Wilhelm Hünermann

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Prälat Wilhelm Hünermann
Wilhelm Hünermann, eigenhändige Widmung in einem seiner Bücher: "Meiner lieben Kousine Mariechen herzlichst gewidmet, Rheydt, 9. August 1939". Die Cousine hieß Maria Pulch und lebte in Grünstadt.
Wilhelm Hünermann, Bucheinband eines seiner frühen Werke. (Es handelt sich um das Buch, das er selbst seiner Cousine schenke.)

Wilhelm Hünermann (* 28. Juli 1900 in Kempen/Niederrhein; † 28. November 1975 in Essen) war ein katholischer Priester und deutscher Buchautor.

Leben[Bearbeiten]

Herkunft und Werdegang[Bearbeiten]

Hünermann war 1900 in Kempen am Niederrhein als Sohn eines Studienprofessors für Mathematik und Physik geboren. Dort besuchte er auch das Gymnasium und legte mit 17 Jahren sein Abitur ab. Danach rückte er als Soldat in den Krieg ein.

Nach Kriegsende begann der an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster Theologie zu studieren und wurde am 26. Mai 1923 zum Priester geweiht. Seine Geburtsregion gehörte in dieser Zeit jurisdiktionsmäßig zum Erzbistum Köln, für das er zunächst als Kaplan in Oberhausen, Stadtbezirk Sterkrade wirkte.

Aufenthalt in Berlin[Bearbeiten]

Danach berief man ihn 1926 in die benachbarte fürstbischöfliche Delegatur Berlin-Brandenburg-Pommern, die damals formell noch dem Bistum Breslau unterstand. 1930 formierte man daraus das Bistum Berlin, die rheinische Heimatregion Hünermanns wurde gleichzeitig zum eigenständigen Bistum Aachen. Wilhelm Hünermann war in Berlin als Kaplan der Pfarrei St. Matthias am Winterfeldtplatz tätig. Als sein Pfarrer und Vorgesetzter wirkte hier Clemens August Graf von Galen, der spätere Kardinal, der 2005 seliggesprochen wurde.

Der Sozialapostel Carl Sonnenschein entdeckte Hünermanns schriftstellerische Begabung und holte ihn zur Mitarbeit in die Redaktion des Berliner Kirchenblattes. Der später von den Nationalsozialisten ermordete Ministerialrat Erich Klausener übertrug ihm auch die Pressearbeit der katholischen Aktion, deren Leiter er war.

Rückkehr an den Rhein und Buchautor[Bearbeiten]

Sein Aachener Bischof berief Wilhelm Hünermann schließlich ins Heimatbistum zurück, wo er als Religionslehrer an einer höheren Schule wirkte. Er erhielt Unterrichtsverbot, nachdem er öffentlich eine Hl. Messe für seinen Freund, "den ermordeten Ministerialdirektor Dr. Erich Klausener und seine Mörder" zelebriert hatte. Das Verbrechen, das die SS am 30. Juni 1934 im Rahmen des sogenannten Röhm-Putsches verübte, wurde nämlich offiziell als Selbstmord dargestellt.

Während des zwangsweisen "Ruhestandes" betätigte sich Hünermann seelsorgerisch und widmete sich verstärkt der Schriftstellerei. Er schrieb 1936 sein erstes Buch "Der Bäckerjunge von Znaim", eine plastisch-erzählende Darstellung über das Leben des Hl. Klemens Maria Hofbauer. Bald folgten weitere Werke - Erzählungen und historische Romane, die sich meist mit großen Gestalten der Kirchengeschichte oder kirchengeschichtlichen Ereignissen befassten. Teils waren es leichtere Erzeugnisse für die Jugend, oft aber auch anspruchsvolle Unterhaltungsbücher für Leser jeden Alters. Bücher dieser ersten Schaffensperiode sind auch "Priester der Verbannten" (1937), über den Aussätzigenapostel Damian de Veuster, "Hermann Josef der Mönch von Steinfeld" (1939), das Leben des Hl. Hermann Joseph von Steinfeld und "Das lebendige Licht" (1941) eine Biografie der Hl. Hildegard von Bingen.

