Wiktor Janukowytsch
| Kyrillisch (Ukrainisch) | |
|---|---|
| Віктор Федорович Янукович | |
| Transl.: | Viktor Fedorovyč Janukovyč |
| Transkr.: | Wiktor Fedorowytsch Janukowytsch |
| Kyrillisch (Russisch) | |
| Виктор Фёдорович Янукович | |
| Transl.: | Viktor Fëdorovič Janukovič |
| Transkr.: | Wiktor Fjodorowitsch Janukowitsch |
Wiktor Fedorowytsch Janukowytsch (ukrainisch Віктор Федорович Янукович
Aussprache?/i, russisch Виктор Фёдорович Янукович; * 9. Juli 1950 in Jenakijewo in der Oblast Donezk) ist ein ukrainischer Politiker und Mitglied der Partei der Regionen. Von November 2002 bis Januar 2005 und von August 2006 bis November 2007 war er Ministerpräsident der Ukraine. Seit dem 25. Februar 2010 ist er der Präsident der Ukraine.
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Leben [Bearbeiten]
Herkunft und Familie [Bearbeiten]
Janukowytsch stammt aus einer Arbeiterfamilie aus der Oblast Donezk; sein Vater, ein ethnischer Weißrusse, war Metallarbeiter, seine Mutter Krankenschwester – sie starb, als er zwei Jahre alt war. Seine Beziehung zum Vater wird als kompliziert geschildert. Im Dezember 1967 und im Juni 1970 wurde Wiktor Janukowytsch einmal wegen Diebstahls und einmal wegen Körperverletzung zu Haftstrafen verurteilt. Dazu erklärte er im Jahr 2002, dass er zweimal für Delikte bestraft worden sei, an denen er nicht teilgenommen habe, und dass seine Vorstrafen 1978 vom Donezker Oblastgericht gestrichen worden seien. Die meisten Dokumente über die Verurteilung von Janukowytsch sind heute nicht mehr auffindbar und die Echtheit der Unterlagen, die seine Rehabilitierung im Jahr 1978 belegen sollen, wurde von seinen politischen Gegnern wiederholt angezweifelt. Janukowytschs gerichtliche Verurteilungen werden häufig als Argumente gegen ihn verwendet.[1]
1969 arbeitete er zunächst als Gasinstallateur in der Metallfabrik seiner Heimatstadt, 1973 erhielt er einen Abschluss am dortigen Bergbau-Technikum. In verschiedenen Medien wurde wiederholt berichtet, Janukowytsch sei 1974 für die UdSSR als Rennfahrer bei der Rallye Monte Carlo angetreten;[2][3][4] die Rallye fiel in diesem Jahr wegen der Ölkrise allerdings aus. 1976 übernahm Janukowytsch die Leitung eines Fuhrparks in Jenakijewe. 1980 schloss er das Polytechnische Institut Donezk als Ingenieur für Maschinenbau/Mechanik ab. Außerdem hat er einen Abschluss der Ukrainischen Außenhandelsakademie als Magister für internationales Recht.
Janukowytsch arbeitete zunächst als Autoschlosser und Mechaniker. Etwa 20 Jahre lang war er anschließend in Führungspositionen von Industrieunternehmen („Donbastransremont“ - Донбастрансремонт, „Ukrwuhlepromtrans“ -Укрвуглепромтранс) sowie in der Donezker Oblast-Vereinigung für Automobilverkehr tätig.
Janukowytsch ist seit 1972 mit Ljudmila Olexandriwna verheiratet, er hat die Söhne Olexandr (* 1973) und Wiktor (* 1981).
Politik [Bearbeiten]
1996 wurde Janukowytsch als stellvertretender Vorsitzender in die Donezker Oblastverwaltung berufen. Vom 14. Mai 1997 bis November 2002 war er deren Vorsitzender sowie außerdem Abgeordneter im Donezker Oblastparlament. Von Mai 1999 bis Mai 2001 war er dessen Vorsitzender (Gouverneur).
Am 21. November 2002 wurde Janukowytsch als Nachfolger Anatolij Kinachs Premierminister der Ukraine. Am 31. Dezember 2004 kündigte Janukowytsch seinen Rücktritt als Ministerpräsident an. Präsident Kutschma nahm das Rücktrittsgesuch am 5. Januar 2005 an und bestimmte Vize-Regierungschef Mykola Asarow zum Nachfolger Janukowytschs.
Wiktor Janukowytsch wurde im Jahr 2002 „Mann des Jahres“ und erhielt den Verdienstorden 2. und 3. Klasse. Er ist Doktor der Wissenschaften, Professor, und Ordentliches Mitglied der Akademie für Wirtschaftswissenschaften der Ukraine. Er bekleidet noch weitere öffentliche Ämter, darunter war er bis 2005 Vorsitzender des Nationalen Olympischen Komitees der Ukraine.
