern auch knapp umschrieben in sein Umfeld einordnen. Behandle die einfacheren Aspekte des Themas möglichst am Anfang des Artikels und die komplexeren danach.
Begriffe, die nicht allgemein bekannt sind, sollst du möglichst vermeiden oder sparsam einsetzen. Lässt sich ein Fachausdruck nicht vermeiden, erkläre ihn anschaulich. Zusätzlich kannst Du ihn auch verlinken. Versuche nicht, Fachausdrücke, für die es keine allgemein anerkannte deutsche Übersetzung gibt, zwanghaft einzudeutschen.
Artikel sollen
- so allgemeinverständlich wie möglich sein, aber das jeweilige Thema in angemessener Breite und Tiefe darstellen, und
- den Zugang zum Thema so einfach wie möglich gestalten (besonders in der Definition und Einleitung, da diese im Allgemeinen zuerst gelesen werden).
Richtigkeit
Die Wikipedia ist ein Projekt zum Aufbau einer Enzyklopädie und keine Sammlung von Vermutungen; sie dient der Vermittlung von gesichertem Wissen. Fachbegriffe sollten Verwendung finden, wenn sie sinntragend für ein Fachgebiet sind und sich Belege dafür finden lassen. Gute Belege stammen aus der Fachliteratur und insbesondere aus wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Allgemein ist darauf zu achten, dass der Verfasser der als Beleg genutzten Literatur fachkundig ist; vor allem bei Informationen aus dem Internet.
Aufbau eines Artikels
Zu formalen Konventionen, die ein guter Artikel einhalten sollte, siehe Wikipedia:Wie gute Artikel aussehen und Wikipedia:Formatierung. Die folgenden Abschnitte konzentrieren sich auf den Inhalt.
Begriffsdefinition und Einleitung
Begriffsdefinition und Einleitung eröffnen den Artikel und leiten zum ersten Abschnitt über. Sie sollten das Lemma als Bezeichnung klären und dem Begriff nach in seiner Grundbedeutung erklären. Bei mehrdeutigen Benennungen ist eine Begriffsklärung sinnvoll und der Hinweis auf die Begriffsklärungsseite angebracht, damit Homonyme unterschieden werden. Der erste Satz ordnet den Gegenstand des Artikels möglichst präzise in seinen sachlichen Kontext ein. Hierbei werden der Titel des Artikels und eventuelle Synonyme in Fettschrift gesetzt. Beispiele:
-
- Aszites (von griech. ασκίτης askites, Bauchwassersucht) ist eine Flüssigkeitsansammlung in der Bauchhöhle.
- Als Aszites oder Bauchwassersucht wird in der Medizin eine anomale Ansammlung von Flüssigkeit in der Bauchhöhle bezeichnet.
Unmittelbar darauf sollte eine kurze Einleitung mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte des Artikelinhalts folgen. Die Einleitung soll dem Leser einen kurzen Überblick über das Thema ermöglichen und das Lemma in Grundzügen erklären. Es empfiehlt sich (vor allem bei Personenartikeln) bereits an dieser Stelle die Bedeutung hervorzuheben.
- Der Leser sollte die Einleitung mit einem Blick erfassen können. In ihr sind Hauptsätze besonders wichtig. Kurze, einfache und aussagekräftige Formulierungen sind besser als lange oder geschachtelte Erklärungen.
- Übersetze fremdsprachige Lemmata, selbst wenn sie bereits in den deutschen Sprachgebrauch übergegangen sind.
- Verweise stets kurz auf die historische Bedeutung des Begriffs, sofern es sich nicht selbst um ein historisches Thema handelt.
- Erwähne Superlative (ältester, größter) in der Einleitung nur, wenn sie zur Erklärung des Lemmas maßgeblich beitragen oder sich das Lemma ausdrücklich auf solche Besonderheiten stützt. Andere Superlative gehören an passende Stellen im Fließtext.
