Wildeshausen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Wildeshausen
Wildeshausen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Wildeshausen hervorgehoben
52.8930555555568.431388888888919Koordinaten: 52° 54′ N, 8° 26′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Oldenburg
Höhe: 19 m ü. NHN
Fläche: 89,47 km²
Einwohner: 18.866 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 211 Einwohner je km²
Postleitzahl: 27793
Vorwahlen: 04431, 04434, 04445
Kfz-Kennzeichen: OL
Gemeindeschlüssel: 03 4 58 014
Webpräsenz: www.wildeshausen.de
Bürgermeister: Kian Shahidi[2]
Lage der Stadt Wildeshausen im Landkreis Oldenburg
Landkreis Oldenburg Niedersachsen Landkreis Vechta Landkreis Diepholz Delmenhorst Bremen Landkreis Cloppenburg Landkreis Ammerland Oldenburg (Oldenburg) Landkreis Wesermarsch Colnrade Winkelsett Wildeshausen Großenkneten Prinzhöfte Beckeln Dötlingen Wardenburg Hatten Harpstedt Hude Ganderkesee Dünsen Kirchseelte Groß IppenerKarte
Über dieses Bild

Wildeshausen ist Kreisstadt des niedersächsischen Landkreises Oldenburg und liegt inmitten des Naturparks Wildeshauser Geest an der Hunte.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Wildeshausen aus der Luft. Mittig im Bild: Die Alexanderkirche

Wildeshausen liegt an der mittleren Hunte im Bereich des Geestdurchbruchtals der Ems-Hunte-Geest und grenzt nach Südwesten an den Landkreis Vechta, während das restliche Stadtgebiet nach Nordwesten, Norden und Osten an verschiedene Gemeinden des Landkreises Oldenburg angrenzt. Die Stadt ist von landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen, aber auch von Wäldern umgeben. Die noch vor einem guten Jahrhundert vorherrschenden Heideflächen sind bis auf kleinere Reste verschwunden.

Wildeshausen ist Kreisstadt des Landkreises Oldenburg und Mittelzentrum der Region. Die nächsten Großstädte sind Oldenburg (Oldenburg) im Norden (ca. 30 km), Bremen im Nordosten (ca. 30 km) und Osnabrück im Süden (ca. 70 km).

Nachbargemeinden und -orte[Bearbeiten]

Nachbarorte sind, beginnend von Norden im Uhrzeigersinn, die Gemeinde Dötlingen, die Gemeinden Prinzhöfte, Winkelsett und Colnrade (alle Samtgemeinde Harpstedt), die Gemeinde Goldenstedt, die Gemeinde Visbek, die Ortschaft Ahlhorn (Gemeinde Großenkneten) und schließlich die Gemeinde Großenkneten.

Großenkneten (13 km) Dötlingen (6 km) Prinzhöfte (11 km)
Ahlhorn (14 km) Windrose klein.svg Winkelsett (7 km)
Visbek (10 km) Goldenstedt (11 km) Colnrade (8 km)

Die Entfernungsangaben beziehen sich auf die Entfernung bis zum Ortszentrum.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Teich der Wassermühle Aumühle
Wassermühle Heinefelde

Neben dem historischen Stadtkern besteht die Stadt Wildeshausen auch aus der das Kerngebiet umgebenden Landgemeinde. Dieser gehören folgende Bauerschaften an, bei denen es sich überwiegend um bäuerlich geprägte kleine Dörfer oder Weiler handelt (Einwohnerzahlen in Klammern): [3]

Geschichte[Bearbeiten]

Anfänge und Geschichte im Mittelalter[Bearbeiten]

Die Umgebung von Wildeshausen ist als „Quadratmeile der Vorgeschichte“ bekannt. Das Gräberfeld von Pestrup, die Kleinenknetener Steine, die Grabanlage Visbeker Braut und andere Grabanlagen der Zeit vor Christi Geburt weisen auf eine frühe Besiedlung der Region hin. Seit der offiziellen Einweihung im Mai 2009 bilden diese Anlagen Stationen an der Straße der Megalithkultur.