Während der Präsidentschaftswahlen in der Ukraine 2004 kandididerte Janukowytsch für das Amt des Präsidenten und gewann den zweiten Wahlgang am 21. November nach ersten staatlichen Aussagen zunächst relativ knapp. Der Wahlsieg war jedoch von Wahlbetrugsvorwürfen überschattet, so dass nach den folgenden andauernden Massenprotesten (Orange Revolution) durch eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs in Kiew im Dezember die Stichwahl für ungültig erklärt und eine Wiederholung angeordnet wurde. Janukowytsch akzeptierte diese Entscheidung und unterlag bei den erneuten Stichwahlen am 26. Dezember mit 44,19 % der Stimmen gegenüber Wiktor Juschtschenko mit 51,99 %.
Bei den Parlamentswahlen im März 2006 konnte Janukowytschs Partei der Regionen überraschend eine relative Mehrheit von 186 der insgesamt 450 Sitze der Werchowna Rada für sich gewinnen, jedoch zunächst keine mehrheitsfähige Regierungskoalition bilden. Nachdem eine geplante Koalition aus dem Präsidentenbündnis Unsere Ukraine, dem Block Julija Tymoschenko (BJUT) und der Sozialistischen Partei unter Olexandr Moros im Juli durch den Ausstieg der Sozialisten zerbrach, stiegen Janukowytschs Chancen auf das Amt des Regierungschefs. Präsident Juschtschenko erklärte nach einigem Zögern Anfang August seine Bereitschaft, ihn zum Premierminister vorzuschlagen; die beiden Parteien der ehemaligen Gegner unterzeichneten ein Memorandum der Koalition der nationalen Einheit; am darauffolgenden Tag wurde seine Nominierung vom Parlament bestätigt.[5][6]
Als Ministerpräsident unter dem westlich orientierten Staatspräsidenten Juschtschenko trat Janukowytsch gegen einen NATO-Beitritt der Ukraine auf, jedoch sprach er sich für den EU-Beitritt der Ukraine aus und rückte somit teilweise von der engen außenpolitischen Orientierung an Russland ab.
Bei den vorgezogenen Parlamentswahlen 2007 wurde Janukowytschs Partei zwar erneut stärkste Kraft, jedoch errangen die beiden gegnerischen Parteien der „Orangen Revolution“ überraschend eine knappe Mehrheit. Auf der ersten Sitzung der neu gewählten Werchowna Rada erklärte Janukowytsch verfassungsgemäß seinen Rücktritt. Er blieb jedoch mitsamt seiner Regierung bis zur Wahl Tymoschenkos zur neuen Premierministerin am 18. Dezember 2007 im Amt. Nach seinem Rücktritt als Regierungschef wurde er erneut zum Vorsitzenden der Fraktion der Partei der Regionen in der Werchowna Rada gewählt.
Bei der Neuwahl des Staatspräsidenten Anfang 2010 setzte sich Wiktor Janukowytsch in der Stichwahl am 7. Februar 2010 mit 48,8 Prozent der Stimmen gegen Julija Tymoschenko durch[7]. Der bisherige Amtsinhaber Wiktor Juschtschenko war bereits im ersten Wahlgang ausgeschieden. Seine Konkurrentin Tymoschenko zog ihre zunächst eingereichte Klage gegen das Wahlergebnis, das sie als Resultat von Manipulationen ansieht, wegen des absehbaren Scheiterns vor Gericht zurück. Am 25. Februar wurde Wiktor Janukowytsch als vierter Präsident der postsowjetischen Ukraine vereidigt.[8]
Nach seinem Amtsantritt im Februar 2010 erklärte Janukowytsch, die Ukraine wolle ein blockfreies Land sein und verstehe sich als „eine Brücke zwischen Russland und der EU“. Einer NATO-Mitgliedschaft erteilte er eine klare Absage.[9] Die ukrainische Außenpolitik in den ersten Jahren seiner Präsidentschaft wurde von politischen Beobachtern im Ausland oft als widersprüchlich bewertet. Janukowytsch wurde in diesem Zusammenhang wiederholt ein "doppeltes Spiel" vorgeworfen, da er sich einerseits für die weitere Anbindung der Ukraine an die EU einsetze und wiederholt auch die EU aufforderte seinem Land die "Perspektive der Mitgliedschaft" zu geben, andererseits betreibe er aber gleichzeitig eine Annäherung seines Landes an Russland.