Überschriften und Absätze
Nach der Einleitung beginnt der Hauptteil des Artikels, der mit Überschriften gegliedert werden kann. Die erste Überschrift sollte den wichtigsten Teil der Erklärung oder geschichtliche Aspekte enthalten. Ab drei Überschriften wird automatisch ein Inhaltsverzeichnis angelegt, das im Artikel auf die Einleitung folgt. Zwischenüberschriften erhöhen die Lesbarkeit eines Artikels. Hier ist allerdings auf das rechte Maß zu achten: Einzelne Sätze rechtfertigen noch keine eigene Überschrift.
Formuliere Überschriften kurz und prägnant und vermeide Wiederholungen. Für viele Themengebiete gibt es Formatvorlagen, die bei der Abschnittseinteilung und Wahl der Überschriften helfen. Überschriften wie „Interessantes“ widersprechen dem neutralen Standpunkt, wie er in der Wikipedia gewünscht und gefordert wird. „Trivia“, „Weiteres“ oder „Weitere Informationen“ wären da beispielsweise bessere Alternativen. Noch besser ist es, derartige Verlegenheitsüberschriften zu vermeiden: Stelle die Informationen, wo immer möglich, in ihrem thematischen Zusammenhang dar und wähle eine Überschrift, die das Thema beschreibt.
Überschriften sollten grundsätzlich keine Links oder Einzelnachweise enthalten, da eine Überschrift als solches die Informationen einleitet und den Leser wissen lässt, dass ein Unterthema vorgestellt wird. Wikilinks sollten im Text des Abschnitts eingebunden werden (vgl. Wikipedia:Verlinken).
Absätze gliedern die Gedanken und Sinnzusammenhänge innerhalb eines Textes. Wenn du einen neuen Satz beginnst, der einen ganz neuen Gedanken einbringt, den alten aber nicht weiterführt, dann solltest du damit in einem neuen Absatz beginnen. Falls du aber den Gedanken des letzten Satzes weiterführst, ihn vielleicht ausbaust oder verschärfst, dann ist dieser Satz noch Teil des laufenden Absatzes und sollte optisch nicht abgesetzt werden.
Länge eines Artikels
Der Artikel sollte eine dem Thema angemessene Länge haben und nicht zu detailliert sein. Gegebenenfalls lassen sich Teile des Artikels in weiterführende Artikel auslagern. In diesem Fall sollte eine nicht zu knappe Zusammenfassung des ausgelagerten Textes an seine Stelle treten. Diese Möglichkeit hat sich beispielsweise bei vielen als Lesenswert oder Exzellent ausgezeichneten Artikeln bewährt. So verweist der allgemeine Artikel zur Relativitätstheorie am Anfang des Abschnitts Die spezielle Relativitätstheorie auf den Hauptartikel Spezielle Relativitätstheorie. Im allgemeinen Artikel folgt diesem Verweis ein kompakter Überblick zu diesem Thema.
Entspricht die Überschrift dem Lemma des Hauptartikels, kann unterhalb folgender Hinweis eingetragen werden:
→ Hauptartikel: Artikel
Es kann auch die Vorlage:Hauptartikel verwendet werden.
Behandelt ein anderer Artikel das Thema umfangreicher als im gegebenen Abschnitt dargelegt, kann dies so angezeigt werden:
→ Siehe auch: Exzellente Artikel
Links
Interne Links, also die Verbindung zu einem anderen Wikipedia-Artikel, sollen in erster Linie zur Verständlichkeit eines Artikels beitragen und daher nur auf zum Verständnis des Themas wichtige Artikel verweisen. So hilft im Artikel Poincaré-Vermutung ein Link auf „Mathematik“ dem Leser kaum weiter. Auch eingehende Links von anderen Artikeln gehören zu einem guten Artikel. Mehr dazu auf Wikipedia:Verlinken.
Führe unter einem Abschnitt „Weblinks“ eine kleine, sorgfältig zusammengestellte Auswahl externer Links auf, die – wie die Literaturhinweise – weiterführende Informationen bieten. In den Text selbst gehören keine externen Links. Mehr dazu auf Wikipedia:Weblinks.
