Wilhelm Bousset

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Johann Franz Wilhelm Bousset (* 3. September 1865 in Lübeck; † 8. März 1920 in Gießen) war ein deutscher evangelischer Theologe. Er war Vertreter der Religionsgeschichtlichen Schule und lehrte in Göttingen und Gießen.

Leben[Bearbeiten]

Bousset ist Nachkomme einer Hugenottenfamilie. Sein Vater war seit 1861 37 Jahre lang lutherischer Pfarrer an St. Lorenz in Lübeck, seine Mutter stammte aus der Lübecker Handelsgärtnerei Steltzner und Schmalz.[1] Dieser familiäre Hintergrund prägte zeitlebens seine ernste Frömmigkeit. Er besuchte das Katharineum zu Lübeck bis zum Abitur Ostern 1884[2] und studierte dann Evangelische Theologie an den Universitäten Erlangen, Leipzig und Göttingen. In Erlangen trat er im Wintersemester 1884/85 der christlichen Studentenverbindung Uttenruthia bei, wo er Ernst Troeltsch kennenlernte, mit dem ihn lebenslange Freundschaft verband. In seiner Göttinger Studentenzeit schloss er sich der Burschenschaft Germania an.

An der Göttinger Universität habilitierte sich Bousset 1890 im Fach Neutestamentliche Theologie. Nach mehrjähriger Tätigkeit als Privatdozent wurde er dort 1896 zum außerordentlichen Professor ernannt. 1916 folgte Bousset einem Ruf an die Universität Gießen, wo er bis zu seinem frühen Tod 1920 lehrte. Von 1897 bis 1917 war er Mitherausgeber der Theologischen Rundschau.

Als Mitglied der Hannoveraner Landessynode erregte er mit der Forderung nach der aktiven Mitarbeit von Frauen in der Kirche den Zorn weiter kirchlicher Kreise. Er trat insbesondere für das Theologiestudium von Frauen ein und vertrat die Notwendigkeit des Pfarramts der Frauen.

Durch die Entfremdung der Arbeitermassen gegenüber Kirche und Religion tief betroffen, begeisterte er sich schon früh für die Ideen von Friedrich Naumann und trat 1919 zusammen mit seinem Studienfreund Ernst Troeltsch der Deutschen Demokratischen Partei bei.

Er war verheiratet mit Marie Bousset geb. Vermehren aus Lübeck (1867–1944). Sein jüngster Bruder war der Schriftsteller und Verleger Hermann Bousset (1871−1953). Er hatte noch eine Schwester und einen Bruder Theodor (* 1870).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hermann Bousset: Pastorenjungs, Berlin, Carl Flemming und C.T.Wiskott, 1922 (an mehreren Orten)
  2. Hermann Genzken: Die Abiturienten des Katharineums zu Lübeck (Gymnasium und Realgymnasium) von Ostern 1807 bis 1907. Borchers, Lübeck 1907. (Beilage zum Schulprogramm 1907), Nr. 852

Werke[Bearbeiten]

  • Evangeliencitate Justin des Märtyrers in ihrem Wert für die Evangelienkritik von neuem untersucht. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1891.
  • Der Antichrist in der Ueberlieferung des Judentums, des neuen Testaments und der alten Kirche: ein Beitrag zur Auslegung der Apocalypse. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1895.
  • Hauptprobleme der Gnosis. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1907.
  • Unser Gottesglaube (Religionsgeschichtliche Volksbücher. V. Reihe. Sechstes Heft), J. C. B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1908.
  • Kyrios Christos. Geschichte des Christusglaubens von den Anfängen des Christentums bis Irenaeus. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1913.
  • Jüdisch-christlicher Schulbetrieb in Alexandria und Rom. Literarische Untersuchungen zu Philo und Clemens von Alexandria, Justin und Irenäus. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1915 (ND Olms, Hildesheim/Zürich/New York 2004).
  • Apophthegmata. Studien zur Geschichte des ältesten Mönchtums. Aus dem Nachlaß hrsg. von Theodor Hermann und Gustav Krüger. Mohr, Tübingen 1923 (ND Scientia, Aalen 1969).

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Wilhelm Bousset – Quellen und Volltexte