[10][11] Die Beziehungen der Ukraine zur EU sind seit 2011 durch den Strafprozess gegen Julija Tymoschenko zunehmend belastet; Janukowytsch wurde in diesem Zusammenhang wiederholt vorgeworfen direkten Einfluss auf die ukrainische Justiz auszuüben und seine stärkste politische Gegnerin mit Hilfe dieses Strafverfahrens ausschalten zu wollen. Janukowytsch erklärte hingegen, die Justiz der Ukraine sei unabhängig und er wolle nicht in den Prozess gegen Tymoschenko eingreifen.[12] Im Zusammenhang mit dem Prozess gegen Tymoschenko setzte die EU die Unterzeichnung eines Assoziierungsabkommens mit der Ukraine vorläufig aus.[13]
Nachdem Janukowytsch sich bereits 2008 bei einem Parteitag der russischen Regierungspartei Einiges Russland zu einer zukünftigen Integration der Ukraine in einen einheitlichen Wirtschaftsraum mit Russland, Weißrussland und Kasachstan bekannt hatte,[14] bekräftigte er gegenüber dem russischen Präsidenten Putin bei einem Staatsbesuch 2012 erneut sein Interesse an einer gegenseitig vorteilhaften Zusammenarbeit im Rahmen dieser Zollunion.[15] Im März 2013 erklärte Janukowytsch hingegen, ein rascher Beitritt der Ukraine zur Zollunion stehe nicht zur Debatte.[16]
Schriften [Bearbeiten]
- Opportunity Ukraine Wien 2011. (Mandelbaum Verlag; ISBN 978-3-85476-379-6)
Quellen [Bearbeiten]
- ↑ „Knastväterchen Janukowitsch“, FAZ, 11. März 2012.
- ↑ Spiegel Online, November 2004
- ↑ Ukrajinska Prawda: "Прємьєр-міністр" Янукович, або неофіційна біографія для тих, хто підзабув: „… у 1974 Янукович навіть зміг виїхати за кордон для участі в авторалі в Монте-Карло. Хоча для людей, що побували у місцях не таких віддалених, в той час такі розваги були заборонені.“
- ↑ ronomost.pp.ua, Янукович, Виктор „Некоторые СМИ утверждают, что Янукович в 1974 году ездил в княжество Монако для участия в ралли Монте-Карло. Часть источников уточняет, что он ездил "по линии КГБ", объясняют первое (досрочное) освобождение Януковича сотрудничеством с администрацией колонии, а его дальнейшие успехи - покровительством Комитета госбезопасности. По другим сведениям, Янукович не мог участвовать в гонках: запланированное на январь 1974 года ралли в Монте-Карло было отменено из-за энергетического кризиса.“
- ↑ tagesschau.de: Juschtschenko schlägt Rivalen als Premier vor (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.) → Erläuterung, 3. August 2006
- ↑ Ukrajinska Prawda: http://pravda.com.ua/news/2006/8/3/45527.htm
- ↑ Beitrag "Janukowitsch gewinnt Stichwahl", Euronews, 9. Februar 2010
- ↑ NEWSru.ua: Янукович вступил на пост президента. Инаугурация состоялась.
- ↑ "Janukowitsch kündigt Westkurs an", Handelsblatt, 26. Februar 2010
- ↑ "Das doppelte Spiel des Wiktor Janukowitsch", Welt, 2. Januar 2012
- ↑ "Janukowitsch lehnt sich an den grossen Bruder Moskau an", Hamburger Abendblatt, 20. Oktober 2011
- ↑ Frankfurter Rundschau, September 2011
- ↑ EU legt Abkommen mit Ukraine auf Eis in die Welt am 14. Mai 2012.
- ↑ Länder-Analysen vom März 2010 (PDF; 486 kB)
- ↑ Janukowitsch lädt Putin nach Tschernobyl ein auf RIA Novosti am 15. Mai 2012.
- ↑ Janukowitsch: Keine Rede von Sofortbeitritt der Ukraine zur Zollunion, Stimme Russlands vom 4. März 2013
Weblinks [Bearbeiten]
- Offizielle Biografie auf der Webseite des ukrainischen Präsidenten
- Biografie bei Korrespondent.net (russisch)
- Artikel über Janukowytsch im Tagesanzeiger, Februar 2010
- Artikel in der Kyivpost über die engsten Vertrauten von Janukowytsch
- Interview mit Janukowytsch, faz vom 18. Oktober 2011
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Janukowytsch, Wiktor |
| ALTERNATIVNAMEN | Janukowytsch, Wiktor Fedorowytsch (vollständiger Name); Янукович, Віктор Федорович (ukrainisch) |
| KURZBESCHREIBUNG | ukrainischer Politiker |
| GEBURTSDATUM | 9. Juli 1950 |
| GEBURTSORT | Jenakijewe, Oblast Donezk, Ukraine |