Oft wird ein Abschnitt „Siehe auch“ erstellt, wo assoziative Verweise aufgeführt werden. Nach Möglichkeit sollte hinter dem jeweiligen verlinkten Artikel ein kurzer zusammenfassender Hinweis angefügt sein, warum der entsprechende Artikel unter „Siehe auch“ aufgeführt ist bzw. inwiefern es eine Verbindung zum Thema des Hauptartikels gibt. Dieser Hinweis kann in Klammern gesetzt sein oder nach einem Gedankenstrich „–“ folgen.
Literaturhinweise und Belege
Zu einem guten Artikel gehören auch weiterführende Literaturhinweise, die auf einem möglichst aktuellen Stand zu halten sind. Hierfür sind vollständige Literaturangaben notwendig, mit Erscheinungsort, Erscheinungsjahr etc. Die Angabe der ISBN bei Büchern, der ISSN bei Zeitschriften und Periodika ist zusätzlich hilfreich. Verweise auf wenige Standardwerke oder jüngere Publikationen der Forschung reichen aus; eine komplette Bibliografie wird nicht angestrebt. Längere Literaturlisten sollten kommentiert werden, um dem Leser die Orientierung zu erleichtern. Mehr dazu auf Wikipedia:Literatur.
Für eine Enzyklopädie ist es wichtig, dass die Angaben in den Artikeln überprüfbar sind. Was bei gedruckten Enzyklopädien durch ein verantwortliches Lektorat geschieht, muss in der Wikipedia dadurch erfolgen, dass Angaben nachgewiesen werden und überprüfbar sind. Fußnoten enthalten Einzelnachweise. Insbesondere bei kontroversen Themen ist es geboten, wichtige oder umstrittene Aussagen – möglichst beider Seiten im Sinne der Ausgewogenheit – mit einer Herkunftsangabe zu belegen. Die Wikipedia-Syntax (der Code im Quelltext eines Artikels) bietet für Fußnoten die folgende Möglichkeit:
Von Beyme zufolge unterscheiden sich richterliche Entscheidungen, der Idee nach, durch eine stärkere Bindung an Normen von politischen Entscheidungen.<ref>Klaus von Beyme: ''Das politische System der Bundesrepublik.'' 9. Auflage. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 1999, S. 419 (München 1979).</ref>
Die Auflösung der Fußnote erscheint dann an der Stelle im Text, die den Befehl <references /> enthält. Mehr dazu auf Wikipedia:Belege und Hilfe:Einzelnachweise.
Illustrationen
Die Bebilderung eines Artikels in Wikipedia sollte immer dem besseren Verständnis des Textes dienen, nie allein der Zierde. Passende Illustrationen lockern einen Text auf, riesige Bildergalerien sind auf Wikimedia Commons besser aufgehoben. Ein Kriterium für angemessene Bebilderung ist: Kannst du dich im Text auf das Bild beziehen und etwas Sinnvolles dazu schreiben?
Achte darauf, deine Illustrationen mit einer guten Beschreibung zu versehen. Um beispielsweise bei einem Gemälde Titel, Maler und Entstehungsjahr herauszufinden, sollte kein Extra-Klick auf die Bildbeschreibungsseite nötig sein. Mehr dazu auf Wikipedia:Artikel illustrieren.
Für alle verwendeten Bilder sollte bezüglich ihrer Lizenz Klarheit herrschen: Sie sollten unter einer freien Lizenz stehen oder gemeinfrei sein. Siehe dazu auch Hilfe:Bilder.
Gerade bei geografischen und historischen Themen ist es sinnvoll, Landkarten einzusetzen. So weiß der Leser sehr schnell, wo ein bestimmter Fluss ist, oder wo das wichtige Ereignis stattfand.
Stil
Schreibe in ganzen Sätzen
Voraussetzung eines guten Wikipedia-Artikels sind ganze und bestens kurze Sätze mit einer Aussage. Die Verben „sein“ und „haben“ nur sparsam verwenden – sie enthalten statische Information. Besseren Stil erzielt man mit ihrer Einfügung in den vorhergehenden oder anschließenden Satz. Sie studierte in Heidelberg Theologie. Ihre Lehrer waren X und Y. lässt sich verbessern zu einem eleganteren Sie studierte bei X und Y in Heidelberg Theologie.