Im 2. Weltkriegs verbot die Reichsschrifttumskammer Wilhelm Hünermann jede literarische Tätigkeit und verbot und konfiszierte seine Werke teilweise.

Direkt nach Kriegsende berief der Bischof von Aachen Wilhelm Hünermann zum Hauptschriftleiter der Aachener Kirchenzeitung. 1947 ließ er sich von dieser Aufgabe freistellen, um sich nur noch der Schriftstellerei zu widmen. Er übersiedelte nach Essen und es begann seine fruchtbarste schriftstellerische Zeit. Neben einer kompletten Kirchengeschichte in 4 Bänden "Geschichte des Gottesreiches", verfasste Hünermann unter dem Titel "Der endlose Chor" eine sogenannte Heiligenlegende für jeden Tag des Jahres, die er seinem ehemaligen Chef, dem verstorbenen Kardinal Graf Galen widmete, "dessen Hausgemeinschaft er als Kaplan an der Berliner Sankt-Matthias-Kirche teilte", wie er im Vorwort bemerkt. Immer wieder benutzte er bevorstehende Selig- oder Heiligsprechungen, Jubiläen und Ähnliches um erneut Einzelbiografien bekannter Glaubenszeugen zu publizieren, etwa die Seligsprechungen Papst Pius X., des Markgrafen Bernhard von Baden, oder von Maria Goretti.

Wilhelm Hünermann starb als Päpstlicher Ehrenprälat, 1975 in Essen.

Das Interesse an Hünermanns Büchern nahm in der Zeit nach dem II. Vatikanischen Konzil (etwa ab 1970) rapide ab. Die Werke wurden großteils aus den Verlagsprogrammen genommen oder als "unzeitgemäß" aus öffentlichen und kirchlichen Büchereien ausgesondert. So führten sie ein Nischendasein innerhalb konservativ orientierter Kirchenkreise. Erst im Rahmen der seit Anfang des 21. Jahrhunderts wieder einsetzenden Renaissance dezidiert katholischer Bücher und Publikationen, begann man sich der Werke Hünermanns zu erinnern und legte sie wieder verstärkt und in zeitgemäßem Erscheinungsbild auf. Es gibt nach dem fast völligen Verschwinden aller Hünermann-Bücher inzwischen wieder ein großes Programm an Neuauflagen.

Insgesamt verfasste der Priester mehr als 50 Romane und Erzählungen, in einer Auflage von mehr als drei Millionen Exemplaren; die derzeitigen Neuauflagen noch nicht eingerechnet. Sie wurden und werden in ca. 20 Sprachen übersetzt.

Werke[Bearbeiten]

(Auswahl)

  • Der Bäckerjunge von Znaim, später unter dem Titel Der Apostel von Wien. (Das Leben des Hl. Klemens Maria Hofbauer), Verlag der Buchgemeinde Bonn, 1936, Tyrolia-Verlag, Innsbruck und Wien 1988. Bis 52 Tausend unter dem Titel: Der Bäckerjunge von Znaim.
  • Priester der Verbannten. Damian de Veuster, flämischer Held, 1937, Verlag der Buchgemeinde Bonn, später Tyrolia-Verlag
  • Hermann Josef der Mönch von Steinfeld, Verlag der Buchgemeinde Bonn, 1939 (Das Leben des Hl. Hermann Joseph von Steinfeld)
  • Das lebendige Licht, Verlag der Buchgemeinde Bonn, Bonn 1941. (Leben der Heiligen Hildegard von Bingen)
  • Kolping der Gesellenvater, Pfeilerverlag, Rottenburg am Neckar 1948/49.
  • Meister Douvermann der Bildschnitzer Unserer Lieben Frau. Ein Künstlerroman vom Niederrhein, Verlag der Büchergemeinde Bonn, Bonn 1949.
  • Der Bettler von Granada. Ein Lebensbild des hl. Johannes von Gott, Johannes von Gott Verlag, Regensburg 1949.
  • Die Lausbuben des Lieben Gottes, Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1997. Erste Ausgabe 1950 unter dem Titel Ministranten.
  • Um Mädchenehre, Herder Verlag Freiburg, 1950. (Das Leben und Sterben der Hl. Maria Goretti.)
  • Der endlose Chor. Ein Buch von den Heiligen für das christliche Haus, 5. Auflage, Herder, Freiburg 1953.
  • Der Knochenmann im Jungfernturm und andere haarsträubende Gespenstergeschichten, 5. Auflage, Paul Pattloch Verlag, Aschaffenburg 1954.
  • Die Herrgottsschanze, 12. Auflage, Verlag Herder, Freiburg 1954. (Leben des Priesters Pierre Coudrin in der Zeit der französischen Revolution).
  • Der Mandarin des Himmels, Oppermann Verlag, Hannover 1954 (Das Leben des Kölner Astronomen Pater Johann Adam Schall am Kaiserhof zu Peking).
  • Wir haben seine Herrlichkeit gesehen. Ein Leben Jesu Jesus, Tyrolia Verlag, Innsbruck-Wien-München 1956.
  • Die Seilertochter von Barfleur. Lebensbild der heiligen Maria-Magdalena Postel, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 1956. Neuausgabe unter dem Titel Tochter des Sturms, Verlag Petra Kehl, Fulda 2006.
  • Der Reiter gegen Tod und Teufel. Das Leben des sel. Markgrafen Bernhard von Baden, 2. Auflage, F.H. Kerle Verlag, Heidelberg 1957.
  • Vinzenz von Paul. Der Wächter von Saint-Lazare, Herder, Freiburg, Basel und Wien 1959.
  • Der leuchtende Tag. Erzählungen für Kommunionkinder, 10. Auflage, Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1961.
  • Sankt Martin. Der Reiter der Barmherzigkeit, Martin Verlag, Walter Berger, Buxheim/Allgäu 1962.
  • Die Schmiede der Wahrheit. Geschichte der Allgemeinen Konzilien, Rex-Verlag, Luzern und München 1962.
  • Brennendes Feuer. Papst Pius X., Tyrolia-Verlag, Innsbruck, Wien und München 1962. Feuer auf die Erde, Tyrolia-Verlag, Innsbruck und Wien 1994.
  • Der Pfarrer der Welt. Das Leben Johannes XXIII., Tyrolia-Verlag, 4. Auflage, Innsbruck, Wien und München 1978.
  • Don Bosco und seine Buben, Tyrolia-Verlag, Innsbruck und Wien 1985. Erste Ausgabe 1961 unter dem Titel Der Apostel von Turin ebenfalls im Tyrolia-Verlag. Titel der 2. Ausgabe: Don Bosco und seine Strolche.
  • Der Pfarrer von Ars. Johannes Vianney, Tyrolia-Verlag, Innsbruck und Wien 1986. Titel der früheren Ausgaben: Der Heilige uns sein Dämon. Das Leben des armen Pfarrers von Ars.
  • Der gehorsame Rebell. Abt Pfanner, der Gründer von Mariannhill, Tyrolia-Verlag, Innsbruck und Wien 1987.
  • Die Kommunionkinder aus Himmelreich, 8. Auflage, Matthias-Grünewald-Verlag 1996.
  • Der Gottesrufer von Padua. Leben des heiligen Antonius nach Geschichte und Legende erzählt, Pfeiler-Verlag, Rottenburg/Neckar ohne Jahresangabe.
  • Der Himmel ist stärker als wir - Eine Fatimaerzählung, Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1956, Lizenz-Neuauflage Buchhandlung Sankt Jodok - Auer, Überlingen/Bodensee.
  • Ein Mönch unter den Wölfen - Johannes von Kapistran, der Apostel Europas, Tyrolia-Verlag, Innsbruck-Wien-München 1965.
  • Vesuvio und seine Strolche - Mario Borrelli, ein moderner Don Bosco, Tyrolia-Verlag, Innsbruck-Wien-München 1969.
  • Der Sohn des Scherenschleifers - Ein Lebensbild des heiligen Peter Julien Eymard, Tyrolia-Verlag, Innsbruck-Wien-München 1963.
  • Comtessa muss siegen, Verlag Petra A. Kehl, Stuttgart 2001.
  • Das Herrgottsbrüderle - Lebensbild des Franziskanerbruders Firminus Wickenhäuser, Verlag Bonifacius-Druckerei, Paderborn 1940.
  • Silbersporen, Haass-Verlag, Mönchengladbach 1992.
  • Die Hüter der Fahne, Verlag Petra A. Kehl, Stuttgart 1997. Erstmals erschienen 1949 als Die Jungen von Hallstadt.
  • Die Stadt der tausend Jungen - Father Flanagans Boys-Town, F.H. Kerle Verlag, Heidelberg 1966.
  • Hedwig - Mutter und Herzogin, Haass-Verlag, Mönchengladbach 2002. Erste Ausgebe des Lebensbildes der heiligen Hedwig von Andechs im Herder-Verlag 1951.
  • Versiegelte Lippen - Erzählungen zum Sakrament der Sündenvergebung, Rex-Verlag, Luzern, 3. Auflage 1959.
  • Der Tänzer von Spoleto - Ein Lebensbild des hl. Gabriel Possenti, Rex-Verlag, Luzern/München 1962.
  • Erzählungen zur Firmung, Rex-Verlag, Luzern/Stuttgart, 3. Auflage 1982.
  • Die steinernen Tafeln, Rex-Verlag, Luzern 1949.
  • Der siebenfache Quell, Rex-Verlag, Luzern, 5. Auflage 1959.
  • Prinz Gonzaga - Ein Lebensbild des heiligen Aloysius, Rex-Verlag, Luzern/München 1965.
  • Ein Flame in Gottes Kompanie, Rex-Verlag, Luzern/München 1964.
  • Der goldene Leuchter - Erzählungen, Rex-Verlag, Luzern/München 1948.
  • Kinder des Lichtes - Aus der Jugend großer Heiliger, Christiana-Verlag, 4. Auflage, Stein am Rhein 1988. Auswahlgeschichten. Vollständig zuvor in zwei Büchern namens Am Morgen der Gnade, Pfeiler Verlag, Rottenburg am Neckar, 2. Auflage 1958 und Am Morgen der Gnade - Zweiter Teil, Pfeiler Verlag, Rottenburg am Neckar, 1956.
  • Clemens August - Aus dem Lebensbuch des Kardinals Graf von Galen, Verlag des Borromäus-Vereins, Bonn 1947.
  • Lausbuben und Erzengel, Geschichten von D. Berneder-Franz Braumann-Wilhelm Hünermann-Johannes Kirschweng-Margit Petermann und Ludwig Schuster, Paulusverlag, Recklingshausen 1930.
  • Geschichte des Gottesreiches - Band 1: Das purpurne Segel, Rex-Verlag, Luzern/München 1956.
  • Geschichte des Gottesreiches - Band 2: Das Kreuz auf den Fahnen, Rex-Verlag, Luzern/München 1957.
  • Geschichte des Gottesreiches - Band 3: Die verlorene Einheit, Rex-Verlag, Luzern/München 1957.
  • Geschichte des Gottesreiches - Band 4: Fels in der Brandung, Rex-Verlag, Luzern/München 1958.
  • Geschichte der Weltmission - Lebensbilder großer Missionare, 1. Band: Von Alaska bis Feuerland, Rex-Verlag, Luzern/München 1960.
  • Geschichte der Weltmission - Lebensbilder großer Missionare, 2. Band: Feuersturm über Asien, Rex-Verlag, Luzern/München 1960.
  • Geschichte der Weltmission - Lebensbilder großer Missionare, 3. Band: Unter der Sonne Afrikas, Rex-Verlag, Luzern/München 1961.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wilhelm Hünermann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien