Wil AG

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AG ist das Kürzel für den Kanton Aargau in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Wilf zu vermeiden.
Wil
Wappen von Wil
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Laufenburgw
Gemeinde: Mettauertali2
Postleitzahl: 5276
Koordinaten: 653746 / 26822147.5624998.152781381Koordinaten: 47° 33′ 45″ N, 8° 9′ 10″ O; CH1903: 653746 / 268221
Höhe: 381 m ü. M.
Fläche: 7.71 km²
Einwohner: 674 (31. Dez. 2009)
Einwohnerdichte: 87 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 8.9 % (31. Dez. 2009)
Karte
Wil AG (Schweiz)
Wil AG
www
Gemeindestand vor der Fusion am 1. Januar 2010

Wil (schweizerdeutsch: ʋiːl)[1] ist ein Dorf im Schweizer Kanton Aargau. Es liegt im Nordosten der Region Fricktal. Bis Ende 2009 bildete Wil eine eigenständige Einwohnergemeinde im Bezirk Laufenburg, seither ist es eines von fünf Dörfern in der neu entstandenen Gemeinde Mettauertal.

Geographie[Bearbeiten]

Das über ein Kilometer lange Strassendorf liegt am Etzgerbach im oberen Mettauertal. Das enge Tal wird auf beiden Seiten von Hügeln des Tafeljuras begrenzt, die im unteren Bereich steil aufragen und danach in flacher ansteigende Hochebenen übergehen. Der Etzgerbach ändert im Dorfzentrum seine Fliessrichtung von Nord nach West. Im Süden erhebt sich der Runifirst (495 m ü. M.), im Südwesten der Rotenberg (485 m ü. M.). Im Nordwesten verläuft der schmale Grat der Egghalde und des Weisstannenkopfs (beide 566 m ü. M.), im Norden erhebt sich die Kuppe der Ebnet (535 m ü. M.). Nahe der östlichen Gemeindegrenze vereinigen sich der Weisstannenkopf und die Ebnet zu einer ausgedehnten Hochebene, die landwirtschaftlich genutzt wird. Im Südosten steigt das Gelände zur Oberen Rüti (605 m ü. M.) an. Auf der Hochebene der Ebnet befindet sich der Weiler Ödenholz (521 m ü. M.), am Südhang der Egghalde der Weiler Egg (450 m ü. M.).[2]

Die Fläche des ehemaligen Gemeindegebiets betrug 771 Hektaren, davon waren 238 Hektaren bewaldet und 41 Hektaren überbaut. Die höchste Stelle des Gemeindegebietes lag knapp unterhalb des Gipfels der Oberen Rüti auf 600 Metern, die tiefste Stelle auf 355 Metern am Etzgerbach.

Nachbargemeinden waren Schwaderloch im Nordwesten, Leibstadt im Nordosten, Leuggern und Mandach im Osten, Hottwil im Südosten, Gansingen im Süden, Oberhofen im Südwesten sowie Mettau im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Verschiedene Funde lassen auf eine Besiedlung durch die Römer schliessen; es wird angenommen, dass der Name Wil von der Bezeichnung villa stammt. Um 400 zogen sich die Römer endgültig über die Alpen zurück. Rund hundert Jahre später besiedelten die Alamannen besiedelten die Gegend. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahr 1318, der Ortsname stammt vom althochdeutschen wilari und bezeichnet eine Hofsiedlung ohne nähere Besitzangabe.[1] Grösster Grundbesitzer war das adlige Damenstift Säckingen. Die Landesherrschaft über das Gebiet lag bis 1386 bei den Grafen von Habsburg-Laufenburg und ging dann an die ältere Linie der Habsburger über. Diese verpfändeten nach dem Waldshuterkrieg von 1468 das gesamte Fricktal an Burgund. Als die Burgunder von den Eidgenossen während der Burgunderkriege vernichtend geschlagen worden waren, kam Etzgen 1477 wieder unter österreichische Herrschaft.

Nach der Reichsreform des österreichischen Kaisers Maximilian I. im Jahr 1491 gehörte Wil zu Vorderösterreich und war Teil der Kameralherrschaft Laufenburg. Das Dorf grenzte sowohl an den Berner Aargau als auch an die Grafschaft Baden. Während des Schwabenkriegs von 1499 zogen Bauern aus dem Mettauertal plündernd durch die Dörfer im benachbarten Berner Aargau. Im 17. Jahrhunderts gab es kaum längere Friedenszeiten. Der Rappenkrieg, ein Bauernaufstand, dauerte von 1612 bis 1614. Der Dreissigjährige Krieg, der zwischen 1633 und 1638 auch das Fricktal erfasste, warf das Dorf in seiner wirtschaftlichen Entwicklung zurück. Auch während des Pfälzischen Erbfolgekriegs (1688–1697) zogen fremde Truppen durch die Region.

1797 wurde das Fricktal nach dem Frieden von Campo Formio ein französisches Protektorat. Während des Zweiten Koalitionskrieges verlief hier die Frontlinie zwischen den Armeen Frankreichs und Österreichs; bei Wil befand sich ein französisches Militärlager. Am 20. Februar 1802 wurde der Kanton Fricktal gegründet, der sich im August der Helvetischen Republik anschloss; damit war Wil schweizerisch geworden. Das Dorf gehörte zusammen mit Etzgen und Oberhofen zur Gemeinde Mettau im Distrikt Laufenburg.

Seit dem 19. März 1803 gehört Wil zum Kanton Aargau; im gleichen Jahr löste sich das Dorf von Mettau und bildete eine eigenständige Gemeinde. Zwischen 1850 und 1900 ging die Bevölkerungszahl um fast dreissig Prozent zurück. Viele Bewohner waren verarmt und mussten ihr Heimatdorf verlassen. Die Gemeinde organisierte und finanzierte in zahlreichen Fällen die Auswanderung nach Nordamerika. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein blieb Wil landwirtschaftlich geprägt, jahrzehntelang stagnierte die Bevölkerungszahl. Aufgrund der Wandlung zu einer Wohngemeinde ist sie seit Beginn der 1980er Jahre wieder leicht ansteigend.

Am 20. März 2008 beschloss die Gemeindeversammlung die Fusion von Wil mit Etzgen, Hottwil, Mettau und Oberhofen zur Gemeinde Mettauertal. Die Urnenabstimmung am 1. Juni 2008 fiel ebenfalls zugunsten einer Fusion aus. Der Zusammenschluss erfolgte am 1. Januar 2010.[3]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des ehemaligen Gemeinde- und heutigen Dorfwappens lautet: «Geteilt von Gelb mit wachsendem rotem Löwen und von Grün mit drei fünfstrahligen weissen Sternen.» Das Wappen wurde 1950 eingeführt. Der Löwenrumpf erinnert an die Herrschaft der Grafen von Habsburg-Laufenburg, die drei Sterne symbolisieren die Orte Wil, Ödenholz und Egg.[4]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[5]

Jahr 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000
Einwohner 739 521 522 533 558 539 530 566 666

Am 31. Dezember 2008 lebten 659 Menschen in Wil, der Ausländeranteil betrug 9,0 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 70,4 % römisch-katholisch und 17,3 % reformiert; 1,4 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[6] 97,1 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache.[7]

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Wil gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 180 Arbeitsplätze, davon 47 % in der Landwirtschaft, 16 % in der Industrie und 37 % im Dienstleistungssektor.[8] Neben der Holzverarbeitung besitzt auch der Weinbau eine gewisse Bedeutung; am Südhang der Ebene werden vor allem die Sorten Blauburgunder und Riesling angepflanzt. Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in den grösseren Gemeinden des Fricktals und des unteren Aaretals.

Verkehr[Bearbeiten]

Das Dorf liegt abseits der grösseren Durchgangsstrassen, die Hauptzufahrt erfolgt von Etzgen her. Diese Strasse führt weiter über den Bürersteig nach Remigen und schliesslich nach Brugg. Eine weitere Strasse führt über Ödenholz nach Leuggern. Wil wird durch die Postautolinie Brugg–Laufenburg an das Netz des öffentlichen Verkehrs angebunden.

Bildung[Bearbeiten]

Wil verfügt über einen Kindergarten und ein Schulhaus, in dem die Primarschule und unterrichtet wird. Die Sekundarschule kann in Gansingen besucht werden, die Realschule und die Bezirksschule im Schulzentrum Blauen in Laufenburg. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Aarau; aufgrund einer interkantonalen Vereinbarung können Jugendliche aus Teilen des Fricktals das Gymnasium in Muttenz (Kanton Basel-Landschaft) absolvieren.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Manuela «Manou» Oeschger (* 1984), Sängerin der Band beFour

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wil – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 463–464.
  2. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1049, Swisstopo
  3. Aargauer Zeitung: Fünf deutliche Ja zur Fusion, 21. März 2008.
  4.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen Kanton Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 314.
  5. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  6. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 16. Oktober 2012.
  7. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 16. Oktober 2012.
  8. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 16. Oktober 2012.