Verschachtelte Satzkonstruktionen mindern die Verständlichkeit und lassen sich häufig vermeiden: Schreibe nicht
„Müller-Demasch nahm an der internationalen Seerechtskonferenz von 1909, bei der er ein stark beachtetes Referat über die Eigentumsverhältnisse an Eisbergen hielt, teil.“
Sondern schreibe: „… nahm an der internationalen Seerechtskonferenz von 1909 teil, bei der er …“ Oder noch besser: „… nahm an der internationalen Seerechtskonferenz von 1909 teil. Er hielt dabei …“
Reduzierung auf das Wesentliche
Implizite Voraussetzungen können einen Text inhaltlich stark verdichten. Das obige Beispiel fortgeführt: Die „Teilnahme“ Müller-Demaschs kann man implizit voraussetzen, wenn er dort ein Referat hielt, also: „Müller-Demasch hielt 1909 auf der internationalen Seerechtskonferenz ein Referat.“. Kennt der Autor auch den Inhalt des Referats, geht er einen Schritt weiter und setzt das gehaltene Referat implizit voraus. Also: „Müller-Demasch forderte 1909 auf der internationalen Seerechtskonferenz die Norm A“. Noch weiter geht der Text bei den Reaktionen, dann läßt sich der Inhalt implizit voraussetzen, also: „Reichskanzler von Z. lehnte Müllers-Demasche Norm-A-Forderung auf der internationalen Seerechtskonferenz von 1909 ab".
Hauptsachen in Hauptsätze
Ein Satz sollte nicht zu viele verschiedene Themen berühren. Einem wichtigen Ereignis solltest Du einen eigenen Hauptsatz gönnen. Der Leser sollte nicht mit zu vielen Informationen in einem Satz konfrontiert werden.
Ein Beispiel für einen überladenen Satz: „Prof. Hackenbruch reiste 1888 zur Erforschung der dort vom Aussterben bedrohten Leuchtschnabelbeutelschabe nach Madagaskar, wo er 1889 starb.“
Vermeide Passagen in Klammern oder Anführungszeichen.
Verben nach vorne
Wer seine Leser erreichen will, der stellt das Prädikat so weit nach vorne wie möglich. Mit günstiger Satzstellung lassen sich auch lange Sätze verständlich fassen. Folgender Satz macht es dem Leser unnötig schwer:
- „Beim Speichern deines Beitrags werden die Tilden durch deinen Namen und die Zeit, zu der du deinen Beitrag abgeschickt hast, ersetzt.“
Bedeutend angenehmer zu lesen und zugleich verständlicher wird der Satz in folgender Stellung:
- „Beim Speichern deines Beitrags ersetzt die Wiki-Software die Tilden durch deinen Namen und den Zeitpunkt, zu dem du deinen Beitrag abgeschickt hast.“
Am besten ist es jedoch, lange Nebensätze ganz zu vermeiden. Eine Möglichkeit wäre hier:
- „Die Wiki-Software ersetzt im gespeicherten Dokument die Tilden durch deinen Namen und den Zeitpunkt des Speicherns.“
oder gar:
- „Anstatt der Tilden erscheinen im gespeicherten Dokument dein Name sowie der Zeitpunkt des Speicherns.“
Der erste Satz verlangt selbst von einem geübten Leser einige Überlegung, indem er den Lesefluss erschwert. Der Idealfall ist: Die Wikipedia-Autoren geben sich Mühe, damit die Leser es leicht haben.
Verwende lebendige Verben
„Das Verbum ist das Rückgrat des Satzes. Wenn man die Handlung in ein Hauptwort zwingt und ein farbloses Zeitwort anleimt, so bricht man dem Satz das Rückgrat.“
Substantivierte Verben wirken spröde und oft ungenau (Nominalstil). Wenn die Texte gespickt sind mit „erfolgt“ und „durchgeführt“, dann „ung-en“ sie ganz bestimmt auch. So wie hier: „Die Durchführung der Aufführung des Stückes erfolgte durch die Schüler.“ Viel besser: „Die Schüler führten das Stück auf.“ Schau dir nach dem Schreiben die Verben an, die du verwendet hast: Findest du dort nur „haben“, „sein“, „erfolgen“ und ähnliche blasse Verben, gehe den Text noch einmal durch. Versuche dabei, den Schatz an Verben, den die deutsche Sprache bietet, auszuschöpfen („sein“ in „sich befinden“ und „können“ in „in der Lage sein“ umwandeln gilt nicht!).
