Wilde Weinrebe

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Wilde Weinrebe
Vitis vinifera sylvestris Closeup SierraMadrona.jpg

Wilde Weinrebe (Vitis vinifera subsp. sylvestris)

Systematik
Ordnung: Weinrebenartige (Vitales)
Familie: Weinrebengewächse (Vitaceae)
Gattung: Weinreben (Vitis)
Untergattung: Euvitis
Art: Weinrebe (Vitis vinifera)
Unterart: Wilde Weinrebe
Wissenschaftlicher Name
Vitis vinifera subsp. sylvestris
(C.C.Gmel.) Hegi

Die Wilde Weinrebe (Vitis vinifera subsp. sylvestris), auch Wilder Weinstock oder Echter Wilder Wein genannt, ist eine Unterart von Vitis vinifera innerhalb der Gattung der Rebe (Vitis).

Merkmale[Bearbeiten]

Die Wilde Weinrebe ist eine verzweigte, verholzende Pflanze und erreicht Wuchshöhen zwischen 5 und 40 Meter. Die Borke älterer Zweige ist längsfaserig. Haftscheiben fehlen. Die rundlichen Laubblätter sind handförmig drei- bis fünflappig mit einer weiten Bucht an der Spreitenbasis.[1]

Im Gegensatz zur Edlen Weinrebe ist sie zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch); das bedeutet, dass die eingeschlechtigen Blüten an unterschiedlichen Pflanzen sitzen. Im locker rispigen Fruchtstand berühren sich die Beeren nicht. Die mit einem Durchmesser von 5 bis 7 (selten bis 10) Millimeter elliptischen Beeren sind sauer bis süß, färben sich bei Reife meist blau-schwarz und enthalten meist drei Samen. Die Samen sind mit einer Länge von 4,9 bis 5,7 Millimeter rundlich herzförmig.[2]

Ökologie[Bearbeiten]

Im Gegensatz zur Kultur-Rebe ist die Wildrebe zweihäusig d. h. es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Eine Naturverjüngung der Bestände ist demnach nur dort möglich, wo beide Geschlechter vorkommen. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten. Die Ausbreitung der Samen erfolgt endozoochor durch Vögel.

Vorkommen[Bearbeiten]

Wild-Rebe auf der Ketscher Rheininsel

In Österreich ist diese Unterart sehr selten in Wien und Niederösterreich (Auwälder an der Donau und March) anzutreffen.

In Deutschland ist Vitis vinifera subsp. sylvestris als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft.[1] Es gibt nur noch Bestände im Oberrhein-Gebiet, z.B. auf der Halbinsel Ketsch zwischen Mannheim und Speyer.[3]

In Iberien sind noch einige Standorte für Vitis sylvestris belegt, die eher zufällig gefunden wurden. Insgesamt scheint Iberien damit den größten Bestand zu haben, aber auch hier ist der Bestand am Aussterben.

In ihren Verbreitungsgebieten findet man die Wilde Weinrebe selten im Eichen-Ulmen-Auenwald oder in dessen Störstellen, vor allem in Verlichtungszuständen und an Waldrändern. Sie liebt feuchten, nährstoff- und basenreichen, tiefgründigen Lehm- und Tonboden. Nach Ellenberg ist sie subozeanisch verbreitet und eine Verbandscharakterart der Erlen- und Edellaub-Auenwälder (Alno-Ulmion).[2]

Die Wilde Weinrebe darf nicht mit dem Wilden Wein verwechselt werden, der aus Nordamerika stammt und inzwischen auch in Europa häufig ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Diese Unterart ist die Wildform der Kultur-Rebe.

Nach der letzten Eiszeit vor 10.000 Jahren hat die Rebe in Europa aus ihren Rückzugsgebieten im Mittelmeerraum kommend die Auenwälder klimatisch begünstigter Flusstäler besiedelt.

In der nacheiszeitlichen Wärmezeit reichte ihr Areal weit nach Norden, bis nach Belgien, Südschweden und Polen, wie es uns vorgeschichtliche Kernfunde bezeugen. Noch Mitte des 19. Jahrhunderts gab es im südlichen Oberrheingebiet, namentlich in den badischen Rheinwäldern noch mehrere tausend Exemplare. Durch die Rheinregulierung und als Folge der Trockenlegung und forstmäßigen Bewirtschaftung der ehemaligen Auenwälder verringerte sich die Individuenzahl gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf wenige Hundert. Durch forstliche Maßnahmen wurden die Lianen systematisch entfernt, so dass die Wildrebe heute nur noch in etwa 40 Exemplaren an zehn Standorten anzutreffen ist.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Vitis vinifera subsp. sylvestris. In: FloraWeb.de.
  2. a b  Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 4: Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklasse Rosidae): Haloragaceae bis Apiaceae, Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1992, ISBN 3-8001-3315-6.
  3. Rolf Blaich, Uni Hohenheim: Vitis vinifera

Weblinks[Bearbeiten]