Erinnerung an die „Translatio Sancti Alexandri“ durch Waltbert vor dem Rathaus Wildeshausen

Etwa im Jahre 800 erfolgt eine Besiedlung im Bereich des heutigen Wildeshausen, erstmals wird Wildeshausen in der Translatio Sancti Alexandri erwähnt. Der Ortsname Wildeshausen ist vermutlich von einem Nachkommen des sächsischen Herzogs Widukind namens „Wigald“ (abgeschliffene Form von „Wigwald“) abgeleitet. Der Ort wurde demzufolge anfangs Wigaldinghus genannt.[4] Im Winter 850/851 wurden die Gebeine des Märtyrers Alexander durch Waltbert, ebenfalls Nachkomme Widukinds, von Rom nach Wildeshausen überführt. Das in dieser Zeit gegründete Alexanderstift wurde in den folgenden Jahren mit Besitzungen reich beschenkt, der Ort gelangte im Mittelalter zu einer regionalen Bedeutung, verstärkt auch durch die Lage am Hunteübergang der Flämischen Straße von Lübeck über Bremen nach Flandern.

Als Begründer der Wildeshauser Linie des Oldenburger Grafenhauses gilt Heinrich I.. Während sein jüngerer Bruder Christian I. in Oldenburg residierte, richtete Heinrich I. sein Herrschaftszentrum in Wildeshausen ein, was einer faktischen Teilung der Herrschafts- und Besitzverhältnisse entsprach. Heinrichs Vater Egilmar II. war Vogt des Wildeshauser Alexanderstifts gewesen. Vermutlich hat Heinrich I. auch bereits eine Burg auf dem Wildeshauser Wittekindsberg errichtet. Nach seinem Tod 1167 übernahm sein Sohn Heinrich II. die Grafschaft bis 1198. Seine Söhne Heinrich III. und Burchard übertrugen Burg und Vogtei Wildeshausen an das Erzbistum Bremen, um es von ihm als Lehen zurückzuempfangen. Vorausgegangen war ein Konflikt mit der Oldenburger Linie des Grafenhauses um diverse Besitzrechte. Nach Burchards Sohn Heinrich IV. Tod 1270 fiel Wildeshausen dann als erledigtes Lehen an das Erzbistum Bremen.[5] 1270 erhielt die Siedlung das Bremer Stadtrecht und ist damit die älteste Stadt im Oldenburger Land. Spätestens ab 1282 war die Stadt von einer Stadtmauer umgeben. Im Jahre 1403 wurde die Schützengilde gegründet, die bis heute zu den wichtigsten Einrichtungen der Stadt gehört.

Wildeshausen gehörte zu dieser Zeit zu Bremen, wechselte aber im Spätmittelalter zu Münster. Nach einer Auseinandersetzung mit der münsterschen Regierung in der Reformationszeit, bei der ein Pfarrer von Wildeshauser Bürgern erschlagen wurde, wurden Burg und Stadt 1529 durch Münstersche Truppen besetzt. Der Wildeshauser Bürgermeister Lickenberg wurde hingerichtet, die Stadtmauer zerstört und Wildeshausen zu einem Flecken herabgestuft. Erst 1544 wurden wieder ein Wall um die Stadt errichtet und gewisse städtische Freiheiten erreicht. Zur alten Bedeutung gelangte Wildeshausen in den folgenden Jahrhunderten aber nicht mehr.

Wildeshausen in der Neuzeit[Bearbeiten]

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde auch Wildeshausen in Mitleidenschaft gezogen: So wurde 1623 die Heilig-Geist-Kapelle vor der Stadt zerstört und die Pest suchte Wildeshausen heim. Nach wechselnden Zugehörigkeit zu Schweden und Münster kamen Stadt und Amt Wildeshausen 1700 an das Kurfürstentum Hannover. Hierfür wurde das heute noch bestehende Amtshaus an der Alexanderkirche errichtet und der ebenfalls erhaltene Marktbrunnen vor dem Rathaus. Die letzten Reste der Burg wurden hingegen 1789 abgetragen, das baufällige Westertor 1808.

