Wilhelm Hankel
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Wilhelm Hankel (* 10. Januar 1929 in Langfuhr bei Danzig), Prof. Dr. rer. pol., ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler und Währungsspezialist.
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[Bearbeiten] Karriere
Hankel begann seine Karriere 1952 bei der Bank deutscher Länder, dem Vorläufer der Deutschen Bundesbank. Später wechselte er ins Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Ein weiterer Wechsel brachte ihn ins Auswärtige Amt. Von 1959 bis 1967 verbrachte Hankel als Direktor und Leiter der Abteilung Volkswirtschaft und Planung der Kreditanstalt für Wiederaufbau. 1967 wechselte er in das Bundesministerium für Wirtschaft (BMWi) von Prof. Karl Schiller als Leiter der Abteilung Geld und Kredit und wurde einer seiner engsten Mitarbeiter. Er war maßgeblich an der Entwicklung der Bundesschatzbriefe sowie der Sonderziehungsrechte des IWF (SZR) beteiligt und führte die Terminbörse in Frankfurt/M. ein. Von 1972 bis 1973 stand er als Präsident an der Spitze der Hessischen Landesbank (Helaba) und erhielt gleichzeitig 1971 eine Honorarprofessur an der Goethe-Universität in Frankfurt/Main für Währung und Entwicklungspolitik.
Am 17. Dezember 1973 trat Wilhelm Hankel als Präsident der Helaba unter dem Vorwurf, den Verwaltungsrat nicht rechtzeitig über die Milliardenverluste in seiner Amtszeit imformiert zu haben, zurück. Dieser Rücktritt war er der erste Höhepunkt des Helaba-Skandal, dem am Ende 1976 Albert Osswald sein Amt als hessischer Ministerpräsident kosten sollte.
Von 1974 bis 1975 übernahm Hankel eine Gastprofessur an der Harvard-Universität. Von 1975 bis 1976 schloss sich daran eine Gastprofessur am Konrad-Adenauer-Lehrstuhl der Georgetown University in Washington (D.C.) an. Zwischen 1978 und 1981 hatte er eine Gastprofessur am Bologna Centre for advanced internationally Studies der Johns-Hopkins-Universität. Daran schloss sich eine Gastprofessur am Wissenschaftszentrum Berlin an. Von 1990 bis 1991 erhielt Hankel eine Gastprofessur an der Technischen Universität Dresden. Von 1991 bis 1992 hatte er einen Stiftungslehrstuhl der Deutschen Bundesbank für internationale Währungspolitik an der Freien Universität Berlin inne.
Daneben erhielt Hankel Beratungsaufträge der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien von 1977 bis 1979, in Südkorea 1980, in Ägypten 1981, in der Dominikanische Republik, Guatemala, Honduras, Costa Rica und Nicaragua 1982, in der Volksrepublik China 1988, in Jordanien von 1989 bis 1991, im Jemen 1992, in Russland 1994 bis 1995 und in Georgien von 1998 bis 1999 und als Gutachter der Weltbank. Bis 1995 baute Hankel ein Ausbildungszentrum für Bankiers im westsibirischen Tjumen mit Unterstützung der Europäischen Union auf. Zur Zeit (2008) berät Hankel die syrische Zentralbank in Damaskus.
[Bearbeiten] Eurokritiker
Hankel gehört zu den Euro-Kritikern der ersten Stunde. Die Gemeinschaftswährung sei für Europa und Deutschland der falsche Weg, um zur erstrebten politischen Union zu gelangen. Sie belaste Deutschland einseitig als Wachstumslokomotive und mache sie zum Schlusslicht im innereuropäischen Expansionsprozess. Mit dem Verzicht auf die DM habe Europa seinen Stabilitätsanker verloren, während die deutsche Volkswirtschaft ihre Chance verspielt, ihr hohes Lohnniveau und ihren für die übrigen EU-Staaten beispielhaften Sozialstandard über niedrige Realzinsen und hohe Aufwertungsgewinne auszugleichen. Aus Hankels Sicht verliert Deutschland den Doppelvorteil seiner hohen Sparquote sowie seiner Export- und Leistungsbilanzüberschüsse, der zweithöchsten der Welt. Die in Deutschland spätestens seit der Einführung der Agenda 2010 immer wieder bemühte demographische Entwicklung sieht Hankel nicht als Problem: Ob die beruflich aktive Generation für eine wachsende ältere Generation durch Rentenbeiträge oder durch Mieten, Pachten und Zinsen zur Kasse gebeten wird, maßgeblich als Verteilungsmasse der Gesamtbevölkerung steht immer nur die durch die beruflich aktive Generation erzeugte Menge an Waren und Dienstleistungen zur Verfügung. Rentenbeiträge, wie Miet- und Zinseinnahmen sind nur unterschiedliche Verteilungswege. „we owe it to ourselves“ war bereits in den 1980er Jahren die Erkenntnis in der damaligen Verschuldungsdebatte. Er verweist auf die Kontroverse zwischen Konrad Adenauer und Ludwig Erhard bezüglich kapital- oder umlagefinanzierter Rente. Als Erhard begriff, dass bei einer angenommen vollständig kapitalgedeckten Rentenversicherung auch der Kapitalmarkt praktisch vollständig in deren Hand sei, habe er sich schnell für das noch heute aktuelle Umlageverfahren entschieden.
Deshalb hatte Hankel mit den Professoren Wilhelm Nölling, Joachim Starbatty und Karl Albrecht Schachtschneider 1997 Klage beim Bundesverfassungsgericht gegen den Vertrag von Amsterdam zur Einführung des Euro eingereicht, die jedoch nicht erfolgreich war.
Hankel war Mitglied der SPD und lebt im Köln-Bonner Raum.
[Bearbeiten] Getrennte Kontrolle von Geld und Kapital
Hankel sieht in der Geld- und Kreditschöpfung einen systemimmanenten Fehler der kapitalistischen Finanzwirtschaft, der systembedingt zu Krisen führe. Die Vermehrung der Geldmenge durch Vermehrung der Münzen und Senkung ihres Materialwerts durch König Midas (700 vor Chr.), sieht Hankel als erstes Beispiel für die Krisenhaftigkeit der Kredit- und Geldschöpfung. Damit der Kapitalismus gerettet werden könne, dürfe nicht mehr Geld durch Geld erwirtschaftet werden, sondern durch Arbeit. Die globalen und nationalen Kreditgeschäfte müssten „an die Leine“" gelegt werden. „Geldfortschritt“, die Schaffung immer neuer Geldprodukte, sei „Kreditbetrug“.[1]
[Bearbeiten] Kritik
Wilhelm Hankel wird von Nikolaus K.A. Läufer (Universität Konstanz) kritisiert, sich argumentativ in logische Widersprüche zu verwickeln.[2] So ließen sich aus seinen Thesen diverse Schlussfolgerungen ableiten, die nicht eindeutig eine bestimmte Position zum Euro erkennen lassen. Darüber hinaus lassen Hankels Auftritte auf suspekten Internetseiten, wie secret.tv, die gelegentlich als „Verschwörungsseiten“ klassifiziert werden, Zweifel an seiner Objektivität aufkommen.[3]
In der Kritik steht der Autor auch für seine Artikel (in der Jungen Freiheit z. B. mit dem Leitartikel auf der Titelseite vom 6. März 2009) sowie Rezeption in national-konservativen Medien wie der Jungen Freiheit, der National-Zeitung[4] oder der Neuen Solidarität.[5] Für die Junge Freiheit wirbt er in einer seit 2006 von der Zeitung verteilten Werbebroschüre mit Foto und Geburtstagsgruß.
Die Kampagne "Volksinitiative gegen das Finanzkapital", deren prominentestes Mitglied der sehr umstrittene Jürgen Elsässer ist, konnte Hankel für eine Veranstaltung am 7. April 2009 in Berlin gewinnen. Thema: "Die große Krise - Was tun?" Laut Ankündigung[6] wird er dort eine "behutsame Rückkehr zu den nationalen Währungen" fordern.
[Bearbeiten] Werke
[Bearbeiten] Bücher
- (Übersetzt aus dem Amerikanischen, Samuelson, P.A.): Volkswirtschaftslehre, eine Einführung, Bund-Verlag 1952 - 65
- (Übersetzt aus dem Niederländischen, Zimmerman, Louis Jacques): Geschichte der theoretischen Volkswirtschaftslehre, Bund- Verlag 1954
- (Zusammen mit Zweig, Gerhard):Volkswirtschaftliche Grundfragen der Sozialreform, Bund-Verlag 1956
- (Übersetzt aus dem Amerikanischen, Heilbroner, Robert Louis): Jagd nach Reichtum, Bund-Verlag 1960
- Die zweite Kapitalverteilung – Ein marktwirtschaftlicher Weg langfristiger Finanzierungspolitik, Knapp 1961
- (Übersetzt aus dem Niederländischen, Zimmerman, Louis Jacques): Arme und reiche Länder, Bund-Verlag 1963
- Zeitfragen der Kreditwirtschaft, Knapp 1964
- Erfahrungen mit der deutschen Kapitalhilfe, Hoffmann & Campe 1967
- Währungspolitik – Geldwertstabilisierung, Währungsintegration und Sparerschutz, Kohlhammer-Verlag 1971
- Der Ausweg aus der Krise, Econ Verlag 1975
- Heldensagen der Wirtschaft – Oder schöne heile Wirtschaftswelt, Econ Verlag 1975
- Weltwirtschaft – Vom Wohlstand der Nationen heute, Econ 1977
- Prosperität in der Krise – Eine Analyse der Wirtschaftspolitik in der Energiekrise am Beispiel Österreichs: Aktive Binnenbilanz durch passive Außenbilanz, Molden (Wien) 1979
- (Zusammen mit Priebe, Hermann): Der Agrarsektor im Entwicklungsprozess – Mit Beispielen aus Afrika, Campus Verlag, 1980
- Goldene Zeiten führ´t ich ein – Caesar und sein Wirtschaftsimperium, Fischer Taschenbuch Verlag 1980
- (mit Isaak, Robert): Die moderne Inflation – Ein Fall für Exorzismus oder Moderation?, Bund-Verlag 1981
- Legt den Geld-Alchimisten das Handwerk, Mitteilungen aus der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung 1984
- (mit Kupky, Helmut): Gegenkurs – Von der Schuldenkrise zur Vollbeschäftigung, Siedler 1984, ISBN 3-8868-0114-4
- Prosperity amidst Crisis, Austria´s Economic Policy and the Energy Crunch, Westview Press 1981 (Boulder, Col.)
- John Maynard Keynes – Die Entschlüsselung des Kapitalismus, Piper 1986
- Vorsicht, unser Geld – Jeder sein eigener Bankier, Wirtschaftsverlag Langen-Müller/Herbig 1989, ISBN 3-7844-7245-1
- (mit Sander, Harald): Beiträge zur Analyse der Schuldenkrise und ihrer Bekämpfung 1989, ISBN 3-9272-7606-5
- Eine Mark für Deutschland, Bouvier Verlag 1990, ISBN 3-416-02259-9
- Caesar – Weltwirtschaft des alten Rom, Ullstein-Verlag 1992, ISBN 3-5483-4882-3
- Dollar und ECU – Leitwährungen im Wettstreit, Fischer Taschenbuch Verlag 1992
- Die sieben Todsünden der Vereinigung – Wege aus dem Wirtschaftsdesaster, Siedler 1993, ISBN 3-8868-0484-4
- Das große Geld-Theater – Über DM, Dollar, Rubel und Ecu, Deutsche Verlags-Anstalt 1995
- (mit Nölling, Wilhelm; Schachtschneider, Karl Albrecht; Starbatty, Joachim): Die Euro-Klage - Warum die Währungsunion scheitern muss, rororo aktuell 22395 1998, ISBN 3-499-22395-3
- Europas Größenwahn, Beitrag aus der Reihe „Politik und Zeitgeschichte“, 2000
- (mit Nölling, Wilhelm; Schachtschneider, Karl Albrecht; Starbatty, Joachim): Die Euro-Illusion - Ist Europa noch zu retten? rororo aktuell 23085 2001
- Der Prophet gilt nichts in der eigenen Zunft. Zum 100. Geburtstag von Georg Simmels Philosophie des Geldes, Suhrkamp 2001
- (mit Emmerich-Fritsche, Angelika): Revolution der Krankenversicherung. Prinzipien, Thesen und Gesetz, Hansebuch Verlag 2002
- (mit Emmerich-Fritsche, Angelika; Scherer, Andreas G.; Siebold, Dagmar I.; Wartha, Udo): Rechtsfragen der Weltwirtschaft, 2002
- Der Januskopf der Globalisierung 2002
- Die Euro-Illusion und andere volkswirtschaftliche Märchen, Sigma (Wien) 2007/08
- Die EURO-Lüge … und andere volkswirtschaftliche Märchen, Signum-Verlag 2007/08, ISBN 3-8543-6392-3
[Bearbeiten] Aufsätze
- Tödlicher Voodoo. Statt zu sparen, soll der Staat mehr ausgeben, um die Konjunktur zu beleben. In: Die Woche, 17. Mai1996
- Der Ökonom Friedrich List – Verkannt in alle Ewigkeit?, in: Süddeutsche Zeitung, 29. November 1996
- Vom Kriegskind zum Währungskönig – ein Portrait des US-Dollar, in: NZZ Folio 8/1997
- Ausweg aus der Globalismusfalle – Wirtschaftspolitik im Globalismus, Jahrbuch für Arbeit & Technik 1997, Friedrich-Ebert-Stiftung
- Regeln für die Welt des Geldes. Plädoyer für ein neues Weltwährungssystem. In: Die Woche, 30. Januar 1998
- Schuld der Banken an der Asien-Krise. In: Die Woche, 6. Februar 1998
- Ein Impuls, der Geld schafft. Der finanzielle Kosmos dehnt sich immer weiter aus, aber nur zugunsten der Reichen (Serie: Die Gegenwart der Zukunft 9). In: SZ, 6./7. März 1999
- Das virtuelle Utopia und seine reale Macht in der Ära der Globalisierung. In: SZ, 27. Juli 2000
- Die ökonomische Konsequenzen des Euro in: Festschrift zum 70. Geburtstag Wilhelm Nöllings, Lucius & Lucius 2003, ISBN 3-8282-0267-5
- Der Kapitalmarkt ist das Problem – nicht der Sozialstaat, in: Frankfurter Rundschau, 23. Oktober 2004
- Der Euro und die EU-Osterweiterung: deutsche Staatsräson ist der Sozialstaat, nicht die Europäische Währungsunion, in: Die neue Gesellschaft – Frankfurter Hefte 51/2004
- Nach dem Turbokapitalismus - Als Geldfortschritt getarnter Kreditbetrug, in: Frankfurter Rundschau, 25. Oktober 2008
- Statt Staatsgarantien Hilfe zur Selbsthilfe, in: Frankfurter Rundschau, 23. Dezember 2008
- Der Euro blockiert die Krisenbewältigung, in: Frankfurter Rundschau, 12. Februar 2009
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Als Geldfortschritt getarnter Kreditbetrug, Frankfurter Rundschau, 25. Oktober 2008
- ↑ Die Zumutungen des Herrn Hankel
- ↑ Der Euro - Fluch oder Segen?
- ↑ „Was die Bundesregierung alles falsch macht - Von A(genda 2010) bis Z(uwanderung)“ - Interview mit Professor Dr. Wilhelm Hankel 2003
- ↑ Prof. Hankel: „Laßt die Banker ihren eigenen Mist selbst bereinigen!“
- ↑ http://juergenelsaesser.wordpress.com/veranstaltung-07-april/
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hankel, Wilhelm |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Ökonom und Währungsfachmann |
| GEBURTSDATUM | 10. Januar 1929 |
| GEBURTSORT | Langfuhr bei Danzig |