Vermeide den übermäßigen Gebrauch des Passivs. Das Passiv dient dazu, den Gegenstand der Handlung gegenüber einem weniger wichtigen oder unbekannten Handelnden hervorzuheben: „Das Bild wurde 1990 gestohlen und blieb seither verschwunden.“ Wo hingegen keine solche Hervorhebung beabsichtigt ist, empfiehlt sich meist der Gebrauch des Aktivs. Anstatt: „Die Ampel wurde vom Autofahrer übersehen.“ solltest du einfach schreiben: „Der Autofahrer übersah die Ampel.“
Geteilte Zeitwörter wie „schlagen … vor“ oder „kündigen … an“ erschweren das sinnzusammenhängende Lesen und bergen die Gefahr von Missverständnissen – besonders in Verbindung mit Schachtelsätzen. Halte deshalb den Bogen dieser Verben kurz und teile Deine Sätze auf! Beispiel: „Die Bürger schlugen Heinrich Müller, dessen Einsatz mehreren Opfern das Leben rettete (deshalb schlugen sie ihn?), für eine Auszeichnung vor (ach so!)“. Besser formuliert ist deshalb: „Heinrich Müller rettete vielen Opfern das Leben. Deshalb schlugen die Bürger vor, ihn auszuzeichnen.“ (Oder: „Deshalb schlugen ihn die Bürger für eine Auszeichnung vor.“)
Wortwahl und Floskeln
Entferne Wörter, die weder dem Sinn etwas hinzufügen (d. h. die man ohne Aussageänderung weglassen kann) noch eine wichtige Funktion bei der Gedankenführung erfüllen. Achte im Interesse des neutralen Standpunkts auf eine sachliche Sprache und vermeide emotionale oder wertende Formulierungen.
Kraftausdrücke und Slang sind fehl am Platze. Unnötig sind auch Verstärkungen wie „extrem“, „ständig“, „total“, „fanatisch“ usw. In den meisten Fällen können sie ohne Bedeutungsverlust weggelassen werden, oder man kann sie leicht umformulieren und das Gemeinte treffender ausdrücken.
Ein Enzyklopädie-Artikel ist aber auch kein Vortrag. Unangebracht sind daher Floskeln wie „Bleibt zu erwähnen, dass …“, „… kann nicht behauptet werden“, „… ist zu betonen, dass …“ oder „… ist definitiv falsch.“
Nicht neutral (siehe neutraler Standpunkt) und umgangssprachlich ist das Wort sogenannt. Es führt Begriffe ein, die dem Autor ungewohnt oder unpassend erscheinen. Stilsicher und nicht wertend sind dagegen heißt, be(ge)nannt, mit Namen oder bezeichnet (als). Falsch ist zum Beispiel der Satz Uli Müller trainiert den FC Musterstadt, die sog. "Feuerteufel"-Elf. Richtig ist Uli Müller trainiert die Feuerteufel genannte Elf des FC Musterstadt.
Standardsprache statt Umgangssprache
Die Artikel sollen in Stil und Ausdruck nicht umgangssprachlich verfasst sein, sondern in standardisierter Schriftsprache, für die im Deutschen Spielräume der Generalisierung bestehen. Stolperfallen sind zum Beispiel:
- Unterschiedliche Rektion des Kasus: Die Präposition „wegen“ wird umgangssprachlich häufig mit dem Dativ verbunden. Standardsprachlich sollte nach „wegen“ meistenfalls jedoch der Genitiv folgen.[1] Die korrekte Form („wegen des Gewitters“) ist deswegen hier der alltagssprachlichen Formulierung („wegen dem Gewitter“) vorzuziehen.[2] Mit der Präposition „trotz“ kann aber auch standardsprachlich neben der zunehmend öfter benutzten Genitivform („trotz des Regens“) trotzdem regelgemäß die Dativform („trotz dem Regen“) weiterhin gebraucht werden.[3] In bestimmten Fällen ist bei beiden Präpositionen allein die Dativrektion standardsprachlich, etwa wenn der Genitiv im Plural nicht erkennbar ist („trotz Regenfällen“ und „wegen Regenfällen“) oder ein Genitivattribut dem Bezugssubstantiv vorangestellt ist („wegen des Regens plätscherndem Fallen“).[4]
- Dialektausdrücke und Bezeichnungen, die nur in einem relativ kleinen regionalen Gebiet vorkommen: Anstelle von Rundstück schreibt man besser Brötchen, Wels ist der regionalen Bezeichnung Waller vorzuziehen; der Plural von Wagen (im Sinn von ,Fahrzeug‘) ist in der Hochsprache Wagen, nicht Wägen.
Stilblüten und andere Stilfehler
Die Sprachkritik warnt nicht nur vor grammatikalischen Fehlern, sondern auch vor stilistischen; sie können die Zugänglichkeit und die Verständlichkeit eines Textes beeinträchtigen. Häufige Stilfehler sind:
- Stilblüten als eine nach Stelle und Stellung falsch verwendete Wendung, etwa: „Am eigenen Zweig sägen, um neue Bewegungen möglich zu machen“.
- Euphemismen (Beschönigungen): „Er ist im Krieg geblieben“ ist umhüllend für „Er ist im Krieg getötet worden“. Eher eine Stilblüte als ein Euphemismus wäre: „Der Angeklagte zeichnete sich durch seine Brutalität und Hinterhältigkeit aus.“. Entsprechend ist auch mißachtende Sprache (Dysphemismus) unerwünscht.
- Pleonasmen (Überfülle im Ausdruck): „optimal“ heißt ‚bestens‘ und kann daher nicht mehr gesteigert werden; deshalb ist „am optimalsten“ schlechtes Deutsch. Eine Synagoge ist immer auch ein jüdisches Gotteshaus, daher schreibt man nicht „jüdische Synagoge“. Übermäßig wäre ebenso: „Aber der andere Bericht konzentriert sich hingegen auf den eigentlichen Hintergrund.“ Denn sowohl „aber“ als auch „hingegen“ beziehen sich hier gleicher Weise und in gleicher Art auf den vorigen Satz.
Die Wikipedia ist kein literarisches Werk im schöngeistigen Sinne; daher wären absichtsvoll eingesetzte Stilfiguren wie etwa Oxymora oder Symploken unpassend.
Zeitangaben
Je nach Thema sind in der Wikipedia die Vergangenheits- oder die Gegenwartsform angebracht. Wenn du dich für eine Zeitform entschieden hast, wechsle nicht unbegründet. Für historische Sachverhalte verwendet man die Vergangenheitsform. Das „historische Präsens“ hingegen, also die Gegenwartsform bei vergangenen Ereignissen, ist nur für journalistische und literarische Texte geeignet, nicht für eine Enzyklopädie. Schreibe also nicht: „1965 geht er nach Paris.“, sondern: „1965 ging er nach Paris.“.
Vermeide indexikalische Ausdrücke wie im vorigen Jahr, letzte Woche, vor kurzem, derzeit, neuerdings, heute. Sie sind vom Zeitpunkt abhängig, an dem du die Formulierung in den Artikel geschrieben hast, und können leicht veralten. Auch ein Ehemaliger kann wiedergewählt werden, oder die Information ist trivial, etwa bei verstorbenen Personen („die damalige Kaiserin“) oder nach einem Regierungswechsel („der ehemalige Präsident“).
Gib also ein möglichst klares absolutes Datum an – oder stelle einen Bezug zu anderen absoluten Datumsangaben im Text her. (Siehe auch Datumskonventionen.) Schreibe also nicht: „Nachdem in den letzten Jahren auf den Färöern Vollbeschäftigung herrschte, steigt die Abreitslosenquote nun wieder an“, sondern: „Von 2007 bis 2009 hatten die Färöer Vollbeschäftigung. Seit Januar 2010 steigen die Arbeitslosenzahlen jedoch wieder. Im April 2011 lag die Quote bei 7,7 %“.
Füge einen Zeitpunkt hinzu, wenn Sachverhalte sich voraussichtlich ändern werden. So wird für die Leser erkennbar, wie aktuell die Angabe noch ist. Politiker sind (zunächst) nur ein paar Jahre im Amt, schreibe also:
- „Bürgermeister ist seit 2010 Jakob Maria Mierscheid“,
- „Bürgermeister ist Jakob Maria Mierscheid (Stand 2013)“, oder
- „Bürgermeister Jakob Maria Mierscheid amtiert für die Wahlperiode 2010–2016.“
Bei jeder Zeitangabe, die sich auf ein in der Zukunft liegendes Datum bezieht, beispielsweise für geplante Termine oder erwartete Ereignisse, sollte die Vorlage:Zukunft verwendet werden. Damit wird diese Textstelle kategorisch gekennzeichnet und einer zukünftigen Überarbeitung nach Ablauf des betreffenden Datums leicht zugänglich.
Abkürzungen und Kurzform
Der Artikelname ist normalerweise keine Abkürzung, sondern der voll ausgeschriebene Ausdruck. Auch am Artikelanfang sollte der volle Ausdruck stehen. Sollte es eine offizielle oder eingebürgerte Abkürzung geben, nenne sie direkt danach in Klammern. Danach musst du entscheiden, ob der volle Ausdruck oder die Abkürzung bekannter ist. Bei sehr langen Ausdrücken ist die Abkürzung vorzuziehen: „NATO“ statt „North Atlantic Treaty Organisation“; dasselbe gilt für Abkürzungen, die als solche nicht mehr wahrgenommen werden, wie Modem oder Aids.
Eine (oft elegantere) Alternative zur Abkürzung kann eine Kurzform sein. Statt „Deutscher Olympischer Sportbund“ kann man im Artikel vom „DOSB“ oder vom „Sportbund“ sprechen. Auch hier gilt: Diese Form sollte leicht verständlich oder eingebürgert sein.
Übertreiben solltest du es jedoch nicht mit den Abkürzungen, da sonst die Verständlichkeit leidet: So ist „Sportverein“ besser lesbar als „SV“, von Eigennamen abgesehen. Die Schreibweise von Zahlen und Einheiten steht in WP:SVZ#Zahlen im Fließtext. Gängige Abkürzungen wie „ca.“ oder „z. B.“ dürfen wahlweise benutzt oder auch ausgeschrieben werden (vgl. Wikipedia:Korrektoren). Wenn sie jedoch nur als Füllwort dienen, lässt man sie besser weg.
→ Siehe auch: Wikipedia:Abkürzungen
Zurückhaltung bei Listen
Eine Enzyklopädie dient nicht dazu, Daten und Fakten aufzuzählen, sondern Wissen zu vermitteln und Zusammenhänge zu erläutern. Insbesondere bei Ereignissen oder der Geschichte eines Artikelgegenstandes ist das Wesentliche, was passierte, und weniger wesentlich, wann es passierte. Im Regelfall ist dafür Fließtext die richtige Wahl. Listen sind insbesondere dann sinnvoll, wenn durch Verlinkungen Artikel erschlossen werden. Bezugslose Rohdaten-Listen sind nicht erwünscht. Tabellen können eine sinnvolle Ergänzung eines Artikels darstellen, besonders dann, wenn Datenreihen im Tabellenformat leichter gelesen und aufgefasst werden können als im Fließtext (zum Beispiel bei technischen Daten).
Akademische Grade
Akademische Grade, wie beispielsweise Dr., Dipl.-Ing. oder Mag., und Amtsbezeichnungen, beispielsweise Prof., sind keine Namensbestandteile. Sie sollen dem Namen von Personen nicht vorangestellt oder ohne weitere Erläuterung nachgestellt werden. Diese Schreibweise ist in Enzyklopädien allgemein so üblich. Eine Ausnahme sind Künstlernamen wie Dr. John oder Professor Longhair.
Typografie
Eine Grundregel der Typografie ist der Verzicht: Sei sparsam mit Auszeichnungen! Ein Artikel, in dem jedes zweite Wort kursiv oder fett ist, wirkt unruhig und liest sich schlecht. In der Regel sollten nur das Stichwort und dessen Synonyme fett ausgezeichnet werden. Das kann z. B. bei (mehreren) Künstler- oder Herrschernamen der Fall sein.
Auch sollten Unterstreichungen vermieden werden, um Verwechslungen mit der üblichen Hyperlink-Darstellung zu vermeiden; damit verbleibt zur typografischen Auszeichnung nur der Kursivsatz. Diesbezüglich gibt es in der Wikipedia eine gewisse Uneinheitlichkeit. Wenig gebräuchliche oder noch in der Originalsprache verwendete Fremdwörter kann man kursiv setzen, für Titel von Zeitschriften, Filmen, Büchern oder Ähnlichem ist es üblich geworden. Man sollte sich darum bemühen, dass wenigstens innerhalb eines Artikels Einheitlichkeit herrscht.
Pro Wort bzw. Ausdruck reicht eine einzige Art der Auszeichnung aus, also entweder Anführungszeichen oder Fett oder Kursiv.
Ein häufiger Fehler ist das „Plenken“. Vor vielen Satzzeichen darf nach den Regeln der deutschen Zeichensetzung kein Leerzeichen stehen. Korrekte Anführungszeichen hingegen erfordern zwar den einen oder anderen Klick mehr, sehen aber schlicht schöner aus. Mehr ins Detail geht der dazugehörige Artikel Wikipedia:Typografie.
Richtlinien zu einzelnen Themenbereichen
Für verschiedene Themenbereiche in der Wikipedia gibt es gesonderte Richtlinien, die die allgemeinen ergänzen.
Siehe auch
- Wikipedia:Wie schreibe ich gute Artikel/Abkürzungen
- Wikipedia:Wie schreibe ich einen guten Musikartikel
- Wikipedia:Wie schreibe ich einen guten Geschichtsartikel
- Wie schreibe ich einen guten Country-Musik-Artikel
- Wie schreibe ich einen guten Biologie-Artikel
Weblinks
Literatur
- Helga Esselborn-Krumbiegel: Von der Idee zum Text. Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben im Studium. Ferdinand Schönigh: Paderborn u. a. 2002.
- Peter Rechenberg: Technisches Schreiben (nicht nur) für Informatiker. 3. Aufl. Hanser, München und Wien 2006, ISBN 978-3-446-40695-7.
- Ludwig Reiners: Stilfibel. Der sichere Weg zum guten Deutsch. dtv, München o. J., ISBN 3-423-30005-1.
- Wolf Schneider: Deutsch für junge Profis: Wie man gut und lebendig schreibt. Rowohlt, Berlin 2010, ISBN 978-3-87134-672-9
- Wolf Schneider: Deutsch für Profis. Goldmann, München 1999, ISBN 3-442-16175-4.
- Wolf Schneider: Deutsch für Kenner. Die neue Stilkunde. Piper, München 1999, ISBN 3-492-22216-1.
Einzelnachweise
- ↑ Duden. Richtiges und gutes Deutsch. 6., vollständig überarbeitete Auflage. Dudenverlag: Mannheim/ Leipzig/ Wien/ Zürich 2007. ISBN 978-3-411-04096-4. Stichwort „wegen“.
- ↑ „wegen“, Absatz „Grammatik“. In: Duden Online. Abgerufen am 22. Dezember 2011.
- ↑ „trotzdessen“, Rubrik „Sprachberatung“. In: Gesellschaft für deutsche Sprache Online. Abgerufen am 20. Dezember 2011.
- ↑ „trotz“, Absatz „Grammatik“. In: Duden Online. Abgerufen am 20. Dezember 2011.