Wilfried II. (Barcelona)

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Darstellung des „Grafen Guifre“ in einer katalanischen Handschrift um 1400.
Der Grabstein zu Grab Wilfried Borrells in Sant Pau del Camp.

Wilfried II. Borrell I. (katalanisch Guifré Borrell, spanisch Wifredo Borrell; † 26. April 911) war ein Graf von Barcelona, Girona und Osona aus dem Haus Barcelona. Er war einer der Söhne des Dynastiegründers Wilfried dem Haarigen und der Guinedilda.

Leben[Bearbeiten]

Da sein älterer Bruder Radulf eine klerikale Laufbahn eingeschlagen hatte, war Wilfried Borrell der Haupterbe seines Vaters und beerbte diesen in den wichtigsten Herrschaftszentren in Barcelona, Girona und Osona. Offenbar hatte er sich allerdings die Herrschaft mit seinem Bruder Sunyer teilen müssen. Die beiden anderen Brüder Miró und Sunifred wurden mit peripheren Territorien ausgestattet. Als Senior der Familie führte Wilfried, der auch Borrell genannt wurde, neben den Titel eines Grafen (comes) auch den des Markgrafen (marchio), der ihn als Lehnsherrn in der alten spanischen Mark auswies und seinen Vorrang gegenüber den Brüdern unterstrich.[1]

Seine Ehefrau hieß Gersende, vermutlich eine Tochter des Grafen Odo von Toulouse und der Gersende von Albi, die er noch von dem Jahr 898 geheiratet hatte. Das Paar hatte eine Tochter, Richilda (Riquilda, † 962), die 933 Vizegraf Odo I. von Narbonne heiratete. Möglicherweise war der in den Jahren 911 und 913 genannte Radulf, Sohn des Grafen Wilfried, sein Sohn, sofern dieser nicht mit seinem Bruder identisch war.

Wilfried Borrell war 899 an den westfränkischen Königshof in Tours-sur-Marne gezogen und wurde dort von König Karl III. dem Einfältigen im Besitz der pagi von Osona und Manresa schriftlich bestätigt.[2] Wahrscheinlich hatte er zuvor dem König den Lehnseid geleistet. Er war der letzte Graf von Barcelona, dessen persönliche Anwesenheit am Königshof dokumentiert ist. Einige Jahre später sollte sein Neffe Wilfried II. von Besalú 952 auch der letzte katalanische Graf überhaupt sein der den Königshof besuchte, was die zunehmende Verselbstständigung der historischen Region Katalonien vom fränkischen Reich ab dem frühen 10. Jahrhundert veranschaulicht.

Wilfried Borrell war 911 gestorben und in der von ihm gegründeten Klosterkirche Sant Pau del Camp in Barcelona bestattet wurden.[3] Dem im späten 12. Jahrhundert begonnenen und von legendenhaften Erzählungen durchzogenen Tatenbericht der Grafen Barcelonas nach, soll er von seinem eigenen Kind vergiftet worden sein.[4] Sein Bruder Sunyer übernahm die Alleinherrschaft.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ramon d’Abadal i de Vinyals: Un gran comte de Barcelona preterit: Guifre-Borrell (897-911), In: Cuadernos de Arqueología e Historia de la Ciudad de Barcelona, Vol. 5 (1964), S. 83–180.
  • Miquel Coll i Alentorn: Història/2 (Textos i estudis de cultura catalana). S. 201–203, L'Abadia de Montserrat, 1992.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. „Wilfredo comite hac marchio que vocant Borrello…“ Cartulario de Sant Cugat del Vallés, Vol. 1, hrsg. von José Rius Serra (1945), Nr. 3, S. 6.
  2. Catalunya Carolíngia II: els diplomes carolíngis a Catalunya. Secona part, hrsg. von Ramon d’Abadal i de Vinyals in, Memòries de la Secció Històrico-Aqueològica (2007), Nr. 34, S. 375–377.
  3. Coll i Alentorn, S. 191.
  4. Ex Gestis Comitum Barcinonensium, §2, in: Recueil des Historiens des Gaules et de la France, Vol. 9 (1874), S. 69.

Weblink[Bearbeiten]


Vorgänger Amt Nachfolger
Wilfried I. der Haarige Graf von Barcelona
Graf von Girona und Osona

897–911
Sunyer