Wildgrube

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschreibt den Ort Wildgrube; zum deutschen Politiker siehe Max Wildgrube.

51.58777777777813.38416666666792Koordinaten: 51° 35′ 16″ N, 13° 23′ 3″ O

Wildgrube
Höhe: 92 m
Fläche: 4,2 km²
Einwohner: 315 (1997)
Bevölkerungsdichte: 75 Einwohner je km²
Eingemeindung: 27. September 1998
Eingemeindet nach: Wahrenbrück
Postleitzahl: 04924
Vorwahl: 035341

Wildgrube war bis 1998 eine eigenständige Gemeinde. Am 27. September 1998 verlor der Ort seine Selbstständigkeit. Er ist jetzt ein Ortsteil von Uebigau-Wahrenbrück im brandenburgischen Landkreis Elbe-Elster. Von 1952 bis 1993 gehörte Wildgrube zum Kreis Bad Liebenwerda. Es liegt etwa 10 Kilometer nördlich der Stadt Bad Liebenwerda im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft. Neben dem Hauptort gehören zu Wildgrube auch die Ortsteile Braunkohlenwerk (BKW) und Wildgrube-Bahnhof.

Geschichte[Bearbeiten]

Ortsgeschichte[Bearbeiten]

Dorfstraße

Im Jahre 1309 wurde das Dorf erstmals urkundlich unter dem Namen „Wolfsgrube“ erwähnt und bereits 1335 als „Wyltgrube“ bezeichnet. Um 1383 kam Wildgrube in den Besitz Kursachsens. Die Herren Ileburg besaßen Wildgrube und die Umliegenden Dörfer und Städte und verpfändeten es 1384 an die Herren von Köckritz. 1516 fiel Wildgrube dann an das kurfürstliche Amt Liebenwerda und im gleichen Jahr wurde es zum größten Teil von Frondiensten befreit. 1589 wohnten im Ort 3 Gärtner und 14 Bauern, welche 12 Hufen Gemeindeflur bewirtschafteten.

Kirche in Wildgrube

Im dreißigjährigen Krieg 1637, als schwedische Truppen des Generals Johan Banér im Januar Torgau einnahmen, zogen sie durch das Elbe-Elster-Land und Wildgrube wurde geplündert und in Brand gesetzt, wobei der Ort komplett nieder brannte.[1][2][3] Danach wohnten hier nur noch zwei alte Weiber, welche sich von Betteln ernährten.

Aufgrund des Wiener Kongresses wurde der Ort im Frühjahr 1815 dem neuen Landkreis Liebenwerda und somit Preußen zugeordnet. 1816 zählte der Ort 102 Einwohner und 1835 gab es im Ort 19 Wohnhäuser, 109 Einwohner, 161 Schafe, 25 Pferde, 114 Rinder sowie 57 Schweine.[4]

Am 1. Dezember 1871 wurde die Teilstrecke Cottbus-Falkenberg/Elster der Halle-Sorau-Gubener Eisenbahn eröffnet und brachte einen wirtschaftlichen Aufschwung in der Region. Um den Abtransport der Kohle zu gewährleisten wurde später ein Anschlussgleis an die Brikettfabrik gebaut.

Mit Beginn der Bergbauepoche am Ende des 19. Jahrhunderts und speziell mit dem Aufbau der Brikettfabrik Wilhelm Nr.61 1896 [5] bei Wildgrube stiegen die Einwohnerzahlen erheblich an. 1910 lebten im Ort bereits 456 Menschen und der Bergbau entwickelte sich zum bedeutendsten Arbeitgeber. Der Ort vergrößerte sich in den kommenden 25 Jahren nach Süden und Osten, der Hungerbornweg und der Lehmgrubenweg wurden bebaut. Aus Wiesen und Wäldern wurde Wohngebiet.

Gedenkstätte am Bahnkilometer 106,7

Im Jahre 1933 wurde die Freiwillige Feuerwehr des Ortes gegründet, in den 1970er Jahren wurde im Ortskern ein neues Feuerwehrhaus erbaut.

Im Zweiten Weltkrieg stürzte am 7. März 1945 eine G 51 Mustang in der Nähe von Wildgrube ab.[6] Am 23. April 1945 befreiten vorrückende Truppen der Roten Armee am Bahnkilometer 106,7, welcher sich auf der Gemarkung Wildgrube befindet einen als Verlorener Zug in die Geschichte eingegangen Todestransport aus dem KZ Bergen-Belsen mit mehr als 2000 jüdischen Häftlingen. Einer im Zug ausgebrochenen Flecktyphus-Epidemie fielen während und nach der Fahrt mehr als 500 Menschen zum Opfer.

1946 besaß der Ort durch die Zuwanderung von Umsiedlern und zeitweilige Unterbringung von Flüchtlingen 758 Einwohner. Von 1949 bis 1951 wurde eine gemeindeeigene Kirche in Wildgrube gebaut, da viele der Christen zuwanderten und der Ort bis dahin keine Kirche hatte. 1956 gab es noch 600 Einwohner.

Die erste eigene Schule des Ortes wurde im Jahre 1811 geöffnet, zog zwei Mal um und wurde im Jahr 1970 erweitert. Seit 1976 trug sie den Namen POS Heinz Kapelle und wurde nach der Schließung 1986 zur Kindertagesstätte umgebaut. Seit 1986 besuchen die Kinder die Schule in Wahrenbrück.[7]

Schule mit Anbau, jetzt Kindertagesstätte

1991 wurden das Braunkohlenwerk stillgelegt und im Jahr 1996 die Fabrik in der Folge abgerissen. Übrig blieb ein leeres Industriegebiet welches bisher nicht wieder genutzt wird, daneben vereinzelt Häusern die teilweise bis heute leerstehen. Das Anschlussgleis, welches die Fabrik mit dem Reichsbahnnetz verband, wurde ebenfalls zurückgebaut.

Am 27. September 1998 wurde Wildgrube gemeinsam mit den Gemeinden Saxdorf, Beutersitz, Bönitz, Domsdorf, Kauxdorf, Marxdorf, Prestewitz, Rothstein, Beiersdorf und Winkel in die Stadt Wahrenbrück eingemeindet.[8] Am 31. Dezember 2001 wurden Wahrenbrück und die Stadt Uebigau mit den Gemeinden Bahnsdorf, Drasdo sowie Wiederau zusammengeschlossen und in Uebigau-Wahrenbrück umbenannt.[9]

Am 25. Juni 2011 wurde der Dorfclub gegründet, dieser organisiert Feste und kümmert sich um die Ortschronik.[10]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Einwohnerentwicklung von Wildgrube ab 1875 bis 1997[9]
Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner
1875 150 1946 758 1989 350 1995 321
1890 170 1950 703 1990 334 1996 309
1910 300 1964 511 1991 333 1997 315
1925 490 1971 535 1992 322
1933 517 1981 396 1993 325
1939 467 1985 378 1994 318

Heute leben im Ort weniger als 300 Einwohner und das Durchschnittsalter steigt.

Gewässer[Bearbeiten]

In der Gemarkung Wildgrube befindet sich das Restloch 120, es ist beim Kohlebergbau 1898-1912 entstanden.[11] Vom Bergbau ist an diesem Teich nicht mehr viel sichtbar, jetzt sind dort Bieber heimisch und er wird hauptsächlich für den Angelsport genutzt. Nördlich wird die Gemarkung durch den Rutengraben begrenzt. Im Süden der Gemarkung befindet sich ein sehr sumpfiges Wald- und Wiesengebiet, dieses Wird durch den Graben Riecke entwässert. Außerdem fließt noch ein kleiner Graben durch die Ortslage, da dieser große Ackerflächen im Osten des Ortes entwässert, sorgt er bei Starkregen oft für Überschwemmungen der angrenzenden Straße und lässt viele Keller volllaufen. Im Ort gibt es zwei Teiche, die für den Angelsport aber auch als Löschwasserteiche genutzt werden.

Das gesamte Gebiet wird in die Schwarze Elster entwässert.