1803 erhielt Oldenburg Wildeshausen, welches im Mittelalter bereits Sitz einer Nebenlinie dieses Hauses war. Nach kurzer Unterbrechung in den Jahren 1810 bis 1813, wo Wildeshausen unter französischer Herrschaft stand, blieb die Stadt bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts Teil des Großherzogtums Oldenburgs. Während der französischen Zeit erhielten die Katholiken das Recht der freien Religionsausübung, es wurde eine katholische Kirche erbaut, die bereits 1822/23 wegen Baumängeln neu errichtet werden musste. 1830 wurde auch eine jüdische Gemeinde gegründet. Weiterhin hielt die moderne Zeit Einzug nach Wildeshausen: 1838 wurde der Friedhof von der Alexanderkirche vor die Tore der Altstadt verlegt, Villen entstanden ebenfalls außerhalb der Stadt. 1873 wurde das Krankenhaus Johanneum gegründet, 1898 erhielt die Stadt Anschluss an die Eisenbahn, 1899 an das Stromnetz, schon 1895 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet. Während des Ersten Weltkrieges gab es von 1916 an in Wildeshausen einen Luftschiffhafen. Die Luftschiffhalle befand sich etwa an der Stelle der heutigen Zeppelinstraße. Die Halle wurde zunächst vom Heer, später von der Marine für ihre Luftschiffe genutzt und nach dem Ersten Weltkrieg abgebrochen.

Mit der Oldenburgischen Gebietsreform 1933 wurde das Amt Wildeshausen aufgelöst und der Landkreis Oldenburg mit Sitz in Oldenburg gegründet, die Nationalsozialisten übernehmen auch hier die Macht. Die Wildeshauser Synagoge, die bereits aufgegeben war, wird an dem Tag nach der „Reichspogromnacht“ 1938 zerstört. Während des Zweiten Weltkriegs bleibt Wildeshausen von Zerstörungen weitgehend verschont.

Die Stadt seit 1945[Bearbeiten]

  • 1946: Wildeshausen wird niedersächsisch.
  • 1960: Wildeshausen wird mit der Wittekind-Kaserne, in der das Fallschirmjägerbataillon 272 und das Panzerartilleriebataillon 315 stationiert waren, Garnisonsstadt der Bundeswehr.
  • 1972: Am Vormittag des 13. November wurde die Stadt und Umgebung vom Orkan Quimburga mit Windgeschwindigkeiten von 200 km/h heimgesucht; es gab hohe Sachschäden an Gebäuden und Fahrzeugen, Waldgebiete im Umland wurden teilweise komplett vernichtet. Das damals noch über Land geführte Elektrizitäts- und Telefonnetz wurde zerstört, so dass zahlreiche Haushalte Tage oder Wochen ohne Strom und Telefonverbindung auskommen mussten. Die Bundeswehr und das Technische Hilfswerk waren im Einsatz, um die durch umgestürzte Bäume von der Außenwelt abgeschnittenen Häuser wieder zugänglich zu machen. Noch heute zeugen mehrere Gedenksteine in der Umgebung von Wildeshausen von der Katastrophe.
  • 1977: Wildeshausen erhält den Status eines staatlich anerkannten Luftkurortes.
  • 1988: Die Kreisverwaltung des Landkreises Oldenburg zieht von Oldenburg nach Wildeshausen, das damit Kreisstadt wurde. Für die Unterbringung der Kreisverwaltung wurde ein Gebäudekomplex neu errichtet.
Kreishaus in Wildeshausen
  • 2007: Die Bundeswehr verlässt Wildeshausen, der Standort Wittekindkaserne wird vollständig aufgegeben.

Die Stadt ist in den letzten Jahren durch die kontinuierliche Schaffung von Baugebieten mit einhergehendem Zuzug von Neubürgern stetig gewachsen.

Religionen[Bearbeiten]

Katholische Kirche St. Peter in Wildeshausen

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Stadtratswahl 2011
 %
40
30
20
10
0
30,27 %
29,71 %
19,91 %
10,99 %
6,58 %
2,52 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-11,36 %p
-1,05 %p
+8,23 %p
+4,95 %p
-3,28 %p
+2,52 %p

Der Rat der Stadt Wildeshausen besteht aus 32 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Stadt mit einer Einwohnerzahl zwischen 15.001 und 20.000 Einwohnern.[6] Die 32 Ratsfrauen und Ratsherren werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2011.

Stimmberechtigt im Rat der Stadt ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister. Dies ist seit dem 1. November 2006 der direkt gewählte parteilose Bürgermeister Kian Shahidi.

Der Rat setzte sich unmittelbar nach der Kommunalwahl 2011 wie folgt zusammen:[7]

Partei/Gruppierung Sitze
CDU 10
SPD 9
UWG 6
GRÜNE 4
FDP 2
LINKE 1

Bürgermeister[Bearbeiten]

Im September 2006 wurde der parteilose Kian Shahidi direkt in das Amt des hauptamtlichen Bürgermeisters gewählt.[2] Er hat drei gleichberechtigte stellvertretende Bürgermeister, die ihn bei repräsentativen Aufgaben vertreten.[8]

Bei den Kommunalwahlen in Niedersachsen 2014 konnte bei der ersten Wahl am 25. Mai keiner der vier zur Wahl des Bürgermeisters stehenden Kandidaten die absolute Mehrheit erreichen.[9] Bei der Stichwahl am 15. Juni konnte sich der parteilose Jens Kuraschinski gegen seine ebenfalls parteilose Konkurrentin durchsetzen.[10] Jens Kuraschinski wird das Amt am 1. November 2014 vom bisherigen Bürgermeister übernehmen.

Stadtwappen[Bearbeiten]

Das Wappen zeigt im silbernen Wappenschild die Frontansicht der alten Alexanderkirche mit zwei kurzen spitz bedachten Türmen, zwischen denen eine fünfblättrige Rose schwebt. Im blauen Torbogen das Haupt (gelb) des jugendlichen Märtyrers Alexander, des Schutzheiligen der Kirche.[11]

Heinrich II. heiratete Beatrix von Hallermund aus einem Grafengeschlecht mit Besitzungen um Springe am Deister. Unter ihrem Sohn Graf Heinrich III. wurden Ende des 12. Jahrhunderts die ursprünglich im Wappen aufgeführten ammerländischen Balken, die die Herkunft des Grafengeschlechtes aus dem Hause Oldenburg dokumentierten, gegen die drei Hallermunder Rosen ausgetauscht, um die Eigenständigkeit der Wildeshauser Linie zu betonen.[5]

Stadtflagge[Bearbeiten]

Die Farben der Stadtflagge sind Weiß und Rot.[11]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Wildeshausen hat folgende Partnerstädte:

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Altes Rathaus
Glockenspiel am Stadthaus
Alexanderkirche
Der Remter: Ältestes Gebäude in Wildeshausen
Brennereimuseum (vorne links) und Feuerwehr (hinten rechts)

Der Tourismus konzentriert sich auf die Sehenswürdigkeiten in der Wildeshauser Altstadt und auf die Sehenswürdigkeiten in der Umgebung der Stadt, die Stationen der Straße der Megalithkultur bilden.

Sehenswürdigkeiten im Ortskern[Bearbeiten]

In der von einem Wallring umgebenen Altstadt sind sehenswert das historische Rathaus mit einem hochgotischen Treppengiebel aus dem 13. bis 15. Jahrhundert, das als Zeichen der aufstrebenden Stadt in direkter Blickachse zur Alexanderkirche errichtet wurde. Der obere Saal des Rathauses dient heute als Veranstaltungsraum, unter anderem für Ratsversammlungen – die Stadtverwaltung selbst ist heute im benachbarten Stadthaus untergebracht, welches ein Glockenspiel mit Szenen aus der Wildeshauser Geschichte aufweist.

Zu den wenigen noch erhaltenen Fachwerkbauten in der Altstadt zählt das Dielenhaus Sägekuhle 2 von 1775. Es steht derzeit allerdings leer und verfällt zusehends.

Alexanderkirche[Bearbeiten]

Die evangelisch-lutherische Alexanderkirche ist eine spätromanische Basilika, die als Stiftskirche in der Mitte des 13. Jahrhunderts fertiggestellt wurde und nach der Auflösung des Stiftes als Stadtkirche dient. Ursprünglich wies die Kirche zwei Türme auf, die aber kurz nach ihrer Erbauung einstürzten. Im Innern wurde der Bau von 1907–10 im Jugendstil gestaltet, es sind aber auch einige Ausstattungsgegenstände aus der 800-jährigen Geschichte der Kirche erhalten, wie ein Triumphkreuz aus dem 14. Jahrhundert. Zwei Armreliquiare des heiligen Alexander aus der Zeit um 1220–1230 befinden sich heute in der Propsteikirche St. Georg in Vechta. Ein weiteres Überbleibsel des Stiftes ist der Remter (Kapitelhaus) aus dem 10. Jahrhundert, der das älteste Bauwerk Wildeshausens und eines der ältesten Profanbauten in Norddeutschland darstellt. Östlich des Remters wurde am 8. Oktober 2011 ein Bibelgarten eröffnet.

Burgberg[Bearbeiten]

Von der im 13. Jahrhundert erbauten, ehemaligen Burg ist nur noch der Burgberg erhalten geblieben, der heute ein Mahnmal zur Erinnerung an die Opfer beider Weltkriege beherbergt. In unmittelbarer Nachbarschaft des Burgbergs steht die Katholische St. Peter-Kirche vom Anfang des 19. Jahrhunderts, unterhalb des Burgberges erstreckt sich der Kurpark.

Dampfkornbranntweinmuseum[Bearbeiten]

Innerhalb der Altstadt befindet sich das Dampfkornbranntweinbrennereimuseum Wildeshausen[12]. Die ursprüngliche Brennerei wurde im Jahr 1850 von der Brennerfamilie Kolloge gegründet. Über Jahrzehnte hinweg produzierte sie etwa 200 verschiedene Spirituosen für die umliegende Region. Das fünfgeschossige Gebäude stammt aus dem Jahr 1895. Durch einen Orkan am 13. November 1972 stützten große Teile des Schornsteins der Brennerei ein. Daraufhin stellte der letzte aktive Brennereiunternehmer Ulrich Kolloge die Produktion ein. In Privatinitiative wurde das Gebäude seit 1978 restauriert und 1982 zu einem symbolischen Preis an den eigens gegründeten Museumsverein verpachtet. Herzstück der Destille ist die funktionierende Dampfmaschine, die bis 1972 den kompletten Dampfmaschinenpark antrieb. Das Museum wird nach wie vor vom Museumsverein betrieben und zählt etwa 2.000 Besucher jährlich. Seit 2010 ist das Museum Station der Route der Industriekultur im Nordwesten.[13]

Jüdischer Friedhof[Bearbeiten]

Der Jüdische Friedhof in Wildeshausen ist ein Kulturdenkmal. Er ist ein gut erhaltener jüdischer Friedhof im Landkreis Oldenburg. Auf dem Friedhof nördlich vom Wildeshauser Ortskern an der Ecke „Delmenhorster Straße“ und „Im Hagen“ befinden sich 86 Grabsteine für jüdische Verstorbene aus Wildeshausen und Umgebung aus den Jahren 1787 bis 1919.

Dokumente der Megalithkultur[Bearbeiten]

In der Umgebung von Wildeshausen befinden sich Megalithgräber und verschiedene Hügelgräber, die die Stadt als „Quadratmeile der Vorgeschichte“ bekannt machen. Von hoher Bedeutung sind hierbei das Pestruper Gräberfeld, das Hügelgräber von 900 bis 200 v. Chr. aufweist, und die Kleinenknetener Steine in dessen unmittelbarer Nähe; eines der Hünengräber wurde rekonstruiert, so dass man einen Einblick in das ursprüngliche Aussehen der Hünenbetten erhält.

Weitere vorzeitliche Grabanlagen auf dem Gebiet der Stadt Wildeshausen sind unter anderem die:

Wassermühlen[Bearbeiten]

Wildeshausen liegt auch an der Niedersächsischen Mühlenstraße in der „Region Oldenburger Münsterland und Wildeshauser Geest“. Auf dem Gebiet der Stadt Wildeshausen liegen die Lohmühle, eine 1556 errichtete Wassermühle,[14] und die 1487 erstmals urkundlich erwähnte Wassermühle in Heinefelde.[15] Sehenswert ist auch die Aumühle mit ihrem Mühlenteich.

Fernwanderwege[Bearbeiten]

In Wildeshausen endet der von Wilhelmshaven herkommende Jadeweg und beginnt der Pickerweg, ein Wanderweg, der bereits im Mittelalter als Handels- und Pilgerweg genutzt wurde und durch die Geestlandschaft nach Osnabrück führt. Beide Wege, die in Nord-Süd-Richtung verlaufen, werden vom Geestweg gekreuzt, der von Meppen im Westen nach Bremen im Nordosten führt. Alle drei Wanderwege werden vom Wiehengebirgsverband Weser-Ems betreut. Nicht nur für Wanderungen zu Fuß und per Fahrrad, sondern auch für Paddeltouren auf der Hunte ist Wildeshausen ein oft gewählter Ausgangspunkt.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Jährlicher Veranstaltungshöhepunkt ist das Gildefest, welches Pfingsten stattfindet. Als Gründungsjahr der Wildeshauser Schützengilde gilt das Jahr 1403. Weiterhin werden vom Handels- und Gewerbe Verein Wildeshausen (HGV) die jährlich wiederkehrende Veranstaltungen Frühjahrsmarkt, Schnäppchenmarkt, Herbstmarkt und Gänsemarkt organisiert.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Bahnhof Wildeshausen (Rückseite)
Wasserkraftwerk in der Hunte

Wirtschaft[Bearbeiten]

Wildeshausen ist Sitz des Landkreises und damit Sitz vieler Behörden und vornehmlich Dienstleistungsstandort.[16] Das agrarisch geprägte Umland begünstigt die Nahrungsmittelindustrie: Größter Arbeitgeber der Stadt ist die 1967 vom Landwirt Reinhold Stöver aus Aldrup gegründete Agrarfrost-Gruppe, ein Produzent von Tiefkühl- und Kartoffelprodukten.[17] Die Unternehmensgruppe Nordmann, die in verschieden Sparten des Getränkevertriebs und der Getränkeherstellung tätig ist, hat in der Stadt ihren Stammsitz. Auch Unternehmen der Fleischindustrie haben Niederlassungen in Wildeshausen. Wildeshausen ist Sitz des Verbandes KüchenTreff.

Tourismus[Bearbeiten]

Wildeshausen liegt im Zentrum des Naturparks Wildeshauser Geest. Der Fremdenverkehr spielt für die als Luftkurort ausgewiesene Stadt eine wichtige Rolle. Der Tourismus konzentriert sich auf die Megalith- und Hügelgräber in der Umgebung der Stadt, die Stationen der Straße der Megalithkultur bilden, und die Altstadt.

Verkehr[Bearbeiten]

Wildeshausen liegt an der Bahnstrecke Delmenhorst–Hesepe, die derzeit von der NordWestBahn betrieben wird, und hat einen Bahnhof mit Kreuzungsmöglichkeit, an dem zur vollen Stunde Züge in Richtung Osnabrück beziehungsweise Richtung Bremen kreuzen. Güterverladung auf die Bahn ist in Wildeshausen nicht mehr möglich, die Strecke selbst wird bis Rechterfeld noch sporadisch im Güterverkehr bedient.

Die Stadt ist über die Anschlussstellen Wildeshausen-Nord und -West an die A 1 angeschlossen. Die B 213 von Delmenhorst nach Cloppenburg umgeht den Stadtkern auf einer Neubautrasse. Über verschiedene Straßen ist die Kreisstadt mit den umliegenden Orten verbunden.

Energie[Bearbeiten]

In der Stadt Wildeshausen gibt es zwei Wasserkraftwerke. Das denkmalgeschützte Wasserkraftwerk Oldenburg entstand in den Jahren 1927 bis 1929 und befindet sich nahe dem Stadtkern direkt in der Hunte. Mit zwei Turbinen von je 670 PS erzeugt das E.ON Kraftwerk jährlich durchschnittlich zwei Millionen Kilowattstunden.[18] Ein weiteres Wasserkraftwerk befindet sich in Aumühle.[19] Die Stadt bezieht 100 Prozent ihrer elektrischen Energie aus erneuerbaren Energiequellen.[20]

Medien[Bearbeiten]

In Wildeshausen erscheinen die beiden Tageszeitungen Nordwest-Zeitung und Wildeshauser Zeitung, einer Tochter der Kreiszeitung. Dazu erscheint wöchentlich am Donnerstag der Wildeshauser Anzeiger, der vom Aller-Weser Verlag aus Syke herausgegeben wird. Sonntags gibt es die beiden kostenlosen Wochenblätter Oldenburger Sonntagszeitung und Kreisblatt am Sonntag. Seit Anfang 2014 erscheint außerdem die tägliche Onlinezeitung Die Hunte.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Amtsgericht

Seit 1991 ist Wildeshausen wieder Sitz eines Amtsgerichts, welches neben der Stadt auch für die Gemeinden Großenkneten, Dötlingen und die Samtgemeinde Harpstedt zuständig ist. Das vorherige Gericht war 1972 trotz langer Tradition des Gerichtsstandortes Wildeshausen geschlossen und dem Amtsgericht Oldenburg zugeordnet worden[21]. Nach Wiedereinrichtung des Gerichts wurde aufgrund geänderter Planungen und damit verbundener Überkapazität der Räumlichkeiten am Standort auch die IT-Schulung der niedersächsischen Justiz in Wildeshausen angesiedelt[22].

Bäder

Die Stadt Wildeshausen unterhielt mit dem Wildeshauser Kurbad am Krandel sowohl ein Freibad für die warme Jahreszeit als auch ein Hallenbad mit 25-m-Becken für das Winterhalbjahr. Im Oktober 2010 musste das Krandelbad geschlossen werden, da es aufgrund technischer und baulicher Mängel nicht mehr versicherbar war.[23] Seit mehreren Jahren werden Überlegungen zur Sanierung des Bades oder Neubau des Bades angestellt. Anfang 2013 wurde das alte Hallenbad abgerissen. Geplant ist an dessen Stelle ein neues Kurbad mit Schwimmbecken, das im Sommer 2014 eröffnet werden soll.[24]

Feuerwehr

Es gibt zwei Standorte der Freiwilligen Feuerwehr Wildeshausen, einen direkt im Stadtgebiet und einen in Düngstrup in der Landgemeinde. In der Feuerwehr stehen insgesamt über 100 Männer und Frauen für den aktiven Dienst zur Verfügung.

Des Weiteren gibt es in Wildeshausen eine Jugendfeuerwehr, die ihren Sitz im Feuerwehrhaus der Feuerwehr Wildeshausen hat. Hier werden über 30 Jugendliche, im Alter von 10 bis 17 Jahren, auf ihren Dienst in der aktiven Feuerwehr vorbereitet.

Krankenhaus
Johanneum (Alter Vordereingang)

Heute gibt es in Wildeshausen noch ein Krankenhaus, das Krankenhaus Johanneum. Der Träger des Krankenhauses ist ein Kuratorium, dem der katholische Pfarrer in Wildeshausen vorsteht. Dieses Krankenhaus wurde in den letzten Jahren modernisiert und erweitert, da ein früher vorhandenes zweites Krankenhaus (das evangelische) aufgegeben wurde.

Diakonie Himmelsthür

Diese Einrichtung betreut im Wesentlichen Menschen mit schweren Behinderungen. Sie bietet betreutes Wohnen, aber auch Arbeitsmöglichkeiten und vielerlei weitere Unterstützung. Die DH (früher Diakonische Werke Himmelsthür) ist der zweitgrößte Arbeitgeber der Stadt.

Weitere Einrichtungen

Wildeshausen ist Sitz eines Katasteramts, welches auch für andere Gemeinden des Landkreises Oldenburg zuständig ist. Wildeshausen ist ebenfalls Sitz der Kreisverwaltung des Landkreises Oldenburg.

Bildung[Bearbeiten]

Wallschule

In Wildeshausen befinden sich sieben Kindergärten, drei Grundschulen, jeweils eine Förderschule, Hauptschule und Realschule und ein Gymnasium, das in den 1970er Jahren gegründet worden ist. Daneben gibt es eine berufsbildende Schule (BBS) und eine Volkshochschule für die Erwachsenenbildung sowie einer Musikschule[25]. Die weiterführenden Schulen, insbesondere die BBS und das Gymnasium nehmen Schüler auch aus den benachbarten Gemeinden des Landkreises Oldenburg auf.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Johannes von Wildeshausen (* um 1180 in Wildeshausen; † 1252 in Straßburg), Theologe und Ordensmeister der Dominikaner
  • Georg Aportanus (* 1495 in Wildeshausen; † 1530 in Emden), Theologe und Reformator
  • Friedrich Kenkel (* 16. November 1885 in Wildeshausen; † 1. November 1948 in Vechta), erster Leiter der Pädagogischen Akademie in Vechta
  • Manfred Rollié (* 5. April 1930), Ehrenbürger der Stadt, Bürgermeister von 1981 bis 1999
  • Burghart Schmidt (* 30. November 1942), Philosoph, Professor für Sprache und Ästhetik
  • Reinhold Brinkmann (* 21. August 1934 in Wildeshausen; † 10. Oktober 2010 in Eckernförde), Musikwissenschaftler
  • Wigald Boning (* 20. Januar 1967 in Wildeshausen), Komiker, Komponist und Journalist

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Meiners: Wildeshausen. In: Herbert Obenaus (Hrsg. in Zusammenarbeit mit David Bankier und Daniel Fraenkel): Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Band 1 und 2 (1668 S.), Göttingen, 2005, Seite 1544–1551 (mit 3 Abb.)
  • Martina Junghans: Die Armreliquiare des Heiligen Alexander. Eine kunsthistorische Einordnung in: Heilige Helfer. Reliquien Alexanders und Reginas im Spiegel der Osnabrücker Bistumsgeschichte, Ausstellungskatalog Diözesanmuseum Osnabrück 2001, S. 81-93.
  • Hans-Christoph Hoffmann: Evangel.-luth. Alexanderkirche Wildeshausen. München/Zürich, 1989, 16 S. m. 14 Abb.
  • Olaf Blume und Bernd Oeljeschläger: Bildband Wildeshausen & Dötlingen. Informationen in Deutsch, Englisch und Französisch. CULTURCON medien, Wildeshausen 2008; ISBN 978-3-941092-03-7
  • Albrecht Eckhardt: Wildeshausen : Geschichte der Stadt von den Anfängen bis zum ausgehenden 20. Jahrhundert, Oldenburg, Isensee, 1999
  • Heino-Gerd Steffens: Die Anfänge der Stadt Wildeshausen, Ldkr. Oldenburg (Oldb.) In: Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte ; 45(1976). S. 477-491.
  • Albrecht Eckhardt: Die Entstehung der Stadt Wildeshausen. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte ; 67(1995). S. 139-157

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, Fortgeschriebene Einwohnerzahlen zum 31. Dezember 2012 (Hilfe dazu)
  2. a b Stadt Wildeshausen – Bürgermeister, abgerufen am 27. Januar 2013
  3. Stadt Wildeshausen: Landgemeinde Abgerufen am 10. Juli 2014.
  4. Hans Friedl u.a. (Hrsg.): Biographisches Handbuch zur Geschichte des Landes Oldenburg (im Auftrag der Oldenburgischen Landschaft). Oldenburg: Isensee, 1992. Artikel „Widukind“. S. 545ff. (PDF-Datei; 10,45 MB)
  5. a b Ursprung und frühe Geschichte des Oldenburger Grafenhauses, abgerufen am 11. Oktober 2011
  6. Niedersächsisches Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) in der Fassung vom 17. Dezember 2010; § 46 – Zahl der Abgeordneten, abgerufen am 9. Dezember 2011.
  7. Sitzverteilung des Stadtrates nach der Kommunalwahl 2011.
  8. Stadt Wildeshausen – Ehrenamtliche Stellvertreterinnen und/oder Stellvertreter des Bürgermeisters, abgerufen am 28. Januar 2013
  9. Ergebnis Wahl 25.05.2014. In: wahlen.kdo.de. Abgerufen am 16. Juni 2014.
  10. Ergebnis Stichwahl 15.06.2014. In: wahlen.kdo.de. Abgerufen am 16. Juni 2014.
  11. a b Hauptsatzung der Stadt Wildeshausen vom 21. Dezember 2006, abgerufen am 2. August 2011
  12. Dampfkornbranntweinbrennereimuseum Wildeshausen, abgerufen am 15. November 2009
  13. Metropolregion Bremen-Oldenburg im Nordwesten. Route der Industriekultur im Nordwesten. Station 3: Dampfkornbranntweinbrennereimuseum Wildeshausen
  14. Niedersächsische Mühlenstraße: Lohmühle Wildeshausen
  15. Niedersächsische Mühlenstraße: Die Wassermühle in Heinefelde
  16. Wirtschaftsstruktur der Stadt Wildeshausen, abgerufen am 2. Mai 2011
  17. Geschichte Agrarfrost, abgerufen am 8. März 2011
  18. Hunte Natur Info, Seite 10 (PDF-Datei; 11,01 MB), abgerufen am 5. Mai 2011
  19. Die Aumühle, abgerufen am 5. Mai 2011
  20. Energymap: Stadt Wildeshausen: 101% EEG-Strom, abgerufen am 14. Mai 2013
  21. Historie des Amtsgerichts Wildeshausen, abgerufen am 5. Juni 2014
  22. ZIB Niedersächsische Justiz, abgerufen am 5. Juni 2014
  23. Sofortige Schließung des Kurbades Wildeshausen, abgerufen am 6. April 2011
  24. Neubau Hallenbad Wildeshausen, abgerufen am 27. Januar 2013
  25. Webseite der Musikschule des LK Oldenburg, ansässig in Wildeshausen, aufgerufen am 27. Januar 2013

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wildeshausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien