Wild at Heart – Die Geschichte von Sailor und Lula

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Wild at Heart – Die Geschichte von Sailor und Lula
Originaltitel Wild at Heart
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1990
Länge 120 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie David Lynch
Drehbuch Barry Gifford
Produktion Steve Golin
Monty Montgomery
Sigurjon Sighvatsson
Musik Angelo Badalamenti
Kamera Frederick Elmes
Schnitt Duwayne Dunham
Besetzung

Wild at Heart – Die Geschichte von Sailor und Lula ist ein Film von David Lynch aus dem Jahr 1990. Es handelt sich um die Verfilmung von Barry Giffords gleichnamigem Roman. David Lynch hat sich damit zum ersten Mal an ein klassisches Roadmovie gewagt.

Handlung[Bearbeiten]

Lula Pace und Sailor Ripley sind ein junges Liebespaar. Nach einer Gefängnisstrafe Sailors, zu der er verurteilt wurde, weil er mit bloßen Händen einen Mann tötete, der ihn mit einem Messer bedrohte, begeben sich die beiden auf die Flucht. Gemeinsam wollen sie ein neues Leben beginnen. Lulas Mutter Marietta, in deren Auftrag bereits die Messerattacke auf Sailor erfolgte, setzt ihren Liebhaber Johnnie Farragut, einen Detektiv, darauf an, die beiden aufzustöbern. Gleichzeitig heuert sie ohne Wissen ihres Freundes den Gangsterboss Marcello Santos an, einen weiteren „Freund der Familie“, der Sailor töten soll. Hintergrund ihrer Mordpläne ist ihre Verstrickung in den Brandanschlag, der ihren Mann das Leben kostete, und das mögliche Wissen Sailors über den Hergang der Tat. Auch damals steckte Marcello Santos hinter der Tat, Sailor arbeitete als Fahrer für ihn.

Lula und Sailor ahnen nichts von der Gefahr, die ihnen droht, und genießen ihre scheinbare Freiheit und Unabhängigkeit. Nur ein schwerer Verkehrsunfall, an dem sie vorbeikommen, belastet ihre Sorglosigkeit. Schließlich erreichen sie, finanziell völlig abgebrannt, eine kleine Stadt, in der Sailor noch vermeintliche Freunde hat. Bobby Peru, den er dort kennenlernt, überredet Sailor zu einem angeblich völlig unkomplizierten und sicheren Überfall, bei dem er genug verdienen werde, um mit der inzwischen schwangeren Lula das ersehnte neue Leben zu beginnen. Tatsächlich handelt es sich um eine Falle: Peru handelt im Auftrag von Marcello Santos, Sailor soll bei diesem Überfall sterben. Ein mehr oder minder zufälliger Polizeieinsatz verhindert diesen Plan. Bobby Peru schießt sich in der Ausweglosigkeit der Situation auf eine groteske Art selbst den Kopf vom Hals und Sailor kommt erneut hinter Gitter.

Nach einer mehrjährigen Haftstrafe Sailors hofft das Paar erneut auf ein Leben, das sie zusammen mit dem gemeinsamen Sohn beginnen wollen. Sailor sieht sich dieser Rolle zunächst nicht gewachsen, fürchtet, eine Belastung für Lula und ihren Sohn zu sein, und setzt sich ab. Als er kurze Zeit später von einer Straßengang zusammengeschlagen wird und bewusstlos zusammenbricht, erkennt er, dass er es ist, der entscheiden muss, welchen Weg er weitergehen will, und kehrt zu Lula zurück und singt für sie den Song Love Me Tender von Elvis Presley, was sie sich immer gewünscht hat.

Inspiration[Bearbeiten]

In Auberi Edlers Dokumentation Es war einmal … Wild at Heart erfährt man, dass Wild at Heart eine Hommage an Victor Flemings Musicalfilm Der Zauberer von Oz ist. Produzent Monty Montgomery hatte ursprünglich die Idee für die filmische Umsetzung des Romans von Barry Gifford und wollte als Regisseur agieren. Jedoch schlug Montgomery die Idee zum Filmprojekt seinem Freund David Lynch vor, der von dem Projekt überzeugt war und die Regie übernahm; Montgomery selbst fungierte als Produzent.[1]

Kritik[Bearbeiten]

„Eine mit gewaltigem Bild-, Ton- und Musikaufwand opernhaft inszenierte Mischung aus ‚amour fou‘, Gangstergeschichte und Roadmovie, die aus einer ironischen Märchenhaltung heraus die schrecklichen und widerwärtigen Seiten des Lebens schlaglichtartig erhellt, aber auch nachhaltig humane Werte und die Schönheiten des Daseins beschwört. Eine nicht selten geschmacklose Collage, die zugleich aber als verdichtete Momentaufnahme gegenwartsbezogener Realitäts- und Weltbetrachtung verstanden werden kann.“

Lexikon des Internationalen Films[2]

Musik[Bearbeiten]

Die Filmmusik ist 1990 als CD und LP erschienen: bei London Records für Großbritannien und Europa, bei Polydor für die USA und Kanada. Der Titel Wicked Game wurde nach Verwendung im Film zu einem Top 10 Hit in den USA, Großbritannien und in Deutschland.[3]

Titelliste[4]:

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Einfluss[Bearbeiten]

Wie viele andere Filme von David Lynch setzt auch Wild at Heart einen Trend und nahm Einfluss auf die Filmlandschaft. Besonders der Film Lulu & Jimi (2008) des deutschen Regisseurs Oskar Roehler basiert zu großen Teilen auf Lynchs Wild at Heart, ohne Lynch oder Giffords literarische Vorlage explizit zu nennen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Kathleen Murphy: David Lynch’s sweet bird of arrested development. In: Film Comment 26.1990,6, S. 59
  • James M. Welsh: Wild At Heart. In: Films in Review 41.1990, 11/12, S. 554
  • Bert Olivier: Dislocating the everyday. David Lynch’s “Wild at Heart” as cinema of the grotesque. In: South African journal of philosophy 11.1992,4, S. 96–102
  • Gerhard Bühler: Postmoderne auf dem Bildschirm, auf der Leinwand. Musikvideos, Werbespots und David Lynchs Wild at Heart. Gardez-Verlag, Sankt Augustin 2002. ISBN 3-89796-034-6 (Dissertation Universität Heidelberg)
  • Volker Pietsch: Persönlichkeitsspaltung in Literatur und Film. Zur Konstruktion dissoziierter Persönlichkeiten in den Werken E.T.A. Hoffmanns und David Lynchs. Peter Lang, Frankfurt am Main 2008. ISBN 978-3-631-58268-8

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Es war einmal … Wild at Heart (Zugriff am 13. Januar 2011)
  2. Wild at Heart – Die Geschichte von Sailor und Lula im Lexikon des Internationalen Films
  3. Chart-Statistik für "Wicked Game" auf chartsurfer.de
  4. http://www.discogs.com/Various-David-Lynchs-Wild-At-Heart-Original-Motion-Picture-Soundtrack/release/411120