Infrastruktur / Verkehr[Bearbeiten]

Die wichtigste Straße im Ort ist die L60, sie führt von Lauchhammer über Finsterwalde durch Wildgrube und endet an der B101 im Nachbarort Beutersitz (Bahnhof) und ist nur wenig befahren. Außerdem gibt es noch kleinere Straße z.B. K6216 (Beutersitzer Str.) und K6219 (Domsdorfer Straße) mit sehr wenig Verkehr. Über die Bundesstraße 101 ist der Ort sehr gut zu erreichen, aber die nächste Autobahn A13 ist fast 50 km entfernt.
Die Bahnstrecke Cottbus-Falkenberg/Elster führt ebenfalls durch Wildgrube, der nächste Haltepunkt befindet sich im Nachbarort Beutersitz, etwa 1,5 km entfernt. Dort hält ca. alle 2 Stunden ein Regionalzug. Die Anbindung an den Nahverkehr ist zu den Stoßzeiten per Bus relativ gut, am Abend oder in der Ferienzeit ist der Ort darüber jedoch schwierig zu erreichen.

Gewerbe[Bearbeiten]

Der größte und älteste Betrieb im Ort ist eine 1911 gegründete Bäckerei im Ortskern. Darüber hinaus sind als Handwerker ein Fliesenleger und ein kleiner Baubetrieb im Dorf. Am Bahnhof befindet sich ein Friseursalon und im Ortskern ein Gasthof, der nicht mehr täglich geöffnet ist. Bäuerliche Betriebe und Gemeinschaften gibt es seit der Wendezeit nicht mehr in Wildgrube. Die meisten Einwohner sind Arbeiter und Angestellte in größeren Betrieben der Umgebung oder Montagearbeiter.

Politik[Bearbeiten]

Ortsvorsteherin ist Frau Angela Thomas. Bürgermeister der Stadt Uebigau-Wahrenbrück ist der in Wildgrube wohnende Andreas Claus.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Hier wurden im sogenannten Schneewald Ende April 1945 auf Anweisung der Roten Armee 17 Tote aus dem Zug in einem Massengrab beerdigt. 1975 wurde an dieser Stelle eine Gedenkstätte eingerichtet.
  • Historischer Waschplatz

Fußnoten und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Johann Gottfried Gruber, Johann Samuel Ersch: Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste. Leipzig 1818 bis 1889. Digitalisat
  2.  Rudolf Matthies, Arbeitsgemeinschaften der Natur- und Heimatfreunde des Deutschen Kulturbundes Kreis Bad Liebenwerda (Hrsg.): „Verwüstete Heimat.“ In: Heimatkalender für den Kreis Bad Liebenwerda. Bad Liebenwerda 1960, S. 142 bis 148.
  3.  M. Karl Fitzkow, Fritz Stoy, Kreismuseum Bad Liebenwerda, Arbeitskreis für Heimatliteratur des Deutschen Kulturbundes Kreis Bad Liebenwerda (Hrsg.): „Tod und Brand des Dreißigjährigen Krieges.“ In: Jahrbuch für den Kreis Bad Liebenwerda. Bad Liebenwerda 1969/70, S. 61 bis 64.
  4.  „Übersicht der Bevölkerung und des Viehstandes im Jahre 1835“ in „Die Schwarze Elster-Unsere Heimat in Wort und Bild“. Nr. 596, Bad Liebenwerda 1985, S. 8 bis 10.
  5. http://www.lmbv.de/tl_files/LMBV/Publikationen/Publikationen%20Lausitz/Wandlungen%20und%20Perspektiven%20L/doku%2018_Veredlung_Brandenburg.pdf
  6. http://www.lr-online.de/regionen/herzberg/Besucher-fliegen-auf-Hubschrauber;art1056,4655342
  7. Quelle Schulchronik des Ortes
  8. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1998
  9. a b Historisches Gemeindeverzeichnis 2005 für Brandenburg (Online als PDF-Datei)
  10. Dorfclub Wildgrube 2011 gegründet
  11. http://www.lmbv.de/tl_files/LMBV/Publikationen/Publikationen%20Lausitz/Wandlungen%20und%20Perspektiven%20L/doku%2006_Troebitz_Domsdorf.pdf

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wildgrube – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien