Wildgrube

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Dieser Artikel beschreibt den Ort Wildgrube; zum deutschen Politiker siehe Max Wildgrube.
Dorfstraße

Wildgrube war bis 1998 eine eigenständige Gemeinde. Am 27. September 1998 verlor der Ort seine Selbständigkeit. Er ist jetzt ein Ortsteil von Uebigau-Wahrenbrück im brandenburgischen Landkreis Elbe-Elster. Von 1952 bis 1993 gehörte Wildgrube zum Kreis Bad Liebenwerda. Es liegt etwa 10 Kilometer nördlich der Stadt Bad Liebenwerda im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft. Wildgrube hat derzeit 299 Einwohner.

Geschichte[Bearbeiten]

Ortsgeschichte[Bearbeiten]

Im Jahre 1309 wurde das Dorf erstmals urkundlich unter dem Namen „Wolfsgrube“ erwähnt und bereits 1335 als „Wyltgrube“ bezeichnet. 1384 wurde er an die Herren von Köckritz verpfändet. 1516 fiel Wildgrube dann an das kurfürstliche Amt Liebenwerda und im gleichen Jahr wurde es zum größten Teil von Frondiensten befreit. 1589 wohnten im Ort 3 Gärtner und 14 Bauern, welche 12 Hufen Gemeindeflur bewirtschafteten.

Kirche in Wildgrube

1637 wurde Wildgrube von zwei großen Bränden heimgesucht, wobei der Ort komplett nieder brannte. Danach wohnten hier nur noch zwei alte Weiber, welche sich von Betteln ernährten. 1816 zählte der Ort 102 Einwohner und 1835 gab es im Ort 19 Wohnhäuser, 109 Einwohner, 161 Schafe, 25 Pferde, 114 Rinder sowie 57 Schweine.[1]

Am 1. Dezember 1871 wurde die Teilstrecke Cottbus-Falkenberg/Elster der Halle-Sorau-Gubener Eisenbahn eröffnet und brachte einen wirtschaftlichen Aufschwung in der Region.

Mit Beginn der Bergbauepoche am Ende des 19. Jahrhunderts und speziell mit dem Aufbau der Beutersitzer Kohlewerke bei Wildgrube stiegen die Einwohnerzahlen erheblich an. 1910 lebten im Ort bereits 456 Menschen und der Bergbau entwickelte sich zum bedeutendsten Arbeitgeber.

Gedenkstätte am Bahnkilometer 106,7

Am 23. April 1945 befreiten vorrückende Truppen der Roten Armee am Bahnkilometer 106,7, welcher sich auf der Gemarkung Wildgrube befindet einen als Verlorener Zug in die Geschichte eingegangen Todestransport aus dem KZ Bergen-Belsen mit mehr als 2000 jüdischen Häftlingen. Einer im Zug ausgebrochenen Flecktyphus-Epidemie fielen während und nach der Fahrt mehr als 500 Menschen zum Opfer.

1946 besaß der Ort durch die Zuwanderung von Umsiedlern und zeitweilige Unterbringung von Flüchtlingen 758 Einwohner. Von 1949 bis 1951 wurde eine gemeindeeigene Kirche in Wildgrube gebaut und 1956 gab es noch 600 Einwohner.

Die erste eigene Schule des Ortes wurde im Jahre 1811 geöffnet, zog zwei Mal um und wurde im Jahr 1970 erweitert. Seit 1976 trug sie den Namen POS Heinz Kapelle und wurde nach der Schließung 1986 zur Kindertagesstätte umbebaut.

Schule mit Anbau, jetzt Kindertagesstätte

[2]

Ende der 1990er Jahre wurden das Braunkohlenwerk stillgelegt und die Brikettfabrik in der Folge abgerissen.

Am 27. September 1998 wurde Wildgrube gemeinsam mit den Gemeinden Saxdorf, Beutersitz, Bönitz, Domsdorf, Kauxdorf, Marxdorf, Prestewitz, Rothstein, Beiersdorf und Winkel in die Stadt Wahrenbrück eingemeindet.[3] Am 31. Dezember 2001 wurden Wahrenbrück und die Stadt Uebigau mit den Gemeinden Bahnsdorf, Drasdo sowie Wiederau zusammengeschlossen und in Uebigau-Wahrenbrück umbenannt.[4]

Am 25. Juni 2011 wurde der Dorfclub gegründet, dieser organisiert Feste und kümmert sich um die Ortschronik.[5]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Einwohnerentwicklung von Wildgrube ab 1875 bis 1997[4]
Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner
1875 150 1946 758 1989 350 1995 321
1890 170 1950 703 1990 334 1996 309
1910 300 1964 511 1991 333 1997 315
1925 490 1971 535 1992 322
1933 517 1981 396 1993 325
1939 467 1985 378 1994 318

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Kriegerdenkmal zu Ehren der Gefallenen des Ersten Weltkrieges
  • Gedenkstätte zum Gedenken an den Verlorenen Zug am Bahnkilometer 106,7
Hier wurden im sogenannten Schneewald Ende April 1945 auf Anweisung der Roten Armee 17 Tote aus dem Zug in einem Massengrab beerdigt. 1975 wurde an dieser Stelle eine Gedenkstätte eingerichtet.

Fußnoten und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  „Übersicht der Bevölkerung und des Viehstandes im Jahre 1835“ in „Die Schwarze Elster-Unsere Heimat in Wort und Bild“. Nr. 596, Bad Liebenwerda 1985, S. 8 bis 10.
  2. Quelle Schulchronik des Ortes
  3. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1998
  4. a b Historisches Gemeindeverzeichnis 2005 für Brandenburg (Online als PDF-Datei)
  5. Dorfclub Wildgrube 2011 gegründet

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wildgrube – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

51.58608333333313.387083333333Koordinaten: 51° 35′ N, 13° 23′ O